ROSENSTOLZ IN DER COLUMBIA-HALLE IN BERLIN – SAMSTAG, 08. NOVEMBER 2008

Eineinhalb Jahre keine Live-Auftritte. Nach dem Mega-Erfolg des Albums „Das große Leben“ und der dazugehörigen Tour haben sich Rosenstolz eine wohlverdiente Kreativpause gegönnt. Nachdem im September das neue Album „Die Suche geht weiter“ erschien, begeben sich die zwei Berliner nun auf die „Bist du dabei?“-Tour. Und wer war dabei? Natürlich hitparade.ch mit seinem Deutschland-Außenreporter. Und was hat der erlebt? Ein persönliches aber gleichzeitig gigantisches Konzert von AnNa, Peter und ihrer Band.

Die 1991 gegründete Gruppe zählt mittlerweile bestimmt mit zum Größten, was die deutsche Pop-Szene zu bieten hat. Und trotzdem wählten sie für ihren Tour-Auftakt die relativ kleine Columbia-Halle, um an zwei Abenden jeweils 3.500 Gäste glücklich zu machen. Doch wo sollten sie eine Tour besser beginnen, als dort wo sie groß wurden? Eben in Berlin und eben in relativ kleinem Rahmen. Leider war das Auftaktkonzert am Freitag zu schnell ausverkauft, so dass ich mich mit dem zweiten Abend begnügen musste. „Aber vielleicht haben sie ja dort ihre Nervosität abgelegt und sind richtig gut drauf“, dachte ich mir tröstend beim Ticketkauf. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ich hatte die zwei vorher noch nie live gesehen, aber ich kann versprechen, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein.

Wie gesagt, ich habe die Gruppe vorher noch nicht im Konzert erleben dürfen. Und deshalb herrschte schon eine gespannte Stimmung – was wird mich erwarten? Werden wir uns zunächst einmal bei einer langweiligen Vorband die Beine unnütz in den Bauch stehen oder geht es doch gleich in die Vollen. Relativ pünktlich um 20,00 Uhr sollte diese Frage bereits beantwortet sein: Nein es gibt keine langweilige Vorband, aber auch nein: Rosenstolz gehen nicht gleich in die Vollen, denn zunächst einmal läuft über den weißen Vorhang das Video zur nächsten Single „Wie weit ist vorbei“. Und nach dem Einspiel einer alten Fernsehaufzeichnung, mehreren Bildern aus der Karriere und dem Motto des Abends „Bist du dabei?“ fällt er - und Peter und AnNa schreiten zu den Klängen von „Sternraketen“ eine Showtreppe hinab zu ihrer Band. Peter hat dazu eine große Trommel umgeschnallt und gibt somit den Ton an. Sofort setzt der Gesang der Fans ein – und das wird sich bis zum Ende des Konzertes in ca. 2,5 Stunden auch nicht mehr ändern. Genau wie der Gesang des Publikums wird auch die Showtreppe im weiteren Verlauf eine Rolle spielen, z.B. als AnNa oben thront und als Intro zu „Willkommen“ den Song „Cabaret“ mit den unverkennbaren Worten „Willkommen, bienvenue, welcome“ anstimmt. Ganz die Diva, entledigt sie sich ihres Mantels und heißt uns willkommen in der Rosenstolz-Welt. Doch bis das geschieht, ist das halbe Konzert bereits vergangen und wir haben weitere Höhepunkte schon erlebt.

