LAUT, LAUTER, OPEN AIR GAMPEL - FESTIVALBERICHT OPEN AIR GAMPEL 2007


QL (Gallerie)


The Sounds (Gallerie)


Jan Delay (Gallerie)


Die Ärzte (Gallerie)


Stress (Gallerie)


Travis (Gallerie)


Bligg (Gallerie)


Gentleman (Gallerie)

Auch dieses Jahr herrschte wieder Partystimmung im Wallis!

Hach, wie freute ich mich inbrünstig, als es langsam aber sicher auf den 16. August zuging. Schliesslich fiel an diesem Tag der Startschuss für das legendäre Open Air Gampel im Wallis. Leider konnte ich erst spätabends auf dem Gelände eintreffen, denn ich hatte den ganzen Tag arbeiten müssen. Doch auch wenn ich nicht mehr viel vom Donnerstag mitbekam: Es hatte sich gelohnt noch hinzugehen! Gerade als wir frohen Mutes das Gelände betraten, begannen Tool, die Headliner des Abends, auf der Hauptbühne zu spielen. Ein Effektfeuerwerk vom Feinsten. Hammer Sound, der einen mitriss und mich die Müdigkeit, die mich nach diesem langen Arbeitstag packte, sofort vergessen liess. Ein Hit jagte den nächsten, die Fans waren, wie zu erwarten war, restlos begeistert von dieser Darbietung. Um zehn vor zwölf war dieses Spektakel bereits zu Ende und wir wollten uns schon todmüde vom Festgelände tollen… da hörten wir struben Punk! Sofort war und klar: QL spielten noch auf der Bockbühne! Nichts wie hin, sagten wir uns, und kämpften uns durch die Menge nach vorne. Typisch QL-mässig war eine Riesenparty auf und auch vor der Bühne angesagt. Songs wie „Ängu“ von Florian Ast oder „De Ferdinand isch gstorbe“ von Mani Matter kamen natürlich sehr gut an, da wohl jeder Schweizer diese Songs wie seine Westentasche kennt. Die „w.nuss vo Bümplitz“ durfte an diesem Abend natürlich ebenso wenig fehlen wie „Dr Sidi Abdel Assar vo El Hama“. Durch diese beiden Konzerte hat sich unser, wenn auch kurzer, Donnerstag-Trip also doch noch gelohnt.

Blonde Schwedinnen und harte Rocker
Am Freitag rückten wir natürlich bereits am Nachmittag an. Es waren noch nicht viele Open Air-Besucher zu sehen, viele lagen noch betrunken vom Vorabend in einer Ecke des Geländes, andere grillierten friedlich bei ihren Zelten. Um 15.40 Uhr hiess es dann ab zur Hauptbühne. Dort wurde nämlich die Schwedische Band „The Sounds“ erwartet. Die Sängerin, blond, symphatisch und wunderschön, zog natürlich besonders die männlichen Zuschauer sofort in ihren Bann. Doch auch musikalisch vermochte die Band zu überzeugen. Die Songs kamen allesamt sehr gut beim stetig wachsenden Publikum an und langsam wurde es „lebendiger“ auf dem Gelände. Pause gab’s keine, denn die Bockbühne wurde auch bereits von gutem Sound erfüllt. „The Answer“ hiess die Rockband, die die Zeltbühne zum Beben brachte. Der langbehaarte Sänger gab natürlich Vollgas und schon bald zitterte der Boden des Geländes. Wir blieben nicht allzu lange bei den Rockern, denn die heizten schon fast zu fest ein. Umso mehr freuten wir uns auf Gogol Bordello, der anschliessend auf der Hauptbühne spielte. Die Band war einfach der Hammer. Verschiedene Instrumente, Partystimmung und abwechslungsreiche Songs: Was will man mehr? Gogol Bordello machte ihrem Ruf als „Verrückte Band“ alle Ehre und verwandelte das Gampelgelände in einen Hexenkessel. Laut Beschreibung sind diese acht Musiker wirklich crazy Leute, die ihre Musik «Ukrainian Gypsy Punk Cabaret» nennen und live eine rattenscharfe Show abliefern. Und wahrhaftig! Ihre energiegeladene und neuartige Mischung zwischen brachialem Punk und traditionellem Sinti machen die New-Yorker zu einer echten Underground-Kult-Truppe. Ein unvergessliches Erlebnis wurde uns hier also geboten. Ich hätte beinahe gedacht, dass dies das Highlight des heutigen Tages sein könnte, doch ich wurde eines Besseren belehrt.

