FESTIVALBERICHT OPENAIR ST. GALLEN 2013









Openair St. Gallen 2013? - Unbedingt!
Meine Freunde schwärmten vom grossartigen Line-Up, die Tickets waren ratzeputz weg – das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Mehr oder weniger blind sagte ich darum zu und freute mich bereits im Vorhinein wochenlang.


Einige Tage vor Festivalbeginn: Zeit, sich genauer mit den auftretenden Bands zu befassen und gelegentlich Meteo zu schauen. Der Fernseher verkündete, was zu erwarten gewesen war. Nach dem bisherigen –praktisch nicht existenten- Sommer, durften auch dieses Wochenende Gummistiefel und Regenjacke nicht fehlen. Doch nicht nur der Wetterbericht, sondern auch der Timetable zeigte mir, dass ich für meinen Openair-Besuch eigentlich genau die zwei falschen Tage ausgewählt hatte. Wobei es da eh nicht allzu viele andere Möglichkeiten gab… Aus terminlichen Gründen reichte es dieses Jahr nur für Samstag/Sonntag. Besser als gar nicht, fand ich damals, im Moment meiner „Openair St. Gallen? - Unbedingt!“-Euphorie.

Im vollen Shuttlebus packte mich dann das Festivalfeeling doch noch. Auch wenn ich am Freitag die tollsten Bands des Openairs verpasst hatte, gab es auch für die beiden bevorstehenden Tage noch den einen oder anderen vielversprechenden Leckerbissen. Doch bevor es etwas zu beissen gab, musste der RFID-Chip am Festivalbändel mit Geld geladen werden. Ein erstaunlich simples Prozedere, vermutlich profitierte ich hier von der zweitägiger Routine der Helfer und hatte somit überhaupt keine Probleme. Weder beim Einzahlen noch beim Ausgeben des Geldes – letzteres geschah Dank dem einfachen Zahlungssystem übrigens umso leichter...

Aber nun zur Musik!
Für mich fungierten Bonaparte als Eröffnungsband des Wochenendes. Die schräge Gruppe passte ausgezeichnet zum verrückten Wetter und lieferte mit dem Hit „Too much (Matsch)“ auch gleich die passende Festivalhymne. Während sich vor der Bühne die Zuschauer im Schlamm suhlten, vergnügte sich die Band auf der Bühne mit Bodypainting-Farben und anderen Eskapaden. Auch beim gefühlten hundertsten Bonaparte-Konzert, fasziniert und amüsiert mich die ausgelassene Bühnenshow stets aufs Neue.
Ruhig und gesittet eroberte anschliessend Jake Bugg die Herzen der (weiblichen?) Anwesenden. Der junge Musiker könnte man einerseits als „Bubi mit Gitarre“ bezeichnen, ihn aber trotz seinen zarten 19 Jahren -zumindest musikalisch- auch mit Legenden wie Bob Dylan oder Johnny Cash vergleichen.
Eines meiner persönlichen Highlights war anschliessend das Konzert von Sophie Hunger, die mit musikalischer Vielseitigkeit und viel sympathischer Natürlichkeit begeisterte.
Genau diese musikalische Abwechslung fehlte hingegen beim eigentlichen Headliner des Tages: Kings Of Leon. Den Jungs, zwar motiviert und gut gelaunt, fehlte schlicht die Qualität, auch Nicht-Kenner für ihre Musik zu begeistern. Wer wie ich, nur die zwei, drei Hits kannte, musste sich bis zu den Zugaben gedulden.
Nach dem Kings Of Leon-Konzert beschlossen bereits viele Anwesende heimzugehen. Auch ich begab mich zu den Klängen von Movits, in Richtung Ausgang. Die schwedischen Newcomer spielten auf der Sternenbühne und dort im Zelt schien die Post wirklich ab zu gehen! Einen Moment lang fragte ich mich, ob ich mit Kings Of Leon nicht vielleicht sogar die schlechtere Wahl getroffen hatte… Trotzdem konnte mich die schwedische Party-Truppe nicht zum Bleiben überzeugen, der Gedanke an das versprochene Sofa in der Stadt und trockene, warme Kleider war zu verlockend. Sehr schwach - ich weiss, aber mein Verhalten passte irgendwie ziemlich gut zum allgemeinen Tageseindruck: Bemüht und motiviert, aber trotzdem eher schwach.

Sonniger Sonntag
Ein neuer Tag, wunderbares Wetter und tolle Bandaussichten: Der Sonntag.
Beim Betreten des Geländes kamen mir bereits unzählige müde Gestalten entgegen, die mit Sack und Pack in Richtung Stadt wanderten. Ihnen gebührte grosser Respekt, denn im Gegensatz zu mir, hatten sie die kalte Nacht auf dem überschwemmten und schlammigen Zeltplatz verbracht. Aber immerhin war ich dafür jetzt fit und bereit für den letzten Festivaltag.

Den Tag begann mit viel Schweizer Musik. Caroline Chevin, Tomazobi und Patent Ochsner brachten das Publikum in Stimmung für das weitere Programm. Ein besonders tolles Konzert sei übrigens der anschliessende Auftritt von The Lumineers gewesen. Leider verpasste ich die amerikanischen Folk-Rocker, freue mich aber dafür umso mehr auf eine baldige Rückkehr in die Schweiz.
Bereits öfters in der Schweiz aufgetreten und darum längst kein Geheimtipp mehr, war die Parov Stelar Band. Die Österreicher wissen mit ihrem abwechslungsreichen Electroswing die Massen zu bewegen und treffen den Nerv der Zeit. Es schien mir, die Leute kamen aus allen Schlammlöchern gekrochen um noch einmal so richtig das Tanzbein zu schwingen. Und natürlich genauso wichtig: Die Sonne zu geniessen!
Anschliessend kam langsam die Zeit, die letzten bargeldlosen RFID-Franken in ein leckeres Abendessen zu verwandeln. Wer dabei noch dem Konzert auf der Nebenbühne lauschte, erlebte dort Shout Out Louds mit einigen ohrwurmigen und melodiösen Liedern. Weil ich dies tat, musste ich mich beim allerletzten Konzert mit einem Platz in den hinteren Rängen begnügen. Die Ärzte standen als absolute Highlights auf dem Programm und waren dementsprechend ein riesiges Publikum-Magnet. Kein Wunder – Farin, Bela und Rod begeistern einfach jeden. Ihre allseits bekannten Klassiker, gespickt mit kleinen Anekdoten und viel Wortgewitztheit zwischendurch sind Unterhaltung pur.

Für mich bildeten die Ärzte ein gelungenes Festival-Ende. Zusätzlich half mir der schöne Sonntag über den verpassten Freitag und den eher enttäuschenden Samstag hinweg zu kommen.
Aber hey, immerhin war ich dabei!
Yvonne Zgraggen


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