LUNIK IM SALZHAUS (05.09.2010)







Lunik waren in ihren Anfangsjahren für mich die Hoffnung, dass innovative Schweizer Musik im Ausland Erfolg haben könnte. Mit ihren elektronischen Sounds begeisterten sie so manches Publikum. Es kam anders, immer mehr entwickelte sich die Band in Richtung melancholischen Pop und die Entgeisterung meinerseits wurde immer grösser. Nichts destotrotz, wenn sie in meiner Stadt spielen, dann geh ich hin, wenn auch diesmal eher unter dem Label "Meinungsbildung"...

Sonntagabend, nach einem schönen Spätsommer-Weekend, machte ich mich auf zum Salzhaus, Lunik waren angesagt, Türöffnung 20.00 Uhr und noch war kaum jemand da.
Zu Beginn machte mich dies stutzig, später musste man sich dann damit abfinden, dass hier und heute wahrlich kein Grossandrang herrschen wird, zum Schluss war‘s dann ganz gut so...

Etwa zu einem Viertel gefüllt war der Saal, als die Lichter ausgingen und die Band ein warmes Intro begann. Wie fast befürchtet, stieg man mit ruhigen Songs und Sounds ein und startete eine legeren Konzertabend. Aber irgendwie fanden meine Freunde und ich, so viel Schlechtes konnte man der Melancholie und Ruhe von Songs wie "Preparing To Leave" oder "Diary" gar nicht abgewinnen. Wenn man sich die ganze Woche mit Arbeit rumschlägt, sich dann am Wochenende sonst noch irgendwie austobt und unzähligen Verpflichtungen nachrennt, dann kommt einem so etwas schon ganz gäbig entgegen, wir sind ja auch nicht mehr 20 und müssen ständig rumhüpfen.

Die Band spielte solide und Jael war wie gewohnt gesanglich auf hohem Niveau, sie hat sogar in den letzten Jahren an Entertainment-Qualitäten gewonnen. Hatte ich früher oftmals das Gefühl, als wolle sie auf der Bühne vermitteln, etwas spezieller zu sein als andere, meistert sie die Pausen zwischen den Songs mittlerweile mit sehr viel Witz und Charme und zu gerne hätten wir dann noch gesehen, wie sie pantomimisch "Lüstling" darstellt. Musikalisch reiste man weiter, jedoch alles nur Material von den letzten beiden Alben "Preparing To Leave" und "Small Lights In The Dark", resp. von dem in Italien veröffentlichten Werk "Lonely Letters". Einzig das HIM-Cover "Join Me", bei welchem sich in den meisten Gesichtern dieser "Das kenn ich doch irgendwoher"-Ausdruck festsetzte und "What It Means To You" vom Side-Projekt MiNa durchbrachen die Setlist mit neuerem Material. Nichts gegen diese Songs, wunderschön, gerade "Join Me", welches fast zur Unkenntlichkeit reduziert wurde, aber man hätte doch noch ganze drei Alben voller Songs, die man hätte einbauen können... Egal, denn das Gezeigte übertraf unsere Erwartungen um einiges. Die solide, ruhige Stimmung vermittelte eine ungeahnte Zufriedenheit, was sicher auch daran lag, dass das Salzhaus nur etwa zu einem Viertel voll war, irgendwie auch enttäuschend. Das Positive war dabei, dass alle Platz hatten, kein Gedränge, kein Geschubse, so dass sich Jael mal einen Ausflug ins Publikum genehmigte und sich singend durch die Reihen schlich, von vielen erst bemerkt, als sie direkt daneben stand.

Leider brachten auch die Zugaben keine alten Songs hervor, "The Rest Is Silence" oder "Falling Up", aber wie gesagt, der Stimmung tat dies insofern keinen Abbruch, da sich alles aus einem Guss präsentierte und alles sehr schwebend durch den Raum glitt, dem Fan erster Stunde blutete jedoch schon etwas das Herz, wenn man weiss, was für grandiose Songs sie zu dem gemacht haben, was sie heute sind.

Abgeschlossen wurde das Konzert mit dem wunderbaren Song "Set You Free" und Lunik entliessen die überschaubare Schar in die Nacht und die neue Woche, zufrieden waren alle, bis vermutlich auf den Drummer, der sich offenbar während der Show verletzt hat - Gute Besserung von unserer Seite!

Abschliessend kann man sagen, dass Lunik längst nicht mehr so spannend sind wie auch schon, aber umso solider. Wer auf solch ruhigere Abende steht und gehen kann, der soll hingehen, unbedingt, es ist eine Reise wert. Man muss sich aber auch bewusst sein, etwas anzutreffen, was es so, gerade in den letzten Jahren, nun einfach so oft gibt und gab, was ich sehr schade finde. Lunik sind keine Band, die eine proppenvolle Halle rocken kann, dafür fehlt der Pfupf im Repertoire, wie man hier so schön sagt. In einer vollen Location hätten aber die Songs auch an Energie und Magie verloren, die sie so wunderbar entfalten konnten. Also war, wenn sich auch irgendwo in einem Kässeli ein Loch auftat wegen mangelnden Auflaufs, dies dann doch der Gewinn für alle, die da vor der Bühne standen. Am bittersten fand ich zum Schluss, als mir eine Setlist in die Hand gedrückt wurde, dass der einzige Song, der nicht gespielt wurde "Through Your Eyes" war, wohl das Stärkste, was Lunik je veröffentlichten...

Off Topic: Das Salzhaus in Winterthur wurde programmtechnisch in den letzten fünf Jahren durch Andreas Gröber geprägt, welcher viele Bands in diesen alten Schuppen geholt hat, wo man es nie geglaubt hätte, dass die da mal spielen. Unglaublich viele gute und geile Konzerte schallten durch das Gebälk. Andreas Gröber hat das Salzhaus nun verlassen, um neue Herausforderungen anzunehmen und wir danken ihm für seinen Job und wünschen dem neuen Team gutes Gelingen in der Zukunft.
fuedlibuerger

Linktipps:
Künstlerportal Lunik
Offizielle Website
Website vom Salzhaus

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