NATASHA ST-PIER IM GRAND CASINO DE GENÈVE - SONNTAG 30. APRIL 2006

Noch vor dem unmittelbar bevorstehenden Gastspiel im legendären Pariser Olympia beehrte die Pop-Prinzessin aus Québec die Rhône-Stadt mit ihrem einzigen Auftritt in der Schweiz. Den Konzertsaal des unmittelbar am Quai des Lac Léman gelegenen Grand Casino de Genève fand Natasha St-Pier bis zum letzten Platz gefüllt vor. Unter das grösstenteils frankophone Publikum gesellten sich auch zwei aus der Deutschschweiz angereiste hitparade.ch-Berichterstatter.

Begleitet von einer lediglich fünfköpfigen Band gelang es der überaus sympathischen Performerin, die Herzen der Anwesenden im Sturm zu erobern. Die atmosphärisch-verträumte Dichte, von welchen viele Titel Natasha St-Piers leben, vermochte sie auch auf Anhieb ins Genfer Casino zu zaubern. Dass die Titel in der Live-Aufmachung erdiger und gitarrenlastiger klangen, demonstrierte die Live-Tauglichkeit der um Authentizität bemühten Sängerin. Natasha vollzog eine Performance, die mit der Eigenheit ihrer Studio-Produktionen gleichzog: sie sang engelsgleich traumhaft, versteckte währenddessen auch keinesfalls ihre visuellen Qualitäten, wirkte jedoch in keiner Situation billig, sondern in ihrem schlichten Schwarzweiss-Outfit ausgesprochen stilvoll.

Nach einigen Midtempo-Nummern stellte der Uptempo-Titel „Juste un besoin de chaleur“ aus ihrem vorletzten Album einen ersten Höhepunkt dar, der die Anwesenden rasch aus ihren Fauteuils riss. Im Repertoire ihres rund 100minütigen Nonstopauftritts fanden sich praktisch sämtliche Titel des gelungenen neuen Longplayers „Longeur d’ondes“. Dass die neuen Songs nicht nur der Wellenlänge der Protagonistin, sondern auch derjenigen ihres aufgrund seiner roten Haare primavista auf irische Provenienz deuten lassenden Gitarristen entsprachen, verheimlichte dieser keineswegs. Als enthusiastischer Publikumsanheizer, der in verspielten Gitarren-Riffs voll aufging, waren ihm die Sympathiepunkte gewiss. Generell wirkten Natashas Bemerkungen, wie gut sie sich mit ihrer Live-Band verstehe, aufgrund des harmonischen Auftritts des Pop-Sextetts vorbehaltlos authentisch. Natasha unterliess es freilich nicht, sämtliche ihrer Single-Hits wie „Nos rendez-vous“, „Tu trouveras“ oder „Mourir demain“ zum Besten zu geben. Das Genfer Publikum erwies sich in diesen Situationen als überraschend textsicher, was Natasha mit einem glücklichen Lächeln quittierte.

Ihren allerersten Hit - den Eurovisionsknaller "Je n'ai que mon âme" - begleitete Natasha mit den verdankenden Worten an ihr Schweizer Publikum für die seinerzeitigen "douze points de la Suisse" (Anmerkung für Nicht-Insider: "douze / twelve points" = Bestwertung im Eurovisionsvokabular). Die natürliche Wortgewandtheit der Sängerin war mitunter ausschlaggebend für die dichte Ambiance des Abends. Als kommunikationstechnischer Höhepunkt bleibt der Spontandialog Natashas mit einer übermotiviert-enthusiastischen Konzertbesucherin hängen, welcher in die gemeinsame Darbietung des Titels „Tant que c’est toi“ mündete.

Als erste Zugabe erreichten das Publikum die lang erwarteten japanischen Töne ihres jüngsten Hits "Un ange frappe à ma porte"; ohne Zweifel eines Höhepunkts im bisherigen Schaffen Natasha St-Piers. Nach der ergreifenden Ballade „À l’amour comme à la guerre“ setzte sich die Künstlerin für die dritte Zugabe an ein eigens in den Vordergrund gerücktes Piano, um das Stück "De nous" ohne Begleitunterstützung darzubieten. Eine kleine Unsicherheit in den Tastengriffen, verbunden mit einem kurzen Unterbruch, kommentierte sie mit den charmanten Worten "Cette pièce a été ecrit par Pascal Obispo. Je suis contente qu'il n'est pas dans la salle"; ein Beispiel für die überaus unkomplizierte und gewinnende Art der Performerin. Der rasche Abgang nach "De nous" - einer netten, jedoch keineswegs überdurchschnittlichen Ballade - gefolgt von der unmittelbar anschliessenden Erhellung des Saals sorgte für einen kurzen Moment der Irritation. Eine Abschiedshymne (beispielsweise analog Michel Sardous „Salut“) oder zumindest ein letzter verbeugender Flirt mit dem jubelnden Publikum wären alternative Schlusspunkte gewesen, welche die kurzweilige Verdutztheit der Fans hätte verhindern können. Weiter gilt es – als einzigen weiteren Kritikpunkt an einem ansonsten höchst begeisternden Abend – zu bemängeln, dass Natasha auf die Präsentation von „Toi qui manques à ma vie“ verzichtete, obwohl jene Melancho-Chansonhymne definitiv zu den stärksten Titeln ihres verträumten Repertoires gehört.

Das Genfer Konzert Natasha St-Piers (eine Neuauflage wurde bereits für den 3. Dezember 2006 in Aussicht gestellt) wird in stimmiger Erinnerung der Anwesenden verbleiben. Die realistische Perspektive auf eine lange andauernde und erfolgreiche Karriere ist bei Natasha St-Pier begeisternderweise in hohem Masse vorhanden. Die Erwartung des uns von ihr künftig noch erreichenden Klangguts ist zweifellos Anlass zu engagierter Vorfreude.
staetz / goodold70

Linktipps:
Zum aktuellen Album "Longueur d'ondes" mit Hörproben
Discographie Natasha St-Pier
Offizielle Seite

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