Jan Delay beherrschte das Publikum
Später hiess es Bühne frei für Jimmy Eat World! Die Zuschauer drückten sich schon weit vor Konzertbeginn in den ersten Reihen umher, um auch ja einen Blick auf die Kultband zu erhaschen. Die Band hielt auf jeden Fall, was sie versprach. Die wahren Fans in den ersten Reihen sangen Song für Song auswendig mit. Die Band schien grossen Eindruck hinterlassen zu haben, denn am Ende dauerte der Applaus für die Band auffallend lange an. Schliesslich folgte ein Highlight der Extraklasse. Dass Jan Delay live ein Burner ist, das wusste ich eigentlich bereits vorher. Aber dass er es schafft, eine solche Hammerstimmung zu erzeugen, das hat auch mich aus den Socken gehauen. Er begrüsste das Publikum auf Walliserdeutsch, was ihm natürlich bereits zu Beginn viele Symphatiepunkte einbrachte. Schliesslich legte er, mit einer unbeschreiblichen Energie und Agilität, all seine heissen Hits aufs Parkett. „Ahn ich gar nicht“, „Kirchturmkandidaten“, „Feuer“ und natürlich „Klar“ durften nicht fehlen. Bei seinem Kombi-Cover von Das Bo mit „Türlich Türlich“ und Cameos „Word Up“ herrschte natürlich Hochstimmung. Jan Delay erklärte übrigens, er würde gerne die ganzen vier Tage des Festivals durchspielen. „Was sind denn schon die Ärzte, wer sind denn schon Travis… Was die können, können wir schon lange“, rief er in die Menge. Das Publikum bestätigte dies mit minutenlangem Applaus. Je länger das Konzert dauerte, umso mehr Dinge wurden auf die Bühne geworfen. Von Flip Flops bis zu den BH’s fehlte nichts. Der Höhepunkt bildete sicherlich die letzte Zugabe, die Jan Delay unter tosendem Applaus brachte. Er sang ein White Stripes Cover. „Seven Nation Army“ wurde zu einem Hammer-Funk-Song! Nach der ersten Strophe setzte sich Jan ans Schlagzeug und der Drummer übernahm Jan’s Part. Die Menge war bei diesem Stück natürlich nicht mehr zu halten.

Ärzte Fans in Gefahr
Nach diesem Hammerkonzert ging es auch sogleich mit einem weiteren Highlight weiter. Die Ärzte aus Berlin, auch genannt „die beste Bänd der Welt“, stürmten die Hauptbühne. Viele, wirklich viele Hardcore-Fans quetschten sich in die erste Reihe. So mussten bereits vor Konzertbeginn die ersten Fans von den Securitys aus der Menge gezogen werden. Als die drei Musiker dann auf der Bühne standen, ging es erst richtig los. Im Minutentakt wurden Kids aus den Zuschauern gefischt, die beinahe erdrückt worden wären. Mehrere sah ich in Tränen aufgelöst am Boden sitzen, schliesslich hatten sie sich auf ihre Lieblingsband sehr gefreut, und konnten sie nun nicht sehen, weil die Meute zu sehr gedrückt hat. Verstehen kann man’s: Die Ärzte legten sich nämlich ganz schön ins Zeug! „Hurra“, „Manchmal haben Frauen…“ und natürlich „Schrei nach Liebe“ waren besonders beliebt! Wie gewohnt quasselten Farin, Bela B und Rod hauptsächlich lustigen und wirren Quatsch, doch man hörte ihnen einfach gerne zu. Musikalisch überzeugten sie natürlich absolut! Nach diesem Tulmult brauchten wir etwas um runterzukommen. Also wagten wir uns zur Bockbühne, auf der die russische Ska-Band Russkaja spielte. Einer der Band begrüsste uns mit liebreizendem russischen Akzent auf Deutsch. Diese Begrüssung dauerte an die 10 Minuten, mit dem sich immer wiederholenden Text: „Meine Damen und Herren, wir bringen Ihnen Glückseligkeit, Sie müssen Ihre innere Mitte finden. Sind Sie bereit, diese Glückseligkeit von uns zu empfangen? Dann rufen Sie laut: Hurra!“ Witzig, wenn auch etwas seltsam. Schliesslich legten die Russen aber los und liessen es so richtig krachen. Mit Geige, Trompeten und viel Energie lieferten sie Ska vom Feinsten.

Geburtstagswunder bei Stress
Am Samstag war das Wetter wieder toll und lud zum friedlichen flanieren auf dem Festivalgelände ein. Die netten Herren des Henna Tatoo-Standes hatten alle Hände voll zu tun, und die Hawaiiblumenketten florierten wie noch nie. Zu dieser gemütlichen Atmosphäre passte der welsche Rapper Stress wie die Faust aufs Auge. Hunderte Fans versammelten sich vor der Hauptbühne, um die Show zu geniessen. Und man kam definitiv auf seine Kosten. Stress legte sich voll ins Zeug und brachte einen Hit nach dem anderen. Als er jedoch erklärte, seine Sängerin Karolyn habe heute Geburtstag, wurde ich dann doch ein wenig stutzig. Hatte sie nicht bereits am Gurtenfestival und am Heitere Open Air Geburtstag? Ein Wunder der Natur? Alle sangen Happy Birthday für Karolyn, während diese genervt die Augen verdrehte. Ansonsten war das Konzert aber durchaus zu geniessen und Stress enttäuschte seine Fans nicht: Er übertraf sich selber mit heissen Rap-Einlagen. Als er dann sogar „Smells like teen spirit“ von Nirvana anspielte, machte sogar ich freudige Luftsprünge! Auf der Bockbühne ging es danach unmittelbar mit der Britischen Newcomerband „The Twang“ weiter. Solider, Britischer Soft-Rock, gemütlich und unterhaltsam. Ein guter Moment, um daneben ein feines Raclette und den legendären Alp Tea zu geniessen. Auf der Bühne lief nicht viel, auch die Musik klang immer etwa gleich, und doch entdeckte ich einige Ohrwürmer unter den vielen Songs, die die Band zu bieten hatte.

