STATUS QUO IM HALLENSTADION (18. AUGUST 2007)







Seit 45 Jahren existieren sie, insgesamt 23 Jahre ihres Lebens verbrachten sie auf Tournee, ihr bereits 33. Album wird demnächst erscheinen - Status Quo lebt! Die Boogiegötter aus Grossbritannien traten am 18. August im Zürcher Hallenstadion auf und begeisterten ihre treuen Schweizer Fans auch in diesem Jahr!

Die Fans von Status Quo erkennt man ausschliesslich an den Tour-T-Shirts. Ansonsten unterscheidet sich jeder Fan vom anderen: Er kann langes Haar oder Millimeterschnitt tragen, er kann über dem T-Shirt eine voll bestickte Jeans-Jacke oder einen einfachen Pullover tragen. Er kann bereits älter als seine Idole oder erst zehnjährig sein. Das mag auch der Grund sein, weshalb das Hallenstadion im Vorfeld so schnell ausverkauft war: Status Quo polarisiert nicht, mit ihrem Sound kann fast jeder etwas anfangen. Und schliesslich kennt die Band laut Kritikern nur drei Akkorde. Ganz selbstironisch wird das neue Album denn auch „In Search Of The Fourth Chord“ heissen. Doch die gleichnamige Tour wird erst im Herbst beginnen, deshalb zurück zum Schweizer Konzert der laufenden „Just Doin’ It Tour“: Um 18.00 öffneten die Türen. Nun hiess es, sich einen guten Stehplatz zu ergattern und ein paar Stunden hinter sich zu bringen. Zwei Stunden vergingen allein, bis die Vorband „Vivian“ kam. Die Wartezeit wurde von Seiten der Veranstalter nicht wirklich versüsst: Bis auf einen Ausschnitt aus dem Clip der kommenden Single „Beginning Of The End“ wurde an den beiden Grossleinwänden praktisch ausschliesslich Werbung gezeigt.

Die Halle füllte sich schnell. Wer zwischen 18 und 20 Uhr noch Durst hatte oder mal eben für kleine Boogie-Fans musste, der riskierte seinen guten Platz. Um 20 Uhr kam die Vorband „Vivian“ – von Quo-Leadsänger Francis Rossi persönlich eingeladen. Sie waren motiviert und wirkten ganz sympathisch. Doch keiner der Zuschauer bewegte auch nur ein Bein. Nur aus Höflichkeit streckte man für zehn Sekunden die Arme in die Höhe, damit Frontmann Roger Vivian ein Bild fürs Bandalbum schiessen konnte. Stimmung kam erst auf, als „Vivian“ zum Schluss ein Drei-Sekunden-Intro des AC/DC-Klassikers „Highway To Hell“ spielte. Danach war ihr Auftritt zu Ende. Nun galt es, letzte Energie für anderthalb Stunden Boogie zu sammeln.

Kurz vor 21 Uhr fiel dann der grosse Vorhang, und Rick Parfitt hämmerte mit dem Rücken zum Publikum das Intro des Siebziger-Klassikers „Caroline“ in die Saiten. Mit dem Einstieg des Schlagzeugs begann auch die fantastische Lichtershow: Die Scheinwerfer über der Bühne zeigten gross „QUO“. Ansonsten sollte es der einzige Ansatz einer Bühnenshow bleiben: Die fünf Männer rockten wie immer in schwarzen Hosen und weissen Turnschuhen. Nach „Caroline“ folgte ein Hit aus den frühen Achtzigern: „Somethin’ About You Baby I Like“ – leider mit viel zu viel Synthesizer im Hintergrund. Als gute Kompensation folgte das uralte und gitarrenlastige Boogie-Stück „Don’t Waste My Time“. Die Setlist war perfekt ausgedacht, auch wenn sie seit Jahren mit wenigen Ausnahmen identisch daher kommt. Als danach Rick Parfitt seine Gitarre wechselte, ulkte Francis Rossi erstmals mit den Fans und sagte den nächsten Song an: „This is something, that we did in 1920…“. Es kam natürlich – was alle Fans schon wussten und erwarteten – das beliebte „Forty-Five Hundred Times“, gefolgt vom Hardrock-Track „Rain“. Nicht minder hart ging es mit „Paper Plane“ weiter. Ein Song, der erst vor kurzem nach längerer Abwesenheit den Weg zurück in die Setlist fand. Nach der nächsten – allerdings sehr routiniert herunter geleierten – Ansage folgten die drei basslastigen Songs des „Heavy Traffic“-Albums aus 2002: „All Stand Up (Never Say Never)“ – „The Oriental“ – „Creepin’ Up On You“. Auf das Triplet folgte das „Proposin’-Medley“: Vom Single-Hit „What You’re Proposin“ über „Down The Dustpipe“, „Little Lady“, „Red Sky“ und „Dear John“ bis zu „Big Fat Mama“, das dann sogar ganz gespielt wurde. Danach erzählte Rossi von Gerd, einem deutschen Kollegen der Band und Ulla, seiner Freundin, auf welche die ganze Band damals ein Auge geworfen hatte. Der Song dazu heisst ganz einfach „Gerdundula“. Die langjährigen Fans mögen den Song vielleicht nicht mehr hören, für den normalen Zuschauer war er wohl das Highlight des Abends: Status Quo klangen nicht nur das einzige Mal ein wenig anders, sie spielten sogar je zu zweit Gitarre: Andy Bown, der Keyboarder, der nicht zum ersten Mal seinen Stuhl verliess, um die dritte Gitarre zu spielen, hielt den Gitarrenhals von Rick Parfitt und umgekehrt, während Francis Rossi mit der einen Hand auf seinen Saiten zupfte und mit der anderen den Gitarrenhals von Bassist Rhino Edwards hielt – und umgekehrt. Die Pause hatten sich die vier Gitarristen dann verdient: Sie verschwanden hinter der Bühne, während Schlagzeuger Matt Letley ein Solo abzog. Es folgten dann die Siebziger-Kracher „Roll Over Lay Down“ und „Down Down“ in voller Länge. Spätestens bei den darauf folgenden Klassikern „Whatever You Want“ und „Rocking All Over The World“ hielt es auch die bis anhin sitzenden Zuschauer nicht mehr auf ihren Plätzen. Kaum ein Fuss stand noch auf dem Boden, kaum eine Hand klatschte nicht. Danach verabschiedete sich die Band, bevor sie dann ihr gewohntes Encore spielten: „Junior’s Wailing“, „Rock’n’Roll Music“ und das lange „Bye Bye Johnny“. Was viele nicht wussten: Für Zürich – einer der absoluten Lieblingsgigs der Band – hatte man sogar noch das „Mystery Medley“ eingeplant, dass Francis Rossi aber spontan strich. Somit war bereits nach 90 Minuten Schluss, die Band verabschiedete sich bald, um mit dem Tourbus zurück nach England zu fahren. Nur Rhythmusgitarrist Rick Parfitt blieb mit seiner Frau noch ein wenig in Zürich.
Eines scheint nach dem Event sicher: Jeder der 13'000 Anwesenden wird sich auch in zwei Jahren wieder bemühen, ein Ticket zu bekommen!
Nicolas Kesper

Linktipps:
Discographie von Status Quo
Offizielle Seite

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