OPETH UND BURST IM ABART, 15.12.05

Schon im Vorfeld sorgte Opeth für rauchende Köpfe, denn sie wollten umbedingt in einem kleineren Club spielen, somit war natürlich die Veranstaltung schnell restlos ausverkauft und viele andere Fans konnten gar kein Ticket mehr ergattern. Nun, man muss schon sagen, dass es für eine Band wie Opeth wichtig ist, wie sie ihre Auftritte haben wollen – in einem persönlicheren Rahmen. Und dies wäre natürlich in einem Club wie dem X-tra oder Z7 nicht möglich gewesen. So wird dieses Konzert sicher vielen (aber leider nicht allen) in guter Erinnerung bleiben. Aber beginnen wir von Anfang an.

Ein kalter Donnerstag Nachmittag vor dem Abart, 50 Meter Schlange von ungeduldigen Fans warten auf ihren Einlass, und man fragt sich, ob denn so viele Leute im doch etwas kleinen Abart Platz finden. Drin angekommen stellte ich mit zerbissener Erleichterung fest, dass es doch nicht so schlimm ist, auch wenn draussen noch einige warteten. So genehmigte ich mir estmal ein Bier, um mich richtig einzustimmen, plauderte mit Leuten und freuten uns natürlich auf das anstehende Konzert. Um etwa halb Neun begann dann die erste Band – Burst – ihren Auftritt. Ganz klar eine etwas unpassende Band als Supportact von Opeth, machen sie doch eine Mischung aus Gothic Metal/Rock und Metalcore. Grösstes Defizit war für mich wohl der Gesang, der – wie schon erwähnt – sehr metalrocelastig war. D.h. monotone Schreistimme ohne irgendwelche Abwechslung. Dann und wann wurde diese Stimme mit einigen weiblichen standard Gothic Vocals unterstützt, auch Keyboards unterstützten den Gothic Aspekt. Alles in allem eine sehr spezielle Mischung, die weder Fisch noch Vogel war. Dennoch konnten mich einige Parts überzeugen, nämlich genau dann, wenn sie etwas Melodie und Herzschmerz in ihre sonst metalcorelastige Musik einfliessen liessen. Technisch gab es eigentlich nichts einzuwenden, auch die Abmischung konnte sich hören lassen. Nach etwa 45 Minuten beendeten sie ihren Auftritt und machten für den eigentlichen Event Platz.

So gingen wir schleunigst nach Beendigung von Burst weiter nach vorne, in der Hoffnung, einen anständigen Platz einnehmen zu können. Und nun hiess es warten, lange warten – und mein Bier neigte sich dem Ende zu. Aber was soll’s, schliesslich sollte man solche Musik möglichst nüchtern sehen. Knapp vor 22 Uhr ging es dann los.

Für welche, die Opeth nicht kennen, oder diese nur beim Namen kennen, ein kleiner Exkurs: Opeth – der Name ist inspiriert durch den Roman „Sunbird“ vom Autor Wilbur Smith, wo es um eine Stadt Opet geht, die in der Wüste Afrikas ist und alle, die dorthin kommen, begehen Selbstmord – machen sogenannten Progressiven Death Metal. Dies umschreibt aber nicht im geringsten ihre Musik. Denn Einflüsse haben sie von überall her. Neben dem soliden Death Metal Kern, fliessen auch sachen wie Jazz, Alternative, Rock, Thrash usw ein. Manchmal erinnern sie an Nirvana, teils an Red Hot Chili Peppers oder dann nach Uriah Heep oder Tool... und dies vermögen sie in ein Gesamtkonzept einzubinden, welches ein erstaunlich harmonisches Gesamtbild vermittelt.

Zurück zum Konzert. Sie begannen mit dem Opener des neuen Albums Ghost Reveries – Ghost of Perdition, drehten dann die Zeit etwas zurück mit den Liedern When und White Cluster. Weitere neuere Lieder folgten: Bleak, The Grand Conjuration...
Hier war schon längst die Hälfte ihres knapp zweistündigen Auftritts absolviert. Denn ihre Lieder gehen nicht selten über zehn Minuten und allein durch ihre Musik erzählen sie Geschichten, Bilder – schlicht beeindruckend. Aufgelockert hat Frontmann Åkerfeldt die Show mit seiner ruhigen, behäbigen Stimme und trockenen Witzen. Ein wahres Unikum.Man nimmt ihm das Gefühl, welches die Musik und er vermittelt auch ohne Zweifel ab. Nach neun Liedern spielten sie noch eine Zugabe: Deliverance vom gleichnamigen Album, davor zwangen sie uns noch zu einem Happy Birthday für ihren Gitarren-Kuli, was auch eher als Scherz denn ernst gemeint war. Den Musikern muss man grosses Lob schenken. Alles stimmte einfach, jedes noch so kleine Detail; dies sind wahre Profis, was man sonst im Metal nicht immer behaupten kann. Abgemischt war auch alles hervorragend. Einzig was mich störte, war, dass die Bühne viel zu niedrig ist und somit hatten viele einen schlechten Blick auf die Band.

Eindrucksvoll, schön, traurig, brutal, zärtlich – wer diese Band noch nicht gesehen hat, auf härtere Klänge mit viel experimentierfreudigkeit steht, sollte sich diese das nächste mal nicht entgehen lassen.

Setlist des Konzerts:
Ghost of Perdition
When
White Cluster
Closure
Bleak
The Grand Conjuration
Under the weeping Moon
The Baying of the Hounds
A Fair Judgement

Zugabe: Deliverance

Ragnar

Linktipps:
Offizielle Homepage von Opeth
Offizielle Homepage von Burst
Video zu The Grand Conjuration

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