KROKUS VOLKSHAUS ZÜRICH, 2. MAI 2013

Es ist ganze 32 Jahre her, dass KROKUS zuletzt auf den heiligen Brettern des Volkshaus Zürich standen. Im April 1981 gastierten die aufstrebenden Stars damals in Zürich – das war vor Amerika, vor dem Line-Up-Karussell der kommenden Jahre und vor dem Ende der Freundschaften innerhalb der Band...

Es ist viel passiert in den 32 Jahren, doch irgendwie war der gestrige Abend eine Rückkehr – back to the Start. Die Streitereien innerhalb der Band sind passé. Die mittlerweile 6 Musiker zählende Band agierte locker, kraftvoll und sympathisch freundschaftlich on stage. Doch dazu später, ich will ja nicht unnötig vorgreifen.

Gut 2500 Nasen faden sich am gestrigen Abend im ausverkauften Volkshaus ein um dem beizuwohnen, worauf Viele schon lange, Einige gar ein Leben lang, warteten: KROKUS in Zürich erleben zu dürfen. Die friedliche Stimmung vor der Halle ließ nur Bestes erahnen, und so lief der Einlass auch reibungslos und friedlich ab. Bierchen holen auch kein Problem, alles wunderbar und positiv.

Gegen 20 Uhr betrat Bob Spring, Vielen bekannt durch die Band Backwash, bei der er einst sang, allein mit Barhocker und akustischer Gitarre bewaffnet die Bühne und unterhielt das Publikum während 25 Minuten gut und locker mit seinen Sleazy/Country-Rock Songs. Simpel, kein großes Trara – aber gut und kurzweilig.

Um 20:45 gingen die Lichter aus und KROKUS ernteten die Bühne. Mit „Hallelujah Rock n Roll“, dem Opener des platinveredelten aktuellen Albums „Dirty dynamite“, wurde die Rockshow bravourös eröffnet und es wurde umgehend „Go baby go“ nachgelegt. Ein Doppelschlag mit Substanz – das Publikum nahm die Power-offensive dankend an. Die Hitze in der Halle wurde intensiver..
Es folgte Hammer auf Hammer; wer wie KROKUS einen solch starken Back-Katalog im Gepäck hat, kommt nicht in Verlegenheit bei der Songauswahl und kann einen Killer nach dem anderen rausballern... „Long stick goes boom“, „Winning man“, „Easy rocker“, den Chris von Rohr den verstorbenen KROKUS-Ex-Members widmete; Dani Crivelli, der vor wenigen Tagen starb. Er zockte 1988 auf „Heart attack“ mit.. Und natürlich dem Gitarren-Gott Tommy Kiefer, der die Band 1981 verließ und Ende 1986 von uns ging.
Den Platz von Tommy Kiefer nahm damals temporär Mandy Meyer ein, ehe man in Mark „Koki“ Kohler einen festen Gitarristen fand.
Heute stehen 3 Gitarristen auf der Bühne: Neben Basser Chris von Rohr, Sänger Marc Storace und dem Drummer, dessen Name mir leider nicht geläufig ist, bilden Fernando von Arb, Koki Kohler UND Mandy Meyer die „Wall of Guitar“. Was schier unmöglich erscheint, schafft die Band koordiniert und kraftvoll live umzusetzen. Kein Chaos, kein Geplänkel und keine Ego-Rangeleien um das Spotlight. Die meisten Leads übernahm Mandy, der die Soloarbeit hervorragend und agil verrichtete. Fernando, der die letzten Jahre sämtliche Soli alleine gezockt hat, nahm sich zurück und es schien, als genieße er, dass er etwas an Verantwortung abgeben konnte. Auch er trumpfte zwischendurch auf und ließ die Finger über den Hals seines Gewehres flitzen. Ein Highlight war sicher das Gitarren-Duell in „Heatstrokes“, das für 2 Leadgitarristen wie geschaffen ist! Der sich band dienlich im Hintergrund haltende Koki bildete mit dem Drummer und Chris von Rohr das Fundament für die Solisten. Stark. Beachtlich.
Egal ob „Screaming in the night“, „Dög song“, dem Gitarrenepos „Fire“, bei dem die 3 Gitarristen ihre Kunst verschmelzen konnten oder natürlich dem nicht kaputt zu kriegenden Bandklassiker „Bedside Radio“, bei spätestens dem alle – aber wirklich ALLE – Zuschauer, selbst auf den Balkonen, standen und abrockten, oder dem Hit „Hoodoo woman“; Zürich war dankbar für die schweisstreibende, pumpende Show, für die 120 Minuten Rock'n'Roll und feierte die Band so ab, wie sie es verdient hat. Klar, das eher ältere Publikum, wie man im Alter halt ist, war anfangs etwas zurückhaltend, doch die Rock-Explosion auf der Bühne übertrug sich dann schnell auf uns und man hob gemeinsam ab.
Überraschend, dafür aber umso erstklassiger war für mich der Juwel „Eat the rich“. Hätte nie daran geglaubt, diesen Song mal live erleben zu dürfen. Mehr Metal geht nicht. Allererste Sahne!! Ja Freunde, Zürich war gestern Abend Rock City. Definitiv.
Nach „Tokyo nights“ beendeten KROKUS das Kraftpaket-Konzert mit dem laut Chris von Rohr „ersten von Krokus je gespielten Song“ „Mighty Quinn“. Original von ob Dylan geschrieben, jedoch von Manfred Mann bekannt gemacht. Ein Track, der sich sehr gut zum Beenden einer Show eignet – alle klatschten mit, tanzten und hatten Spass. Die Einen im Takt, die Anderen knapp daneben. Egal, es war ein Miteinander. Meine Luftgitarre war in tune, wunderbar!
Erwähnen will ich unbedingt noch die Stimme von Marc Storace: der Mann ist gut 60 und singt wie ein Gott. Die Lungen dieses Mannes müssen aus purem Gold sein, unglaublich mit welcher Kraft und Intensität er die Songs hin rotzt, die er original als 30 Jähriger sang. Weltklasse. Elite. Gross!!
Ebenso die Band: 2 Stunden Vollgas und das trotz übelster Höllenhitze auf der Bühne und Soundproblemen. Das Publikum merkte davon wenig und war sichtlich glücklich.
Für mich persönlich ging ein Traum in Erfüllung – Krokus live in Zürich... Was will man als Zürcher mehr?

Das war die erste Show in Zürich, heute Abend zocken die Solothurner nochmal im ausverkauften Volkshaus. Wer nicht dabei ist, wird sich im Nachhinein in den Arsch beißen... Exakt wie 1981!!
Michael H.


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