„BOOB“ IM HELSINKIKLUB/ZÜRICH, 28. APRIL 2007

Es ist Frühling – auch heute an diesem Abend hier in Zürich; kein Regen wie
es im April sonst meist der Fall ist, dafür angenehme Temperaturen und klasse Stimmung. „BOOB“ aus Bern geben ein Gastspiel im Helsinki gleich um die Ecke beim Bahnhof Hardbrücke. Doch werden bei solch einem Wetterchen auch Leute kommen? Hat man Bock Indoor abzufeiern, wenn es draussen so wunderschön ist?


Als wir gegen 21 Uhr das Helsinki-Areal betreten, stehen und sitzen da schon eine handvoll Leute und talken locker und friedlich – irgendwann trifft ganz unauffällig die Band ein...
Bubi Rufener, der sich bei der „Allschwil Posse“ und den „Sugarbabies“ zuletzt einen Namen gemacht hat, Christoph Kohli – Bassist von „Span“ - die zwei Ex-Züri Westler Sam Mumenthaler und Peter von Siebenthal, die Schlagzeug und Gitarre für sich beanspruchen.

Als das Konzert um 21:45 Uhr beginnt, ist der Helsinki-Club gut gefüllt, ganz hinten hat es noch ein bisschen Platz, aber das fiel nicht ins Gewicht. Sänger, und 2. Gitarre, Bubi Rufener eröffnete das Set mit einem Solo-Song, indem er sich ohne Band dem zürcher Publikum stellt; „Can't get you out“ heisst der gemütliche Song, den man auch auf dem Album „The Ono Sessions“ hören kann. Es erfordert ganz schön viel Mut, sich ohne Band im Rücken mit einem ruhigen Song ganz zu Beginn einem Publikum zu stellen, das eine Rockband erwartet – doch das „Experiment“ ist geglückt, die Crowd hat es mit viel Applaus honoriert.
Dann ging das Konzert eigentlich erst richtig los; das schmissige, rotzige „Strange Bird“ sorgt für headbangende Köpfe und so kam bereits beim zweiten Song Bewegung in die Sache. Die vier Jungs gaben Gas und es fiel auf, dass sie eine enorme Spielfreude an den Tag legten. Der charismatische Sänger Bubi und seine Mannschaft zog das Publikum in seine Bann und von Song zu Song steigerte sich die Stimmung. Selbst die Songs, die auf Konserve relativ uninspiriert daher kommen – als Beispiel genannt wären da „Delirious“ und das spacige Wüstenrockepos „On your own“ - zogen live 100 Prozent. Und gerade „Delirious“ wurde für mich zu einem der Überraschungsmomente; Live hat der Song Kraft und Schub, so dass man sich an die wilden Sixties mit „The Kinks“ und ähnlichen Bands zurückversetzt fühlt! Mittlerweile ist das zürcher Publikum ganz aufgetaut und geht total mit, hängt an Bubis Lippen.
Nach etwas weniger als einer Stunde beendet die gut gelaunte Band mit einem coolen Cover des Beatles Hits aus 1968 „The Ballad of John & Yoko“, das absichtlich nur bis zur Hälfte gespielt wurde, das erste Set! Die 15 Minuten Pause wurden genutzt um kurz zu pinkeln, noch eine Runde Bier zu bestellen und mal kräftig durchzuatmen – und schon ging es da weiter, wo man aufgehört hat;
„The Ballad of John & Yoko“ wurde wieder aufgegriffen – für mich eine sehr überraschende Idee! Das Publikum tanzte mittlerweile ausgelassen mit, die Temperaturen im Helsinki schnellten nach oben - es war so, wie es sich für einen coolen Club mit einer guten Rockband gehört; stickig, heiss, verschwitzt – aber wunderbar! Beim BOOB-Mini-Hit „A House is a House“ wurde die Stimmung dann vollkommen ausgelassen und jeder im Raum tanzte zu den angenehmen Klängen dieses Ohrwurmes. Mit etwas Airplay könnte der Song die Charts im Sturm erobern, da ist definitiv Hitpotential zu erkennen.
Enden liess man das offizielle Set mit der wunderschönen Hymne „Sleep“; ein Song der zu einem grossartigen Live-Stück avancieren könnte, wenn die Band etwas bekannter wird – der „lalala“-Part lässt sich wunderbar mitsingen und bleibt im Ohr hängen. Wenn sich der Song durchsetzt und alle Zuschauer mitsingen, würde das einfach nur fantastisch klingen. In Zürich waren es 4, 5 Leute die den Song kannten und entsprechend weiter sangen, als der Song bereits zu Ende war.. Das kam sehr gut und sympathisch rüber. Und das Publikum wollte natürlich mehr... Und es bekam was es verdiente; 3 Zugaben brachten die Jungs aus Bern auf die Bretter; das Beatles-mässige „Fill her up“, das Beatles-Cover „I wanna be your Man“, gesungen von Drummer Sam Mumenthaler und das Carl Perkins-Cover „Matchbox“.
Und so endete nach knapp 2 Stunden ein perfekter Rockabend, der mich von „BOOB“ zu 100% überzeugt hat. Live ist die Band eine Wucht, sie knien sich rein und reissen das Publikum mit, ohne dabei auf die üblichen Showtricks zurückgreifen zu müssen, wie „Zeigt mir die Hände“ - „Ihr seid die Besten“ - nein, schlechtes Gepose war an diesem Abend nicht angesagt, dafür einfach
schweisstreibende Arbeit, verbunden mit viel Spass, der gewissen Lockerheit und viel Charme. Jeder der Musiker hat seinen Job mehr als sympathisch gemacht und so kann man stolz sagen, dass die Schweiz endlich auch mal wieder eine gute Rockband am Start hat, die Live was zu reissen vermag, ohne sich der momentanen Luschi-Trendmusik wie Indie oder Alternative anzubiedern. Grossartig...

Bis zum nächsten mal, Jungs!
Pillermaik

Linktipps:
Höre das aktuelle Album "The Ono Sessions" an
Offizielle Seite
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HelsinkiKlub
Fotos vom Konzert bei www.eat-the-music.ch

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