GURTENFESTIVAL 2016


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Musik auf die Ohren, Texte ins Herz - und viel Bass aufs Zwerchfell


Das Gurtenfestival 2016 ist Geschichte. Doch vergessen werden es die vielen tausend BesucherInnen wohl nicht so schnell. Vier Tage lang wurde auf dem Berner Hausberg gerockt, gehüpft, applaudiert, Leidenschaft gezeigt und Herzen erobert. Besonders die deutschen Musiker waren dieses Jahr sehr beliebt.


Am Donnerstag dachten die ersten Gurten-Fans noch, es würde wohl dieses Jahr nicht besonders leicht werden. Es regnete und war kalt. Da brauchte es schon einen ziemlich guten Anfang, um doch noch in Festivallaune zu geraten. Dies schafften nicht nur MICHAEL KIWANUKA und THE TWO ROMANS, sondern besonders auch der erste Hauptbühnen-Act FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS. Bei ihm hörte es dann auch zu regnen auf und die Besucherzahl vervielfachte sich schnell. Die Rampensau par excellence wusste wohl, was sie tun musste, um vom schäbigen Wetter abzulenken. Er spielte seine Musik mit guter Laune und hüpfte über die Bühne, als gäbe es kein morgen. Genau so muss ein Festival beginnen. Und damit konnte man endlich sagen: Yes, der Güsche bebt wieder!
Weitere Highlights am Donnerstag waren NATHANIEL RATELIFF & THE NIGHT SWEATS, der mit seinem obercoolen Sound und insbesondere mit dem Überhit "Son Of A Bitch" das Zelt zum Kochen brachte, und auch REA GARVEY, bei dem auffällig viele hübsche Frauen in der ersten Reihe gesichtet wurden. Und wie es an Festival-Konzerten nun einmal so üblich ist, war die Stimmung auf dem Höhepunkt, als der bekannte Hit gespielt wurde. In Rea Garveys Fall war das "Supergirl" aus Reamonn-Zeiten. Als grosser Headliner am ersten Festivaltag folgte schliesslich die Band MUSE, die eine einmalige Show lieferte. Das Wort "Show" passt dabei hervorragend - denn musikalisch war die Band gewohnt gigantisch, die Songs hauten hin, die verschiedenen Soli der Instrumentalisten hauten rein und grossartige Showeffekte wie Riesenbälle, die beim Hit "Starlight" ins Publikum geschmissen wurden, zeigten definitiv, dass wir es hier mit einem hohen Niveau zu tun hatten. Doch eben, es war eine - wenn auch perfekte - Show. Persönliche Worte fehlten. Man fragte sich stellenweise, ob die Band wusste, an welcher Location sie gerade spielte.

Der Freitag stand im Zeichen der Europäer. Um genau zu sein, haben an diesem Tag besonders die deutschen Künstler abgeräumt. Den Anfang machte JORIS, der nicht nur Fans des Songs "Herz über Kopf" verzauberte, sondern auch die auffallend vielen Fans, die das ganze Album kannten. "Ich mache seit 21 Jahren Musik und 19,5 Jahre hat das Keinen interessiert", meinte er und lachte. Da kam sofort eine Grundsympathie auf. Und auch er schien sich auf der Zeltbühne wohl zu fühlen - baute er doch in jeden Song mindestens einmal das Wort "Gurten" e ein. Eine Geste, die ihm immer und immer wieder gedankt wurde. Deutsche Musik gab es an diesem Nachmittag sogar von einem Schweizer! FABER, der hierzulande immer bekannter und beliebter wird, lieferte einen tollen Auftritt auf der Waldbühne ab. Mit seinen manchmal irrwitzigen und manchmal sehr ironiebehafteten Texten trifft er den Nerv der Zeit. Nach FABER war es Zeit für eines der Highlights des gesamten Gurtenfestivals: GENTLEMAN & KY-MANI MARLEY beehrten die Hauptbühne. Mit Reggae, wie er im Buche steht, heizten die beiden Freunde dem Publikum ganz schön ein. Und sie brachten das Frieden-Feeling, das zurzeit die ganze Welt nötig hätte, auf den Berner Hausberg. Eine Kombination, die man als Reggae-Fan wohl unbedingt erleben muss: Gentleman, der mit einer unglaublichen Stimme und viel Charisma so krasses Entertainment liefert, dass es selbst die verkatertsten Festivalgänger von ihren Hippie-Badetüchern haut, und Ky-Mani Marley, einer der Söhne von Bob Marley, der mit seinen Wurzeln und seiner Geschichte genau den richtigen Groove in diese Musik bringt.
Danach fiel das Zepter sofort wieder in die Hände der Deutschen zurück. ANNENMAYKANTEREIT sorgten dafür, dass es bei der Zeltbühne kein Durchkommen mehr gab. War man nicht eine halbe Stunde vor Konzertbeginn beim Zelt, gab es keine Chance mehr, einen Blick auf die Bühne zu erhaschen. Kein Wunder, schliesslich lieferten die ehemaligen Strassenmusiker mit dem Album "Alles nix Konkretes" ein unglaublich starkes Debut mit eindringlichen Songs. Dazu kommt die wohl komplett unverwechselbare Stimme des Sängers. So wie im Gurtenprogramm beschrieben, kommt es in etwa hin: "Seine Stimme klingt wie die eines bärtigen Seemannes, der seit Jahrzehnten jeden Morgen eine Packung rostiger Reissnägel schluckt und sie danach mit einer Flasche Whiskey herunterspült. Dabei ist Henning May gerade mal etwas über 20 Jahre jung." Und ja, das Konzert war ebenfalls eines der Highlights des gesamten Festivals. Perlen wie "Barfuss am Klavier", "21, 22, 23" und natürlich "Oft gefragt" sorgten für Gänsehaut, Kribbeln und Wohlgefühl.

