BLIND GUARDIAN, AM 07.09.2006 IM Z7, PRATTELN

Lange mussten wir warten, bis wir Blind Guardian endlich wieder im Z7 sehen durften. Denn es waren nicht weniger als vier Jahre verstrichen, als die Deutschen unser Land besuchten. Umso grösser waren natürlich die Erwartungen, welche diese in weiten Kreisen der Metal-Szene beliebte Band, zu erfüllen man hoffte. Nun, dies Geheimnis soll hier gelüftet werden. Eines vorweg: es ist natürlich der persönliche Geschmack, der zählt. Dennoch versuche ich hier auf möglichst objektive Weise darauf einzugehen.

Wie zu erwarten war dieses Konzert ausverkauft. Mit anderen Worten, hoffnungslos überfüllt. Auf der anderen Seite weiss man, dass ausverkaufte Konzerte dazu tendieren eine immense Stimmung aufzubauen, wenn auch viele wohl auch nicht aus ganz „freien Stücken“ dort waren. Nach einer längeren Zäsur zwischen Vorband und Hauptband war es dann endlich soweit und das uns bekannte Intro der hochgelobten Scheibe „Nightfall in Middle-Earth“ dröhnte aus den Boxen. Kaum war dieses vorbei, ging es auch schon mit dem regulär darauf folgenden Lied „Into the Storm“ los. Die Menge war gespannt, und sie wurden nicht enttäuscht. Auch wenn das Schlagwerk meiner Meinung nach etwas zu dominant war, und die Stimme Hansi Kürschs etwas unterging. Nichtsdestotrotz ein recht flotter Anfang. Doch wir wollten mehr. Weiter ging’s mit „Born in a Mourning Hall“ des allseits gelobten Albums „Imaginations from the Other Side“. Darauf folgte das sehr schöne „Nightfall“ des schon oben erwähnten gleichnamigen Albums. Nach „The Script for My Requiem“ folgte dann das progressivere Lied „Fly“ ihrer neuen Platte „A Twist in the Myth“, welches keines Falls schlecht war. Die Untermalung per Video – teils eher fantasylastige Installationen, manchmal aber auch eher grotesk und unpassend – steuerte zur Stimmung bei. Dennoch hätte man sich etwas eher Traditionelles gewünscht. Mit „Valhalla“ und „The Time Stands Still (at the Iron Hill)“ legten sie wieder zwei richtige Kracher hin. Und wie es typisch ist, sang das Publikum bei ersterem noch sehr lange weiter (wie es auch ihren Live Alben zu entnehmen ist). Mit „Lord of the Rings“ kehrten sie wieder einmal zu ihrem beliebten Thema zurück und schlossen wieder mit einem aktuellen Lied „This Will Never End“ an. Mit „Mordred’s Song“ spielten sie abermals ein Lied des wohl offenbar beliebtesten Albums „Imaginations...“. Nach „Lost in the Twilight Hall“ folgte das epische, viertelstündige und wohl beste Lied der Queen Hommage („A Night at the Opera“) „And then there Was Silence“. So weit so gut, das war nun ihr krönender Abschluss. Aber irgendwie wollte das niemand glauben. Nach einer kurzen Zeit betraten sie wieder die Bühne und spielten noch zwei weitere Songs „Another Stranger Me“ und natürlich das Titelstück von „Imaginations from the Other Side“. Nun dachten wir, es sei tatsächlich fertig, wohl wissend, dass ihre wohl beliebtesten Songs „Bard’s Song“ und „Mirror Mirror“ fehlten. Und siehe da (ich wollte die Halle schon verlassen), genau diese Songs bildeten dann den Abschluss dieses Konzerts.

Soweit, so gut. Die Setlist war hervorragend, sie haben sauber gespielt, und die Show war eigentlich auch ganz gut. Doch irgendwas fehlte. Wo war der Enthusiasmus geblieben? Wo der Spirit? Nun, was sicher auffiel, war, dass der begnadete Sänger Hansi Kürsch stimmlich niemals das Niveau erreichte, welches er auf Studioalben darlegen kann. Gerade bei stark emotionalen Teilen, wo er mit seiner Stimme einfach nur das Blut in den Adern zu gefriern weiss (mit anderen worten einfach sehr hohe Passagen), versagte er kläglichst und wich STETS auf tiefere stimmliche Lagen aus. Sehr schade. Das ist die einzige wirkliche Kritik an die Band. Ansonsten war noch die etwas trockene Abmischung, und das ganze Auftreten. Alles schien etwas flach, gezwungen, ohne enthusiasmus. Ich will hiermit keinesfalls sagen, es sei schlecht gewesen, sonst würde ich das sagen. Ich denke, gerade an eine Band wie Blind Guardian werden sehr hohe Erwartungen gesetzt, welche dann nicht immer – so sage ich mal – erfüllt werden können. Doch in Anbetracht, dass dies der Tour-Auftakt war, hätte man etwas mehr erwarten dürfen (oder war es gerade WEIL?).

Nichtsdestotrotz war es ein Erlebnis der anderen Art. Ein Lob auch an das Z7, welches wie immer organisatorisch zu überzeugen weiss und gute Arbeit geleistet hat.
Ragnar


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