Ein wunderschöner Abend im Juni, Romantik lag in der Luft, die Stadt Zürich schien von guten Vibes heimgesucht zu werden - die ideale Voraussetzung für ein Konzert der Truppe aus Birmingham, die schon vor 20 Jahren eine Massenhysterie auszulösen vermochte! Das Alter machte nicht nur der Band nicht halt, sondern auch nicht vor dem Publikum; Teenies waren an diesem Abend definitiv nicht in der Überzahl, was mir eigentlich doch ziemlich egal war!
Als Vorturner versuchten sich "X-Age", die Band um Ex-Miss Schweiz Stephanie Berger! Wer das Interview mit ihr und Bassist Ueli hier auf hitparade.ch gelesen hat, wollte sich von einer - wie wichtig angepriesenen - klasse Show auf internationalem Niveau überzeugen lassen... Na, das war dann wohl nix! Ich fand die Songs langweilig und die Show durchschnittlich, auch wenn sie sich Mühe gaben... Üben, üben, üben - besser als bloss plappern!
Wie mans richtig macht, zeigten dann um 21:15 die 5 sympathischen Jungs aus England, die wieder in Originalbesetzung unterwegs sind, die starke, aktuelle Scheibe "Astronaut" im Gepäck. Mit "Sunrise" startete der Abend und die Zuschauer nahmen diese Mitsing-Nummer gut, allerdings noch etwas verhalten auf. "Is there anybody hungry?" fragte Simon LeBon spitzbübisch und Andy Taylor bretterte mit dem prägnanten Riff von "Hungry like the wolf " los. Die Masse tobte. Es folgte Hit um Hit und die Band kam mit jedem Song mehr in Fahrt. War der Beginn noch verhältnismässig zart, rockte die Band gegen Schluss immer mehr! Simon gab sich offen und schien gut gelaunt; immer wieder richtete er sich ans Publikum und bezog dieses auch mitein! Bei "Save a prayer", einer der Überhits aus 1982, stellte er sich mit akustischer Klampfe bewaffnet hin und genoss sichtlich den Gesang der Crowd! Auch die neuen Tracks der "Astronaut" Scheibe passten hervorragend in den Hit-Reigen; das wunderschöne "What happens tomorrow", das romantische "Taste the summer" oder der Titaltrack "Astronaut" mischten sich hervorragend unter ihre Granaten wie "Union of the snake" (Killer-Riff!!), "Planet earth", "Come undone" (schmacht), "The Chauffeur" - wunderschön, jedoch mit einem etwas verpatzen Einstieg von Simon, der sich mit Chauffeur-Mütze präsentierte und Nick Rhodes' fantastische Keyboardarbeit gegen Schluss mit einer Art Flöte begleitete; real Gänsehaut. "Oridinary world" fand ebenso Platz in der brillianten Setlist wie "A view to a kill". Letzteres wurde leider etwas emotionslos von Simon LeBon gesungen. Ganz anders der auf Platte eher mässige Song "Careless memories"; mein lieber Gott, der knallte gnadenlos - total entfesselte Energie! Ich wusste nicht mehr, wie mir geschah; die Band spielte dermassen tight und locker, dass man doch einige Headbanger ausmachen konnte - und das bei einem Duran Duran Konzert!! Was sich "X-Age" wohl erträumten machten Duran Duran wahr! Besonders Gitarrist Andy Taylor schien bei den eher härteren Songs verdammt Spass zu haben; er rockte ab und gab Vollgas, während Basser John Taylor mit seinem immer noch zuckersüssen Lächeln wohl mal wieder einige Herzen zum schmelzen brachte! Drummer Roger Taylor spielte präzise und verfeinerte seinen Stil mit crazy Jungle-Percussions! Und da ist noch der "Mater-Contoller", wie ihn Simon LeBon zutreffend bezeichnete; Nick Rhodes! Er schien das ganze gekonnt zusammen zu halten! Nach dem immer wieder lautstark geforderten "The wild boys", das nochmals mächtig aufs Gaspedal drückte, war dann erstmal Schluss! Doch so liess das mittlerweile total ausgeflippte Zürcher Publikum die Band nicht gehen und forderte mehr... Und sie bekamen, was sie verdienten! Mit der erstklassigen Night-Version von "Girls on film", die wieder gnadenlos knallte und schier im progressiven Gewand daher kam - Simon stellte die Band vor, inklusive dem Saxophonisten Andy Hamilton, der schon auf "Seven and the ragged tiger" seine Puste zum besten gab und im Instrumental "Tiger Tiger" brillierte, und der sexy Backgroundsängerin Claire Ross (wen ich mich richtig an ihren Namen erinnere?) - und dem Rauswerfer "Rio" endete nach gut 2 Stunden der Abend, der eine brilliante Band in Topform zeigte, die allerdings auch etwas routiniert rüberkam! Ob das nun positiv oder negativ ist, soll jeder selber beurteilen.... Mir hat's auf jeden Fall mächtig Spass gemacht und es wurde mir ein Lebenstraum erfüllt; seit 1983 höre ich Duran Duran und wartete immer darauf, sie mal in Originalbesetzung live sehen zu dürfen! Vielen Dank, boys - das war Weltklasse!!!
pillermaik
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