Mit viel Wohlgefühl ging es auf der Hauptbühne mit PASSENGER weiter. Ein Mann, eine Gitarre, ein Kick. Und dazu eine Riesenbühne. Freitagabend, 21:45 Uhr. Da teilten sich die Meinungen gewaltig. Dass Passenger traumhaft schöne Songs macht, unglaublich singt, Spannendes zu erzählen weiss und eine Sympathie und Bühnenpräsenz hat, die man oft weit suchen muss, darüber waren sich Viele einig. Insbesondere wenn man an lustige Momente denkt, in denen ihm beispielsweise die Gitarrensaite riss, er aber unbeirrt a capella weitersang, bis man ihm eine neue Gitarre reichte. Oder auch den magischen Moment, wo ein Berg voller Menschen "Let Her Go" singt, in einer Seelenruhe, ohne viel Tamtam. Dennoch gab es Partytiger, die einen Sänger mit Akustikgitarre um diese Zeit auf der Hauptbühne als unpassend empfanden. Vielmehr hätten diese wohl WANDA gesehen, die nächste deutsche Band an diesem Abend. Ja, dort ging die Post nämlich wieder richtig ab. Und wie auch schon bei AnnenMayKantereit gab es kein Durchkommen. Ebenso auch bei MANILLIO, den man auf die Waldbühne verfrachtet hatte - obwohl die Anzahl Zuhörer für eine grössere Bühne gesprochen hätte. Aber Hauptsache auf dem Güsche: So lieferte der Rapper eine Show der Extraklasse. Und so hörte man noch verschiedenste Gurten-Besucher "Das isch alles gloge" singen beim Abstieg vom Gurten.
Wer nach Manillio noch nicht genug hatte und doch noch auf dem Berner Hausberg weiterfeiern wollte, wurde mit dem norwegischen DJ KYGO gut bedient. Er stand hinter und auf einem riesigen DJ-Pult, dem wohl grössten DJ-Pult weit und breit. Zur Musik liess er verschiedenste Animationen aufs Pult und hinter sich an die Wand projizieren, liess Rauch und Feuer in die Luft steigen und liess das Publikum farbige Bälle in die Luft werfen. Was er soundtechnisch genau machte, weiss Keiner so richtig. Ob das live war oder nicht, sei also dahingestellt. Doch die Party funktionierte. Der Gurten bebte zum Grande Finale.

