MARYGOLD AM 14.10.2010 IM ALBANI


Marygold


Marygold


Fluud

Gleich vorne weg, das Wort des Abends: Materialschlacht!
Marygold aus Luzern werden heute das kleine Albani beschallen. Jene Band, die in Musikerkreisen seit längerem begeistert, die aber irgendwie den Weg zum grossen Publikum noch nicht gefunden hat. Gelobt werden sie andauernd, zuletzt, weil sie, nebst dem, dass es dann am Schluss doch auch noch eine grossartige Platte war, ein Tanztheater und den dazugehörigen Soundtrack (I Have To Stay To See How The Story
Ends) produziert haben, als progressive Rock-Band...


Zuerst waren aber die einheimischen FLUUD an der Reihe. Ein Quintett, welches sich vor nicht mal zwei Jahren formiert hat und bereits eine Platte, Where The Fog Tonight", ihr Eigen nennen. FLUUD spielen Trip-Hop, eher klassisch, stark angelehnt an Portishead. Das Ganze kommt sehr gut rüber, die Stimme von Sängerin Melanie Ramseyer ist schön eingepackt in die Sounds ihrer Mitmusiker. Sie wirken noch etwas starr und gar eckig, es fehlt, so aus Sicht des Zuschauers, noch an Spielpraxis. Die Sounds, gerade die elektronischen Elemente, wirken noch zu sehr gesucht und konstruiert. Nicht alle haben das Flair, gerade wie es Björk oder Portishead praktizieren, solche Spielereien zu erfinden und einzubauen, als wären sie lebenswichtig für einen Song. Aber nach ihren 50 Minuten Ruhm auf der Albanibühne muss man sagen, es war sehr okay, muss man unbedingt im Auge behalten, wären sicher Kandidaten, mal da und dort als Support bei Annakin oder ähnlichem den Konzertabend zu starten.

Danach kam das, was der Zuschauer befürchtete. Das Chaos! Hatten schon FLUUD ordentlich Material und Instrumente auf die Bühne gepackt, kamen nun MARYGOLD und verlegten Kabel, wie es vermutlich seit PINK FLOYD nicht mehr gemacht wurde. Und das mal zum klar stellen: MARYGOLD waren heute nur als Duo unterwegs...
Alleine was sich da Philipe Burrell aufbaute, sprengte die Vorstellungen von so manchem Zuschauer. Alleine das hätte eigentlich gereicht, um etwa sechs Musiker vollends zu beschäftigen. Daneben Trommler Patrik Zosso, der auch mehr Elektronik um sich scharte, als es eigentlich Steckdosen zu haben schien. Lustig war es auf alle Fälle schon mal, den beiden zuzuschauen, wie sie dieses Unikum, wie man es vielleicht aus düsteren 80's-Industrial-Videoclips kennt, aufbauten und verkabelten. Ich hätte schon längst die Nerven verloren.
In dieses Gewirr kamen plötzlich Töne. Und hätten die etwa 40-50 Zuschauer ihr ganzes Vermögen darauf verwettet, dass sie nun den Soundcheck machen, baute sich das unerwartet bereits zu einem Song auf. Und auf einmal verstanden die Anwesenden, wie das nun funktioniert, mit so viel Material und nur zwei Musikern. Wärend Zosso elektronische Beats aufbaute, loopte Burrell mit Orgel, Stimme, Gesumme und Gitarre ganze Soundteppiche. Was irgendwie banal wirkte und nach Hochzeits-Stimmungs-Duo tönte nach den ersten Sekunden, baute sich zu einer unüberwindbaren Klang-Mauer auf. Songs, die so locker die Fünf-Minuten-Grenze knackten und nicht nur spannend daher kamen, sondern auch zum staunen einluden. Man wusste gar nicht wohin schauen, man war regelrecht überfordert als Publikum. Da sang es doch zweistimmig im Refrain, wann hat er dann das geloopt? Keine Ahnung, aber es war einfach grandios. Auch wenn der Applaus schon grösser war, die Leute waren schwer beeindruckt. Wie will man das musikalisch einordnen? Ich denke, wenn TALK TALK Mastermind Mark Hollis als Frontmann bei ARCHIVE einsteigen würde und sie dann so MUSE Songs neuinterpretieren würden, so tönt das, was MARYGOLD bieten. Sie zogen einen Wall hoch mit Elementen, sowas gehört eigentlich auf grosse Bühnen. Aber nicht nur das, verstand es dieses Duo auch, ein paar wenige Songs in gekonnter Singer/Songwriter-Manier einzubauen, ohne Loops, nur etwas Drum und Gitarre. Danach wurde wieder gemauert und zugedröhnt, herrlich. Ein riesen Gebastelt von zwei Freaks, die rumexperimentieren ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das nun auch gut tönt oder aussieht. Sondern nur der nächste Song im Kopf und wie man den aufbaut. Irgndwann hab ich es vollends aufgegeben, zu versuchen nachzukommen, wer wann welches Element loopt und war einfach begeistert, die Augen zu verschliessen und zu hören, was Burrell und Zosso bringen, was andere Bands mit acht Musikern nicht hin kriegen.
Zu hören, wie ein geiles Solo über ein wahnsinns Riff fiel, Burrell mit seiner fast einzigartigen Stimme drei-, wenn nicht sogar vierstimmig die Refrains durchlitt. Dazu Patrik immer die richtigen Beats trommelte, weit weg von standartisiertem bumm/zägg-4/4-Takt, und trotzdem vertraut.

Ich hatte wärend dem ganzen Auftritt von MARYGOLD nie das Gefühl, als wäre irgend etwas irgendwie Anstrengung, nicht die ganze Arbeit der Musiker an sich, auch die Song. Sie sind nicht massentauglich, aber sie verweigern sich nie, es geht einfach vorwärts. Nichts wirkt gesucht, konstruiert oder sich gegen trends wehrend. Es ist Musik, irgendwo zwischen den Stühlen von RADIOHEAD, ARCHIVE und MUSE runtergefallen, liebevoll und schön zusammengewischt.

Indierock vom feinsten, zwischen ruhiger Einkehr und brachialem Ausbruch, geradeaus, ohne Anbiederung und gesuchten Aufhängern, weder klanglich noch optisch.
Hingehen - Anschauen!!
Fuedlibuerger

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