ROCKSOUND FESTIVAL, 22. UND 23. JUNI 2007


Lordi


Hammerfall

So mancher Rock und Metal Fan musste jeweils ins Ausland gehen, wenn er seine Musik hören wollte, doch in jüngster Zeit mehren sich die Festivals in der Schweiz, welche das Hauptaugenmerk auf die härtere Gangart der Musik gerichtet haben. So auch das Rocksound Festival, welches nun auch schon in die dritte Runde geht. Hoch erfreut über diese Tatsache, packte ich meine Siebensachen und machte mich auf ins ferne Land (aka Huttwil), um von wundersamen Dingen zu berichten. Da auch das Wetter mehr oder minder mitspielte, sollte dies ja auch nicht allzu abenteuerlich werden. Nachdem meine Gefährten und ich sich installiert haben, konnten wir guten Mutes das Areal des Geschehens betreten. Schliesslich sollten Grössen wie Alice Cooper, Lordi und HammerFall spielen…

Eines vorweg. Ich werde hauptsächlich über die im allgemeinen relevanten Bands berichten. So zum Beispiel am ersten Tag über Eluveitie, welche sich immer mehr zu einer Grösse wandeln. Innerhalb der Folklore/Pagan Metal Szene inzwischen sehr gut bekannt, konnten sie auch an diesem – mehrheitlich – rock- und metallastigen Festival auftrumpfen. Meiner Meinung nach war das Festival ohnehin gut durchmischt; so war für den geneigten Hörer oben genannter Band auch In Extremo und Die Apokalyptischen Reiter sicher auch ein adaequater Mitgrund. Stimmungsbands eben, welche das hier eher jüngere Publikum ansprechen sollte. Eluveitie waren wie immer ein Kracher, obwohl – so wie ich aus erster Quelle erfuhr – kein wirklicher Soundcheck stattfand. Durchaus ein Risiko, aber öfter das Schicksal erstpielender Bands eines Konzerts. Da die Frauen und Mannen von Eluveitie aber doch schon einige Erfahrung haben, stellte dies kein grosses Problem dar.

Nach Elu, wie man sie nennt, kamen die Alternativ Rocker Favez gefolgt von der Crossover Band Dog Eat Dog, welche anfangs der Neunziger durchaus als erfolgreich bezeichnet werden durfte. Meiner Meinung nach passten diese beiden Bands jedoch nicht wirklich zu einem solchen Festival, aber immerhin wurde für Abwechslung gesorgt und wir sind ja schliesslich tolerante Leute.

Um 20:15 war dann Nazareth angesagt, welchem wohl fast jedem Altrocker bekannt sein dürfte. So hörte ich von einem Mittvierzigjährigen, dass er diese schon im zarten Alter von 14 sehen durfte. Nicht schlecht, Herr Specht, sag ich da. Nun denn, so sahen die Herren auch aus. Aber das störte ja nicht. Im Gegenteil. Ich fühlte mich plötzlich wieder richtig jung. Wie auch immer, Nazareth spielten einen soliden Gig und bereiteten den älteren Generationen nostalgische Gefühle. Und das ist, was zählt.

In Extremo – eine inzwischen auch allseits bekannte Folklore Rock Band – folgten, und wie immer sorgten sie für viel Unterhaltung. D.h. viel Pyro, viel Reden und viel Witzchen. Aber auch genug der Musik! Für Leute des gewissen Humors (zu denen ich mich aber nicht zähle) sicher sehr toll, jedoch finde ich, dass man auf der Bühne hauptsächlich Musik machen sollte und Stimmung auch durch Musik. Wie auch immer, jedem das seine. Nichtsdestotrotz gehören In Extremo zu wahren Künstlern, auch wenn die Musik nicht jedermanns Sache ist.

Endlich! Um halb zwölf Uhr nachts konnte der Metalfan aus seinem psychischen Schlaf aufwachen und der allseits bekannten Heavy Metal Band HammerFall lauschen. Wie immer boten sie ein Feuerwerk an Hits (erinnerte mich an eine Best-Of), boten grundsoliden Sound. Wobei ich fand, dass es noch ein Tick lauter hätte sein dürfen. Die Stimmung war OK, auch wenn etwas verhalten. Dies lag wohl daran, dass der Auftritt sicher nicht der beste war. Alles wirkte etwas steril, publikumsscheu etc. Da hat man sie definitiv schon in besserer Form gesehen. Was solls, der Gig war sicherlich unterhaltsam und vor allem für Leute, die sie zum ersten Mal sahen, durchaus überzeugend.

Weiter folgten die Gewinner des Eurovision Songcontest Lordi, welche letztes Jahr im X-tra in Zürich eine hervorragende Show ablieferten. So hoffte ich insgeheim natürlich auf einen guten Gig. Und so war es auch: Wie immer eine gute Bühnenpräsenz, einwandfreier Auftritt und eine gelungene Show. Auch wenn sie nicht so ausschweifend wie damals war, so kamen sie hier mit etwas weniger Kulisse und Showelementen aus. Lordi gehören mit Sicherheit zu der Sorte Bands, welche das alte Feeling der 80er Rockbands beschwört, nach welchem sich so mancher gesehnt hat. Wer etwas anderes behauptet… naja, soll er doch.

