KROKUS IM STADE DE SUISSE (02.08.2008)

25 Jahre, nachdem sich ihre Wege trennten, sind Krokus nun wiedervereint – ein magischer Moment, auf den Fans lange gewartet und an den sie schon fast nicht mehr geglaubt haben.
1983 wurde Krokus-Gründer Chris von Rohr gefeuert, ab da drehte sich das Besatzungskarussell der Band in Höchstgeschwindigkeit. Zwar fand man sich mit von Rohr 1988 für das mittelprächtige „Heart Attack“-Album nochmals zusammen und schrieb den Klassiker „Rock'n'Roll Tonight“, doch danach trennten sich die Wege der 5 Helden bis heute – Drummer Freddy „Steady“ Frutig musste die Band schon 1982 verlassen.


Und so stand uns die Schweizer Hardrock-Legende energiegeladen und siegeswillig gegenüber:

Chris von Rohr:
Der Bassist und Gründer von Krokus. Er war es, der die Band im November 1975 ins Leben rief – zusammen mit seinem Inside-Kumpel Tommy Kiefer. Zuerst war er Schlagzeuger, wechselte 1977 definitiv zum Gesang und landete 1979 am Bass. Chris von Rohr war immer so etwas wie der Bandkopf, das Markenzeichen von Krokus, war mit Fernando von Arb für das Songwriting verantwortlich und nahm die meisten Interview-Termine wahr. Noch heute ist Chris von Rohr einer der populärsten Musiker der Schweiz; nach seinem Rauswurf bei Krokus 1983 nahm er 1987 das Bluesrock-Album „Hammer & Tongue“ auf, kehrte für „Heart Attack“ 1988 nochmals zu Krokus zurück, schrieb die zwei beliebten Bücher „Hunde, wollte ihr ewig rocken“ & „Bananenflanke“, produzierte Bands wie Gotthard, Polo Hofer und die Schmetterband, Patent Ochsner oder die Basler Sülzencombo Lovebugs und wurde als Juror der Schweizer Casting-Sendung „MusicStar“ und landete darauf hin mit der Single „Meh Dräck“ einen Mini-Hit in der Schweiz.

Marc Storace:
Der mit einer einmaligen Stimme gesegnete Powersänger stammt gebürtig aus Malta. Er stiess 1979 zu Krokus und ersetzte Henry Fries, der bereits die Demos zur damals bevorstehenden LP „Metal Rendez-vous“ eingesungen hatte, sich dann jedoch zugunsten einer Solokarriere gegen die Band entschied. Storace sang vor Krokus bei der Rockband TEA und veredelte die Musik von Eazy Money, Warrior und Biss mit seinem Hammerorgan. Seine markante Stimme, die technisch über jeden Zweifel erhaben ist und wie ein Donnersturm klingt, erinnert immer ein wenig an Bon Scott, nur einfach ausgereifter und vielseitiger, und wurde zum Markenzeichen von Krokus. Storace war es, der den Namen der Band bis heute aufrecht erhielt – 2006 veröffentlichte er das Album „Hellraiser“! Lediglich für das 1990 rausgehauene „Stampede“-Album und „Round 13“ von 1999 verliess er Krokus und wurde durch Peter Tanner bzw. Carl Sentance ersetzt, die jedoch nie das Charisma Storaces vermitteln konnten und Krokus so wie ein Fremdkörper klingen liessen – zu Krokus gehört Marc Storace! Punkt.

Fernando von Arb:
Wie Chris von Rohr stammt Fernando aus Solothurn. Er spielte mit Freddy Steady bei Montezuma, bevor sich die beiden den reformierten Krokus anfangs 1977 anschlossen. Zusammen mit Chris von Rohr war Fernando für die Songs und den Sound von Krokus zuständig – er komponierte 1977 den ersten richtungsweisenden Krokus-Hit „Highway song“! Nach dem Rausschmiss von Ur-Krokus-Gitarrist Tommy Kiefer (gestorben Ende 1986) im Jahr 1981, übernahm von Arb sämtliche Soloparts an der Gitarrenfront!
1990 wechselte Fernando von der Gitarre zum Bass und zockte so das Album „Stampede“ ein.
In den 90ern erkrankte der Gitarrist an Krebs, den er zum Glück dank Lebenswillen erfolgreich besiegen konnte! Er kehrte nach einer kurzen Auszeit zu Krokus zurück und die Band veröffentlichte das Comeback-Album „To Rock Or Not To Be“ mit Koki Kohler an der Rhythmusgitarre, Many Maurer am Bass, Freddy Steady an den Drums und Marc Storace hinter dem Schallwerfer!

