ALANNAH MYLES – LIVE @ BREAK EVENT HALL, AFFOLTERN AM ALBIS, 30.9.2008

Lange hatte man nichts mehr von der Kanadierin mit der bluesigen Samtstimme gehört, die die 90er Jahre mit ihrem „Signatur-Song“ Black Velvet so stark eingeläutet hatte.
Letztes Jahr folgte nun nach grösseren gesundheitlichen und finanziellen Problemen endlich ihre Comeback-CD, die sie passenderweise wie ihren grössten Hit genannt hatte, von dem auch eine neue Version auf der Scheibe zu finden ist.
Begleitet von einer dreiköpfigen Begleitband trat sie nun im provinziellen Affoltern am Albis im Säuliamt auf, ihr neues Album auf einer kleinen Klubtournee vorzustellen, um sich selber so wieder ins Gespräch zu bringen.


Gespannt warteten die etwa 150 Zuschauer, von denen wohl die Meisten Anfang der 90er Jahre nicht viel älter als 25 Jahre alt gewesen sein dürften, auf die Grammy-Gewinnerin, die dann auch pünktlich um 21 Uhr die Bühne betrat. Wer jedoch die Powerfrau aus ihrer ersten Karriere-Phase erwartet oder erhofft hatte, erschrak wohl erst einmal, als die Spotlights im gut gefüllten „Break“ die Bühne zu erhellen begannen. Die auch früher schon eher zierliche Alannah Myles war abgemagert und wirkte mit den eingefallenen Wangen und der fahlen Haut um Jahrzehnte gealtert, wozu auch die an Cruella De Vil erinnernde Haarpracht beitrug. Die Zweifel, ob es sich bei der Person auf der Bühne wirklich um die berühmte Sängerin handelte, wurden spätestens mit der ersten Song, der passenderweise Comment ça va und aus ihrem neuen Album stammte, ausgeräumt, denn ihrer wunderbaren Stimme war sie noch nicht verlustig gegangen. Bei dem darauf folgenden Love Is konnte das Publikum erstmals mit einem bekannten Song mitsummen bevor Alannah Myles mutig den Leuten zu erklären versuchte, wie aus ihr so ein Wrack hatte werden können. Eine Geschichte von Auto- und Reitunfällen, von pfuschenden Chiropraktikern und – von Plattenfirma und Karriere angetrieben – zu wenig Ruhe für einen geschundenen Körper, die schliesslich temporär sogar im Rollstuhl endete. Doch da es zwei Paar Schuhe sind, ein Krüppel zu sein und zu einem gemacht zu werden, liess sie sich nicht unterkriegen und versucht nun, sich zurückzukämpfen, mit einer neuen CD und eben dieser Tournee – zwar mit einem steifen Nacken und offensichtlichen Schmerzen, aber auch noch mit ihrer einzigartigen Stimme, die sie dann bei Livin’ On A Memory wieder einsetzen konnte. Es folgten Rockinghorse und Hurry Make Love, die wie auf den Alben fast akustisch gespielt wurden, bevor es mit Song Instead Of A Kiss und Sonny Say You Will so richtig schön kitschig ins Fach der Rockballaden ging. Diese beiden Songs bildeten denn auch schon so etwas wie den emotionalen Höhepunkt des Konzertes. Danach wurde es mit Our World Our Times und Dark Side Of Me (dem einzigen gespielten Song aus A-Lan-Nah) noch einmal rockig, was das Publikum sichtlich schätzte.
Nach Lover Of Mine, das nicht nur die Interpretin emotional tief zu bewegen schien, war dann auch schon wieder Schluss, natürlich jedoch nicht ohne das obligate und vom Publikum geforderte Black Velvet als (einziger) Zugabe.

Fazit: Ein Konzert wie man es nicht alle Tage erlebt. Wie es die Frau schafft, aus so wenig Körper so viel Stimme herauszuholen, ist (auch für sie selber) ein Wunder. Wenn man sich nicht von Äusserlichkeiten abhalten lässt, ist Alannah Myles noch immer ein Konzertbesuch wert, besonders jetzt, da sie die Unterstützung des Publikums wirklich nötiger hat denn je. Es wäre ihr zu gönnen, wenn sie (nicht nur musikalisch) wieder vollständig auf die Beine käme.
Uebi


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