FEUER UND SPASS AUF DEM GURTEN - GURTENFESTIVAL 2013


77 Bombay Street (Zur Galerie)


Triggerfinger (Zur Galerie)


Black Rebel Motorcycle Club (Zur Galerie)


Bastille (Zur Galerie)


The Animen (Zur Galerie)


Sophie Hunger (Zur Galerie)


Die Toten Hosen (Zur Galerie)


Knife Party (Zur Galerie)


Hurts (Zur Galerie)


Zaz (Zur Galerie)


Emilie Sandée (Zur Galerie)

Vom 18. bis 21. Juli 2013 fand das 30-jährige Jubiläum des Gurtenfestivals statt. Vier Tage lang bebte der Berner Hausberg und wurde von etlichen Besuchern bevölkert.

Am Anfang rechneten die Besucher mit einem regnerischen Festival, denn als die ersten Besucher sich auf den Weg machten, den Gurten zu erklimmen, erlebten sie schon mal den ersten grossen Platzregen. Wie aus Kübeln goss es. Oben angekommen, lichtete sich der Himmel etwas und sorgte dann doch noch für einen schönen Gurten-Auftakt. Und doch kam gleich der nächste Schock: Die lange angekündigten Cashless-Bändel sollen nicht funktionieren. Viele Gurtenbesucher waren komplett ohne Bargeld angereist und waren dementsprechend sauer, als es dann hiess, dass nun doch nicht mit dem Bändeli bezahlt werden könne. Einen Bancomaten gab es auch nirgends auf dem Gelände – logisch, denn Bargeld sollte ja kein Thema sein. Dementsprechend waren die Wartezeiten beim Bändelitausch doppelt so lange, da sich wohl jeder Besucher einzeln darüber beschwert hat.

Der erste Act, der am Donnerstag über die Hauptbühne fegte, war die Schweizer Band «77 Bombay Street». Die vierköpfige Bündnerband gab Vollgas und schaffte es, eine grosse, begeisterte Menschenmenge vor die Bühne zu bekommen. Mit viel Energie und musikalischem Können hauten sie dem Publikum Songs wie «In The War», «I Love Lady Gaga» und natürlich auch «Up In The Sky» um die Ohren. Sie vermochten aber auch mit leisen Tönen zu beeindrucken – beispielsweise bei «Miss You Girl». Die vier Jungs hatten sichtlich Spass auf der Bühne und waren somit ein würdiger Opener an diesem Tag auf der Hauptbühne.

Mehr als eine Coverband

Direkt danach spielte die belgische Band «Triggerfinger» im Zelt. Wer die Band nur aufgrund des Coversongs «I Will Follow» kannte, wurde wohl enttäuscht. Die Band schlug nämlich sehr viel härtere Töne an. Dunkler Rock und viel Rauch auf der Bühne überraschte viele Besucher. Allerdings gab es auch viele Fans der Band, die wohl alle Songs ausser des bekannten Chartstürmers mochten. Sänger Ruben Block zeigte den Erstbesuchern allerdings schnell, dass die Band viel mehr draufhat als «I Will Follow»: Der charismatische Frontmann gab alles und wirkte mit seinen halbwegs düsteren und halbwegs witzigen Grimassen wie ein Bösewicht aus einem James Bond Film. Als dann «I Will Follow» doch noch kam, war natürlich viel Jubel zu hören. Der Gitarrist begleitete das Stück, indem er mit einer Gabel an ein Glas schlug. Nebst grossem musikalischen Können bewies die Band auch Humor, Kreativität und gutes Entertainment.

Auf der Hauptbühne starteten jetzt die Rauchmaschinen, denn «Black Rebel Motorcycle Club» stürmte die Bühne. Sie präsentierten eine Mischung aus Punk, Rock und Rock’n’Roll. Dies funktionierte wunderbar, denn die Menschenmasse vor der Bühne wurde von Minute zu Minute grösser. Es dunkelte langsam ein, doch die Temperaturen blieben auf einem sehr angenehmen Level. Vergessen war der Platzregen am Nachmittag – nun zählte nur noch die Musik.

