Richtig gute Rockbands, die nicht bloss auf den kommerziellen sold-out zielen, sondern verwurzelten, erdigen Rock spielen, sind heute leider Mangelware. Die Stockholmer Band The Hellacopters schreibt jedoch genau dies nun schon seit über zehn Jahren auf seine Fahne und ist Gott Lob noch nicht untergegangen. Drei Jahre ist es nun her, dass die Band eine Clubtour, welche auch die Schweiz berücksichtigt, durchgezogen hat! Anlässlich des aktuellen Outputs "Rock & Roll is dead" fegen die fünf sympathischen Jungs endlich wieder über unsere Bühnen - doch schaffen sie es immer noch, ihre Energie auf's Publikum zu übertragen? Ein klares "JA!" kann ich schonmal vorweg nehmen...
Doch soweit war es noch nicht, denn zuerst musste die Vorband The Doits, ebenfalls aus Schweden, ran... Nicke Anderson, Mastermind von den Hellacopters, produzierte die aktuelle Scheibe von The Doits "This is rocket science" - insofern eine wunderbare Kombination. Der "Clubraum" der Roten Fabrik in Zürich-Wollishofen war zu jenem Zeitpunkt schon recht gut gefüllt, was etwas verwundert, denn die Anhänger der Hellacopters sind ein doch sehr eigenes Völkchen, das seine gesamte Aufmerksamkeit gerne seiner Lieblingsband widmet. Insofern hatten The Doits in Zürich keine leichte Aufgabe vor sich. Doch sie schlugen sich gut; ihr Southernrock mit vielen Blueselementen und natürlich einem herben Garagerock Einschlag wurde von den etwa 250 Nasen gut aufgenommen. Die rauchige Stimme des Sängers und die relaxten, jedoch sehr straighten Songs vermochten zu überzeugen. Leider war ihr Stageacting sehr lahmarschig, so dass sich das Publikum nicht sonderlich animiert fühlte zum mitrocken. Mit einem lecker Biersche in der Hand war das Ganze jedoch tipptopp zu geniessen! Nach einer knapp dreissig minütigen Umbaupause, die man hervorragend zum pinkeln gehen, sich anstellen für eine weitere Runde Bier oder zum auftreiben verschollener Kumpels nutzen konnte, gingen um 22:30 endlich die Lichter aus und das Introtape an - Ladies and Gentlemen: The Hellacopters. Mit dem kraftvollen Opener "(Gotta get some action) Now!" war von Anbeginn klar, was heute auf dem Plan steht: heftige Gitarren-Orgien, gnadenlose Drumattacken und lebendiges Stageacting. Die zirka 400 Jungs und Mädels im Publikum - welche eine verführerische Duftnote aus Schweiss, Rauch und Bier kreierten - gingen sofort mit. Headbanging, Pogo oder - wie so oft beim eher steifen Schweizer - verzweifelte Tanzeinlagen deutlich neben dem Takt war die Reaktion der Besucher! Die Band kniete sich rein und zockte straight, voller Energie und Spielfreude. Brilliante Posen waren da natürlich auch etwas für's Auge, besonders weil es sehr cool aussieht, wenn der eine Gitarrist Links- und der andere Rechtshänder ist! Sänger/Gitarrist Nicke Anderson sang klasse, was nicht wirklich zu erwarten war, da er am Abend zuvor in Wien mit erheblichen Stimmproblemen zu kämpfen hatte. Davon war in Zürich allerdings nichts zu hören - jedenfalls nicht für mich!
Das neue Album wurde grosszügig berücksichtigt und bildete die Eckpfeiler der Setlist; "Before the fall", "Monkeyboy" (kam super), der Hit "Everything's on T.V.", "I'm in the band", das soulige "Leave it alone" oder "Bring it on home"! Da die Songs jedoch live noch einen Tick besser - weil rauher, ungeschliffener - als auf Konserve sind, fiel das nicht im geringsten negativ in's Gewicht - im Gegenteil! Die Band rockte sich quer durch ihre sämtliche 6 Longplayers und präsentierten dem hungrigen Publikum ein gut durchmischtes Programm. Der Livekracher "By the grace of God" oder das sehnsüchtige "No song unheard" waren da sicher zwei der zahlreichen Highlights. Doch auch "Soulseller" oder "Toys and flavors" rissen gnadenlos mit.
Nach gut 75 Minuten war dann jedoch Schluss und die Band verabschiedete sich mit einer Coverversion des MC5-Klassikers "Kick out the jams", in dem Nicke die Band kurz und bündig vorstellte... Und was da Gitarrist "Strings" für ein Solo gebacken kriegte, liess mir die Kinnlade offensichtlich peinlich gen Boden knallen: sensationell, dieser Gitarrist. Ebenso imposant war das variable, kraftvolle Drumming von Robert Eriksson -fabelhafte Arbeit!
Danach war erstmal aus und das Outrotape ging an - einige der Zuschauer verliessen den dampfenden Club! Was für Clowns; denn der harte Kern liess nicht locker und forderte eine weitere Zugabe; und siehe da, die fünf Herren liessen sich nicht lange bitten und kamen nochmals auf die Bühne zurück! Ich bin mir nicht ganz sicher, doch ich denke, dass die zwei folgenden Zugaben eigentlich nicht geplant waren... Anyway; mit "You are nothing" und meinem persönlichen Hellacopters-Lieblingssong "Crimson Ballroom" wurden den Gebliebenen nochmals zwei Ultraklassiker um die Ohren gehauen... Dann war jedoch leider tatsächlich Schluss.
Fazit: umwerfend, sensationell! Da gibt es nichts zu mosern! Es hat sich für mich einmal mehr bestätigt, das kleine Clubs einfach eine sympathischere, lebendigere Atmosphäre zaubern können als grosse, sterile Hallen... Zumal eine echte Rock'n'Roll-Band eben auch besser in solche Clubs passt.
Und so endete der musikalische Teil dieses fantastischen Tages - Die Nacht war jedoch noch jung und so ging's hinaus in die Kälte und ab in die nächste Bar.. Prost und Dank an The Hellacopters!
pillermaik
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