JULI IM KAUFLEUTEN (26.11.2010)







Elf Konzerte spielen JULI auf ihrer aktuellen Tour. Das sind nicht gerade viele. Immerhin ist eine Station davon Zürich. Da gehen wir hin - wie eigentlich so oft, wenn sie in der Region spielten. Umso lieber sogar, weil es im Kaufleuten war, einer wirklich guten Konzertlocation.

Ganz ehrlich: Juli haben dieses Jahr im Zuge vieler Releases von populären Deutschrock-Vertretern wie WIR SIND HELDEN, SELIG oder CHRISTINA STÜRMER und vielen Anderen ganz klar das schlechteste Album vorgelegt. Ausser vielleicht ein zwei Songs ist das für mich zum schnell wieder vergessen. Wie würde sich das live auswirken? WIR SIND HELDEN hatten vor knapp zwei Wochen die Messlatte erschreckend tief, SELIG hingegen vor ein paar Tagen erstaunlich hoch vorgelegt! Wir werden sehn...

Pünktlich um 20.00 Uhr legten JULI, tief eingetaucht in blaues Licht, was die neu entdeckte Farbe von Deutschen Bands zu sein scheint, los: ruhig, aber mit Volumen. Bereits nach einem halben Song wusste ich, worüber ich mich heute wohl kaum ärgern werde. Es tönte, und zwar nicht irgendwie sondern ordentlich, die Sounds füllten den Saal aus, guter Klang, warmer Ton. Vorne spielten sich fünf Musiker warm und schienen parat zu sein für einen gelungenen Abend, die Massen im Kaufleuten waren guter Dinge und erwarteten viel.

Und JULI konnten was bieten. Eva Briegel, die zu Beginn doch noch eher etwas zu leise war setzte sich mit ihrer Stimme immer mehr in Szene und sang sehr solide, auch sehr entspannt. Ebenso wirkte die Band, es bewegte sich alles sehr organisch, untermauert durch die LED-Wand im Hintergrund. Musikalisch spielten sie sich bunt durch ihren Katalog, boten aber irgendwie keine wirklichen Überraschungen. Es zeichnete sich für mich auch schnell ab, dass die Band etwas erwachsener und abgeklärter geworden war. Die Sturm-und-Drang-Zeiten von 2004 schienen passé, leider... Waren sie damals im Salzhaus, als sie gerade knapp den Hit „Die perfekte Welle“ veröffentlicht hatten, wild und ungestüm und wirbelten über die Clubbühnen, hat sich das leider mittlerweile verloren.

Dies zeigte sich auch etwas nach der Hälfte des Konzerts. War die Songauswahl ohnehin schon nicht gerade geprägt von den schnellen Stücken, sackte das dann alles nochmals weiter ab. Klar, sie haben dann immerhin Texte die einem noch auf- und abzufangen vermögen, aber wenn dann mit ihrem wirklich absoluten Wahnsinns-Song „Dieses Leben“ schon fast wieder ebensolches aufkommt im Saal, dann war es dann wohl doch etwas gar zu „stimmig“... Was ich hingegen sehr schätzte war, dass sie ihre Hits in die Setliste pflanzten und sich nicht auf das übliche Konzert-Spielchen hinaus liessen, das alles erst gegen Ende und in den Zugaben zu spielen. So waren viele Songs aus Funk und Fernsehen schon lange durch, als die Band sich ein erstes mal verabschiedete. Die zeigt auch was sich auch in der Bestenliste auf hitparade.ch erkennen lässt; dass ihre grössten Hits weitaus nicht die beliebtesten sind, dass ihre Alben nicht (nur) wegen den Hits gekauft werden, sondern weil JULI grundsätzlich etwas handfestes zu bieten haben.

Auch wenn ich mich hier nun doch etwas kritisch geäussert habe hat es mir aber dennoch gut gefallen. Viele Ängste im Vorfeld waren unbegründet – JULI bleiben eine gute Live-Band, auch wenn ich mir da und dort doch etwas mehr Ecken, Kanten, Ideenreichtum und Pepp gewünscht hätte. Ich habe es genossen mich hier etwas über 90 Minuten lang gut unterhalten zu lassen und mich gut von einer hektischen Arbeitswoche zu lösen. Sie spielten solide, schienen Spass zu haben auf der Bühne und hatten keine Aussetzer, sie wirkten authentisch und ehrlich. Keine künstlichen Kurz-Hypes und Statements die die Welt nicht braucht. Sie haben coole Songs mit greifbaren Texten und Melodien an die man sich gerne schmiegen mag. Vielleicht werden sie dann musikalisch etwas mutiger und schlachten ihre Songs mal aus, legen wieder etwas mehr Leben an den Tag und wissen irgendwann noch etwas mehr mit dieser coolen LED-Wand anzufangen, dann haben sie das erreicht, was nicht vielen aus ihrem Metier gelingt: Etwas ganz eigenständiges zu sein! Willkommen heissen wir sie aber auch so sehr gerne wieder!!

fuedlibuerger

Linktipps:
Künstlerportal auf hitparade.ch
Offizielle Seite
Kaufleuten

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