Nach dem Highlight des ersten Abends – es war schliesslich schon gegen 03:00 Uhr – nahmen wir noch ein Fiirabigbierli und dann ab in die Heia.

Am zweiten Tag war für mich die neulich hochgelobten Volbeat aus Dänemark erster Grund, um einen Blick auf die Bühne zu werfen. Überall gab’s Bestnoten, somit wollte ich die auf keinen Fall verpassen. Nun, was wurde uns geboten? Eine sehr interessante Mischung aus Heavy Metal, Nu Metal, Johnny Cash und Elvis Presley – the KING. Wow. Sowas hat man wirklich noch nie gehört. Lustigerweise funktioniert diese Kombination erstaunlich gut. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, konnte vor allem der sympathische Frontmann mit seinem beeindruckenden Stimmorgan überzeugen.

Weiter ging’s mit den Apokalyptischen Reitern, die ich früher einmal Lustig fand, mich inzwischen aber nerven. Ähnlich wie In Extremo animieren die Mannen das Publikum mit vielen Intermezzi und Sprüchen – der eine mag’s, den andren nervt’s. Das junge Publikom mochte das, während die älteren Semester sich wohl andersseitig beschäftigten.

Um 19:45 kamen dann Samael, welche die härteste Band des gesamten Billings ausmachten. Die früheren Black Metaller spielen heute jedoch vornehmlich elektronisch betonten, experimentellen Metal, welche mit ihren Anfängen noch reichlich wenig zu tun haben. Beim breiten Metal Publikum sehr hoch angesehen, konnten die Walliser die Leute durchaus überzeugen. Jedoch muss ich sagen, dass ihre Auftritte seit etwa drei Jahren dieselben sind, und mit Ausnahme von ein paar neuen Liedern, war da nichts neues zu sehen.

Weiter kamen die Altrocker Thunder, von denen ich höchstens einmal am Rande was mitbekommen habe. Jedoch schienen die äusserst beliebt (hier war’s natürlich umgekehrt: Familienväter nach vorn, junges Volk ade). Thunder spielen grundsoliden Hardrock, der durchaus überzeugen kann. Leider kann ich nicht mehr dazu sagen, da mir die Band, wie schon gesagt, doch recht unbekannt ist.

Mit Gotthard kam nun wieder ein Highlight. Fast jeder Schweizer kennt sie, sogar meine Eltern, und das will was heissen. Gotthard spielten einen sehr guten Gig mit all ihren Hits. Jedoch war mir das ganze etwas zu balladenlastig. Aber hauptsache es gefiel den Leuten (für all die Päärchen da draussen). Und wie immer durfte man auch ihren besonderen Humor geniessen. Gitarrist Leo Leoni war, ist und bleibt ein Ausnahmetalent und Fronter Steve Lee der genau passende Sänger.

Erst um 00:30 war der Gig für Alice Cooper angesagt, und so wurde auch dieser Abend lange, denn Alice wollte uns mit seiner Psycho Drama Tour so einiges mitgeben. Der passionierte Handicap 5 Golfer bescherte uns nämlich das, welches jedes Kind, das in den 70ern und 80ern aufgewachsen ist, was wir uns erträumt haben. Alice Cooper ist absolut Kult, das ist uns allen klar und endlich konnten wir ihn – durch die miesen 90ern hindurch – wiedererstarkt sehen. Ok, etwas in die Jahre gekommen ist unser Alice schon, aber nichtsdestotrotz bot er uns einen sehr soliden Auftritt mit allen seinen bekannten Elementen: provokativ, theatralisch, unterhaltsam. Sehr toll war auch seine Band, welche noch recht jung war (bis auf den Drummer, der auch mal bei KISS aushilft). Ich habe in diesem Sektor eine selten aufwändigere Show gesehen. Und wenn Herr Cooper sagt, Künstler wie Marilyn Manson habe von ihm nur abgeschaut, dann hat er durchaus recht.

Am Ende konnten wohl die meisten mit einem zufriedenen Gefühl die Halle verlassen und sich noch ein Bier gönnen, auch wenn es draussen recht kalt war. So war dieses Festival zwischen Wald und Kühen auch schon zu Ende. Es wird mir sicher in Erinnerung bleiben und wer weiss, vielleicht nächstes Jahr wieder. Ein Wermutstropfen gab’s jedoch: Am Sonntag, dem Tag unserer Rückreise, fuhr doch tatsächlich kein Shuttlebus zum Bahnhof – sehr eigenartig. So mussten alle, welche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln hier waren, mit ihrem Gepäck zum Bahnhof wandern. Ich war erstaunt. Stand dies doch im krassen Gegensatz zum ansonsten sehr gut organisierten Festival.
Ragnar

Linktipps:
Forum zum Rock Sound Festival 2007
Offizielle Seite

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?