Wie z.B. AnNa auf eine Schaukel steigt und mit ihrem überdimensional langen Glitzermantel über der Menge schwebt und in „Unerwartet“ über das Licht philosophiert, das unerwartet und unerreichbar im Fenster zum Himmel scheint. Und vor allem war der Block der älteren Songs und dabei speziell der Balladen-Block bereits vorbei. Dabei besonders überraschend für mich, dass sie „Herzensschöner“ ins Programm aufgenommen haben, den Titel, der ihnen beim Grand Prix Vorentscheid 1998 einen 2. Platz und damit den deutschlandweiten Durchbruch brachte. Erstmals wird das Duo samt Klavier mittels einer Hebebühne über die Köpfe des Publikums gehoben. Ein Effekt, der auch später in den leiseren Momenten des Konzerts wieder eingesetzt wird. Vorbei auch bereits das ultimative „Schlampenfieber“ auf dieser Tour in der Dilettantenversion, wie Peter verkündet. Ebenfalls bereits gewesen „Die öffentliche Frau“. Der Song, der auf der Leinwand mit Bildern von Frauen untermalt wird, die in ihrem Leben ständig öffentlich sind bzw. waren: zu allererst unsere Angie (Merkel), dann u. a. Lady Diana, Marilyn Monroe, Britney Spears, Marlene Dietrich und ganz vorsichtig mit einer überdimensionalen Tiara angedeutet unser Benedikt XVI. Und ebenso vorbei ist bereits „Sex im Hotel“, bei dem das Bandmitglied Anne dem Peter tatsächlich seine Weste entrissen hat – ich dachte, der Peter hätte im Hotel immer anderen Sex ;)

Nach dem oben bereits erwähnten „Willkommen“ spielt Rosenstolz nun „Wie weit ist vorbei?“ live, nachdem wir am Anfang ja bereits das Video als Vorgruppenersatz sehen konnten. Ganz ruhig wird es in der Halle, als das Lied „An einem Morgen im April“ angestimmt wird – die Ballade, die sie zur Erinnerung an die kürzlich verstorbene Mutter von Peters Mann geschrieben haben. Aber getreu der Rosenstolz-Philosophie kommt nach der Trauer auch immer wieder das „Lachen“, so dass sie wohl nicht zufällig diesen Song genau hier platziert haben. Das Publikum darf sich erstmals im alleinigen Singen probieren, AnNa dirigiert nur und lässt uns gewähren („okay einmal dürft ihr noch“). Mit „Ich bin ich“ und „Gib mir Sonne“ steuert das Konzert seinem ersten Ende entgegen. Auch hier vereinigen sie ja die traurigmelancholische Stimmung des (Liebes-)Kummers mit der Freude am Sein – und genau bei der Zeile „Feier das Leben“ wird das Publikum mit Glitzer überschüttet und feiert kräftig mit.

Während andere Künstler in ihre Zugaben vor allem die großen Hits packen, entscheidet sich das Duo neben „Blaue Flecken“ auch für einen ganz neuen Song, der angeblich erst seit 11 Tagen fertig ist: „Grüße an mein Leben“. Naja so ganz kann ich diese Geschichte nicht glauben, denn im Fan-Shop im Seitenbereich der Halle gibt es bereits T-Shirts mit genau diesem Aufdruck..... Doch der Höhepunkt der Zugaben war für mich „Liebe ist alles“. Denn hier zeigte sich die Unverkrampftheit und Spontaneität der Gruppe so gut, „denn: Liebe ist alles, Liebe ist alles, Liebe ist alles, alles was wir brauchen. Liebe ist alles, Liebe ist alles, Liebe ist alles, alles was wir brauchen, denn...“ Und das ein paar mal mehr gesungen als eigentlich geplant – ganz allein von den Fans ganz ohne instrumentale Begleitung, bringt letztendlich die Musiker dazu, den Faden wieder aufzunehmen und spontan wieder in den Song einzusteigen. Das Publikum hat sich also durch Singen des Refrains eine Zugabe gefordert. Und Rosenstolz hat mitgemacht. Es folgen noch „Auch im Regen“ und „Bist du dabei“ und nach sensationell schnell vergangenen 2,5 Stunden endet mein erster Abend mit Rosenstolz, der wie gesagt, nicht mein letzter gewesen sein wird.
Hannes


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