HEISS, HEISSER, OPEN AIR GAMPEL 2012!
















Fotos Patrick Ineichen
Zur Fotogalerie

Auch dieses Jahr war das Open Air Gampel im Wallis mit 85’000 Besuchern wieder ein voller Erfolg. Das Wetter war wunderschön – fast ZU schön!

Hach, wie freuten sich die Menschen auch dieses Jahr wieder auf’s beliebte Open Air Gampel. Wir konnten es kaum erwarten und genossen jede Sekunde! Aber mal ganz von Vorne: Am Donnerstag, 16. August 2012 ging es los! Wir trafen pünktlich ein um die Berliner Band „Beatsteaks“ zu sehen. Um 18.00 Uhr ging es los, und sie machten dem Gerücht alle Ehre, das besagt, dass die Band zu den besten Live-Acts gehört. Sie verausgabten sich als ob es kein Morgen gäbe und man konnte bis in die hintersten Reihen spüren, wie viel Spass die Band auf der Bühne hat. Sänger und Gitarrist Arnim Teutoburg-Weiss brachte das Publikum mit witzigen Sprüchen zum Lachen und verstand es bestens, die Masse in die richtige Stimmung zu versetzen. Beim Song „I Don't Care As Long As You Sing“ sang das ganze Gampel-Publikum mit und schliesslich stieg Arnim von der Bühne und stand mitten in der Menschenmasse. Die Band sorgte mit diesem Auftritt für einen perfekten Einstieg in die kommenden Festivaltage. Das grösste Highlight an diesem Abend stand uns aber noch bevor: Die grossartigen Foo Fighters! Das Gampel schaffte es also, eine der zurzeit grössten Rockbands der Welt zu engagieren, was massenweise Menschen anzog. Vor der Hauptbühne war es bereits eine Stunde vor Konzertbeginn schon rappelvoll. Sänger Dave Grohl, der bereits mit der Kultband Nirvana die Musikgeschichte geprägt hat, wurde mit einem tosenden Applaus von tausenden Menschen begrüsst und schien sich auch sofort wohl zu fühlen. Von der ersten Sekunde an schaffte es die Band, die Power und Leidenschaft von der Bühne aus direkt in die Menschenmenge zu schmettern. Natürlich fehlten auch die ganz grossen Songs wie beispielsweise „Learn To Fly“ nicht, die für Gänsehautstimmung sorgten. Die Foofies spielten Songs aus ihrer gesamten Karriere, aber auch neue aus ihrem letzten Nummer-Eins-Album "Wasting time". Die Band spielte bis weit nach Mitternacht, und doch machte sich keine Müdigkeit breit. Das Publikum applaudierte, pfiff, schrie und stampfte noch lange nach dem Konzert, doch irgendwann mussten auch die Zugaben ein Ende haben, und so war um 1.15 Uhr Schluss. Dieser Auftritt wird wohl noch vielen Menschen lange in Erinnerung bleiben.


Von herzigem Folk bis hin zur kranken Zirkus-Show

Der zweite Festivaltag begann schon sehr früh und äusserst angenehm: Die Luzerner Band „Huck Finn“ spielte um 13.00 Uhr auf der Playstation-Stage und schafften es trotz der frühen Stunde, viele erfreute Zuhörer vor die Bühne zu locken. Leicht nervös, aber äusserst charmant bewiesen sie, was in ihnen steckt. Die hohe Musikalität und die angenehme Leichtigkeit der Songs verzauberte das komplette Publikum. Die Musik von Huck Finn ist nur schwer zu beschreiben: Es sind federleichte und süss-saure Pop-Rock-Songs, die mit Synthesizern untermalt wird, um ihnen so eine leichte Elektro-Würze zu verpassen. Trotz der unbändigen Hitze konnte das Publikum jeden einzelnen Song geniessen. Sicher haben viele Festivalbesucher diese Band am Gampel für sich neu entdeckt.
Danach ging es nahtlos weiter mit der Band „The Bianca Story“ auf der Hauptbühne. Die fünf Basler begeisterten vom ersten Ton an die Zuhörer mit ihren Folk-Sounds, ihren beeindruckenden Streichern im 60er-Jahre Stil und flotten Dance-Beats. Spätestens jetzt wachte auch der letzte Gampel-Besucher auf. Die Hitze wurde immer erdrückender, und doch hielten die Zuhörer bis zum Schluss durch.
Um 18.15 Uhr stand der Rapper Stress bereit und holte die ganze Energie aus den Gampel-Besuchern raus. Er spielte so ziemlich alle seine grossen Hits und genoss es sichtlich, dass so viele Menschen seinem Konzert beiwohnten. Was man kritisieren könnte ist vielleicht die Authentizität: Stress wirkt nicht sehr natürlich auf der Bühne, alles ist komplett durchdacht. Auch Aktionen wie: „Wer ist lauter? Die linke oder die rechte Seite? Schreit mal so laut ihr könnt“ hat man irgendwann gesehen. Viele Bands machen das, um so künstlich Stimmung ins Publikum zu bringen. Ein gestandener und beliebter Rapper wie Stress hätte dies allerdings nicht nötig, denn die Show und Musik zieht ja auch so. Auch teilte er das Publikum in zwei Hälften auf und forderte die Leute auf, gegeneinander zu rennen. Geschmackssache. Die bezaubernde Sängerin Carolyn hingegen beeindruckte umso mehr mit ihrer schönen und gewaltigen Stimme.
Um 20.45 Uhr war es soweit: Deichkind standen auf der Bühne. Ich muss vorausschicken, dass dies das absolute Highlight des gesamten Festivals war. Die drei Elektro-Rapper und ihr Bühnenteam holten einfach alles raus, was man sich vorstellen kann. Die gesamte Show war ein riesiges Spektakel mit unglaublicher Musik, wahnsinnigen Bühnenperformances und ausgeflippten Show-Elementen. Die Zuschauer waren vollkommen begeistert und drehten stellenweise fast durch. Das Bühnenbild veränderte sich im Minutentakt und die Band verstand es perfekt, sich in Szene zu setzen. Beispielsweise „schwammen“ die Musiker einmal mit einem grossen Holzfass durch’s Publikum. Oder ein Trampolinspringer mit Skelett-Kostüm sprang auf der Bühne auf und ab. Bei einem Song rannten gewisse Musiker mit Daft Punk Helmen und Shirts im Kreis herum oder auch eine richtige Hüpfburg wurde auf die Bühne gehievt. Das ganz grosse Highlight war wohl, als einer der Jungs mit einem Gummiboot durchs Publikum ruderte und Federkissen ausschüttelte, so dass das Publikum in einem weissen Meer aus Federn herumtanzen konnte. Die Songs passten perfekt zu dieser freakigen Zirkus-Show: „Der Mond“, „Arbeit nervt“ oder auch „Leider geil“ waren sicher grandiose Highlights. Aber die meiste Party ging dann bei der Zugabe ab: „Remmidemmi“. Nach diesem Konzert musste man sich regelrecht vom hohen Adrenalinspiegel erholen.


