ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA IM HALLENSTADION ZÜRICH, 3.MAI 2016



Völlig zufällig sah ich, dass das Electric Light Orchestra in Zürich im Hallenstadion gastiert. E.L.O. - das war vor 40 Jahren, ich ging damals noch zur Schule. Ihre Musik hat mich immer wieder begeistert und auch emotional stark berührt. Aber eben - das ist alles schon lange her. Schon sehr lange her. Und nun das: sie kommen nach Zürich und geben ein Konzert. Wieviel Lust würde ich haben, mir die Musik vom diesjährigen Album anzuhören, obgleich das neue Album eigentlich ganz ordentlich ist ? Vielleicht spielen sie ja wenigstens einige ihrer alten Hits. Obgleich ich noch zögerte, traf mein Unterbewusstsein alle Vorbereitungen und so schickte ich sofort SMS an meine Ehefrau und einige Freunde, und ein Freund, mit dem ich regelmässig an Konzerte gehe, sagte sofort zu. - Das Konzert würde völlig bestuhlt sein, aber ja, ok - wir Fans sind ja auch inzwischen etwas in die Jahre gekommen. Die Vorgruppe "The Feeling" war beileibe nicht schlecht und spielte 8 lange Lieder lang aus ihrem Repertoire - so viel wollte ich eigentlich nicht hören, und so fing das Hauptkonzert erst mit über 1:15 Stunden Verspätung an. Zunächst wurden die ganz alten Hits aufgeführt, "Tightrope", "Evil Woman" und "Showdown". Nicht schlecht ! - Und dann schon der Xanadu-Hit "All over the world", bald war die erste Scheu überwunden und die Leute standen von ihren Stühlen auf, schliesslich standen alle da und sangen und tanzten mit. Jeff Lynne kündigte nun ein Lied vom neuen Album an, "When I was a boy", man nahm wieder Platz und applaudierte zu einem netten und schönen Lied. Bislang war das Konzert ganz ok. Nun ging es mit dem ersten grossen kommerziellen Hit "Living Thing" weiter, das Publikum zögerte nicht mehr und stand sofort auf um laut mitzusingen und mitzutanzen. Zur schönen "Strange Magic" nahm man wieder Platz.

Nun folgten die "Rockeria" mit ihrem sehr schönen klassischen Frauen-Part und der erste internationale Top-Ten Hit "10538 Ouverture", und dann mit dem Lied "Secret Messages" ein Lied aus der Schlussphase ihrer grossen Karriere, welches ich nun nicht unbedingt erwartet hatte, welches aber auch sehr schön performiert wurde. Warum auch nicht ? - Weiter ging es mit einer etwas modernen Version vom Discovery-Hit "Shine a little love", zu dem das Publikum wieder mehrheitlich stand, ehe man das sehr schön vorgetragene Lied "Wild West Hero" vom Out of the Blue-Album wieder sitzend mitverfolgt hat, ebenso wie die "Telefon Line", die auch Begeisterung auslöste und wunderbar vorgetragen wurde. Nun folgte der erste Out of the Blue-Album-Hit "Turn to stone", den das Publikum wieder stehend mitverfolgte. Die Stimmung war super, Jeff Lynne spielte keineswegs das neue Album rauf- und runter, sondern performierte fast ausschliesslich seine erfolgreichen und bekannten Lieder. Was für ein Klasse Konzert bisher !

Was nun folgte, war wohl unerreicht - eine unglaubliche Abfolge mit dem Discovery-Superhit "Don't bring me down" gefolgt von den beiden Out of the Blue-Superhits "Sweet Talkin' Woman" und "Mr. Blue Sky" - ich konnte gar nicht mehr auf die Bühne achten, weil ich nur noch dastand, in der Musik völlig aufging und überrascht war, dass ich all' die Texte nach all‘ der Zeit noch fast ganz auswendig mitsingen konnte. Mein Verstand versuchte mir zu sagen, ich soll auf die Bühne schauen, da singen Electric Light Orchestra jetzt live für uns und werden dann wieder weggehen, aber emotional war ich längst abgetaucht in eine Zeit, die vier Jahrzehnte zurücklag. Wie gerne hätte ich damals als Jugendlicher in den Diskotheken nach dem Lied "Don't bring me down", welches damals weit oben in den Hitparaden war, auch noch zusätzlich die Lieder "Sweet Talkin' Woman" und den "Mr. Blue Sky" - das alles mit der Lichtorgel ergänzt - gehört, wie gerne hätten wir uns damals darin mitreissen lassen, aber kein Discjockey hat uns diesen Gefallen getan. Und nun bekamen wir 37 Jahre später diese drei Lieder in Folge und in voller Länge und erst noch live serviert !

Das Konzert war nun so richtig lanciert, doch schon verabschiedeten sich Sänger und Orchester, kamen dann noch einmal für eine Zugabe, dem legendären "Roll over Beethoven", zurück und die Halle tobte, schrie und tanzte begeistert mit ! Dann verschwanden sie wieder. Man wartete gespannt auf eine zweite Zugabe, denn der grosse Hit "Hold on Tight", der in der Schweiz wochenlang auf Platz 1 stand und zu den grössten kommerziellen E.L.O.-Hits überhaupt gehört, fehlte noch, und auch der Discovery-Hit "Confusion" wäre noch sehr nett anzuhören gewesen. Doch das Licht ging an und das Konzert war fertig. Etwas verwirrt standen die Leute da, dann gingen die ersten in die Gänge und zu den Ausgängen.

Ich durfte bei einem grandiosen Konzert dabei sein, welches alle Erwartungen bei weitem übertraf. Es war das mit Abstand beste Pop-Konzert meines Lebens. Meinem Freund hat das Konzert ebenfalls sehr gut gefallen, obgleich er die meisten Lieder nicht kannte, und er hat sich ebenfalls von der tollen Atmosphäre mitreissen lassen.

Jeff Lynne verstand es, eine gute Mischung aus alten Weggefährten und jungen Musikern zu präsentieren; der Gesang war bisweilen live, bisweilen Playback und bisweilen von jungen Sängerinnen und Sängern ergänzt. Hier hat Jeff Lynne eine sehr gute Mischung gefunden und man traf keineswegs Rock-Opa's auf der Bühne an, sondern ein altersmässig sehr ausgewogenes Orchester mit Sängern, bei dem Jeff Lynne und Richard Tandy angenehm unaufdringlich dabei waren. Die Hit-Dichte im Konzert war überragend und die Dreiersequenz "Don't bring me down", "Sweet Talking Woman" und "Mr. Blue Sky" wird in dieser Form in meinem Leben möglicherweise nie wieder erreicht werden und einmalig schön bleiben und ebenso einmalig schön auch emotional in meiner Erinnerung bleiben.
Ralf


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