GURTENFESTIVAL 2014


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Nun war es also endlich wieder soweit… Wir machten uns auf den Weg nach Bern, den legendären, geschichtsträchtigen Gurten zu erklimmen, um an einem der idyllischsten, authentischsten Musikfestivals der Schweiz, manche behaupten, des Universums, teilzunehmen.
Die Gebete zu allerlei Wettergöttern in den Tagen davor bewährten sich, denn genau auf den Donnerstag kam der Sommer in die Schweiz zurück und so durften wir mit schweisstreibenden Temperaturen rechnen.


Um 16:00 Uhr wurde das Hauptgelände geöffnet und sogleich wurden auf der Zelt- und Waldbühne die ersten Konzerte mit den Bands Moop Mama und Iwan Petrowitsch abgehalten. Auf der Hauptbühne wurden die riesigen Boxentürme ein erstes Mal mit Glanton Gang getestet. Weshalb getestet? Darauf kommen wir im Verlaufe des Berichts noch zu sprechen.
Glanton Gang, mit den Frontmännern Tommy Vercetti und Dezmond Dez, rappten sich in gewandtem Berndeutsch und sozialkritischen Texten durch die Eröffnungsphase des Festivals, in der sich das Gelände nach und nach füllte. Am Abend würde es mit 17'500 Besucherinnen und Besuchern einen neuen Besucherrekord am Donnerstag geben.
Diesen Besucherrekord würden die Rap-/Rock-Superstars von Cypress Hill an diesem Abend noch zu spüren und zu sehen bekommen. Um halb neun startete ihre Show. Ein Feuerwerk ihrer Hits "Rise Up", "Hits From The Bong", "Dr. Greenthumb", "Tequila Sunrise" bis zum grossen Klassiker "Insane In The Brain" gaben die doch nicht mehr ganz jungen Rapper zum besten. Der absolute Höhepunkt des Gigs war definitiv der Überraschungsauftritt von Everlast. Eigentlich hätte dieser erst am Freitag seinen Auftritt gehabt, hatte durch die Beziehungen zum DJ von Cypress Hill aber zum kurzen Intermezzo zugesagt. Dieses Intermezzo brachte das Publikum bis in die hintersten Reihen in Ekstase. Bereits nach den ersten Tönen von "Jump Around" jubelte und hüpfte der ganze Hügel in guter HipHop-Manier zu den massiv wummernden Bässen und das Festival war nun definitiv lanciert.
Einige gönnten sich nach Cypress Hill ein Bier zur Abkühlung, andere sprinteten direkt von der Haupt- zur Zeltbühne, um Milky Chance zu sehen. Kurz gesagt lief es bei Milky Chance folgendermassen ab: Song wird angespielt, Publikum jubelt, wird still, wartet auf den nächsten Song. Ausser bei ihrem Hit "Stolen Dance" geriet das Publikum kaum in irgend eine Art von Ekstase. Vielleicht war dies die Ruhe, welche es vor dem Sturm, es wartete Biffy Clyro, brauchte.
Die Sonne ging mittlerweile unter und erlöste das Publikum von der Hitze, welche vor allem auf dem mit Kunststoffplatten ausgelegten Platz vor der Hauptbühne gross war. Wer sich jedoch etwas Abkühlung erhoffte, wurde enttäuscht. Die aus Schottland stammenden Biffy Clyro heizten dem Publikum massiv ein.
Ein letzter Wechsel zur Waldbühne stand bevor, wo Bubi Rufener mit Bubi Eifach den Abschluss, zumindest act-mässig, des Donnerstags gestaltete. Bubi Eifach, unterstützt durch einen Gast-Auftritt von Steff la Cheffe, rockten. Szenenkennern war bekannt, wer da unten auf der Bühne stand. Gere Stäuble (Züri West), Ere Gerber (Gus MacGregor) und Oli Hartung (Stop The Shoppers) spielten zusammen mit Rufener guten, soliden, einfachen Berner Mundart-Rock. Keine Tricks, keinen doppelten Boden, einfach nur Berner Rock. Man muss ihn mögen, aber wenn man ihn mag, liebt man ihn auch bald.
Die Donnerstagnacht wurde anschliessend gebührend gefeiert. Manch einer hätte, in Anbetracht der Hitze des Freitags, wohl eher etwas weniger trinken sollen. Durch den Kater wurde der Freitag ein wenig zur Tortur…

