GURTENFESTIVAL 2009 - TROTZ REGEN EIN VOLLER ERFOLG!






Röyksopp


Bonaparte


Glasvegas


Glasvegas


Patent Ochsner


Patent Ochsner


Kings Of Leon





Das diesjährige Gurtenfestival vom 16. Bis 19. Juli stand wettertechnisch nicht unter dem besten Stern. Doch das tolle Line Up und die zahlreichen gutgelaunten Besucher sorgten für unvergessliche vier Tage.

Als ich am Donnerstag das Festivalgelände betrat, war die Festivalstimmung bereits ganz weit oben. Die Sonne brannte vom Himmel und liess uns auf vier tolle Tage hoffen. Die Sonnencreme-Mannschaft hatte alle Hände voll zu tun und tausende Menschen sonnten sich genüsslich auf der Wiese. Um halb neun Uhr Abends spielten „Bloc Party“. Die Band um Sänger Kele Okereke gab Vollgas und das Publikum tanzte begeistert zum speziellen Sound. Kele Okereke zeigte sich auch noch kreativ und schnappte sich die Kamera eines Kameramannes, um selbst zu filmen. Auf Grossleinwand konnten wir beobachten, dass sich sein Talent in Grenzen hielt. Nichtsdestotrotz war die Stimmung grossartig und die Band punktete mit viel tanzbarer Musik. Danach warfen wir noch einen Blick auf die Waldbühne. Dort spielte die Schweizer Band „Solange La France“. Die Band aus Vevey begeisterte mit Elektro vom Feinsten und die Zuhörer hüpften auf und ab. Die Stimmung war in diesem Moment perfekt: Die untergehende Sonne, toller Techno-Sound, brennende Lichtlein und tausende Menschen: Besser könnte ein erster Festivalabend gar nicht sein.

Mit Röyksopp kam der Regen
Am späteren Abend drängte sich eine grosse Menschentraube vor der Hauptbühne herum. Der Grund: Um viertel nach elf spielte die beliebte Band Franz Ferdinand. Der erste grosse Headliner des Gurtenfestivals wurde dem absolut gerecht: Das Quartett aus Glasgow gab von der ersten bis zur letzten Sekunde Vollgas und erntete viel Applaus. Bis hinauf zum Bacardi-Dom standen die Menschen und genossen Songs wie „Ulysses“ oder „Call Me“. Das Wetter spielte zwar immernoch mit, doch die übertriebene Wärme und der Regengeruch, der in der Luft hing, sorgten für viele besorgte Blicke nach oben. Und unser Gefühl hat uns schliesslich nicht getäuscht: Kaum waren wir bei der Zeltbühne, auf der die norwegischen Elektro-Synthie-Pop-Musiker Röyksopp um viertelvor eins loslegten, begann es wie aus Kübeln zu giessen. Noch standen wir bei der Zeltbühne im Trockenen, doch viele entsetzte Blicke wanderten nach draussen, wo die ersten Menschen ihre Regenschütze auspackten. Die Band liess sich davon nicht beirren und legten eine tolle Show aufs Parkett. Der zweite Song war der Knaller „Eple“, und spätestens bei dem Song wurde der Regen nebensächlich. Die Zuschauer waren voll bei der Sache und genossen das Konzert vollkommen. Sängerin Karin Dreijer beeindruckte nicht nur durch ihre helle Stimme, sie konnte sich auch toll in Szene setzen und trat zwischendurch auch mit toller Maskerade auf. Damit war der erste Festivaltag auch schon zu Ende und wir versuchten so schnell wie möglich ins Trockene zu kommen.

