ANNAKIN IM SALZHAUS WINTERTHUR (21.03.2009)

Vergangenen Samstag spielten Annakin im Winterthurer Salzhaus und beeindruckten das Publikum mit viel Charme, der Faszination für grosse Sounds und unglaublichen Bässen.

Annakin, die Band um Ann Kathrin Lüthi aus Zürich. Die Frau, klein, zierlich, mit engelhafter Stimme. Sie zelebriert den Trip-Hop, mit einer Lockerheit und Eleganz, mit welcher dieser Stil sich vielleicht heute einer grösseren Beliebtheit erfreuen würde. Jener Trip-Hop, der schon so lange als „tot“ bezeichnet wird, dass man dessen Grab wieder frei machen möchte für andere, inzwischen verstorbene, Genre.

Als Mitte 2007 „Falling Into Place“ auf meinem Schreibtisch landete, war ich begeistert. Zwölf Songs, wenn auch etwas sperrig, brachen da aus, wo sich Lunik vor ein paar Jahren hatten einsperren lassen. Düstere, aber nie negativ wirkende, Sounds, untermalt von einer wunderbaren Stimme, drückende Bässe, schleppende Drums, einmalige Melodien. „Torch Songs“, ein Jahr später, brachen noch mehr aus, weniger starr, aber abwechslungsreicher, neue Sounds, Dubs, Gitarren, aber unverkennbar der Stil wie auf der ersten Platte.

Nun kündigten sich Annakin im Salzhaus an. Wir zogen zu Dritt los, um uns überraschen zu lassen. Was dann kam, übertraf unsere Erwartungen bereits nach wenigen Minuten. Das Quintett setzte die sphärischen Vibes der Studio-Tracks gekonnt um, in einem perfekten Zusammenspiel zwischen Elektronik und musikalischer Handarbeit. Gross auf einzelne Tracks einzugehen, welche in diesen 90 Minuten geboten wurden, wäre vermessen. Annakin spielen keine Stadion-Hymnen oder Songs mit „gmögigen“ Mitsumm-Refrains. Vielmehr bekommt man ein Paket, welches langsam geöffnet wird und dennoch überkommt einen nie das Gefühl künstlicher Spannung. .

Auf der Bühne steht eine gewaltige Band: fünf Leute, Meister ihrer Instrumente, alles schön vermischt zu einem Sound, der sich wie eine grosse Welle vor einem aufbaut, bedrohlich nahe kommt, und vielfach erlösend verebbt und einem noch so angenehm beim ausufern um die Knöchel spühlt. Eines der wichtigsten Instrumente ist wohl die Stimme von Ann Kathrin, welche, eingebettet zwischen satten Drums und noch tieferen Bässen, manchmal fast gesucht werden muss. Dies ist jedoch nie ein Negativpunkt, zu oft werden die Sänger von Schweizer Bands zu fest ins Rampenlicht gestellt, was zum Teil schreckliche Szenen mit sich zieht, die Band und die Musik zu austauschbar macht. Ann Kathrin ist so nicht die Sängerin, sondern wirkt wie das fünfte Instrument, was bei den meisten Songs eine einzigartige Stimmung aufkommen lässt. Annakin lehnen sich sanft an die grossen Namen dieses Musikstils an. Namen wie Massive Attack, Portishead oder gar Björk dürfen ungeniert genannt werden. Es wirkt aber nie anbiedernd, kopierend oder angestrengt, man hält andächtig die Distanz, aber auch scharfsinnig den Augenkontakt zu diesen Vorreiter.

Annakin verstehen es, über das Konzert hinweg Neues und Älteres gut zu vermischen, spielen was zusammen passt und geben dem ganzen einen wunderbaren Fluss, einen roten Faden. Sie schaffen es, die sperrige Sounds von „Falling Into Place“ mit dem nötigen Groove zu versehen und noch mehr Tiefe reinzubringen. Gerne hätten wir es gesehen, wenn man die Tracks noch etwas mutiger ausgebaut hätte, dazu laden sie förmlich ein. Zu sehr bleiben sie in der Nähe des Originals auf der CD. Gerne hätten wir zum Beispiel von „Malfunction“ eine Sieben-Minuten-Version gehört. Wir wären aus uns herausgebrochen, wenn Adi Weyermann bei einzelnen Songs am Schluss noch etwas länger und fester abgedrückt hätte. Gerade, weil man den Mut aufbringt, Musikstile zu spielen, die keiner Massentauglichkeit entsprechen, wäre es umso cooler, wenn man diesem Mut noch etwas mehr Platz einräumen würde. So spielte Annakin ihre Version vom Muse-Song „Time Is Running Out“, anbiedernd ähnlich wie das Original. Jedoch dort, wo Muse dem Bombast verfallen, halten Annakin den Ball so flach, dass es schon fast an Genialität grenzt.

Meine Freunde und ich waren auf alle Fälle mehr als nur begeistert und wir werden in naher Zukunft wieder irgendwo in den hinteren Reihen stehen, staunen, uns verzaubern und mitreissen lassen.
fuedlibuerger


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