ERSTE ALLGEMEINE VERUNSICHERUNG IM VOLKSHAUS ZÜRICH - 13.02.2008

Die offensichtlich in beträchtlicher Zahl vorhandene helvetische EAV-Gemeinde versammelte sich erwartungsfroh im sehr gut gefüllten Zürcher Volkshaus zum Auftritt der kreativen österreichischen Kultcombo. Zwei Jahre nach „100 Jahre EAV – Ihr habt es so gewollt!“ befindet sich die legendäre Truppe mit ihrem neuen „Amore“-Programm gegenwärtig auf Tournee durch den deutschsprachigen Raum. Auch wenn die ganz grossen Charterfolge bald zwei Jahrzehnte zurückliegen, hat die Band um die beiden Identifikationsfiguren Thomas Spitzer und Klaus Eberhartinger nichts von ihrer scharfzüngigen Eingängigkeit eingebüsst. Es sei einleitend vorweggenommen: Das Konzert war ein Knaller!

„Die Liebe“ lautete das Sujet, welches den stringent verfolgten dramaturgischen Rahmen eines fulminanten Programms bot. Somit war auch die Verbindung zum aktuellen Album „Amore XL“ gegeben.

Der den Auftakt bietende Titel „Amore“, die Sprachlosigkeitssatire „Agadla gu gu“ sowie insbesondere der knackige Schönheitschirurgie-Ohrwurm „Schnippel-schnipp!!“ stellten gemäss Echo des Publikums die Höhepunkte aus der jüngeren Schaffensperiode dar. Mit „Dann & wann“, einem packenden und zweifelsohne zu befürwortenden Plädoyer für mehr Toleranz in gleichgeschlechtlichen Liebesbelangen, war auch die gesellschaftspolitisch ambitioniertere Schiene des „Amore XL“-Werks vertreten.

Mit charismatischer Eloquenz - nicht zu unrecht mit „die schnellste Zunge zwischen Peking und New York" vorgestellt - führte Leadsänger Klaus Eberhartinger durch den Abend. Nicht immer vollumfänglich jugendfreie Darlegungen zur Liebe in all ihren Facetten würzten, stets kokett mit dem Publikum spielend, die Songüberleitungen. An seiner Seite mimte Thomas Spitzer offensichtlich lustvoll und gut gelaunt die auf ihn zugeschnittene Rolle des vom (Liebes-)Leben gezeichneten Rockgitarristen. Spitzer darf bekanntlich als künstlerischer Mastermind der Gruppe bezeichnet werden und hat mit seinem Autorentalent - es sei gerne daran erinnert - auch schon andere österreichische Kulturschaffende wie Udo Jürgens oder ESC-Barde Tony Wegas beschenkt. Einen wohlproportionierten Eyecatcher stellte Bassist Leo Bei dar, der mit gemütlicher Körperfülle, jedoch augenzwinkerndem Talent sein Charisma erneut demonstrierte.

Wie stets bei Konzerten grosser Acts mit umfänglicher Ohrwurm-Vergangenheit erwartete das Publikum insbesondere die grossen Hits mit Vorfreude. So war das Publikum beim Erklingen des Märchenprinzen, welcher den Reigen der ganz grossen Erfolge anführte, erstmals nicht mehr zu halten. Praktisch sämtliche Hits wurden in der Folge dargeboten. Süffig-sarkastische Nummern „Samurai“, „An der Copacabana“, „Fata Morgana“ und selbstverständlich das unvergessliche „Küss' die Hand, schöne Frau“ kamen ebenso zur Aufführung wie ernsthaftere Nummern im Stile von „Mein Gott“, „Der Tod“ oder auch „Sandlerkönig Eberhard“.

In den finalen Zugaben wurde ein fulminantes Medley der noch verbleibenden Top-EAV-Nummern performt. Die Forderung des Publikums nach dem immer wieder begeisternden „Ba-Ba-Banküberfall“ sowie dem Radioaktivitätsmahnmahl „Burli“ erfüllten die österreichischen Satire-Monarchisten ebenfalls, um dann im traditionell den definitiven Schlusspunkt darstellenden Stück „Morgen“ die erhitzten Fans – nach 2 ½ Stunden Nonstop-Action – auf den Heimweg vorzubereiten.

Dass die EAV den selten zu verleihenden Status „Gesamtkunstwerk“ verdient, wurde auch den letzten Zweiflern an diesem Abend definitiv klar. Ohrwurmige Melodik sowie Wortwitz auf allerhöchstem Niveau in den einzelnen Stücken, komödiantische verbale Spontandarbietungen von Frontmann Klaus Eberhartinger zwischen den Songs, das schauspielhaustaugliche Bühnendesign sowie als unkonventionelle Performancevariante ein spannendes Schattentheater aus dem Leben des Psychoanalytikers Dr. Freud rundeten das Gesamtbild ab. In ihrer einzigartigen Mixtur stellt die EAV nach wie vor ein Unikat dar. Die Begeisterung des Zürcher Publikum war Eberhartinger, Spitzer & Co. abermals gewiss.
goodold70 / staetz

Linktipps:
Interview mit Klaus von EAV
Höre ins aktuelle Album "Amore XL" rein
Discographie von EAV
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