CHIMÈNE BADI IN LAUSANNE AM 17. DEZEMBER 2005

Chimène Badi, ihres Zeichens bereits siebenfache Betreterin der Schweizer Single-Charts, stattete ihrer Schweizer Fangemeinde am vierten Adventswochenende einen Besuch ab. Im bestens besetzten Theatre du Beaulieu in Lausanne überraschte die junge Sängerin mit einer selbstbewussten und stimmgewaltigen Darbietung.

Wenn eine junge Dame, einstige Teilnehmerin der französischen Version der Casting-Show „Popstars“, als Solo-Künstlerin auf Tournee geht, darf man gespannt sein, wie sich ihr Publikum zusammensetzt. Eine Popularitätshürde über den Ansturm hysterischer Teenies hinweg hat die junge Interpretin bereits erfolgreich bewältigt. So war das anwesende Publikum am Samstagabend altersmässig bunt durchmischt. Kinder in Begleitung ihrer Eltern waren gleichwohl vertreten wie gesetztere Herrschaften im AHV-Alter. Allesamt warteten sie vorfreudig darauf, was Chimène Badi – vor allem bekannt durch ihre bombastischen Pop-Balladen – ihnen live vorsetzen würde.

Vorerst galt es aber, in Schwung zu kommen. Darum war der junge Sänger Vincent Niclot bemüht, der als Vor-Act ein relativ kurzweiliges halbstündiges Programm an Songs präsentierte, die wohl auf Chimènes letzter Platte keinen Platz mehr gefunden hatten. Klangfarblich bewegte sich der bodenständige Sänger nämlich auf ähnlichem Parkett wie es die Heldin des Abends zu tun pflegt. Kein Wunder: entstammen doch auch seine Titel der Feder des engagierten französischen Produzenten Rick Allison, der für Chimène ihren bis dato grössten Hit „Entre nous“ komponiert hatte. Mit einer orchestralen Interpretation des weihnachtlich stimmenden Bach-Klassikers „Ave Maria“ war Vincents Bühnenpräsenz für den Moment beendet.

Chimènes Auftritt wurde glorios inszeniert. Lichteffekte und ein orchestrales Intro begleiteten sie auf ihrem Weg zur Bühne. Wer die Sängerin nur von Pressefotos und ihren Videoclips kannte, dem wurde sogleich ein unerwarteter Aha-Effekt gewahr. Nicht wie auf offiziellen Promotionsaufnahmen unschuldig zierlich, sondern dezent mollig und mit der Aura einer stimmgewaltigen Power-Röhre betrat die Sängerin das exponierte Parkett und präsentierte mit „Je ne sais pas son nom“ sogleich ein kraftvolles Highlight ihres zweiten Albums.

Die Sängerin performte bereits im ersten Teil des Konzerts die meisten ihrer Hits. Als Höhepunkte dieser Phase lassen sich der in der Studioaufnahme relativ unauffällige Titel „Le mot fin“, sowie die Singles „Je vais te chercher“ und „Le jour d'après“ vermerken. Diese zwei, ihre wohl stärksten eigenen Songs entlockten dem Publikum andauernden Beifall. Dass die erst seit zweieinhalb Jahren Lieder publizierende Sängerin im Rahmen eines 100minütigen Konzerts auch auf Titel anderer Interpreten zurückgreifen würde, war voraussehbar. Die angereisten Senioren mag in Folge dessen die Neu-Interpretation des lüpfigen Piaf-Chansons „L'accordéoniste“ speziell begeistert haben, während das jüngere Publikum engagiert die kraftvolle Inszenierung des Konzert-Klassikers „L'envie“ von Johnny Hallyday bejubelte. Anzumerken gilt es, dass letzterer Titel der meisterhaften Feder Jean-Jacques Goldmans enthuscht ist.

Zu einem Comeback auf die Bühne verhalf Chimène ihrem Kameraden Vincent Niclot, der an ihrer Seite die Single-Auskopplung „Si j'avais su t'aimer“ singen durfte. In der Gesamtschau eher als Konzertfüller erscheint ein von ihrer fünfköpfigen Live-Band im Unplugged-Klanggewand instrumentiertes Folk-Song-Medley, in welchem Chimène unter anderem „Yesterday“ der Beatles intonierte. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich hingegen nachwievor Chimènes grösste Hits „Je viens du sud“ (im Original von Entertainment-Dino Michel Sardou) und „Entre nous“. Beide Titel verstanden es sodenn, die Sensibilität des jungen Talents in der Interpretation stimmlich vielschichtiger Kompositionen herauszufordern. Die sympathische Chimène bestand diese Prüfung glänzend und erntete nach der Präsentation dieser starken Lieder minutenlangen Beifall und Standing Ovations.

Chimène trug an diesem Abend weite schwarze Hosen und eine ausschweifende weisse Bluse, inkl. einer lègeren Krawatte. Diese Textilien dokumentierten, dass es an diesem Abend nicht im Sinne der Sängerin war, hautenge, figurbetonte Kleidung zu tragen. Der als Zugabe präsentierte Titel „Un père“ ihres ersten Albums und das anschliessende Busserl auf die Wange des Keyboarders ihrer Band, lassen Spekulationen offen, ob die etwas korpulentere Erscheinung der 23jährigen ein Indiz für anstehenden Nachwuchs im Hause Badi sei.

Im Laufe der Darbietung ihres betont balladesken Repertoires erzeugte die Sängerin durch ihre feinfühlige Stimme und ihre bezaubernde Aura eine durchaus intime, individuell anmutende Atmosphäre im Saal. Diese übertrug sich jedoch nicht auf die Mobilitätslust der Zuschauer, so dass diese lange Zeit auf ihren Sesseln verblieben und selbst am Schluss bei den Zugaben einen Mindestabstand von zwei Metern zur Bühne beibehielten. Trotzdem zeigte sich die junge Künstlerin vom enthusiastischen Beifall des Publikums gerührt. Überwältigt verabschiedete sich Chimène mit einem charmanten „Je vous aime“. Die aus der Deutschschweiz angereisten Berichterstatter von hitparade.ch glauben sodenn fest daran, dass explizit sie die Adressaten dieser liebevollen Aussage waren. Begeistert von der reifen Leistung einer bezaubernden Herzdame sind sie gespannt darauf, wohin die künstlerische Reise Chimène Badis inskünftig gehen wird. Zu hoffen bleibt, dass sie den Konventionen bombastischen Chanson-Pops treu bleibt und sich weiterhin gerne in die Obhut talentierter Song-Schreiber wie J. Kapler (Jean-Jacques' Bruder Robert Goldman) begeben wird.
Crazy Chris / staetz

Linktipps:
Discographie von Chimène Badi
Offizielle Seite von Chimène Badi

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