WIR SIND HELDEN IM KAUFLEUTEN (16.11.2010)

Die Deutschrocker von WIR SIND HELDEN sind zur Zeit gross auf Tour und machten dann auch mal noch Halt in Zürich, um den schönen Kaufleutensaal zu beschallen. Ausverkauft sei es und ein sehr geiles Album hätten sie im Gepäck.

Wir sind Helden sind mir schon früh mal auf einem Festival aufgefallen, auch durch Berichte in Funk und Fernsehen, sie waren keck, frecher, lockerer, etwas anders als der übliche Deutschrockdurchschnitt, hatten aber auf den ersten beiden Alben für mich zu viele Aussetzer - sehr gute Radiohits, viel belangloses Beigemüse. Mit "Soundso" änderte sich das bereits markant und jetzt, mit dem im Sommer veröffentlichten "Bring mich nach Hause", legte die Band für mich ihr indiskutabel bestes Werk vor. Gespickt weiterhin mit süffigen Radiohits, aber keine Füller mehr zwischen den Zeilen, solide Arbeit durch und durch. Texte, die man ernst nehmen konnte, dazu weiterhin lockere Phrasen und Melodien anderweitig. Auch musikalisch hatte das Ganze viel mehr Hand und Fuss als in den letzten Jahren.

Unter dieser Voraussetzung machte ich mich mit viel Vorfreude auf nach Zürich, die Schlange am Eingang war lang, die Menschen gut drauf. Auch im Saal, ordentliche Laune, nichts könnte schief gehen an diesem Abend. Dementsprechend platzierte ich mich wie gewohnt im näheren Umfeld des Mischpultes und wartete gespannt. Und dann kam es, wie ich mir es nicht gewünscht hatte...

Wir sind Helden meets Stadionrock! Und das im gepflegten Holzbau zu Kaufleuten. Es tönte einfach schrecklich, eine breite Wand von irgendwas erreichte mich, man hörte zwar, dass irgendein Bass gespielt wurde, der verschwand aber in einem Brei aus Synthesizer und klirrenden Gitarren. Die Songs erkannte man zwar sofort, aber es kam daher wie Coldplay im Wembley Stadium, völlig hochproduzierte Musik, die dies einerseits vom Stil her nicht wirklich verträgt, und andrerseits einfach nicht in diese Location passt. Die Meute um mich herum störte dies zum grössten Teil wenig, die Stimmung war wirklich toll, bereits früh reihten sich Songs ein, die jeder aus dem Radio kannte und die man locker und auch gerne mitsingt. Wenn man denn textsicher war, denn verstanden hat man von Judith Holofernes nicht wirklich, der Hall und der Instrumentenbrei degradierten den Gesang zu einem Gesäusel, wie auch die Ansagen zwischen den Songs, die man hinten beim Mischpult kaum mehr komplett mitbekommen hat.

Wie oben bereits erwähnt, Wir sind Helden haben etliche Radiohits, die mit einfachen Zeilen markante Inhalte transportieren, dazu verpackt in gute, eingängige Melodien, die bleiben. Das Ganze gespielt von einer Band, die hier in Zürich einen sehr soliden, eingespielten Eindruck hinterliess, alles passte, keine Aussetzer oder Hänger, Wir sind Helden waren parat, es funktionierte in diesem Sextett dort oben auf der Bühne. Leider beliess man es dabei, die sowieso bereits auf gehörgangerträglich formatierten Songs eigentlich so runterzuspielen, wie sie bereits allen bekannt auf Platte gepresst sind. Weder die Songs noch die Setliste boten irgendeine klitzekleine Überraschung, man hätte auch schlicht die CDs hören können. Klar, auch hier: Für die breite Masse war dies super, es wurde gesprungen und gesungen von ganz vorne bis weit in die hinteren Reihen, alle Refrains erklangen im lauten Chor, die Stimmung unter den meist jüngeren Fans war phänomenal.

Für mich war das aber schlicht zu simpel, eine Band, die solche Songs schreiben kann, sogar Songs in japanisch und französisch veröffentlicht hat und dann weder Mut noch Ideenreichtum aufbringen vermag, live irgendetwas mehr zu bieten als das, was man eh schon als Platte zu Hause hat, was auch immer. Aber auf eine Bühne zu stehen und eine Art "Best of Singles" zu spielen, find ich heutzutage doch etwas plump. Wir sind Helden degradieren sich so für mich zu einer Durchschnitts-Radiohit-Band, die sie, so könnte man meinen, wenn man ihr aktuelles Album hört, eigentlich nicht sein müssten. Dazu dieser unsägliche Mix aus den Boxen, der die Musik und deren Akteure einfach nur beliebig und austauschbar machten. Keine klaren Riffs, keine Kanten, keine klaren Töne, nichts.

Schade, ich hab mich wirklich gefreut, sonst wär ich da nicht hingegangen....
fuedlibuerger

Linktipps:
Kaufleuten
Das aktuelle Album "Bring mich nach Hause" anhören und downloaden
Künstlerportal von "Wir sind Helden"
Offizielle Seite

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