Ein unvergesslicher Freitag
Wie wir bereits befürchtet hatten, blieb der Regen hartnäckig. Als wir am Freitag auf dem Festivalgelände ankamen, sahen wir bereits die Nachwirkungen des Gewitters der Nacht: Die Wiese, auf der wir am Donnerstag Nachmittag noch die Sonne genossen hatten, war zu einer Schlammwüste geworden. Doch das Gurtenpublikum wäre nicht das Gurtenpublikum, wenn es sich davon entmutigen lassen würde. Die nigerianische Sängerin Ayo aus Deutschland zog am Nachmittag bereits viele Besucher vor die Hauptbühne und beeindruckte mit ihrer samtweichen Stimme. Sie erinnerte an Corinne Bailey Rae oder Nineka. Dank der akustischen Gitarre und ihrer Stimme kam eine wunderbare gelassene Stimmung auf, auf dem Berner Hausberg. Der Regen trommelte zwar noch immer vom Himmel, doch Ayo schaffte es, ihn in den Hintergrund zu rücken. Danach stürmten die Festivalbesucher zur Zeltbühne. Nicht nur, um Schutz vor dem Regen zu suchen, sondern auch, um die Band Friendly Fires zu hören. Doch dann verkündete der Ansager, dass die Band krank geworden sei und nun eine australische Band stattdessen auftreten werde: Morph. Die anfängliche Enttäuschung schlug nach nur wenigen Minuten in restlose Begeisterung um. Dank dieser tollen elektronischen Popmusik wurde den Zuhörern sofort wieder warm. Sogar ein Song von Prodigy wurde gespielt! Das Publikum tanzte und johlte und schien froh, diese tolle Band entdeckt zu haben. Die CDs von Morph waren jedenfalls ziemlich schnell ausverkauft beim Merchandising-Shop. Nun waren wir perfekt aufgewärmt, um uns einen feinen Happen zu Essen zu holen. Wie jedes Jahr standen wieder unzählige Möglichkeiten zur Auswahl. Von Chinesisch über Mexikanisch bis hin zu gut bürgerlicher Schweizer Hausmannskost war einfach alles vorhanden. Auf der Waldbühne spielte inzwischen Heidi Happy und erfreute das Publikum mit ihren tollen Songs. Trotz der vielen melancholischen Einflüssen sorgte sie für gute Laune und betörte mit viel Stimme und noch mehr Herz. Dies schien das Publikum nötig zu haben, denn der Regen liess nicht nach und die Kälte erinnerte eher an Winter als an Sommer. Doch die Vorfreude auf den Abend stieg trotzdem immer weiter: Schliesslich wurde es Zeit für den Solo-Auftritt von Seeed-Sänger Peter Fox. Mit seinem Debut „Stadtaffe“ hat er viel Erfolg und tausende neue Fans gewonnen. Sein Mix aus Tribal, Pop und deutscher Sprechgesangsmusik scheint genau den Nerv der Zeit zu treffen. Sein Auftritt an diesem Abend war einfach nur spektakulär. Die tollen Bühnenbilder, die grosse Anzahl an weltklasse Musikern und die richtig gute Musik sorgten für Hochstimmung. Das Publikum sprang und tanzte mit bis in die hinterste Reihe. Die vier Trommler stahlen Peter Fox beinahe die Show: Mit ihren lässigen Choreographien und beeindruckenden Trommelqualitäten ernteten sie immer wieder Zwischenapplaus. Aber auch Peter Fox wusste, mit welchem Hüftschwung er die Aufmerksamkeit wieder auf sich lenken konnte. Wer Peter Fox vorher nicht gekannt hatte, war sicherlich beeindruckt und vergisst das Konzert nicht so schnell wieder. Auch freute sich das Publikum über den ein oder anderen Seeed-Hit: Bei „Aufstehn!“ sangen jedenfalls alle Zuschauer im Chor mit. Der sympathische Sänger erklärte: „Wir haben nur zwölf Songs auf dem Album, sollen hier aber 1.5 Stunden spielen. Also mache ich halt noch ein paar andere Sachen“. Und das kam echt gut an!

Ein kunterbunter Abschluss
Mit Hip Hop wurde der Freitag ausgeklungen. Erst zog es die Fans von deutschem Hip Hop zur Zeltbühne, wo Maskenmann Sido sein ganzes Repertoire wiedergab, danach war Stress auf der Hauptbühne an der Reihe. Er spielte seine ganz grossen Hits und auch viel vom neusten Album. Man spürte auch, dass sehr viele Menschen nur seinetwegen an diesem Abend auf dem Gurten waren: So viele Fans drängten sich nach vorne, um den welschen Rapper hautnah erleben zu können. Wer danach noch nicht genug hatte, erlebte um 2 Uhr noch eine Show der besonderen Art. Die Schweizer Band Bonaparte. Sie machen eine regelrechte Zirkus Show auf der Bühne. Mit ihrem Rock’n’Roll-Pop durchbrechen sie Grenzen, nicht nur musikalisch, auch visuell. Da wundert es nicht, dass auf einmal ein verkleideter Hase auf der Bühne herumtanzt. Doch als Frontmann Tobias Jundt sich auch noch alle Kleider vom Leib riss, stockte so manchem Zuschauer doch noch der Atem. So eine ausgelassene und unbekümmerte Band hat die Gurtenbühne wohl noch nie gesehen.

