ANNAKIN IM ALBANI AM 16.03.2011







Manchmal kann ich wirklich unverschämt unkritisch sein. Vor allem dann, wenn sich jemand ambitioniert gibt und sich dennoch abheben kann. ANNAKIN, die Band von Ann-Katrin Lüthi tut dies auf sehr hohem Niveau, eigenwillig und wunderschön. Trip-Hop meets Pop, ohne sich auf der einen Seite die Wurzeln abzuschneiden und ohne auf der anderen Seite mitzuschwimmen. Dazu kommt, dass das „live“ dann auch noch seine Qualitäten hat, gezeigt an einem Mittwoch im Albani.

ANNAKIN, obschon sie regelmässig auf Playlists der Radios zu finden ist, gilt ANNAKIN „live“ immer noch etwas als Geheimtip. Das hat man daran gesehen, dass das Albani zwar gut gefüllt, aber durchaus für noch mehr Platz vorhanden war. Aber es war sehr angenehm, in einem solchen Rahmen dieser Band zu lauschen und Ann-Katrin in ihrem goldenen Kleid zu beobachten.

ANNAKIN sind keine Rockband, Crowd-Surfing ist eher unwahrscheinlich, aber es reisst schon mit, von Beginn weg. Mit dem eher poppigen Arrangement gewinnt man zuerst das wippende Publikum und reisst sie mit den sphärischen Sounds und Melodien aus dem Alltag. Die drei bislang veröffentlichten Alben, auch wenn die doch gewisse Unterschiede aufweisen, harmonieren wunderbar. Die Menschen hören gespannt zu, nicht wie sonst im Albani, wo man teilweise kaum noch die Musik hört vor lauter „Gschnurr“. Sie tauchen mit ANNAKIN ein in neue Welten, oder heben ab zu neuen Sphären, wir wissen es nicht genau. Es spielt auch nicht so eine Rolle. Zum Gesang trommelt Matthias Kräutli, streicht Ambrosius Huber sein Cello und Adrian Weyermann holt das Letzte aus seinen Gitarrensaiten, und das auf hohem Niveau. Viele Samples werden eingespielt, was nicht wirklich verwundert und eigentlich auch nicht stört. Es lässt aber irgendwie keinen Spielraum für Spontanes. Wie ich bereits vor ziemlich genau aus dem Salzhaus berichten konnte, bleiben die Songs auch heuer eher beim Original auf Tonträger, leider. Manches kommt etwas gitarrenlastiger daher, erstaunt, erfreut aber auch. Ebenso die Setlist: Bekannteres aus dem Radio taucht früh auf, „Monsters“ oder „Line Of Fire“ gar in der ersten Hälfte. Was aber sicher den Vorteil hat, dass der Zuhörer nicht mehr auf irgend etwas wartet, sondern plötzlich unvoreingenommen auf Perlen wie „Turn Us On“ oder „Playing Dead“ stossen kann, die ANNAKIN ohnehin zuhauf streuen können. Abgeschlossen wurde das reguläre Set mit dem PET SHOP BOYS-Klassiker „It's A Sin“, welcher mit einer enormen Wucht gespielt wurde. Dass man „live“ nicht das ganze Orchester mitbringen kann, steht ausser Frage. Aber Adrian Weyermann machte daraus eine Nummer, die sich gewaschen hat und wuchtete ordentliche Riffs ins Publikum.

In den Zugaben zeigte die Band nochmals, dass es auch ohne Hits, abgesehen von „The Trooper“, genügend Gründe gibt, bis zum letzten Ton zu bleiben. Das, was ANNAKIN enorm auszeichnet, sind eine sehr eigene Stimme, eine gute Band und wunderschöne Popsongs jenseits des üblichen Fahrwassers. Einerseits ist es schade, man möge ANNAKIN wirklich ein grösseres Publikum wünschen, andrerseits ist man so angenehm unter Gleichgesinnten, die das verstehen, was da passiert. Ich bin einmal mehr restlos begeistert. Einzig die Location – ich mag das Albani, es ist ein Stück Heimat für mich. Aber es gibt Bands, die passen da nicht rein, für die ist das zu klein, selbst wenn doch nur 50 Nasen kommen würden. Das ist aber weder der Fehler von ANNAKIN noch jener des Albani. Schön war’s trotzdem.

ANNAKIN spielen auf ihrer Tour noch zwei spezielle Konzerte, und zwar in den Höhlen des Landesplattenbergs im Kanton Glarus. Am 24. & 25. Juni finden diese zwei Shows statt, kosten 40.- Franken und die Platzzahl ist beschränkt, es hat noch Tickets. Infos auf der Website von ANNAKIN.
fuedlibuerger

Linktipps:
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