CRADLE OF FILTH IM VOLKSHAUS ZÜRICH

Cradle Of Filth im Volkshaus Zürich - Montag 21. März 2005

Montag abend - ein absolut normaler Tag in der Woche - und dennoch steht vor dem Volkshaus die Menge Schlange. Grund: Cradle of Filth, die kultigste und erfolgreichste Black Metal Band auf Erden besuchen uns in hiesigen Gefielden. Support bieten die ehemaligen Thrasher und nun zum HC gewandelten The Haunted aus Schweden, die meiner Meinung nach nicht so ganz ins Konzept passen, und die Portugiesen Moonspell, welche mit ihrem Gothic/Doom Metal schon viel eher zu Cradle passen. So war es denn auch, dass sich die Menge aus generell zwei verschiedenen Gruppen zusammensetzte: HCler und Schwarzwurzeln. Und so hiess es: Auf in den K(r)ampf!

The Haunted wurden vom Publikum entweder frenetisch empfangen und gefeiert oder schlichtweg ignoriert, da - wie schon erwähnt - diese Band die grosse Ausnahme war. Als musikalisch offener Mensch jedoch empfand ich sie gar nicht übel, haben sie früher doch immerhin mal etwas oldschooligeren Sound produziert, von denen sie jedoch nicht allzuviel spielten. Dem eher jungen Publikum hat es jedenfalls gut gefallen. Technisch konnte ich keine grösseren Mängel feststellen, ausser vielleicht, dass es saulaut war (und das muss auch an einem Metal Konzert nicht zwingendermassen sein). Nach Knapp 40 Minuten war der Spass dann auch schon vorbei und sie zogen ohne Zugabe ab.

Nun kam eine Gruppe aus Portugal, die für nicht wenige ein Grund war, diesen Abend ins Volkshaus zu stürmen: Moonspell. Für mich hat genau hier der Abend eigentlich richtig angefangen, denn diese Band machte ordentlich Stimmung, heizte das begeisterte Publikum von Anfang an ein. Mit ihren teils harten und andrerseits auch melancholischen Klängen und der eingehenden Stimme des Sängers Fernando Ribeiro wussten diese Düstermetaller, die Leute zu begeistern. Schade empfand ich, dass die Lichtshow etwas zu grell war, dies passte nicht immer zur Atmosphäre der Musik. Wirklich markant war dies jedoch nicht und grösstenteils wurde auf die Musik lichttechnisch recht gut eingegangen. Nach etwa der Hälfte der gespielten Stücke fiel mir auf, wie sich die ohnehin schon recht volle Halle mehr und mehr füllte (wohl auch wegen den bevorstehenden Cradle of Filth). Was die Technik anging fand ich diese Band am besten: Nicht allzu laut, jedes einzelne Instrument konnte man gut raushören, Keyboard gut hörbar (und das ist beileibe nicht selbstverständlich, was sich diesen Abend auch bestätigten sollte). Sprich: jedes Instrument und die bereits erwähnte Stimme hatten ihren festen Platz. Nach ca. einer Stunde Spielzeit beendigten sie ihr Werk und ich hatte endlich Zeit, mir ein sauteures Bier zu genehmigen...

Nach einer längeren Pause von ca. 30 Minuten für Soundcheck und Bühne war's dann endlich soweit: Cradle of Filth, die englischen Blackies betraten die Bühne und nach dem Intro Satyriasis ging es gleich mit einem Stück ihres neuen Albums los: Gilded Cunt. Was mich gleich von Anfang an störte: es war viel zu laut und es klang alles etwas nach einem Einheitsbrei. Ich hatte später auch teilweise Mühe, bekannte Lieder zu erkennen und das, obwohl ich diese in- und auswendig kenne. Die etwas ruhigeren Songs jedoch kamen erstaundlich gut rüber, so z.B. ihr bekanntes Stück, dem Titelsong des neuen Albums, Nymphetamine. Dennoch: Stimmung machten sie und das muss man ihnen lassen. Garniert wurde das ganze mit einer Bühnenshow, welche ganz unterhaltsam war: nebst einem ständig laufenden Video im Hintergrund, räkelten sich groteske Gestalten (ich interpretierte sie als Dämonen oder Gargoyles), eine Artistin schlang sich um ein von oben herabhängendes Tuch, - viel mehr lang als breit - so dass sie wie an einem Seil daran herumturnen konnte. Dann gab's einen Schnitt. Pause. Wir dachten, es sei fertig, plötzlich kam eine riesenhafte Gestalt auf die Bühne - auch als eine Art Dämon zu deuten - einerseits stimmungsvoll, wusste ich andererseits dann nicht, ob ich trotzdem lachen soll. Auf jeden Fall originell war es. Später ging das Licht aus, und man sah seine Augen rot leuchten - wie teuflisch! Kurz vor Ende dieser mehr als einenhalbstündigen Performance kam dieses Monster wieder, diesmal aber knochiger und dazu bangte es, was die Leute natürlich dazu animierte, selbst ihre Haare zu schütteln. Und so kam es, dass die Stimmung sich stetig steigerte: kam anfangs niemand so recht in fahrt und stand bloss da, gings spätestens ab der Hälfte der Show richtig ab. Schlussendlich nach dem Klassiker The Principle of Evil Made Flesh war's dann abrupt fertig, ohne Zugabe und grossem Trara, was ich etwas schade fand. Es fehlte irgendwo noch die persönliche Note, das gewisse Etwas. Soundmässig neben dem schon erwähnten Einheitsbrei, empfand ich die Stimme teilweise als zu leise, dann aber wieder zu laut, zudem konnte Frontmann Dani Filth mit seiner markanten Kreischstimme nicht so überzeugen wie auf den Alben. Alles in allem ging ich mit gemischten Gefühlen nach Hause, doch schlecht war es keinesfalls. Denn es ist schwer für eine Band dieser Grösse den Erwartungen des Publikums gerecht zu werden. Von diesem Standpunkt aus gesehen, darf man nicht vergessen, dass ihre Musik mit all ihren Instrumenten, Vocals, Soundsamples, den melodischen Gitarren usw doch recht komplex ist. Bekanntlicherweise steigt die Schwierigkeit umso mehr, desto komplexer die Musik. Ich glaube, jeder einzelne hat seinen eigenen Favoriten für diesen Abend auserkoren. Für mich machte den besten Schnitt Moonspell, und ich sage dies, obwohl ich Cradle of Filth lieber höre...

Alles in allem also ein durchaus sehenswertes Programm gewesen, und trotz den zwei, drei Mängeln wussten die einzelnen Bands zu unterhalten. Und die Tatsache, dass an einem normalen Arbeitstag so viele Leute an dieses Konzert strömten, zeigt, wie beliebt diese Bands sind. Ich meinerseits werde das nächste Cradle Konzert sicher wieder besuchen.
Ragnar

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?