Mit den sanften Tönen von William Fitzsimmons wurden die Verkaterten langsam aufgeweckt. Der amerikanische Songwriter schaffte es, seine intimen, zerbrechlichen Songs auf der grossen Gurten-Hauptbühne perfekt zu inszenieren. Man konnte gar bei einigen weiblichen Fans vor Rührung feuchte Augen beobachten, als William Fitzsimmons über seinen verstorbenen Grossvater und seinen Vater sang. Einen schöneren Start in den Gurten-Freitag konnte man sich nicht vorstellen.
Um ca. 17:00 Uhr setzt dann eine richtige Völkerwanderung ein. Alle strömten zur Zeltbühne, auf welcher eine weitere Grösse seinen Auftritt hatte. Wer bei Everlast nun aber eine weitere HipHop-Show erwartete, wurde überrascht. Mit Akustik-Gitarre und einem weiteren (sehr talentierten) Musiker am Keyboard präsentierte er all seine Lieder in einem Blues-Gewand, inkl. "What It's Like".
Das in den ersten Reihen junge Publikum war über den Blues erst erstaunt, feierte die Ikone Everlast aber bis zum Schluss.
Noch während das John Butler Trio ihre Show auf der Hauptbühne performte, versammelte sich die Menschenmasse vor der Waldbühne, um der Predigt von Endo Anaconda lauschen zu können. Als Stiller Has dann die Bühne betrat, ging es auch nicht lange, bis Endo sich zu politischen Statements über Atomkraftwerke und SVP-Politik hinreissen liess. Das Publikum hatte er von Beginn an in der Hand, und obwohl er meinte, dass er schon auf der Bühne gestanden sei, als es von uns noch nicht einmal ein Ultraschallbild gab, wurden die Lieder mit voller Inbrunst mitgesungen. Die Stimmung und das Konzert gipfelten zum Schluss in einem Medley verschiedener Hits, wobei nun auch der allerletze vor der Bühne laut forderte: "Nüt dranne mache! Eifach la loufe! Und de go z'Nüni näh!"
Es war bereits nach Mitternacht, als man den Eindruck hatte, die ganzen 20'000 Besucherinnen und Besucher würden sich vor die Hauptbühne drängen. The Prodigy setzten zu ihrem Gig an und holten das Letzte aus den riesigen Boxentürmen rechts und links der Bühne. Man wurde kurz nach den ersten Tönen regelrecht umgehauen. Sei es durch die feiernden Besucher, welche sich wild umherschubsten, oder durch die massiv zu laute Musik. Der Bass war dermassen heftig, dass sich Hosen zum Beat bewegten und der Herzschlag die Frequenz des Basses annehmen wollte. Von der Melodie, geschweige vom Text, war schlicht nichts wahrnehmbar. Aber anscheinend tat dies der Stimmung keinen Abbruch und egal, ob die jungen Mädchen von der Security aus der Menge gefischt wurden oder die Verletzten sich zum Sanitäts-Zelt schleppten, der Gurten bebte und verausgabte sich nach einem heissen Tag ein letztes Mal.