Placebo – Ein Highlight für alle Fans

Die Indie-Rockband Placebo stand kurz vor Mitternacht bereit, um das Gampel-Publikum zu rocken. Und sie hielten ihr Versprechen: Sehr viele Fans quetschten sich schon früh vor die Hauptbühne, um die grossartigen Songs wie „Every You And Every Me“ oder auch „The Bitter End“ so richtig geniessen zu können. Die grandiosen Gitarren-Riffs liessen so manchem Zuhörer den Atem stocken. Placebo hatte einen ähnlichen Effekt, wie vor vielen Jahren auch Muse: Der Sound schien nicht nur von der Bühne her zu kommen, sondern man hatte das Gefühl, die Musik käme von allen Seiten her und umschlinge einen total. Die Zuschauer verlangten noch massenweise Zugaben, doch auch Placebo hatte leider eine Zeitlimite und musste sich dann, unter grossem Applaus, verabschieden.

Der Samstag schaffte es tatsächlich, noch heisser zu werden als der Freitag. Wasser floss in rauen Mengen und „Schneekanonen“ sorgten für Abkühlung. Daher hatten es gewisse Band am Nachmittag schwer, die Leute bei der Stange zu halten. Es wurde Sonnencrème und Wasser verteilt, um Hitzeschläge zu verhindern. Leider gab es zu wenige Schattenplätze, man konnte sich vor der Sonne kaum verstecken. Das erste Konzert, das ich mir ansah, war um 18.00 Uhr: Die Schweizer Band Patent Ochsner stand auf dem Programm. Sie hatten nur eine Stunde Zeit, was für die vielen Hits, die an Open Airs von ihnen erwartet werden, fast zu knapp war. „Wir haben nur eine Stunde Zeit, also rede ich nicht viel“, lachte Büne Huber gleich zu Beginn und legte dann auch sofort los. Von „Sonnechönig“ über „Bälpmoos“, „Ludmilla“, „Fischer“ und „Tiger“ bis hin zu „w.Nuss“ und „Scharlachrot“ war alles dabei. Vom neuen Album „Johnny“ spielten sie nur „Houdini“ und „Sunnedeck“. Und ein besonderes Highlight war, als Büne die italienische Sängerin Daniela Sarda auf die Bühne holte, die übrigens hochschwanger war, um mit ihr im Duett „Bruscolo Di Terra“ vom Album „Stella Nera“ zu singen. Die Band war extrem gut gelaunt und Solisten wie Christian Brantschen an der Hammond, Menk Grossniklaus am Saxophon oder auch Daniel Woodtli am Flügelhorn ernteten besonders viel Applaus.
Am späteren Abend spielten Bush, die besonders die härteren Rockzuhörer ansprachen. Die Band gibt es seit über 20 Jahren und sie gewinnen immer neue Fans dazu: So gab es sicherlich auch am Open Air Gampel viele Zuhörer, die sich von der Intensität der Musik begeistern liessen.
Um halb zwölf Uhr spielte die HipHop-Combo Cypress Hill. Zu Beginn spielten sie ihre alten, grossen und beliebten Hits, gegen Ende drifteten sie ein wenig in Elektro-HipHop ab. Beides schien sehr gut anzukommen, es standen tausende Menschen vor der Bühne und liessen sich von der Musik tragen. Hits wie „«Insane in the brain»“ oder auch „Rise Up“ kamen besonders gut an. Die Scratch-Session, die sie live hinlegten, war übrigens besonders beeindruckend! Cypress Hill waren eine ziemliche Abwechslung im Gegensatz zu allen anderen Bands an diesem Festival. HipHop Acts spielen jeweils nur vereinzelt am Open Air Gampel.

