WITHIN TEMPTATION IM HALLENSTADION ZÜRICH AM 16.03.2014

Nach vielen Jahren kam wieder die Symphonic-Metal-Band Within Temptation nach Zürich, um ihr neues Album vorzustellen. Schon im Vorfeld war aufgefallen, dass das neue Album mit dem Lied "Paradise" einen ganz speziellen Höhepunkt enthielt, wird dieses Lied doch im Duett der Within Temptation-Sängerin Sharon den Adel und der früheren Sängerin der Hauptkonkurrenz von Nightwish, der legendären Tarja Turunen, gesungen.

Zwar gefällt mir die Musik von Nightwish und von Within Temptation seit Jahren eigentlich ganz gut, war selber aber noch nie an einem Konzert dieses Genre, gewissermassen einer kommerziellen soft-satanistischen Musik; ich entstamme eher dem Umfeld der älteren Kelly Family-Fans, und entsprechend habe ich mir den Konzertbesuch gut überlegt. Andererseits sind viele Fans ebenso wie ich mittlerweile etwas in die Jahre gekommen und entsprechend wohl auch etwas ruhiger geworden. So habe ich einen Freund, mit dem ich schon öfter an D.J. Bobo-Konzerte gegangen bin, gefragt, ob er mitkommt, und ganz spontan sagte er zu, während unsere Ehefrauen umgehend auf das Konzert verzichtet haben.

Tatsächlich waren die Besucher ausnahmslos manierlich, einige trugen schwarze T-Shirts mit dem Bild der Band oder vergleichbarer Bands, und nicht wenige waren wie ich vermutet hatte schon etwas in die Jahre gekommen. Und mitten unter ihnen also ein Fan der Kelly Family und ein Fan vom D.J. Bobo. Für das Konzert war nur ein Drittel des Hallenstadions vorgesehen und dieser Teil war auch sehr gut gefüllt, ohne dass es unangenehm eng gewesen wäre.

Die Vorgruppe Lunatica aus der Schweiz spielte eine halbe Stunde lang 5 Lieder aus ihrem Repertoire und ich muss sagen, das haben die durchaus sehr gut gemacht und die Frage darf erlaubt sein, warum man von dieser Gruppe - auch in der Presse - bislang noch nicht mehr gehört hat.

Dann aber ging es los und die Bühne bestand aus 3 Etagen und war rechts und links von den beiden Hydra-Schlangen des neuen Albums eingerahmt. Nett, dass die Stadt Zürich zur Begrüssung in grossen Lettern an die Bühnenhinterwand projiziert wurde. Die Sängerin begrüsste freundlich das Publikum. Nach dem Album-Opener "Let us Burn" mit einigen ganz netten Feuerszungen in der vorderen Reihe der Bühne war schon das zweite Lied, das Lied "Paradise" im Duett von Sharon den Adel und der zugeschalteten Tarja Turunen, ein absoluter erster grosser Höhepunkt des Abends; das Lied war ausgezeichnet und sicher intoniert und versetzte das Publikum schon früh in gute Stimmung. Das dritte Lied war "Faster" vom Vorgänger-Album "The Unforgiving", auch ganz nett, ehe es dann mit "Iron" nun so richtig zur Sache ging - sehr laute Begleitmusik und ich kam zur Überzeugung, dass Sharon den Adel Playback singen würde, da ich mir nicht vorstellen konnte, dass ein Mensch live in dieser Lautstärke und in dieser Sicherheit ein solches Stimmvolumen präsentieren kann. Ich sollte mich irren.

Während einer kurzen Filmsequenz zog sich Sharon den Adel andere Kleider an und schon das zweite Lied danach war der wunderschöne kommerzielle Hit "Angels" vom sehr schönen Album "The Silent Force", wunderbar vorgetragen, nicht ganz wie auf dem Album, so dass klar war, dass Sharon den Adel tatsächlich live singt. Zweifelsohne ein weiterer sehr schöner Konzerthöhepunkt.

Nun aber wurde das Konzert so richtig laut, ich habe noch nie einem so lauten Konzert beigewohnt, kommt hinzu, dass Within Temptation es eigentlich gar nicht nötig hat, die Lieder in dieser Lautstärke vorzutragen, so dass die gesamte Lieblichkeit der schönen Melodien verloren geht. Unabhängig von mir störte sich mein Freund zudem auch an den völlig übertriebenen Lichtblitzen. Mag sein, dass die Nightwish-Fans den Within Temptation vorwerfen, zu "brav" und zu leise zu sein, aber das ist doch wirklich kein Grund, die schönen Melodien mit solcher Lautstärke zu überdröhnen.