Freddy „Steady“ Frutig:
Der Löwe, der Mann mit dem harten Schlag!
Freddy war seit Kindesbeinen ein guter Freund von Fernando von Arb und spielte mit ihm in der Band Montezuma, die 1975 ihre erste Single veröffentlichte.
Freddy trommelte ab 1977 bei Krokus mit und blieb bis Ende 1982, worauf er durch Steve Pace und Jeff Klaven, sowie Dani Crivelli „ersetzt“ wurde – da trennten sich die Wege von Krokus und Freddy leider und er zog sich vorerst aus dem Musik-Business zurück, heiratete seine Freundin Heather und war in erster Linie für seine Familie da!
1994 kehrte er für das Album „To Rock Or Not To Be“ zu Krokus zurück, stieg danach jedoch wieder aus. Die musikalischen Schritte Freddys nach seinem Rauswurf bei der Band 1982 sind mir leider unbekannt!

Mark „Koki“ Kohler:
Koki stiess Ende 1981 zur Band und löste Mandy Meier ab, der den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Tommy Kiefer ersetzte. Mit Koki spielte die Band 1982 das Album „One Vice At A Time“ ein; und hartes, kompromissloses Werk, das den Klassiker „Long Stick Goes Boom“ beinhaltet! Koki zeichnete sich als exzellenter und vor allem sehr bescheidener und zurückhaltender Rhythmusgitarrist aus, der Fernando Raum und Platz liess sich zu entfalten und seine Sache versiert und sicher bewältigte. Nach Chris von Rohrs Weggang übernahm Koki vorübergehend den Bass, 1986 spielte er das Album „Change Of Address“ wieder als Gitarrist ein und blieb bis 1988 („Heart Attack“) bei Krokus. Auch er kehrte 1994 zu Krokus zurück und spielte das Album „To Rock Or Not To Be“ mitein!

Zusammen mit Pegasus und Span bilden Krokus das Line-Up zum Stadionfest in Bern:
Um Punkt 21 Uhr war es dann endlich soweit; die 10'000 angereisten Krokus-Fans aus allen Teilen der Schweiz und Deutschland wurden belohnt, dass sie den Weg ins Stade de Suisse an diesem Abend gefunden haben; Mundartrocker Gölä fand sich auf der Bühne ein, um artgerecht den wohl erfolgreichsten CH-Rock-Act aller Zeiten anzusagen!

Nach dem Intro fiel der weisse Vorhang und wir konnten endlich das sehen, wozu wir gekommen waren; die 5 Helden des heutigen Abends – Marc, Chris, Fernando, Freddy und Koki! Als die ersten Akkorde des Gassenhauers von 1982 „Long Stick Goes Boom“ gewaltig und kraftvoll aus den Boxen dröhnten, befiel mich eine unendliche Gänsehaut und ich konnte die Spielfreude der Band vom ersten Ton an spüren! Sie wirkten hungrig, sie wirkten zufrieden und sie gaben Gas – mit „Rock City“ und dem The-Guess-Who-Cover „American Woman“ ging es stimmungsvoll weiter. Energisch, kraftvoll und mit viel Fun; der Band sah man die neugefundene Freundschaft richtig an. Es war bewegend mitanzusehen, wie vor allem Chris und Marc sich immer wieder umarmten und abklatschten.

Mit einer emotionalen, wunderbaren Version des Klassikers „Winning Man“ sorgten Krokus für das erste Überhighlight des Abends; auch heute noch vermag der sehnsüchtige, nach Hoffnung klagende Song einem eine meterdicke Gänsehaut zu verabreichen. Marc sang brillant und Fernando spielte das sonst für Tommy Kiefer so typische Solo mit Herzblut, Gefühl und Können; allgemein war Fernando von Arbs Gitarrenleistung an diesem Abend sensationell. Er übernahm sämtliche Leads und Soli – Koki hielt sich musikalisch sehr selbstlos und souverän im Hintergrund. Das war in Ordnung so, dennoch hätte ich mir das Gitarrenduell im Killersong „Heatstrokes“ auch als wirkliches Duell gewünscht, satt dessen übernahm Fernando beachtlich sämtliche Soloparts!

Mit „Hellraiser“ schmuggelte sich auch ein neuer Song in die Setlist – auf der Studioversion des Titeltracks des 2006er Albums wirkte von den „Ur“-Krokussen (oder besser gesagt: von der erfolgreichsten Krokus-Besatzung) lediglich Sänger Marc Storace mit, insofern war es nicht nur für mich etwas verwundernd, dass sie diesen Track gebracht haben. Doch er funktionierte wie alles heute Abend und fügte sich problemlos in die perfekte Setlist ein!

