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AL JARREAU - AVO SESSION BASEL
Al Jarreau - AVO Session Basel - 6. November 2004

Eine Bassline - nicht gespielt, aber eigentlich auch nicht „gesungen“... Es gibt zwei Namen in der Popmusik, die man gemeinhin mit solch extravaganten Vokalkünsten verbindet. Der eine ist Bobby McFerrin, der andere gehört dem Mann, der soeben die Bühne der Avo-Session 2004 betritt: Al Jarreau, mittlerweile vierundsechzig Jahre alt und verspielt wie ein Kind. Zu seiner scat-artigen Basslinie gesellt sich eine weitere Stimme. Dann noch eine. Und noch eine, bis schliesslich sechs Musiker mit Stimme und Saxophon eine vielschichtige Improvisation kreieren und das Publikum gleich zum Auftakt des Konzerts für sich gewinnen.

Auf diesen „Unplugged“ Opener folgt der volle instrumentale Einsatz der Band. Solide Grooves, bereichert um Bläsersätze und elektronische Klänge tragen eingängige Gesangslinien. Dabei schweift Al immer wieder von konventioneller Melodieführung ab in virtuose Einlagen. Beeindruckend ist dabei, wie er sich trotz dieser solistischen Rolle auf sensible Weise stets im gesamten Arrangement der Band einzufügen weiss.

Stilistisch bewegt sich die Band zwischen Soul, Fusion, Blues. Zum einen Teil präsentiert sie Songs von Al Jarreau selbst, wie etwa „Wait for the magic“, ein träumerischer Popsong vom 1994er Album „Tenderness“. Zum anderen Teil ist das Songmaterial dem Great American Songbook entliehen, einer Sammlung der populärsten Jazz-Melodien der vergangenen Jahrzehnte. Die Herausforderung, Songs aus diesem Fundus zu spielen, besteht darin, ihnen eine persönliche Note zu verleihen. Gerade mit der Interpretation von „Take five“ beweist Al Jarreau mit seiner Band hier die Beherrschung eines hohen Niveaus; die bekannten melodischen Elemente werden mit einer Leichtigkeit umspielt, variiert, kaschiert.

Der einzige Wermutstropfen im gesamten Konzert sind die da und dort etwas zu kitschig geratenen Synthesizerklänge. Ob diese Tatsache etwas zu tun hat mit Al Jarreaus Plattenfirma GRP, einem Label, das in der Vergangenheit mitunter gerade den Einsatz solcher Kaufhausklänge gefördert hat?

„Accentuate the positive“ - so lautet das Motto von Al Jarreaus aktueller Tournee. Durch seine freudeversprühende Performance, seine spielerischen Improvisationen und seine humorvolle und freundschaftliche Einbeziehung des Publikums dürfte Al mit seiner Botschaft alle Zuhörenden erreicht haben. Es war ein absolutes Vergnügen, bei dieser Show dabei gewesen zu sein – ein musikalischer Genuss in herzlicher Atmosphäre.
Matthias Trüb

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