Ein Sonntag voller Highlights

Der Sonntag begann mit wunderschöner Gitarren-Musik vom Westschweizer Sänger Bastian Baker. Der hübsche Musiker bezirzte das weibliche Publikum mit seinem Augenzwinkern und dem niedlichen französischen Akzent. Seine Songs kamen allesamt sehr gut an, besonders aber natürlich der schöne Song „Lucky“, der in unseren Radios lange Zeit immer wieder gespielt worden ist. Sehr schön war aber auch seine Interpretation von „Ayo Technology“. Er coverte damit Milow, der ja 50 Cent covert… Er coverte also ein Cover. Jedenfalls klang es ganz ganz toll!
Danach war es Zeit für Alex Clare. Er gehörte sicherlich zu den grossen Entdeckungen am Gampel. Mit seinem grossen Nr. 1 Hit „Too close“ hatte er bereits viele Herzen erobert, doch ihn nun auf der Gampel-Bühne zu erleben war noch eine Liga mehr: Er bewies, was für ein grossartiger Musiker er ist. Seine Stimme ist sensationell und er macht tolle Musik, teilweise mit Dubstep-Elementen. Wie er so da auf der Bühne stand, erinnerte er an einen Typen aus einem Tarantino-Film. Ein Bart und eine Sonnenbrille, ein leicht verbleichtes Outfit… Sehr speziell! Er präsentierte auch seine neue Single "Treading water", die mit Sicherheit auch Potenzial zum grossen Hit hat. Zwischen den Songs aus seinem aktuellen Album, brachte Clare auch einige akustische Songs mit seiner Gitarre. Ein weiteres Highlight war das Prince-Cover "When doves cry".
Direkt im Anschluss stürmten wir zur Hauptbühne, um Dick Brave zu sehen. Er spielte da mit seiner Band „The Backbeats“. Im 50ies-Stil schmetterte Dick Brave, der früher übrigens als Schmusesänger Sasha bekannt war, über die Bühne und coverte grosse Hits, die so klangen, als seien sie von Elvis! Beispielsweise sang er „Rollin’ In The Deep“ von Adele oder „Use Somebody“ von Kings Of Leon. Die Show war atemberaubend, der Musiker hatte Energie für zehn und die Meute machte bis zum Ende mit! Mit den Schneekanonen wurde wieder heftig Wasser über die Menschenmenge geschüttet, damit die unbändige Hitze etwas erträglicher wurde.
Danach spielte Stefanie Heinzmann, die Walliserin mit den vielen Tattoos, auf der Playstation-Bühne. Sie sang ihre bekannten Hits wie „My Man Is A Mean Man“ oder auch „Diggin‘ in the Dirt“. Sie präsentierte viele Songs vom aktuellen Album und stiess für ihre kraftvolle Stimme auf Bewunderung beim Publikum. Als letzten Song coverte sie den Jackson 5 Hit „Want You Back“!
Auf der Hauptbühne standen direkt im Anschluss schon sehr viele Leute vor der Bühne, um den Auftritt der beliebten Deutschen Band „Silbermond“ nicht zu verpassen. Sängerin Steffi war langärmlig und langhosig in Schwarz angezogen: In dieser Hitze eher seltsam. Und doch hüpfte ganze 1.5 Stunden lang über die Bühne und entertainte das Publikum, was das Zeug hielt. Songs wie „Zeit für Optimisten“, „Unter der Oberfläche“ oder auch „Durch die Nacht“ fehlten nicht im Programm, aber auch die „Pflicht-Songs“ wie „Himmel Auf“, „Symphonie“ und „Was Bleibt“ wurden schön durchgezogen. Steffi liess dann einen Becher Bier durch’s Publikum tragen und holte sich dann mit einer Stage-Diving Aktion einen Schluck davon ab. Unter grossem Applaus liess sie sich von den Händen der Zuschauer immer weiterreichen. Ihre Band bewies in der Zwischenzeit, wie gut sie rocken kann. Es war beeindruckend. Als Silbermond dann als letzte Zugabe den Über-Hit „Das Beste“ spielte, blieb kein Auge im Publikum trocken.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das OK des Open Air Gampels es auch dieses Jahr wieder geschafft hat, ein grossartiges Line Up zusammenzustellen. Die absoluten Highlights waren die Foo Fighters und natürlich Deichkind. Schon jetzt freuen wir uns auf’s nächste Jahr!
Stella Nera

Linktipps:
Zur Fotogalerie

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?