GREENFIELD FESTIVAL 13. JUNI 2008


In Flames


In Flames


Bullet For My Valentine


Bullet For My Valentine

Der erste Tag des diesjährigen Greenfield Festivals stand ganz im Zeichen der etwas härteren Klänge. Bands wie In Flames, Bullet For My Valentine, Haven Shall Burn und Apocalyptica lockten mich am Freitag, den 13. Juni 08 auf den Flugplatz in Interlaken.

Relativ pünktlich um 16:30 Uhr eröffneten Heaven Shall Burn das diesjährige Festival auf der Hauptbühne. Die deutsche Metalcore Band wurde kurzfristig angefragt, um das Line-Up zu vervollständigen. Ich war erstaunt, dass es doch schon relativ viele Fans so früh vor die Bühne trieb, denn die Nacht zuvor wurde laut und vor allem lange gefeiert. Heaven Shall Burn hatten einen guten Start und wussten das Publikum zu unterhalten. Mit ihren brachialen Gitarrenriffs und dem schnellen Dublebass Sound brachten sie das Schweizer Publikum zum bangen. Die Deutschen spielten knappe 45 Minuten und gaben die Bühne für Sick Of It All frei.

Ich gönnte mir eine Pause und stürzte mich erst um 18:30 Uhr wieder ins Getümmel vor der Hauptbühne. In Flames standen als nächstes auf dem Programm. Die Melodic Death Metal Band aus Göteborg stand zuletzt 2006 auf einer Schweizer Bühne. Damals zusammen mit Slayer, Children Of Bodom und Lamb Of God, innerhalb der Unholy Alliance Tour. Anders Fridén und Co betraten mit ein paar Minuten Verspätung die Bühne. Untermalt wurde ihr Erscheinen mit dem Intro ihres Songs „Cloud Connected“, welchen sie dann auch gleich zum Besten gaben. Es folgten Songs wie „Trigger“, „Colony“ oder „Mirrors Truth“. Letzterer ist auf ihrem neusten Album „A Sense Of Purpose „ zu finden. Als Sänger Anders das Publikum aufforderte, beim nächsten Song ja nicht still zu stehen, war klar, dass nun nur „Only For The Weak“ folgen konnte. Ein Song, welcher gerade beim gemischten Festivalpublikum immer gut ankommt, da er, mit seiner eingängigen Melodie und der konstanten Rhythmik, fast schon einem Popsong gleicht. Nach dem Rumgehopse folgte, zu meiner Freude, ein Song aus den früheren Tagen, nämlich „Graveland“. Fans, denen dieser Song ein Begriff war, waren deutlich in Unterzahl, liessen es sich aber nicht nehmen, mit den langen Haaren zu wedeln, wie es sich gehört. In Flames spielten weitere Stücke ihres aktuellen Albums wie „Alias“ oder „ Move Thrugh Me“. Nach gut 75 Minuten stimmten die Schweden ihren Knaller „My Sweet Shadow“ an, welcher ihr letzter Song war.
In Flames legten eine gute Leistung hin. Anders Fridén war stimmlich top und überzeugte mich einmal mehr mit dem stilsicheren Schwingen seiner Rastalocken. Jedoch habe ich die Band auch schon enthusiastischer Spielen und Performen gesehen und ich hoffe, dass wir sie genau so im kommenden Oktober wieder auf einer Schweizer Bühne erleben werden. Auf meinen Wunsch hin, auch gerne mit etwas mehr älteren Songs.

Während nun die Einten von Bühne Richtung Getränkestand oder Toiletten wanderten, stürmten die Anderen vor die Bühne. „Die Anderen“ waren zu einem grossen Teil weiblich, relativ jung und wollten sich den besten Blick auf Matt Tuck von Bullet For My Valentine erhaschen. Die Walisische Metalcore Band wurde, um kurz vor neun, mit lautem Gekreische und Gegröle empfangen und starteten ihr erstes Schweizer Konzert. Leider war der Sound so schlecht abgemischt, dass man den Song “Scream Aim Fire“ fast nicht erkannte. Die Gitarren und die Drums waren viel zu laut und man hörte im Gegenzug den Gesang schlecht bis gar nicht. Zum Glück drehte man aber noch ein paar Regler am Mischpult und Songs wie „Suffercating Under Words Of Sorrow“ oder „Eye Of The Storm“ kamen harmonischer und sauberer aus den Boxen. Die jungen Verehrerinnen von Sänger Matt taten mir in der Zwischenzeit ziemlich leid, hatte sich doch ein relativ grosser Moshpit vor der Bühne gebildet, in welchem es nicht gerade zimperlich zu und her ging. Obwohl ich nicht mittig vor der Bühne in der Masse stand, wurde auch ich ein paar Mal unsanft angerempelt. Da ich nicht besoffen genug war, um so was voll lustig oder gar cool zu finden, entschied ich, mich etwas zurück zu ziehen und das Konzert aus angenehmer Entfernung weiter zu verfolgen. Ich war sehr überrascht, wie das Publikum auf den Sound von Bullet For My Valentine reagierte. Vor allem ihr neues Album „Scream Aim Fire“ ist stark von Thrash Metal Einflüssen geprägt und ich hätte mehr Headbanging, als rhythmisches Geklatsche, oder eben Rummoshen erwartet. Die Waliser beendeten mit „Waking The Deamon“ ihre etwas mehr als einstündige Show.
Die Junge Band rund um Matt Tuck machten ihre Arbeit gut. Der Sänger überzeugte mich mit einer starken, vielseitigen Stimme und man konnte spüren, dass er Spass an seinem Auftritt hatte.