Ein Knaller nach dem anderen!
Am nächsten Tag hiess es früh aufstehen. Immerhin spielte der Zürcher Rapper Phenomden auf der Hauptbühne. Mit seinen Hits „Stah da!“ und „Lied im Ohr“ punktete er genauso wie mit seinem Charme. Er präsentierte sich sehr symphatisch und trotzte damit dem noch immer anhaltenden Regen. Das Festivalgelände war inzwischen zu einer solchen Schlammschlacht geworden, dass es fast wieder Spass machte. Jeder war so richtig dreckig und es scherte keinen mehr, ob nun die Schuhe und Kleider im Eimer waren. Man genoss nur noch die Musik. Um 15.45 Uhr war es Zeit für Silbermond auf der Hauptbühne. Keine Band überraschte mich so sehr wie diese. Ich hatte zwar immer gewusst, dass diese Band live einiges drauf hat, doch wie gut die wirklich sind, hat mich erstaunt. Die Musiker sind erstklassig und Steffi hat eine lupenreine Stimme und ist unheimlich symphatisch. Spätestens, als sie in perfektem Schweizerdeutsch eine Ansage gemacht hat, hat sie die Herzen des Publikums erobert. Zudem holte sie einen jungen Mann aus dem Publikum auf die Bühne, der ihr helfen sollte, Stimmung zu machen (obwohl sie das gar nicht nötig hat). Er war sichtlich begeistert von der attraktiven Sängerin und erfüllte seinen Job. Mit ihrem strahlenden Lachen schien Steffi übrigens nicht nur das Publikum zu erfreuen, sondern auch Petrus: Zum ersten Mal seit Donnerstag Nacht zeigte sich die Sonne wieder und ein erfreutes „Aaaaah“ zog sich durch durch die Menschenmenge. Dementsprechend gut gelaunt setzte Stefanie zum Stage-Diving an: Sie liess sich, untermalt von Musik ihrer Band, auf den Händen der Zuschauer durch die Menge tragen. Die Stimmung war wirklich auf dem Höhepunkt und die Band wurde mit minutenlangem Schlussapplaus belohnt. Herunterfahren konnte man anschliessend bei der Waldbühne mit dem Schweizer Songschreiber Henrik Belden. Mit seinen ruhigen und leichtfüssigen Songs verbreitete er gemütliche Nachmittags-Stimmung auf dem Gurten. Perfekt, um die Batterien für die Show von Razorlight wieder aufzuladen. Die beliebte Band aus London um Frontmann und Bassist Johnny Borrell rockte von der ersten Sekunde an los. Auch wenn es inzwischen wieder leicht zu regnen begonnen hatte, war die Menschenmenge richtig beeindruckend, die sich vor der Hauptbühne tummelte. Beim grossen Hit „Wire to wire“ sangen alle lauthals mit. Danach stürmten viele Zuschauer zur Zeltbühne, um die Lovebugs zu hören. Viele blieben allerdings direkt bei der Hauptbühne stehen, um sich einen guten Platz für Oasis zu sichern. Die Kultband legte um 21.45 Uhr los und die Stimmung war kurz vor dem Überkochen. Die Oasis Brüder Noel und Liam Gallagher sprachen zwar kein Wort und verzogen keine Miene, die Musik jedoch machte alles wieder wett. Man spürte, dass sie allein mit ihrem Sound die Leute bezaubern können. Es war ein unglaubliches Gefühl, Oasis live zu erleben. Besonders als sie ihren grossen Hit „Wonderwall“ oder auch „Don’t Look Back In Anger“ spielten, ernteten sie lauten Jubel. Nach diesem beeindruckenden Konzert schleppten wir uns, schon sehr müde vom vielen Tanzen, zur Zeltbühne, um die Newcomerband Glasvegas zu sehen. Die gute, melodiöse Rockmusik war perfekt, um die Samstag Nacht ausklingen zu lassen. Die Kälte trieb uns dann aber doch wieder zum Essenszelt, und so lauschten wir den Klängen von Trip Hop Star Tricky nur mit halbem Ohr. Was wir hörten war zwar klasse, doch unsere Beine konnten uns kaum noch tragen. Um zwei Uhr morgens tranken wir nochmals einen Energy-Drink, damit wir zu Pendulum richtig abtanzen konnten. Die Drum’n’Bass-Elektro Band war einfach grossartig. All die müden Menschlein, die kurz zuvor noch im Food-Zelt auf ihren Bänken gehangen hatten, hüpften jetzt komplett begeistert auf und ab. Pendulum hatte so viele Zuschauer, es war kein Durchkommen mehr. Die Müdigkeit war wie weggeblasen. Besonders beim Hit „Propane Nightmares“ verwandelte sich das Zelt zu einem richtigen Club. Während dieses Konzerts war der Bacardi-Dom mit Sicherheit wie leergefegt. Einziger Wehmutstropfen: Trotz minutenlangem Applaus und zahlreichen Zugabe-Rufen liess sich die Band nicht nochmals blicken.

