STATUS QUO IM HALLENSTADION (10.09.2011)

Es waren einmal fünf Teenager, die aufbrachen, um die grossen Status Quo live zu sehen. Als sich jene Band 1965 formierte, warfen die Eltern unserer fünf Protagonisten noch mit Bauklötzen um sich. Während die einen kürzlich ihr 34. Studioalbum auf den Marktgebracht haben, flaumt sich bei den anderen langsam aber sicher ein stolzes Bärtchen zusammen. Die Live-Alben von KISS, Bon Jovi und Nazareth haben sie sich mittlerweile in allen möglichen Pressungen zusammengekratzt, so dass das Geld für Antitranspiranten nicht mehr gereicht hat. Egal, sie sind ja Rocker, sie dürfen gar nicht gut riechen. Und bei ihrem letzten Coiffeurbesuch hat selbst der FC Barcelona noch im 4-4-2 gespielt.

Zu Tinkabelle, der Vorband, strecken sie Zunge raus und mano cornuta in die Luft. Die Vorteile dieser Band sehen sie dennoch vor allem im visuellen Bereich.

Als Status Quo ihr 366'921'012. Konzert zum 366'921'012. Mal mit dem unkaputtbaren „Caroline“ eröffnen, holen die Jungs die Luftgitarren hervor, die sie eines Tages von ihren Vätern erben werden, wie es Brauch ist unter Rockern. Gespielt wird die Gitarre auf Brusthöhe, wie man es bis anhin nur beim dusseligen Bassisten der dorfeigenen Kirmesband gesehen hat. Würde man ihnen eine echte Gitarre hinstellen, sie würden die Saiten wohl schlechter zupfen als Theo Waigel seine Augebrauen. Auf„Caroline“ folgt zum 366'921'012. Mal „Something About You Baby I Like“. Die Jokes von Frontmann Francis Rossi (auch hier würde sich mehrfach genannte neunstellige Zahl aufdrängen) quittieren sie mit vulgären, feuchten Lachern. Ja gut, verstanden haben sie sie nicht, aber muss schon lustig sein. Dass Status Quo – bis auf drei durchschnittliche Songs des neuen Albums – beinahe die gleiche Setlist zum besten geben wie 2009 an gleicher Stelle oder 2007 an gleicher Stelle oder oder oder – das können unsere Konzertdebütanten nun wirklich nicht wissen. Und macht auch nichts, denn die Band präsentiert endlich wieder schmerzlich vermisste Spiellaune. Vor allem Sorgenkind Rick Parfitt scheint wieder zu alten Kräften gefunden zu haben. „In The Army Now“ wird dann auchnoch gespielt. So, und spätestens hier trennt sich die Spreu vom Weizen, der Flaum vom Bart, die Carhartt von der Levi’s 512, das 2009 zuletzt geschnittene Haar von der 1974 zuletzt gewaschenen Mähne: Während die Fantastischen 5 weiterhin rumzappeln wie gefangene Karpfen in den letzten 25 Sekunden ihres Lebens, berichten Augenzeugen von den versteinerten Mienen der Hardcore-Fans, die sogar Jack Nicholsons ewiges Lächeln hätten erstarren lassen. Hat eine Frau/Freundin eines solchen Hardcores auch nur eine dem Tanz zuzuordnende Bewegung gemacht – sie wäre heute Single. Lirum larum: Grossen Respekt an unsere fünf Jungs! Denn Google Maps errechnet zwischen dem Hallenstadion Zürich und dem Club OXA gerade einmal 1,2km Fussweg.

Ja, und dann kamen eben noch „Whatever You Want“ und „Rockin’ All Over The World“. Und als es auf den Stehplätzen – wo Ari Sulander schon 366'921'012 mal für die Zürcher Lions im Tor stand – kein Halten mehr gab, da erhob sich ganz scheu und unsicher und vorsichtig klatschend eine weitere einzigartige Spezies aus ihren Stühlen – die der bünzligen Bürogummis. Doch das wäre eine andere Geschichte...
Nicolas Kesper


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