CHRISTINA STÜRMER IM VOLKSHAUS (06.06.2009)

Christina Stürmer war einmal mehr in Zürich zu Gast. Nur zu gerne gehen wir dahin und lassen uns von ihrer Freude anstecken. Mit im Gepäck hatte sie ihr neues Album „In dieser Stadt“ und die hierzulande bisher unbekannte Wiener Band „Herbstrock“.

Herbstrock, da müssen wir uns nichts vormachen, haben das Rad bei weitem nicht neu erfunden. Mich überraschte beim Durchhören ihrer neuen CD „Die bessere Hälfte“, dass es doch recht kantig und eckig abgemischt und produziert wurde. Es kommt recht frisch daher, auch wenn irgendwie nach Song fünf für einen nichtsahnenden Hörer alles irgendwie gleich tönt. Genau so frisch kam auch der Auftritt dieses Quartetts daher. Ein eingespieltes Team mit Drang auf den Bühnen zu stehen und dort Spass zu haben. Mit viel Witz und Schwung beschallen sie das Publikum, bei welchem ich mir sicher bin, dass einige wieder an Konzerten dieser Band zu finden sein werden, wie auch ich. In Sachen „Deutschrock“ ist „Herbstrock“ sicher die positivste Überraschung seit Jahren, auch eine, die den Namen „Rock“ verdient.

Genau wie Christina Stürmer. Während die Mitstreiter des Genres sich allzu oft noch in süffisanten Kuschelmelodien und seichtem Pop suhlen, packt die Band um Christina stets die Stromgitarren aus. Sicher auch ein Grund, weshalb ich mich immer wieder an Konzerten von ihr wiederfinde, sind die Texte. Es ist sicher kein Geheimnis, dass sie lediglich Einfluss auf die Texte hat, sie aber nicht selber schreibt. Dennoch hat sie „ihren Stil“ gefunden. Themen, die einen Menschen in meinem Alter auch noch interessieren, Fragen, die auch ich mir schon gestellt habe, Dinge, an die man denkt, wenn man vielleicht nicht mehr verträumter Teenie ist. Dazu kommt, dass ich starke Frauen mag. Frauen, die etwas ausstrahlen. Wir wachsen hierzulande auch mit Frauen und ihrer Musik auf, und auch wenn ich einzelne davon doch sehr verehre, aber sie können noch hundertfach die emanzipierte Frau besingen oder von sich geben, wie unbeschreiblich weiblich sie sind. Sobald sie in eine Kamera lächeln und irgendwo Interviews geben, sind es einfach liebe, nette, unschuldige, fast unscheinbare Frauen, die nicht sonderlich auffallen…

Wer Christina schon mal gegenübergesessen hat, weiss, hier ist eine Frau, der man ansieht, ohne dass sie eine Silbe sagt, dass sie das will, dass sie es ernst meint und sie sehr viel Spass daran hat. Letzteres ist auch das Markenzeichen, sobald auf der Bühne die Spots angehen für sie. Man hat als Zuschauer das Gefühl, sie lebt ihre Musik, sie hat wirklich nie genug vom Leben, sie fährt wirklich gerade mit dem Bus durch London, irgendwo in ihrem Kopf. Sie strahlt Energie aus, diese zierliche Wienerin, wenn sie dort oben hüpft und springt und gerade mehr als perfekt singt. Stimm- und stilsicher taucht sie durch die Songliste und schwimmt durch ihre Gefühlswelten, besingt ehrlich Freudiges und Ernsteres. Stets mit einem Lächeln im Gesicht, stets parat, noch etwas mehr zu geben. Leider hatte man an diesem Abend das Gefühl, dass sie die einzige war auf der Bühne, die dieses Gefühl ausstrahlte. Wirkte die Band eher routiniert, fehlerlos zwar, aber doch irgendwie abwesend, uninspiriert und lustlos.

Es fällt aber nicht so schwer ins Gewicht, da wie oben beschrieben eine Frau mit Charisma auf der Bühne steht, welche das Publikum auch alleine unterhalten könnte. Sie singt sich durch eine Songliste, welche Neues und Altes sehr gut durchmischt und kombiniert. Es rockt! Das darf es auch, dürfte es manchmal sogar ein bisschen mehr. Es dürfte auch musikalisch noch etwas mehr ausbrechen. Immerhin kommt Christina live einiges abwechslungsreicher und frischer daher, als auf dem aktuellen Album, welches erste langsame ständige Wiederholungen der Musik aufweist. Live hat es mehr Boden, mehr Druck, wirkt und ist verspielter, man dürfte aber durchaus noch etwas mehr in anderen Stilrichtungen wühlen. Aber nichtsdestotrotz ist es ein sehr gutes Rock-Konzert, bei welchem man mitgehen und schwitzen kann, laut mitsingt und ausgeprägt mitwippt, man sich anstecken lässt von einer Frau, die vorwärts schaut und treibt und zwischendurch durchaus die romantische Ader zeigen lässt.

Ich für meinen Teil kann nicht verstehen, wieso hierzulande Christina Stürmer nicht so richtig Fuss fassen kann „live“, war das Volkshaus in Zürich wirklich halb leer. Aber während man für alle und alles immer so vie Verständnis hat hier in der Schweiz, kann man sich offenbar nur schwer damit abfinden, dass eine österreichische Casting-Teilnehmerin etwas Spannendes mit sich bringen kann. Dass sie weitaus mehr zu bieten haben könnte als Hits wie „Ich lebe“ oder „Engel fliegen einsam“. Schade!
Schade sicher auch, dass man es bislang immer sensationell geschafft hat, in der Schweiz zu spielen, wenn die Indoor Konzert Saison gerade ihren Abschluss findet oder erst richtig zu laufen beginnt, es für viele nicht passionierte Fans und Konzertgänger bereits zu schön und warm ist, um irgendwelche Konzerte anzuschauen, oder gerade Ferienzeit herrscht. Vielleicht schafft man es ja, mal in einem Winter in einer etwas kleineren Location hierzulande. Aber egal wo, ich werde wieder da sein, in dieser Stadt…
fuedlibuerger


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