THE HELLACOPTERS IN DER ROTEN FABRIK, ZÜRICH, DONNERSTAG, 22. SEPTEMBER 2005

Richtig gute Rockbands, die nicht bloss auf den kommerziellen sold-out
zielen, sondern verwurzelten, erdigen Rock spielen, sind heute leider
Mangelware. Die Stockholmer Band The Hellacopters schreibt jedoch genau
dies nun schon seit über zehn Jahren auf seine Fahne und ist Gott Lob noch
nicht untergegangen. Drei Jahre ist es nun her, dass die Band eine Clubtour,
welche auch die Schweiz berücksichtigt, durchgezogen hat! Anlässlich des
aktuellen Outputs "Rock & Roll is dead" fegen die fünf sympathischen Jungs
endlich wieder über unsere Bühnen - doch schaffen sie es immer noch, ihre
Energie auf's Publikum zu übertragen? Ein klares "JA!" kann ich schonmal
vorweg nehmen...


Doch soweit war es noch nicht, denn zuerst musste die Vorband The Doits,
ebenfalls aus Schweden, ran... Nicke Anderson, Mastermind von den
Hellacopters, produzierte die aktuelle Scheibe von The Doits "This is
rocket science" - insofern eine wunderbare Kombination. Der "Clubraum" der
Roten Fabrik in Zürich-Wollishofen war zu jenem Zeitpunkt schon recht gut
gefüllt, was etwas verwundert, denn die Anhänger der Hellacopters sind ein
doch sehr eigenes Völkchen, das seine gesamte Aufmerksamkeit gerne seiner
Lieblingsband widmet. Insofern hatten The Doits in Zürich keine leichte
Aufgabe vor sich. Doch sie schlugen sich gut; ihr Southernrock mit vielen
Blueselementen und natürlich einem herben Garagerock Einschlag wurde von
den etwa 250 Nasen gut aufgenommen. Die rauchige Stimme des Sängers und die
relaxten, jedoch sehr straighten Songs vermochten zu überzeugen. Leider
war ihr Stageacting sehr lahmarschig, so dass sich das Publikum nicht
sonderlich animiert fühlte zum mitrocken. Mit einem lecker Biersche in der
Hand war das Ganze jedoch tipptopp zu geniessen!

Nach einer knapp dreissig minütigen Umbaupause, die man hervorragend zum
pinkeln gehen, sich anstellen für eine weitere Runde Bier oder zum
auftreiben verschollener Kumpels nutzen konnte, gingen um 22:30 endlich die
Lichter aus und das Introtape an - Ladies and Gentlemen: The Hellacopters.
Mit dem kraftvollen Opener "(Gotta get some action) Now!" war von Anbeginn
klar, was heute auf dem Plan steht: heftige Gitarren-Orgien, gnadenlose
Drumattacken und lebendiges Stageacting. Die zirka 400 Jungs und Mädels im
Publikum - welche eine verführerische Duftnote aus Schweiss, Rauch und Bier
kreierten - gingen sofort mit. Headbanging, Pogo oder - wie so oft beim eher
steifen Schweizer - verzweifelte Tanzeinlagen deutlich neben dem Takt war
die Reaktion der Besucher! Die Band kniete sich rein und zockte straight,
voller Energie und Spielfreude. Brilliante Posen waren da natürlich auch
etwas für's Auge, besonders weil es sehr cool aussieht, wenn der eine
Gitarrist Links- und der andere Rechtshänder ist! Sänger/Gitarrist Nicke
Anderson sang klasse, was nicht wirklich zu erwarten war, da er am Abend
zuvor in Wien mit erheblichen Stimmproblemen zu kämpfen hatte. Davon war in
Zürich allerdings nichts zu hören - jedenfalls nicht für mich!

Das neue Album wurde grosszügig berücksichtigt und bildete die Eckpfeiler
der Setlist; "Before the fall", "Monkeyboy" (kam super), der Hit
"Everything's on T.V.", "I'm in the band", das soulige "Leave it alone"
oder "Bring it on home"! Da die Songs jedoch live noch einen Tick besser -
weil rauher, ungeschliffener - als auf Konserve sind, fiel das nicht im
geringsten negativ in's Gewicht - im Gegenteil! Die Band rockte sich quer
durch ihre sämtliche 6 Longplayers und präsentierten dem hungrigen
Publikum ein gut durchmischtes Programm. Der Livekracher "By the grace of
God" oder das sehnsüchtige "No song unheard" waren da sicher zwei der
zahlreichen Highlights. Doch auch "Soulseller" oder "Toys and flavors"
rissen gnadenlos mit.

Nach gut 75 Minuten war dann jedoch Schluss und die Band verabschiedete
sich mit einer Coverversion des MC5-Klassikers "Kick out the jams", in dem
Nicke die Band kurz und bündig vorstellte... Und was da Gitarrist "Strings"
für ein Solo gebacken kriegte, liess mir die Kinnlade offensichtlich
peinlich gen Boden knallen: sensationell, dieser Gitarrist. Ebenso imposant
war das variable, kraftvolle Drumming von Robert Eriksson -fabelhafte
Arbeit!

Danach war erstmal aus und das Outrotape ging an - einige der Zuschauer
verliessen den dampfenden Club! Was für Clowns; denn der harte Kern liess
nicht locker und forderte eine weitere Zugabe; und siehe da, die fünf
Herren liessen sich nicht lange bitten und kamen nochmals auf die Bühne
zurück! Ich bin mir nicht ganz sicher, doch ich denke, dass die zwei
folgenden Zugaben eigentlich nicht geplant waren... Anyway; mit "You are
nothing" und meinem persönlichen Hellacopters-Lieblingssong "Crimson
Ballroom" wurden den Gebliebenen nochmals zwei Ultraklassiker um die Ohren
gehauen... Dann war jedoch leider tatsächlich Schluss.

Fazit: umwerfend, sensationell! Da gibt es nichts zu mosern!
Es hat sich für mich einmal mehr bestätigt, das kleine Clubs einfach eine
sympathischere, lebendigere Atmosphäre zaubern können als grosse, sterile
Hallen... Zumal eine echte Rock'n'Roll-Band eben auch besser in solche
Clubs passt.

Und so endete der musikalische Teil dieses fantastischen Tages - Die Nacht
war jedoch noch jung und so ging's hinaus in die Kälte und ab in die
nächste Bar.. Prost und Dank an The Hellacopters!
pillermaik

Linktipps:
Zum aktuellen Album "Rock & Roll Is Dead" mit Hörproben
Offizielle Seite
Unser Interview mit The Hellacopters

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