ROLAND KAISER IM VOLKSHAUS ZÜRICH – 16.10.2008

Erstmals seit mehreren Jahren gab Roland Kaiser in dieser Woche zwei Konzerte in der Schweiz. Am Donnerstag gastierte der deutsche Sänger im Zürcher Volkshaus und lud ein zu einem zielstrebigen Streifzug durch seine vielfältige Karriere.

Nicht ganz überraschend ist der spärliche Publikumsaufmarsch – die ruhmreiche Herrschaft des Kaisers liegt einige Jahre zurück. Eher überraschend dagegen mutet der relativ hohe Anteil an jungen Fans an, die der mittlerweile 56-jährige Sänger um sich zu scharen vermag.

Das Publikum lässt sich klar in zwei Gruppen aufteilen: Auf der einen Seite sitzen jene Besucherinnen und Besucher, die sich einen gepflegten Konzertabend versprechen – einen Abend, der sie dank „Santa Maria“ und weiteren Hits an den Frühling ihres Lebens erinnert. Auf der anderen Seite stehen die mehrheitlich jüngeren Ballermann-Fans, denen in erster Linie an einer trinkseligen Feierabend-Sause gelegen scheint.

Der Gegensatz zwischen den Lagern wird deutlich und peinlich, als offenkundig angeheiterte Malle-Freunde das gesetztere Publikum forsch zum Aufstehen bewegen wollen. Ein vergebenes Unterfangen – und eine Situation, die wohl auch dem Protagonisten die Ambivalenz „seiner“ Schlagerszene deutlich vor Augen geführt haben dürfte.

Nichtsdestotrotz: Der Kaiser enttäuscht keines der beiden Lager. Von seinem ersten Hit „Frei – das heisst allein“ aus dem Jahre 1976 (der deutschen Cover-Version des Instrumental-Hits „Verde“ von den Oliver Onions) bis zur aktuellen Produktion „Meine Ex ist wieder frei“ präsentiert er zahlreiche Meilensteine seiner wahrlich bemerkenswerten Karriere. Als „Eisbrecher“ und Live-Knaller entpuppt sich hierbei die 88er-Single „Ich glaub, es geht schon wieder los“.

Der relaxte Feriensong „Südlich von mir“, der TV-Klassiker „Alles was Du willst“ (Titelsong der RTL-Serie „Dr. Stefan Frank – Der Arzt, dem die Frauen vertrauen“) oder der neue, dicht produzierte Uptempo-Titel „Was weisst du schon von Liebe“ führen eine Erkenntnis zu Tage: Roland Kaiser ist weder ein peinlicher „Proll-Schlagersänger“ vom Schlage eines Michael Wendler noch ein talentarmer Ballermann wie Peter Wackel. Letzterer hat dem Kaiser-Titel „Joana“ in der vergangenen Après-Ski-Saison mit einer eigenen Cover-Version nochmals zu trauriger Berühmtheit verholfen. Das auch im Volkshaus zu vernehmende, aus der Wackel-Version bekannte Gegröle („Du geile Sau“, „Du Luder“) passt so gar nicht zum stilvollen Design der Original-Version, an das sich auch das Live-Arrangement anlehnt. Kaiser scheint die Ballermann-Adaptation seiner „Joana“ achselzuckend, wiewohl wenig begeistert zur Kenntnis zu nehmen.

Denn Kaiser steht seit Jahren für gepflegte, solide Pop-Produktionen. Ein Musterbeispiel dieser Kategorie ist „Extreme“ (die deutsche Cover-Version des ESC-Siegertitels „Insieme: 1992“ von Toto Cutugno). „Extreme“ darf mit Fug und Recht als der wohl kraftvollste Schlager der 90er-Jahre bezeichnet werden; der Kaiser lanciert ihn als krönenden Konzerthöhepunkt kurz vor Schluss. Mit der Ballade „Bis zum nächsten Mal“ verabschiedet sich der Sänger von seinem Publikum, bevor er anschliessend recht abrupt und ohne weitere Zugaben die Bühne verlässt.

Roland Kaiser gehört zu den wenigen im deutschen Showgeschäft, die es sich leisten können, an einem Konzertabend auf Hits des Kalibers „Sieben Fässer Wein“, „Dich zu lieben“ oder „Midnight Lady (Einsam so wie ich)“ zu verzichten. Dennoch nimmt man als wohlwollender Beobachter seines Schaffens zur Kenntnis, dass ihm in der Live-Situation punkto Charisma, Spontaneität und Spritzigkeit etwas fehlt, um sich auf eine Stufe mit Udo Jürgens oder auch Howard Carpendale stellen zu können.

Dass er sich – wie er im Interview auf hitparade.ch bereits angetönt hat – nicht wohl fühlt im Mittelpunkt des Geschehens, ist zwar durchaus sympathisch, dem mitunter etwas steif wirkenden Protagonisten aber auch in Zürich deutlich anzumerken. Ein ganz grosser Entertainer ist er nicht.

Betroffen machen Kaisers nunmehr zu verzeichnenden stimmlichen Defizite. Der Sänger leidet seit acht Jahren an einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), die ihm massive Atemschwierigkeiten bereitet. Diese hindern ihn auch bei seinem Konzert im Zürcher Volkshaus häufig daran, Töne über mehrere Takte zu halten. Bei den Songs „Hab’ ich zu viel riskiert“ und „Bis zum nächsten Mal“ sind die gesundheitlichen Probleme des Interpreten bezeichnenderweise besonders auffällig. Die Entscheidung darüber, wie lange er seine Konzertaktivitäten noch fortsetzen will, ab welchem Punkt er gesundheitlich zu viel riskiert und ob es ein nächstes Mal geben wird, liegt letztlich in seiner Hand.

Unbestritten bleibt, dass Roland Kaiser aufgrund seines hervorragenden Repertoires und seiner sonoren, unverwechselbaren Stimme noch immer zu den Meistern des deutschen Schlagerfachs gehört. Der deutsche Schlager – ein leider allzu häufig zum Trash neigendes Genre – hat ihm viele unvergessliche Nummern zu verdanken. Seit über drei Jahrzehnten liefert er seiner Hörerschaft gehaltvolle und dennoch eingängige Pop-Musik. Der Veröffentlichung seines neuen Albums „Wir sind Sehnsucht“ im Januar 2009 blicken wir deshalb mit Vorfreude entgegen.
Crazy Chris / staetz

Linktipps:
Zum aktuellen Album "Sexy"
Unser Interview mit Roland Kaiser
Discographie von Roland Kaiser
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