LO FAT ORCHESTRA IM WIDDER WINTERTHUR (16.01.2010)

Letzten Samstag begeisterte die "Low-Budget-Band" Lo Fat Orchestra mit einem fulminanten Auftritt das Winterthurer Publikum.

Gespannt ist man also auf das Lo Fat Orchestra, welches von Radio Stadtfilter als DIE Schweizer Band gepriesen wird.

Kaum sind sie, kurz nach 22.00 Uhr, auf der Bühne, kracht es auch schon gewaltig. Mit "Style", dem ersten Song ihres aktuellen Albums "Questions for Honey", schaffen sie es sogleich das gesamte Publikum für sich zu gewinnen – ohne verzweifelt darum bitten zu müssen. Reden tut niemand mehr. Alle Augen sind auf dieses Hammerorchester gerichtet.
Dabei handelt es sich um ein wahnsinnig energiegeladenes Orgel-Drum- n' Bass-Trio, noch immer wohnhaft in Schaffhausen. "Der Stadt mit den besten Bands überhaupt", wie Michi, der Veranstalter des Abends, behauptet. Ihm wäre es wohl also auch zu verdanken, dass das Lokal überfüllt ist und, dass Radio Stadtfilter auf diese Band aufmerksam wurde.

Mit "Esta Noché" aus dem Album Canned Candies zieht die "Low-Budget-Band", wie 'Chrisi the Man' – Head und Organist – seine Band liebevoll bezeichnet, das Publikum bis in die hintersten Reihen in den Bann. Umgehauen wohl auch durch die fulminante Einleitung von Drummer 'Dan'. Am Nebentisch einige Spätpubertierende, die sich gegenseitig zunicken. Der eine schreit was von "hammermässig" oder andere was von "so geil" und "krass". Dieser Meinung scheinen alle im Raum zu sein.
Bei "Questions for Honey" ist man dann noch etwas verwirrt. Man fragt sich irgendwie, was hier nicht stimmt. Das waren doch grad mal drei Jungs und nicht vier, oder? Aber da sind doch Gitarrenriffs zu hören. Gewisse Köpfe aus den hintern Reihen scheinen nach einem Gitarristen Ausschau zu halten. Doch das ist auf Chrisis Mist gewachsen, denn er schafft es, wie kaum ein anderer, aus seinem Kasten solche Effekte rauszuholen. Die Suche ist jedoch schnell aufgegeben und widmet sich voll und ganz dem Sound. Man kann eh nicht anders. "Emo Kid" kennen die meisten, sofern sie keine Scheibe besitzen, aus dem Space. Auch hier rollen die Köpfe, alle brüllen, pfeifen und gehen ab.
Die Präzision bei "Lo Fat Pils" erstaunt. Herrliche Beats und ein toller Groove als Einstieg. Das erinnert schon beinahe etwas an The Cure's "alt.end", nur etwa dreimal so schnell. Als Chrisi zum Echo ansetzt, ist das Publikum hin und weg. Oftmals können solche Effekte ganz schön nervig sein. Nicht aber hier. Vielleicht klingt sein Stimme zwischendurch etwas hysterisch und psychotisch. Sehr passend zum Titel. Er schafft es auf eine schon beinahe hypnotische Art und Weise, dass ein Grossteil der Leute die Augen schliesst. Die Körper hüpfen weiterhin.


Auftritt im Gaswerk, Winterthur eingefädelt

Und wie kann man ihren Stil beschreiben? Zu ihren Lieblingsbands zählen The Make-Up, die Beatles, Dinosaur jr. und die Lemonheads. Dennoch lässt sich ihr Sound nicht wirklich in eine Schublade stecken. Nun: 'Stan' - der Bassist - bezeichnet es selbst als 'Minimalkrautrock'. Obwohl: minimal? Dann wohl eher schmutzig, derb, groovig, trashig. Für Normalos könnte man es vielleicht noch am ehesten folgendermassen bezeichnen: einer Mischung aus Retro, Wave, Space, Trash und Punk mit einem gewaltigen Schuss an Groove n' Noise.
'Dan' und 'Stan', beide aus dem Schwarzwäldischen, zog es 2004 nach Schaffhausen, wo Chrisi bereits für sich selbst zahlreiche Song aufnahm. Er und Stan waren schon länger befreundet und sie beschlossen gemeinsam jene einzuspielen. Der begnadete Drummer 'Dan', gesellte sich dazu. Kurz darauf ging es unvorbereitet ab in die USA, genauer gesagt nach Detroit, wo sie als Vorgruppe von Members of Staff auftraten, was somit (und zum Glück für uns aller Ohren) zur definitiven Gründung der Band führte. Das war 2005.
2007 folgte das erste Album mit Namen "Canned Candie". Darauf so tolle und energiegeladene Songs wie "Esta Noché", "Trailer Girl" oder "Memory".

Nachdem das also so mehr oder weniger geklärt wäre, weiter mit dem Stimmungsbericht: Es ist verdammt laut. Vor allem der rein instrumentale Hammersong "C.S.I black Forest". Auch die Hartgesottensten haben zu Ohrstöpsel greifen müssen. Nichts desto trotz: die Menge ist am Brodeln. 'Dan' legt mit seinen Drums ein dermassen rasantes Tempo fest. Spätestens jetzt steht kein einziger Mensch mehr still. Alles riecht nach Bier und Schweiss. Kein Wunder, denn alle springen, johlen und pfeifen. So muss es doch sein! Und das Publikum will mehr. Immer mehr. Erste Zugabe, zweite und sogar dritte! Unter anderem eine Cover-Version von "A Forest" (again and again and again and again…), "Milk and Chocolate" und erneut "Trailer Girl" und "Esta Noché".

Die Jungs geben alles und haben sichtlich Freunde daran, selbst wenn sie klitschnass sind. Man hat sich also über weit mehr als zwei Sunden gegenseitig angesteckt. Was will man mehr? Tja, eines vielleicht: das Lo Fat Orchestra so schnell wie möglich wieder sehen! Das kann man auch. Denn nebst des gelungenen Abends hier, hat die Band einen weiteren Auftritt im schönen Winterthur eingefädelt. Sie werden am 20.März zum Jahresjubiläum von Radio Stadtfilter im Gaswerk auftreten.
Muss man da noch mehr sagen? Nein, ausser eines vielleicht noch so zum Schluss: hingehen ist Pflicht! Da hat man dann auch etwas mehr Platz, um die Arme herumzuschwingen, ohne einander zu verletzen.

Weitere Konzerte:
- 30. Jan 2010, Frison, Fribourg
- 15. Feb 2010, White Rabbit, Fribourg
- 20. Feb 2010, Cortina Bob, Berlin
- 21. Feb 2010, Life bei Ken FM, Potsdam-Babelsberg
- 20. Mrz 2010, Gaswerk, Winterthur
- 10. Apr 2010, Barracuda, Aarau
- 15. Apr 2010, Münzgasse 13, Tübingen
- 20. Nov 2010, Südviertelpop, Ingolstadt, Bayern

Gabriella Hohendahl


Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?
Unsere Website verwendet Cookies, um seinen Lesern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Teilweise werden auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen findest Du in unserer Datenschutzerklärung.