Death Blues und Garage-Boogie
Die gruftigen Underground-Rocker hatten nun auch ihre Freude, denn die nächste Band, die auf der Hauptbühne spielte, waren die „Eagles Of Death Metal“. Trotz des Namens hatte die Musik nicht viel mit Metal zu tun: Blues, Boogie und Garage-Rock wurde dem Publikum zu genüge geboten. Diesem Schauspiel schaute ich allerdings nicht sehr lange zu, denn das Raclette am Gampel war so unglaublich gut, dass ich mich nicht davon trennen konnte und noch weitere Portionen bestellen musste. Dafür war ich danach bestens für Sportfreunde Stiller gewappnet. Endlich dunkelte es ein und die deutsche Band konnte loslegen. Auch hier fielen mir viele Fans auf, die extra wegen dieser Band den Weg ans Gampel auf sich genommen hatten. Trotz meiner anfänglichen Skepsis muss ich zugeben, dass die Sportfreunde eine unterhaltsame und musikalisch überzeugende Truppe ist. Dann folgte der langersehnte Headliner des Abends: Travis! Die Stimmung war Coldplay-mässig, also so richtig chillig! Die Britische Band spielte all ihre bekannten Songs, von „Sing“ bis „Walking in the sun“. Der Sound war teils zum Abtanzen gut, und teils einfach nur wunderschön. Zeitweise kam ich regelrecht ins Schwärmen und mir wurde ganz warm uns Herz. Dies war mir übrigens sehr willkommen, denn inzwischen kühlte das Wetter bereits etwas ab. Nach etlichen Zugaben und tosendem Applaus verabschiedeten sich die vier Musiker und verschwanden hinter der Bühne. Doch keine Sorge: Der Abend war deswegen noch lange nicht zu Ende. Auf der Bockbühne eröffneten sich ganz neue Welten mit der heissen Band „Sorgente“. Die sieben jungen Musiker heizten dem Publikum nochmals so richtig ein. Mit absolut hammermässigen a capella-Gesangseinlagen und rockigen Beats überzeugten sie derart, dass ich trotz meiner Müdigkeit zum Merchandising-Stand rennen und mir ihre CD kaufen wollte. Absolut unerwartet war Sorgente mein persönliches Samstag-Highlight.

Rääge Rääge Tröpfli…
Es musste einfach noch passieren. Kaum waren wir am Sonntag beim Festival angelangt, begann es ein bisschen zu nieseln. Gottseidank blieb es dabei und verzog sich schnell wieder. Wir kamen gerade rechtzeitig an, um uns Rapper Bligg anzusehen. Eine etwas merkwürdige Show bot sich uns. Obwohl der Sound nicht schlecht war, standen dort ein etwas quirliger Bligg mit einer nymphomanischen Sängerin, die nichts anderes zu tun hatte, als ihr Hinterteil in die Kameras der Fotografen zu halten. Doch Singen konnte sie immerhin nicht schlecht, und so genossen wir das Konzert trotzdem. Mein Fotograf konnte es nun aber kaum mehr erwarten, zur Hauptbühne zu kommen. Kein Wunder: Die Finalistinnen des Elite Model Look 2007 lieferten eine kurze Show auf der Hauptbühne. Sexy wie nie… zwölf superschlanke und superhübsche Mädels zum Ablichten: Kein Wunder drückten sich die Fotografen vor der Bühne herum.

Krönender Abschluss mit Gentleman
Direkt nach den Models kam Gentlemen auf die Hauptbühne. So richtig Jovanotti-mässig rockte er über die Bühne und sorgte schon nach wenigen Minuten für begeisterte Zurufe und hüpfende Open Air-Besucher. Dieser genial präsentierte Reggae-Sound passte perfekt ans Open Air Gampel und sorgte für einen krönenden Abschluss des Festivals. Ich jedenfalls reiste mit einem zufriedenen Smile nach Hause und freue mich schon auf das nächste Jahr in Gampel. Diesmal hat einfach alles gestimmt: Das Wetter, der Sound, die gute Stimmung und sogar die Besucherzahlen. Klar über 80'000 Openair-Fans statteten dem kleinen ‚Gampel’, inmitten der Walliser Pampa, einen Besuch ab.

Stella Nera
Fotos: Diego Del-Grande


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