ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG IM VOLKSHAUS ZÜRICH – FREITAG 5. MAI 2006

Der als „einziges Konzert in der Schweiz“ Exklusivität verheissende Auftritt der legendären österreichischen Kult-Combo lockte ein bunt durchmischtes und zahlreiches Publikum ins Zürcher Volkshaus. Hinsichtlich Hitparadenpräsenz liegen die grossen Zeiten der den Kabarettrock zelebrierenden Band gegen 15 Jahre zurück. Wie sich rasch erwies, ist die Bühnenwirkung dadurch – trotz klarerweise fortgeschrittenem Reifestadium der Protagonisten – in keiner Weise beeinträchtigt.

Mit dem Introsong „Wo ist der Kaiser?“ – in authentischen K.u.K.-Uniformen dargeboten – wurde der als Zeitreise konzipierte Themafaden „100 Jahre EAV – Ihr habt es so gewollt!“ aufgenommen. Die Idee ist durchaus witzig; wurde jedoch insofern nur in den Anfängen des Konzerts durchgezogen, da die Jahreszahlen rasch die Achtzigerjahre erreichten, womit an die reale EAV-Geschichte angedockt werden konnte. Zweifelsohne war der Grossteil der angereisten Fan-Schar aber auch ohnehin nach Zürich gereist, um die teilweise bereits zum Klassiker gereiften Satirepop-Klassiker in der Version 2006 hören zu dürfen. Die EAV enttäuschte ihre Zuhörer nicht: Ausnahmslos alle Hits kamen im stolze 2 ½-Stunden dauernden Nonstop-Auftritt zur Aufführung. Begonnen beim „Alpen-Rap“ („Sepp, Sepp, sei kein Depp, die Zukunft ist der Alpen-Rap – Sepp, Sepp, mach sie heiss, mit deinem Edelweiss“), über „Küss' die Hand, schöne Frau“, „An der Copacabana“, „Ding Dong“, „Burli“, „Samurai“ bis zum genialen „Ba-Ba-Banküberfall“ war alles im Programm, was die Fans an bekannten Werken zu hören begehrten. Eingeschlossen in die Live-Präsentation waren titelspezifische Outfits zu praktisch sämtlichen Darbietungen. „God Bless America“ sang Frontmann Klaus Eberhartinger mit einem breiten Cowboy-Hut auf der Stirn – „Heisse Nächte in Palermo“ im mafia-eigenen Nadelstreifenanzug. Letztere zwei Titel gehörten aufgrund ihrer textlichen Pointiertheit und ihrem Ohrwurm-Gehalt zweifelsohne zu den Highlights der Vorführung.
Grundsätzlich klangen die Songs in der Live-Aufmachung gitarrenlastiger und erdiger als in den Studioversionen, was den einen oder anderen Konzertbesucher zum engagierten Head-Bangen animierte.

Neben der charismatischen Hauptperson Klaus Eberhartinger, der mit quirliger Zunge durch den Abend führte und die stimmliche Hauptarbeit leistete, ist Thomas Spitzer als zweite essentiell für das EAV-Projekt mitverantwortliche Persönlichkeit zu erwähnen. Die beiden stellen nach einigen Personalwechseln die einzigen auf der Bühne Anwesenden dar, welche der Kult-Combo bereits 1981 angehörten. Spitzer – bekannt auch als Autor für andere grosse Interpreten der Alpenrepublik wie Udo Jürgens oder Tony Wegas – mimte den Part des vom Leben gezeichneten E-Gitarren-Rockers gekonnt und authentisch. Vom Rest der Truppe verdient insbesondere Bassist Leo Bei ausdrückliche Erwähnung, dessen fülliger Körperbau Eberhartinger zum Spässchen, das Kürzel EAV stehe nicht für Essen auf Vorrat, hinriss und der sich aufgrund seiner Dimensionen und seines prägnanten Kahlkopfs als dankbares Objekt für darstellerische Einlagen anbot.

Die Ambition, nicht nur als Klamaukbrüder zu gelten, sondern ebenso auch als ernsthafte Künstler, welche ihrem Publikum eine Botschaft zu vermitteln haben, kam in diversen eingestreuten politischen Aussagen zum Ausdruck. So fanden George W. Bush, Edmund Stoiber sowie das religiöse Bodenpersonal aller Ausprägungen in bissiger Form Erwähnung. Just diese Momente des Konzertes markierten unübersehbar, dass man der EAV nicht gerecht wird, sie auch nur ansatzweise auf die seltsame Ballermann-Hymne „Drei weisse Tauben“ zu reduzieren.
Die abwechslungsreiche Bühnen- und Outfitgestaltung sorgte für ein kurzweiliges Programm. Der Schere des Konzert-Dramaturgen fielen in Folge der Energie raubenden Garderobe-Aktionen praktisch sämtliche zweite Strophen der grossen Hits zum Opfer, was den einen oder anderen Fan enttäuscht haben mag. Der Umstand erhärtet jedoch die im Konzertverlauf gewonnene Einsicht, dass es sich bei der EAV, die sich wenig um alteingesessene Konzert-Konventionen schert, wohl tatsächlich um ein Sextett handelt, dem vor lauter Abgedrehtheit und Absurdität die Diagnose des Irrsinns zu stellen ist.

Ein Höhepunkt unter den einen breiten Platz einnehmenden Comedy-Einlagen stellte eine herrlich sarkastische Parodie auf verschiedene Musikanten österreichischer Provenienz dar (Udo Jürgens, Rainhard Fendrich, Hansi Hinterseer). Dass auch dem verstorbenen Falco eine satirische Huldigung widerfuhr, demonstriert, dass der EAV auch 19 Jahre nach Erscheinen ihres erfolgreichsten Albums die Lust auf „Liebe, Tod & Teufel“ noch nicht vergangen ist. Der besagtem Erfolgswerk entstammende Kult-Song „Der Tod“ gehörte so denn auch zu den atmosphärisch stärksten Momenten des Konzerts.

Die EAV wurde ihrem Anspruch, Kulturschaffende im umfassenden Sinne zu sein, zweifelsohne gerecht. In ihrer Klamauk, Satire, Zeitkritik, Rock, Pop und Melodiösität umfassenden Mixtur stellen sie – zumindest im deutschsprachigen Raum – nach wie vor ein Unikat dar. Offensichtlich war der Grossteil des Publikums; insbesondere auch die Berichterstatter von hitparade.ch vom Auftritt der hochgradig kreativen Österreicher begeistert.
goodold70 / staetz

Linktipps:
Zur neuen Best-Of-CD "Platinum Koläktschn"
Discographie von EAV
Offizielle Seite

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