Auf der Waldbühne machte sich nun «Steff La Cheffe» bereit. Die Berner Rapperin und Beatboxerin zog sehr viele Menschen an. So viele, dass man sich gewundert hat, wieso die Entertainerin nicht auf der Zeltbühne hatte spielen dürfen. Das Publikum ging jedenfalls sehr ab, auch wenn der Sound nicht immer vorteilhaft klang. Die Akustik auf der Waldbühne war noch nie die beste. Trotzdem beeindruckte die junge Schweizerin Gross und Klein.

Besucherrekord am Donnerstag

Als um 23.15 schliesslich noch «Volbeat» auf der Hauptbühne spielten, kamen die dunklen Rocker aus ihren Löchern gekrochen. Die Dänen brachten den Berg – als erste Band an diesem Tag – komplett zum Beben. Fast schon zu sehr! Die Lautstärke übertrumpfte alles. Ihre Musik ist schwer in eine Schublade zu packen. Aber es kamen Rocker, Punker und auch Metal-Fans total auf ihre Kosten. Ein gelungener erster Gurtentag, der eine Rekordbesucherzahl von 17'000 Menschen verzeichnete.

Ein Freitag voller Highlights

Der Freitag sah wettertechnisch nun vielversprechend aus. Und nicht nur das: auch die Cashless-Bändel funktionierten endlich. So konnte man genüsslich in dn zweiten Tag starten. Die Sonne schien, als sich die Menschen gemütlich für «Bastille» vor der Hauptbühne versammelten. Der schöne, melodiöse Indie-Pop der Engländer war perfekt, um den zweiten Festivaltag einzuläuten. Mit viel Synthie und Tanzbeats brachten sie die Besucher auf dem Gurten zum hüpfen.

Später auf der Hauptbühne erfolgte das erste richtig grosse Highlight des Gurtenfestivals. Die Schweizer Sängerin Sophie Hunger spielte. Wer denkt, dass die Musikerin mit ihren oftmals ruhigen und zerbrechlichen Songs eher in einen kleinen Club als auf eine grosse Festivalbühne gehört, wurde an diesem Abend positiv überrascht. Die Band, die aus hochkarätigen Musikern besteht, vermochten absolut zu überzeugen. Songs wie «Das Neue», «1983» oder auch «LikeLikeLike» kamen riesig gut beim Publikum an. Und dies, obwohl in den vorderen Reihen nicht nur Hunger-Fans zu sehen waren. Verdächtig viele Menschen hatten T-Shirts an, auf dem «Bis zum bitteren Ende» stand. Nach Sophie waren nämlich «Die Toten Hosen» an der Reihe. Sophie liess sich jedenfalls nicht beirren und packte die ganz grossen Nummern aus. Sie betonte zudem, dass sie extrem glücklich sei, auf der Gurten-Hauptbühne spielen zu dürfen. Im Spiegel-Quartier, direkt am Fusse des Berges, sei sie nämlich aufgewachsen. Zum Abschluss sang sie mit all ihren Bandmitgliedern a capella und ganz leise das «Lied fürd Freiheitsstatue». Berührend und magisch. Der Nachteil: Die hinteren Reihen konnten nichts mehr hören. Das ist bei einem Open Air wohl doch nicht ganz so einfach wie in einem kleinen Konzertsaal.