Wie Sex ohne Kuscheln
Der Sonntag fing vielversprechend an. Um halb zwölf trat der Schweizer Soul-Export Seven auf der Hauptbühne auf. Der „Justin Timberlake der Schweiz“ spielte seine vielen tollen Hits und zog trotz der frühen Uhrzeit unglaublich viele Menschen vor seine Bühne. Pünktlich mit ihm ging auch die Sonne wieder auf. Endlich hörte der Regen auf und man konnte seine Lieder richtig geniessen. Besonders der Hit „Lisa“ kam richtig gut an. Die Leute tanzten sich warm für den Tag. Um zwei Uhr kündigte der Ansager auf der Hauptbühne die Berner Hausband Patent Ochsner an. „Das Gurtenfestival ohne Patent Ochsner ist wie Sex ohne Liebe. Es geht irgendwie, aber es ist nicht perfekt“, scherzte er. Dann fing die achtköpfige Band auch schon zu spielen an und Frontmann Büne Huber legte sofort mit „Tiger“, dem ersten Song des neuen Albums, los. Dann folgten auch bekannte Hits wie „Fischer“, „Ludmilla“, „Globetrotter“ und natürlich „w.nuss“. Man spürte, dass man auf dem Berner Hausberg war, denn praktisch Jeder schien die Songs auswendig mitsingen zu können. Büne schlug zwischendurch auch ruhigere Töne an, beispielsweise bei „Apollo 11“, einem Song, der von der Mondlandung im Juli 1969 handelt. „Wir verbeugen uns in Ehrfurcht vor diesem sinnlosen Unterfangen“, scherzte er. Während dieses gefühlvollen Songs war es mucksmäuschenstill auf dem Gurten. Auch wenn am Ende keine Zeit mehr war: Die Band musste Scharlachrot noch spielen. Das Publikum hörte dann auch mit dem Klatschen nicht auf, als die Techniker bereits die Instrumente von der Bühne räumten. Ein echt tolles Konzert. Danach war Zeit für Travis. Leider startete die Band 25 Minuten zu spät, doch die charmante Entschuldigung von Sänger Fran Haley kam gut an. Die Band spielte einen bekannten Song nach dem anderen, unzählige Hände waren in der Luft. „Sing Sing Sing“ kam ganz besonders gut an. Fran Healy wagte sich schliesslich ins Publikum und liess sich von einigen starken Händen in die Luft heben. Die Stimmung war unbeschreiblich. Die Band versteht es wirklich, das Publikum mit einer perfekten Live-Show zu überzeugen. Es war klasse, diese Band einmal live erleben zu können. Anschliessend ging es direkt zur Zeltbühne, wo Plüsch-Frontmann Ritschi mit seiner Solo-Platte „Probier mi doch mal us“ das Publikum überzeugte. Dass er grosse Entertainer-Qualitäten besitzt wissen wir ja bereits von vergangenen Plüsch-Konzerten. Doch auch alleine schlug er sich äusserst souverän. Nun musste schnell noch was gegessen werden, um schliesslich die Headliner des Abends, Kings Of Leon, geniessen zu können. Die Rocker trieben die müden Festivalbesucher schnell wieder auf die Beine. Besonders beim Hit „Use Somebody“ wurde lauthals mitgesungen. Es war unglaublich, wie viele Menschen bei diesem Konzert vor der Hauptbühne standen. Bis weit in den Berg hinauf standen die Menschen und erfreuten sich am Sound der Amerikaner. Wir waren schliesslich so müde, dass wir den Rückweg ins Tal antreten mussten. Auch wenn wir Schauspielerin und Sängerin Juliette Lewis sehr gerne noch gesehen hätten. Wie wir gehört haben, war sie unvergesslich. Aber ich muss sagen: Alle vier Tage waren unvergesslich!
Stella Nera


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