DIE FANTASTISCHEN VIER, AVO SESSION BASEL

Die Fantastischen Vier, AVO Session Basel - 20. November 2004

Vorwärts in die Vergangenheit

Die AVO-Session in Basel steht für exklusive, qualitativ anspruchsvolle und jede Generation ansprechende Unterhaltung. So standen dieses Jahr Grössen wie Lionel Ritchie, Chaka Khan oder Ibrahim Ferrer auf dem Programm. Den Abschlussabend dem Hiphop zu widmen ist ein Novum und überraschend. Doch der Mut der Organisatoren hat sich ausbezahlt. Das Publikum bedankte sich mit einem ausverkauften und bis in die hintersten Ränge begeisterten Festsaal. Mit der Vorgruppe um Frontmann Clueso und den Fantastischen Vier als Hauptact wird reinster deutscher Sprechgesang zelebriert.

Clueso scheinen die wenigsten im Publikum zu kennen, umso schwieriger seine Aufgabe, die Rolle des Einheizers befriedigend zu erfüllen. Gegen Ende des Sets scheint immerhin eine gewisse Dynamik im Publikum spürbar zu sein. Der Sound, teils funkig, teils rockig mit einem Hauch Reagge, macht Spass, doch nach einer knappen Dreiviertel Stunde ist niemand enttäuscht, dass die Bühne für die Fantastischen Vier geräumt wird.

Thomas D., DJ Hausmarke alias Michi Beck, Thomas D. und Andi Ypsilon präsentieren sich im gewohnten schneeweissen Tenü. Gleich von Beginn an wird gerappt, gelabbert und geplappert, gereimt, gehüpft und gealbert. Während den ersten zwei, drei Songs scheinen die Vier sich selber und ihre eigene Vergangenheit zu parodieren - Doch bald wird klar: Die Fantastischen Vier haben heute mehr zu bieten als nur Albereien. Die Dynamik der Songabfolge, der satte, eigentümliche Sound, die Interaktion mit dem Publikum, die vier sich ergänzenden Charakteren und nicht zuletzt die vielen bekannten Hits tragen zum gelungenen Erfolg bei. Mit "Sie ist weg" wird ein erster Höhepunkt geboten, doch bald folgen Songs wie "Krieger", "MFG", "Ein Tag am Meer" oder "Populär". Die neueste Single-Auskopplung, "Troy" wird erst ganz am Schluss gespielt.

Höhepunkte gibts viele, zum Beispiel Smudos überraschende Einlage: mit Helium geschwängerter Stimme gibt er Polo Hofer's "Kiosk" zum Besten. Herrlich komisch! Oder Andi Ypsilons Frisur, die mit den Jahren immer mehr an Elton Johns Toupet erinnert…Die zwei Stunden sind nicht nur Konzert, sondern auch beste Comedy und ein willkommener Blick in Vergangenheit und Zukunft.

Bereits Ende der Achziger Jahre formierten sich Smudo, Andi, Michi und Thomas zu gemeinsamen Produktionen, während der Anfangsphase noch mit vorwiegend englischen Texten. Doch schon bald merkten die vier, dass Hiphop auch mit deutscher Sprache interessant klingen kann. 1992 war's - in der Zeit des grossen Umbruchs in Deutschland - als die Fantas erstmals im ganz grossen Stil als Pioniere des deutschen Sprechgesangs auf sich aufmerksam machten. "Die da" schlug ein wie bis anhin noch keine deutsprachige Hiphop-Single, dies in einer Zeit, als Rap vorwiegend amerikanische Importprodukt war: Namen wie Public Enemy, De La Soul oder Ice T beherrschten die Szene. Den Erfolg von "Die da" konnten die Fantastischen Vier 1995 nur noch mit "Sie ist weg" toppen.

In der Folge verfeinerten die vier ihren Stil weiter. Triphop-Elemente stiessen hinzu, so in Thomas D's Tribal-Hymnen "Krieger" oder "Ein Tag am Meer. Mit dem neusten "Viel"-versprechenden Album versuchen die Fantastischen Vier zumindest teilweise wieder an die viel umschwärmten Old-Skool-Zeiten anzuknüpfen - gereift, intelligent und ehrlich, genau so, wie sie sich in Basel präsentierten.

Neue interessante Wege gehen, um seine Wurzeln wieder zu entdecken, lautet das Credo.
Eben:Vorwärts in die Vergangenheit und sich dabei selber Troy bleiben.
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