Dann war es endlich soweit: Das absolute Highlight des diesjährigen Festivals stürmte die Bühne. Die Besuchermasse, die «Die Toten Hosen» anlockte, ist kaum zu beschreiben. Tausende Fans und Besucher standen so dicht beieinander, da war kein Durchkommen mehr. Sogar an Orten, wo normalerweise kein Konzertbesucher steht – es war unglaublich. Und Campino und seine Band lieferten auch gleich den direkten Beweis dafür: Sie boten eine Show, die sich gewaschen hat. Der charismatische Frontmann bewies, dass er trotz seiner 51 Jahre noch die Energie eines 20-Jährigen besitzt. Es krachte regelrecht auf der Bühne. Bereits der zweite Song war «Altes Fieber» - ein Song, der den Berner Hausberg zum Toben brachte. Als schliessilch der Song «Paradies» kam, trauten die Zuschauer ihren Augen nicht. Ein Festivalbesucher wurde auf die Bühne geholt, der den Song singen durfte. Erst erntete er Buh-Rufe, weil er angab, aus dem Kanton Aargau zu kommen. Doch danach begeisterte er die Massen mit einer wirklich beeindruckenden Show. Der Berg brannte wortwörtlich. Die Fans zündeten teilweise Pyros in den Zuschauerreihen. Und als ob das noch nicht genug wäre, liess Campino sich gegen Ende des Konzertes zum Mischpult-Zelt stagediven. Er kletterte aufs Dach des Zeltes und zündete dort selbst noch eine Pyro. Ein weiterer, unvergesslicher Moment war, als die Lichter allesamt ausgingen und das Publikum ihre Feuerzeuge in die Luft hielt. Man muss sich vorstellen, wie das ausgesehen hat: Ein Berg voller Menschen. So viele Menschen, dass kein Stück Erde mehr zu sehen war. Und alle mit Feuerzeugen in der Nacht. Gänsehautfeeling. Die Band spielte überraschend wenige Songs des neuen Albums. Sie packten etliche alte und beliebte Songs aus. Dies begeisterte die Fans natürlich umso mehr. Nach diesem Sound-Feuerwerk wussten die Besucher des Gurtenfestivals: Diese Show lässt sich nicht mehr übertrumpfen.

Ein würdiger Abschluss am Freitag

Nach dem Konzert den «Die Toten Hosen» musste man regelrecht wieder runterkommen. Da kamen die DJs von «Knife Party» genau richtig. Die beiden Gründungsmitglieder von «Pendulum» bewiesen, dass sie immer wieder neue Ideen haben. Mit leichten Drum’n’Bass-, Electro- und Dubstep-Elementen gespickt, versetzten sie mit ihrem Sound die Besucher in Hochstimmung. Es wurde nur noch gehüpft und getanzt. Wie ein grosser, fröhlicher Zirkus. Genau so musste der Freitag enden, und nicht anders.

Ein Samstag im Essenszelt

Nach dem feurigen Freitag hatte es der Samstag eher schwierig. Erst bei der Band «Hurts» auf der Hauptbühne, kamen die Massen in Strömen angekrochen. Die Band spielte viele neue Songs, die unter die Haut gingen. Viele fröhliche Gesichter entdeckte man bei den Songs «Wonderful Life» und «Stay». Aber auch sonst vermochte die Band mit ihren grossartigen Texten und sehr schönen Melodien zu überzeugen. Einziger Wehmutstropfen: Es war noch hell. Hätte diese Band beim Eindunkeln oder in der Nacht gespielt, wäre die Stimmung und einzigartige Atmosphäre, die diese Musiker auf die Bühne bringen, um ein Vielfaches intensiver gewesen.

Ein Schweizer Highlight war anschliessend «Seven» im Zelt. Wie immer beeindruckte er das Publikum mit seiner Stimme. Was dieser Mann gesangstechnisch zu bieten hat, ist wirklich die oberste Liga. Der Mann kann was. Seine Songs sind ebenfalls richtig gut, er hat Melodien, die ins Ohr gehen und sich dort fest verankern. Noch Stunden nach dem Konzert hörte man einzelne Gurtenbesucher die Melodie von «The Art is King» summen und pfeifen.
Als «The Smashing Pumpkins» auf der Hauptbühne spielten, war die Besuchermasse überschaubar. Trotz Headliner-Spielzeit vergnügten sich die meisten im Essenszelt oder auf dem Zeltplatz. Es war einfach zu laut. Ausser in den allervordersten Reihen standen die Besucher einfach nur da und machten nicht so richtig mit. Ob es nur an der Lautstärke lag, lässt sich schwer sagen. Die Vermutung ist, dass es einfach zu wenige Pumpkin-Fans auf dem Gurten hatte.
Dafür begeisterten «Goose» auf der Zeltbühne umso mehr. Die belgische Electro-Band gehört wohl zu den grössten Entdeckungen des diesjährigen Festivals. Sie brachten die richtigen Beats und trafen den Nerv der Zeltbühnen-Besucher. Die Menschen flippten regelrecht aus – bis die Schuhsohlen glühten. Egal wie müde man zuvor noch war – danach war man es nicht mehr.

