BAP IM SALZHAUS (13.05.2010)






Fotos: fuedlibuerger

Also ich geb‘s zu, noch so gerne: Ich bin ein BAP-Fan "light"! Ich kenne die wenigsten Songs, geschweige denn die Texte, noch kann ich die Songs irgendwelchen Alben zuordnen, deren Titel ich sowieso auch nicht oft kenne.
Aber: Ich habe so ziemlich jedes BAP-Album! Alben dieser Band kaufe ich blind, einfach so. Ich hör sie durch und bin zufrieden mit dem Leben. Wolfgang Niedecken besingt dieses mit seinen Ecken und Kanten, über die grossen Siege und die kleinen Niederlagen und das in einer schier unglaublichen Konstanz und Qualität, seit mittlerweile 34 Jahren.


Nun machten sie eine Extra-Tour und zogen dabei noch kurz durch die Schweiz, wo sie auch im Winterthurer Salzhaus Halt machten. Die Schlange am Eingang war lang, wie selten, schon früh war es gerammelt voll, selbst im hinteren Bereich, wo man „nur“ über eine Leinwand auf die Bühne sieht, haben sich die Leute in Position geworfen. Die Stimmung: gut gelaunt, gemässigt, nicht euphorisch, aber extrem harmonisch.

Punkt 20.30 Uhr trat dann das Sextett (anfänglich Quintett) auf die Bühne, warum auch immer bereits so früh, fragte ich mich da noch… Locker begrüsste Niedecken die angereiste Schar und begann die Show. Gut gelaunt, gemässigt, nicht euphorisch, aber extrem harmonisch – diesen Eindruck erweckten auch BAP, spielten sie frei von der Seele ohne irgendwelche unnötigen Attitüden. Niedecken frischte das Ganze noch mit lockeren Sprüchen auf. Das ganze Geschehen begann richtig familiär zu werden und die Stimmung im Publikum war einfach herrlich. Für einmal waren diese Menschen, die sonst mit Freunden, die sie selten bis gar nie sehen, ihre Lebensgeschichten austauschen, zu Hause geblieben. Wie gesagt, was alles sie genau gespielt haben weiss ich nicht wirklich, zwischendurch konnte ich aber durchaus sagen: „Klar, kenn ich“. Aber ich war heute nicht hier wegen Songs, sondern wegen BAP, dieses Grooves, dieses „Heartrocks“, wie ich es nenne, nicht Musik zum Abgehen, sondern die an den Gefühlen kitzelt, und das schafften sie vom ersten Ton an! Früh fing mich ein Song ein, der mich aber auf dem neuesten Album, „Radio Pandora“ sehr schnell gepackt hat, alleine wegen des Textes:
Nä, bloß kein Stromjittar,
immer schön höösch un em Format!
Bloß nix, wat Eier hätt,
womöglich wer sing Meinung säät,
die irritiert, wemmer zohührt
– he läuf nur Musik, die nit stührt!

BAP haben mich gefangen und durch den Abend gezogen und immer wieder versank ich in diesen Songs und wann auch immer ich mal zur Seite schaute, es erging allen so. Song um Song durchdrang das Gebälk des Salzhauses und manch ein Fetzen Kölsch blieb mal hängen und regte zum Denken oder Schmunzeln an, manche Melodie animierte zur rhythmischen Bewegung und irgendwann bei „Aff un zoo“ gar zur Euphorie. Als ich dann mal auf die Uhr schaute, war ich erstaunt und ernüchtert, wie schnell bei solch geilen Geschichten doch die Zeit vergehen mag, bereits 22.30 durch, aber von der Bühne her kamen noch lange keine Anstalten, dass dieses Konzert sich gegen Ende neigt.
Noch einer, nochmals einer, noch zwei, immer mehr, immer länger, und durchs Band weg solide wie eine alte Klostermauer! Diese klassische Rockformation mit Drums, Bass, Synthies und zwei Gitarren holte alles aus ihren Instrumenten, das Ganze wurde zeitweise sehr schön untermalt von einer Geigerin, etwas ungewohnt, aber zu der Musik wunderschön. Klar, gewisse Anlehnungen an Bob Dylan und Bruce Springsteen sind nicht von der Hand zu weisen, aber vor allem Niedecken scheint, so wie es Kuno Lauener von Züri West letzthin hier beim Interview vermutet hat, „en grade Cheib“ zu sein, er, und auch der Rest wirkt authentisch, erdig. Und eines muss man Wolfgang Niedecken und seinen Mitmusikern lassen: Wer so lange spielt, alles noch so präzise hinkriegt und beim Singen noch jeden Ton trifft, vor dem verneig ich mich! Und die sind ja nicht hier für ein einmaliges Ding, nein, die sind mitten auf Tour! Und keine Sekunde hat man den Eindruck, hier spielt eine Maschine ihr Programm durch, zu viel Gefühl liegt in und zwischen den Tönen, zu viel Schweiss und Herzblut, zu viel Mensch. Wer BAP auf „Verdamp lang her“, den ewigen Hit hierzulande, reduziert, tut dieser Band unrecht, haben sie so viel mehr zu bieten. Aber klar, dieser Song gehört dann einfach auch dazu, irgendwann in den Zugaben, so um 23.30 Uhr… Wer denkt, dass dann Schluss war, der liegt falsch. Nochmals betraten die Kölner die Salzhausbühne und hängten nochmals drei Songs dazu, und nie hatte man den Eindruck, als wäre das eine Anstrengung, sondern es war reine Freude, auf und vor der Bühne, wo lautstark mitgesungen wurde.
Geschlagene 3h 15min – unfassbar, und phantastisch, Gefühleschmeissen auf höchstem Niveau!

Ich werde mich bessern, die Alben wieder mehr durchhören und ihnen viel Zeit widmen, es lohnt sich. Mich hat diese ganze Szenerie gepackt an Auffahrt. Eines jener Konzerte, die auffielen, weil sie nicht dieses röhrende „BOOAAAH!“ auslösten, sondern ein stilles „Wow!“

fuedlibuerger

Linktipps:
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