Es folgten „Fire“, „Down The Drain“ und die wunderschöne Hitballade von 1983 „Screaming In The Night“! Dieser Song hat NICHTS von seiner Magie in all den Jahren eingebüsst und riss die begeisterten Zuschauer gnadenlos in seinen Bann – Marc brillierte! Seine einmalige Stimme verleiht dem sanften Song die nötige Power, jedoch ebensoviel Gefühl.

Gefühl ist das Stichwort; es folgte der heimliche Favorit und Zuschauerliebling „Tokyo Nights“! Auf der Bühne erschien hinter Freddys Drumkit ein übergrosser Gong, wie man ihn von Led Zeppelin oder Ozzy Konzerten kennt; Freddy der Löwe feuerte das Publikum an und schlug mit voller Kraft auf den Gong ein und eröffnete damit unverkennbar das Stück! Die messerscharfe, gefühlvolle Version trieb mir beinahe Tränen in die Augen; beim unendlich schönen Solo schnappte sich Sänger Marc Drumsticks und spielte die Percussions, während Fernando sein Können eindrucksvoll demonstrierte!

Marc war nicht nur gut bei Stimme, er wirkte glücklich und gelöst, wieder mit seinen alten Weggefährten spielen zu können – seine Ansagen bekräftigten die Wirkung; er erzählte in seinem typisch niedlichen Schweizerdeutsch, dass das Kriegsbeil nun endgültig begraben sei und sagte, dass Musik etwas Ehrliches ist und das Publikum dies auch spüren sollte – die Menge tobte und alle grinsten harmonisch und zufrieden!

Diese Reunion riecht ZERO nach Geld, da geht es offensichtlich um Spass und Ehre dem Gesamtwerk der Band gegenüber. Bewegend!

„Rock'n'Roll Tonight“ - ein Song aus der Re-Chris-von-Rohr/Past-Freddy-Phase – wurde zum Partysong und sorgte für den Mitgröhlfaktor des heutigen Abends – Marc liess das Publikum den bekannten „ooooh“-Nachsingpart johlen und stimmte immer wieder den Refrain an.

Es folgte der Klassiker „Easy Rocker“; und dieser Song wurde zum grössten Highlight und Siegeszug der Band! Allein der Track schon ist unübertrefflich, doch was Krokus daraus gemacht haben, ist umwerfend; Freddy Steady hämmerte ein megageiles Drumsolo hin. Ich hätte nicht gegdacht, dass er, der ja einige Jahre nicht in seinem Job tätig war, dermassen agil und sicher hinter seinem Instrument wirken kann – der Geist John Bonhams schwebte beinahe sichtbar über ihm, während er sein Drumkit beinahe dem Erdboden gleich geprügelt hat. Und als besonderes Zückerchen gab es noch ein Duell mit Ex-Drummer Chris von Rohr: es war einfach nur fantastisch mitanzusehen, mit welcher Spielfreude und Wucht die beiden sich ein verschärftes, energiegeladenes Duell lieferten um nach ein paar Minuten wieder in den Schlussteil von „Easy Rocker“ zurück zu finden... Die Menge tobte, alle schienen spätestens ab jenem Zeitpunkt zufrieden und wussten, dass der Abend mehr als nur gelungen war. Die Band zockte tight und souverän als hätte sie nie aufgehört in dieser Konstellation zu spielen. Das Wunder von Bern Teil II, wie man fast schon sagen könnte...

Die Band verliess die Bühne und das Publikum forderte natürlich Zugaben. Und sie kriegten sie!! In Form des wohl bekanntesten und legendärsten Krokus-Songs: „Bedside Radio“! Ich drehte mich um und schaute in die begeisterte Menge; nur fröhliche, glückliche Gesichter – etwas, das heute selten zu beobachten ist. Die Spielfreude und der Spass der Band hat sich während der Show mühelos auf das angereiste Publikum übertragen... Es war bewegend, es war schön – es war einfach nur oberhammergeil!! Sie können es noch und sie werden hoffentlich noch weiter zusammen spielen!!

Eine etwas fragwürdige Version des Steppenwolf-Klassikers „Born To Be Wild“ beendete den Gig nach gut 90 Minuten – und alle wussten: das war super, das war heiß und prickelnd – an diesem Abend gab es keine Verlierer!! Naja, mal abgesehen von denen, die zu Hause blieben und vor dem TV rumgähnten und über den Sinn von Gurken im Käsesandwich philosophierten. Der Rest ging zufrieden und erfüllt nach Hause oder zur Aftershowparty!
Pillermaik


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