Sehr interessant das neue Lied "And we run" mit dem Rapper Xzibit, eine ganz ungewöhnliche, aber auch sehr reizvolle Kombination, die ich mir nochmals in Ruhe anhören werde. Bald schon folgte mit dem wohl grössten kommerziellen Erfolg der Band, "Stand my Ground" ein weiterer Konzerthöhepunkt, ebenfalls ganz super aufgeführt.

Das Video zum Lied "The Cross" indes war einfach nur geschmacklos und offenbarte, dass der Autor offenbar noch nie einen christlichen Gottesdienst besucht hatte, denn so wie im Video dargestellt läuft das dort nicht ab: die Wandlung von Brot und Wein zur Heiligen Kommunion ist eine würdige, aber keineswegs mit minutenlangen befremdlich anmutenden Ritualen angereicherte Handlung des Priesters. Und wenn sich eine junge Frau während dessen den Arm aufritzen würde, so würde der Priester den Gottesdienst unterbrechen und einen Arzt beiziehen; gerade an heissen Tagen kommt es durchaus mal vor, dass ein Gottesdienstbesucher einen Schwächeanfall erleidet und ein Arzt gerufen wird, während andere Gottesdienstbesucher Erste Hilfe leisten.

Bald schon forderte Sharon den Adel das Publikum mit einem Glas Wasser in der Hand zum Mitsingen auf und tatsächlich wäre ich trotz der grossen Lautstärke ohnehin bis zu diesem Zeitpunkt geblieben, weil ich dieses Lied unbedingt hören wollte: "Mother Earth" - grossartig und auch etwas weniger bieder als auf dem gleichnamigen Album vorgetragen. Es war wohl der Konzerthöhepunkt, das Publikum, das sich über weite Teile doch eher zurückhaltend zeigte, war nun nach den "Angels" und "Stand my Ground" wieder voll begeistert dabei.

Nun zog sich Sharon den Adel nochmals zum Kleiderwechsel zurück, während das Publikum um eine Zugabe bitten durfte, und erschien dann wieder im ersten Kleid. Aber ok - ein Within Temptation-Konzert ist natürlich im Gegensatz zu einem Britney Spears-Konzert auch keine Mode-Show. Es folgten weitere bekannte Lieder: zunächst "What have you done", dann "Fire and Ice" und die Coverversion des Lana del Rey-Liedes "Summertime Sadness", ehe Sharon den Adel erneut mit einem Glas Wasser in der Hand das Publikum zum Mitsingen aufforderte und tatsächlich folgte nun noch die bezaubernde "Ice Queen" vom "Mother Earth"-Album; erneut zeigte sich, dass Sharon den Adel alle Lieder live gesungen hatte, denn nach eineinhalb Stunden war ihre Stimme etwas in Mitleidenschaft gezogen und sie musste in der ersten Strophe etwas mogeln, ehe sie dann die zweite Strophe wieder gut performen konnte, aber das möge dem abschliessenden Konzert-Finale und fünftem Höhepunkt dieses erstaunlichen Konzertes keinen Abbruch tun.

Ein Fazit: die Musik von Within Temptation gehört zwar zum Genre des Symphonic-Metal, ist aber auch für normale Pop-Fans sehr unterhaltsam. Das Konzert hatte mit "Paradise", "Angels", "Stand my Ground", "Mother Earth" und "Ice Queen" fünf absolute musikalische Höhepunkte zu bieten und bot auch sonst sehr abwechslungsreiche Musik. Schade die über weite Strecken vor allem im Mitteldrittel viel zu laute Musik, sowas hat Within Temptation nicht nötig, um sich gegen Nightwish behaupten zu können. Dem Klischee, dass Within Temptation im Gegensatz zu Nightwish nur Softie-Melodien beherrscht und mit den rhythmischen Liedern nicht klar kommt, konnte die Band in diesem Konzert überzeugend begegnen, hierin stehen sie der Konkurrenz um nichts nach. Und die Stimme der Sängerin Sharon den Adel, die sehr sympatisch, souverän und ohne Starallüren durch die Show führte, war in der Höchstnote jederzeit überzeugend.
Ralf


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