Am Samstag wurden die Festivalgänger von 77 BOMBAY STREET aufgeweckt, bzw., aufgewärmt. Die Jungs aus dem Bündnerland bewiesen, dass sie besser singen können, als die SRF3-Aufnahme von "Up In The Sky" vom letzten Gurtenfestival vermuten lässt. Und so wurde der Start in den Samstag dank den Jungs zu einem Supermoment. Ruhigere Töne an diesem Tag gab es von BOY - die Zürcherin Valeska Steiner und die Deutsche Sonja Glass sorgten für unvergessliche Momente auf der Zeltbühne. "Little Numbers" wurde laut mitgesungen und die wunderschöne Stimme von Valeska liess so manchem hartgesottenen Gurten-Besucher ein Schauer über den Rücken jagen. Sowieso zeigten die Schweizer an diesem Tag viel Können: So waren auch die Konzerte von HECHT, ANNA KAENZIG, BASTIAN BAKER und BASCHI absolut stimmig und passend. Gerade Baschi bewies viel Herzblut mit seinem Auftritt und eroberte damit einige Frauenherzen im Sturm. Das Highlight des Samstags aber war TRAVIS. Eine Band, die tonnenweise Hits geschrieben hat. Schon der erste Song "Sing" stellte unter Beweis, dass auch die jüngere Generation die Musik von Travis kennt. Und spätestens bei "Love Will Come Trough" hatte der sympathische Frontmann Alle in seiner Tasche. Es folgte ein grosser Hit auf den nächsten - bis das Ganze schliesslich in den Welthit "Why Does It Always Rain On Me" gipfelte. Diesen Song performte Sänger Fran Healy auf den Schultern eines Typs in der zweiten Reihe - während das ganze Publikum bis zum hintersten Bar-Besucher sprang. Einer der wohl magischsten Momente auf dem Gurten überhaupt. Da hatte es der Hauptbühnen-Nachfolger, PAUL KALKBRENNER, nicht leicht. Er legte teils chilligen, teils tanzbaren Elektro auf und wirkte damit fast ein wenig langweilig. Da konnten nur noch THE TEQUILA BOYS für Stimmung sorgen. Mit ihren 90er-Jahre-Covers lockten sie die Massen zur Waldbühne und gaben alles an Energie, was sie hatten. Wer da nicht tanzte, war wohl definitiv reif für den Schlafsack.

Und schon folgte der letzte Tag des Gurtenfestivals 2016. Von der Kälte war spätestens jetzt nicht mehr viel übrig. Toll war der Auftritt der sympathischen NAMIKA, die bewies, dass "Lieblingsmensch" nicht der einzige gute Song ist, den sie zu bieten hat. Endlich wach, war es Zeit, sich JOHN NEWMAN zu Gemüte zu führen. Mit seiner unverkennbaren Stimme hatte er stellenweise zwar zu kämpfen, aber er gab alles und sorgte mit seiner Power und den wirklich guten Songs für Gänsehaut - insbesondere natürlich mit "Love Me Again". Mit NICKLESS und HALUNKE folgten nochmals zwei Schweizer Perlen und natürlich lieferte JAMES BAY eine Show der Extraklasse ab. Nicht nur mit "Hold Back The River", sondern auch mit allen anderen seiner grossartigen Songs eroberte er die Herzen der Gurten-Besucher im Sturm. Ein Mann, der grosse Leidenschaft ausstrahlt und nicht nur grossartig entertainen kann, sondern auch zerbrechlichen Tönen Raum lässt. Den Abschluss machte eine Band, die vor einem Jahr einen Steilstart hingelegt hat. TROUBAS KATER mit Frontmann QC, den man von der Formation "Männer am Meer" kennt, brachten im Herbst mit "Verdammte Novämber" ein Album heraus, auf das die Schweizer Mundart-Szene gewartet hat. Grosse Songs, geniale Texte, perfekter Sound. Und den brachten sie nun auch auf der Waldbühne. Hammernummern wie "Lieber Fanfare aus nie" oder "Auso" brachten sie die letzten Gurten-Besucher, die noch Energie hatten, zum Hüpfen, Mitsingen und Klatschen. Und mit dem Freestyle-Rap bewies QC einmal mehr, dass er aus dieser Szene nicht wegzudenken ist. Eine grosse Band, von der man auch künftig noch viel hören wird.

Mit grossen Gefühlen, leichter Wehmut und viel Liebe in den Herzen machten sich die letzten Gurten-Besucher auf zum Abstieg. Aber wie heisst es so schön: Nach dem Gurtenfestival ist vor dem Gurtenfestival. Und damit steigt schon jetzt die Vorfreude auf den Güsche vom Donnerstag, 13. Juli bis Sonntag, 16. Juli 2017.
Stella Nera

Linktipps:
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Offizielle Website Gurtenfestival

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