Das Ende des Samstages auf der Hauptbühne läutete das Drum’n’Bass-Duo Chase & Status ein. Inzwischen sind auch sie – zumindest ein wenig – auf den Dupstep-Zug aufgesprungen. Sie lieferten eine tolle Show mit vielen Beats und farbigen Lichtern. Trotzdem dürften hartgesottene Drum’n’Bass-Fans ein wenig enttäuscht gewesen sein, da viele 0815-Songs einfach gecovert wurden. Spass machte es aber trotzdem. Danach sank man – müde und ausgepowert – ins Bett.

ZAZ verzauberte die Schweizer

Der Sonntag war heiss. Nicht einfach nur ein bisschen sommerlich heiss, sondern brütend heiss. So schlimm, dass man bei Stefanie Heinzmann, die am Mittag spielte lieber auf die erste Reihe verzichtete und sich ein Schattenplätzchen suchte. Die Walliser Sängerin bewies einmal mehr, dass sie einfach auf die Bühne gehört. Ihre beeindruckende Stimme liess so manchen Besucher erschaudern und bei Songs wie «Diggin’ In The Dirt» tanzten die Menschen bis in die hintersten Reihen.

Danach war es Zeit für ZAZ. Die Sonne wurde immer intensiver. Die französische Sängerin verzauberte die Besucher von der ersten Sekunde an. Nicht nur, dass ihre Band hervorragend spielte und sie eine Stimme zum dahinschmelzen hat: Sie hat auch noch eine unvergleichliche und sympathische Ausstrahlung. ZAZ hatte direkt etwas Pech mit dem Wetter. Ihre Songs tauchten den ganzen Gurten in eine wunderschöne und fröhliche Atmosphäre – jedoch flüchteten viele Besucher in den Schatten, weil es kaum mehr auszuhalten war. Dennoch: ZAZ war eines der ganz grossen Highlights dieser vier Festivaltage.

Danach folgte Emeli Sandé. Die Sängerin lächelte die ganze Zeit und man sah ihr immer wieder an, wieviel Spass ihr dieser Auftritt auf dem Gurten machte. Ihre Stimme ist grossartig und auch die Musiker zeigten ihr Können auf imponierende Art und Weise. Als Emeli den Song «Next To Me» anstimmte, tobte das Gurtenvolk. Auch wenn die Hitze noch immer anhielt und viele Leute sich mehr darauf konzentrierten, sich selbst Wasser über den Kopf zu kippen, als die Bühne zu beachten. Aber auch bei «Read All About It» gewann sie nochmals viel Aufmerksamkeit.

Alex Hepburn und die Fantastischen Vier erlebten die hitparade.ch-Reporter nicht mehr. Die Hitze zwang uns leider, den Berg vorzeitig zu verlassen. Berichten zufolge waren aber beide Bands grossartig und sorgten für den perfekten Abschluss. Hepburn habe sogar feuchte Augen gehabt, da sie von den vielen Besuchern überwältigt gewesen sei. Und «Die Fantastischen Vier» seien mit ihrem 20-köpfigen Orchester granatenmässig rübergekommen.

Wir freuen uns alle auf das nächste Gurtenfestival, das vom 17. bis 20. Juli 2014 stattfinden wird.
Stella Nera

Linktipps:
Zur Fotogalerie
Offizielle Website

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?