Am Samstag war die Wiese vor der Hauptbühne bereits früh gefüllt mit Sonnenschirmen, Hipstern, Hippies, Oben-ohne-Jungs, leicht bekleideten Frauen und anderen Figuren. Irgendwie konnte hier jederman(n), ohne es zugeben zu müssen, einen Blick auf Bastian Baker werfen und sich live einen Eindruck machen. Und ja, es war super! Bastian Baker konnte mit seinem welschen Akzent das Herz des Publikums gewinnen. "79 Clinton Street" , "Lucky", "Follow The Wind", und so weiter. Manch einer ertappte sich wohl beim Gedanken, dass dieses Lied ja von Bastian Baker ist, zudem er letztens mitsummte beim Autofahren.
Der nächste Publikums-Magnet spielte direkt nach der letzte Zugabe von Bastian Baker in der Zeltbühne. Die Bieler Jungs von Pegasus äusserten ihren Respekt gegenüber Bern und dem Gurten, betonten aber, dass der FC Young Boys ohne den Nachwuchs des FC Biel, welcher dieser ständig abwarb, nicht um den Titel mitspielen könnte. Die Leistung von Pegasus, musiklisch gesehen, war weltbühnentauglich. Kein falscher Ton war auszumachen.
Schlag auf Schlag ging es weiter. Franz Ferdinand läutete offiziell den Party-Abend ein.
Am Hügel der Waldbühne versammelten sich derweil, obwohl Massiv Attack die Hauptbühne rockte, die Anhänger der Huberischen Glaubensrichtung. Eine Fünfviertelstunde vor den ersten Tönen von Büne Huber und seinem Meccano Destructif Commando standen die ersten Fans an vorderster Front und schwelgten in Erinnerungen der vergangenen Touren. Aus der gesammten Schweiz, sogar welche aus Deutschland, wollten sie den sogenannten "Nachtschattengewächsen" von Büne Huber lauschen.
Die vermeintlichen Nachtschattengewächse wurden, zumindest in den vorderen zwanzig Reihen, lauthals mitgesungen. Auch der Rest des Berges applaudierte lauthals und konnte sich nach einem gecoverten Lied von Mani Matter ("Wo mir als Bueben emal") kaum mehr beruhigen. Die Berner-Rock-Fan-Gemeinde war spätestens nach diesem Konzert vollends befriedigt.
Freunde des Elektro-Swing und Jazz kamen kurz darauf bei der Parov Stelar Band auf ihre Kosten. "Da steppt dr Bär" bei beeindruckenden Saxophon-Solos und mitreissenden Beats. Übrigens war mittlerweile der Test der Sound-Anlage beendet und die Mischer an den Mischpulten hatten das ideale Verhältnis zwischen Bass und Sound gefunden.
Nach einer kurzen Nacht begann der Sonntag bereits um 11:30 Uhr auf der Hauptbühne. Weder Petrus, noch die Band Traktorkestar hatten Mitleid mit dem doch etwas übermüdeten, angeschlagenen Publikum. Petrus verwandelte den zuvor hochsommerlich gekleideten Gurten in ein graues, nasses Gewand und liess es teilweise waagrecht regnen. Traktorkestar legte ohne Rücksicht auf Verluste eine pfiffige Balkan-Brass-Show hin. Die zwölfköpfige Band liess ihre Blasinstrumente glühen und wurde zusätzlich bei einigen Liedern von Steff la Cheffe unterstützt, welche somit zu Beginn und am Ende des Gurtenfestivals ihr Zeichen als multifunktionale Rapperin setzen konnte.
Der Sonntag wurde durch das schlechte Wetter geprägt, welches aber Sportfreunde Stiller keineswegs irgendwie einschränkte. "Applaus!! Applaus!!" für das Publikum, aber auch für die Akteure auf der Bühne. Sportfreunde Stiller wurden vom Wetter zwar nicht beeinträchtigt, dafür mussten Placebo aufgrund des Sturms ihr Konzert unterbrechen und eine kurze Pause einlegen. Das Gurtenfestival 2014 wurde am Donnerstag mit HipHop eröffnet und endete am Sonntag ebenfalls mit HipHop. Lo & Leduc zelebrierten ihre Show im Zelt und sorgten damit für einen wunderschönen Abschluss.
Nachdem die Kleider gewaschen, die Batterien wieder aufgetankt sind, heisst es nun wieder: "Mir warte uf ä 16.Juli 2015! Güsche! Mir chöme immer wieder!"
Dominik Wyss / Fotos: Thomas Helbling

Linktipps:
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