Wegen meiner Interviews musste ich zwischenzeitlich eine Konzertpause einlegen und konnte somit einige Bands nicht sehen. Ich habe jedoch mitbekommen, dass beim Konzert von In Extremo auf der Zeltbühne ein riesen grosser Andrang herrschte. Das Zelt war so gerammelt voll, dass man weder rein noch raus kam.

Um mir einen guten Platz für Apocalyptica um Mitternacht in eben diesem Zelt zu sichern, machte ich mich schon früh auf den Weg. In der guten dritten Reihe angekommen hiess es nun warten. Das Publikum, das sich bereits angesammelt hatte, war im Durchschnitt etwas älter als bei den vorhergehenden Konzerten, was mir zusagte, denn auf Rumgeschupse hatte ich nun wirklich keine Lust mehr. Um Mitternacht war das Konzertzelt voll. Apocalyptica setzten sich pünktlich auf ihre bekannten „Totenkopf-Stühle“ und stimmten ihren Song „Worlds Collide“ an. Der Soundmix war perfekt! Die Drums durchbrachen Mark und Bein und die feinen Celloklänge hörte man sauber. Die erste Reaktion des Publikums war spannend, waren doch viele Leute anwesend, denen Apocalyptica bis anhin kein Begriff war. An den erstaunten Gesichtern zu urteilen, war es vielen unbekannt, dass man aus einem klassischen Cello so harte Klänge herausholen kann. Als die vier Finnen den Song „Refuse/Resist“ (Sepultura) anstimmten war kein Halten mehr. Die Masse jubelte und grölte. Die packende Stimmung wurde wunderbar von der tollen Lightshow untermalt und Apocalyptica (zumindest die zwei Mitglieder mit langer Mähne) zeigten den Schweizern, wie richtiges „Proppellerbanging“ aussieht. Sie spielten weiterhin Songs wie „I’m Not Jesus“, „Fight Fire With Fire“ (Metallica) oder „Helden“. Ich habe die vier Jungs ja weiss Gott schon sehr oft live erlebt, und sie waren jedes Mal spitze. Doch auch bei ihrem Auftritt hier am Greenfield Festival war ich geneigt zu sagen, dass es wiedermal etwas vom Beste ist, das ich je gesehen habe. Es gibt selten eine Band, die es versteht, die Masse so zu bewegen und begeistern. Neben mir stand ein Festivalbesucher, der zuvor noch nie was von den studierten Cellisten aus Finnland gehört hatte und mir sagte, dass er nur so mal ins Zelt kam, um zu schauen. „Ich habe schon unzählige Bands live erlebt, aber das ist das geilste, bombastischste und zugleich wundervollste, das ich in meinem ganzen Leben je gesehen habe!“, sagte er zu mir mit Tränen in den Augen. Genau so war die Stimmung. Nach jedem Song tobte das Publikum wie von Sinnen und Apocalyptica strahlten über beide Ohren. Sie spielten über 90 Minuten und beendeten ihre tolle Show mit dem Song „Seemann“ (Rammstein).
Nach dem Konzert konnte man spüren, dass die Festivalbesucher eben was ganz spezielles erlebt hatten. Torkelten den ganzen Tag über noch die meisten angeheitert von Bühne zu Bühne, war die Stimmung nun etwas ruhiger, in sich gekehrter und friedlicher. Ich dachte ja, dass ich mich an Apocalyptica bereits satt gesehen habe, aber die Finnen schaffen es jedes Mal aufs Neue, mein Herz für sie zu entflammen. Dass sie ein unglaubliches Konzert boten, zeigte sich auch daran, dass am nächsten Tag ihre Fanartikel als erstes ausverkauft waren.
Sataana

Linktipps:
Interview mit Apocalyptica

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?
Unsere Website verwendet Cookies, um seinen Lesern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Teilweise werden auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung.