INTERVIEW MIT CLAWFINGER



Vor ihrem Konzert im Zürcher Volkshaus hat die Crossover Band uns zu einem Interview eingeladen. hitparade.ch sprach mit dem äußerst gut gelaunten Gitarristen Bard Torstensen über Lampenfieber, Inzucht und Britney Spears.

hitparade.ch: Nach einer ruhigen Phase rückt man mit einer neuen Platte und der dazugehörigen Promotion wieder mehr ins mediale Interesse. Genießt ihr diese Zeit?
Bard: Hier ist das Medieninteresse anders als bei uns in Skandinavien. Ich habe in der Schweiz, sowie auch in Deutschland und Österreich ein ganz anderes Gefühl. Aber es ist schön auch hier bei den Medien Interesse zu wecken. Immerhin ist es diesmal, mit unserem neuen Album, mehr als in der Vergangenheit und das genieße ich. Ich bin keine Person, welche unbedingt immer und überall im Rampenlicht stehen muss. Wenn ich jedoch sehe, dass ein Interesse da ist, und das dass unserer Karriere helfen kann, genieße ich die Öffentlichkeitsarbeit auch.

hitparade.ch: Und mit welchen Gefühlen blickst du der kommenden Konzerttournee entgegen?
Bard: Ich bin Anfangs immer ein wenig nervös. Wir haben logischerweise eine ganz neue Setlist und neue Songs, welche wir zum ersten Mal live spielen werden. Zudem haben wir bloß zwei kleine Proben vor den Konzerten. Es macht uns immer nervös, weil wir nie einschätzen können, was uns in Bezug aufs Publikum erwartet. Bis anhin hat das ganz gut geklappt. Wir mussten bloß zwei kleine Sachen am Set ändern. Weißt du, man kann zu Hause proben so oft man will. In der Halle, vor Publikum ist das sowieso ganz anders. Man merkt plötzlich, dass die Songreihenfolge bei den Fans nicht so gut ankommt wie man dachte. Das ändern wir dann natürlich, oder schmeißen einen Song ganz aus dem Programm. Zak, unser Sänger, zum Beispiel, ist vor dem Auftritt jedes Mal tierisch nervös. Er zittert jeweils richtig vor Lampenfieber. Wir haben in der aktuellen Tour bereits vier Konzerte in Deutschland gespielt und zu diesem Zeitpunkt, denke ich, sind wir mit unserem Set zufrieden.

hitparade.ch: Euer neustes Album trägt den Titel „Life Will Kill You“ – pessimistische Einstellung, logische Schlussfolgerung oder einfach nur ein lustiger Spruch?
Bard: Beides, denke ich. Natürlich ist es einfach ein guter Spruch für ein Album, aber er sagt auch etwas aus. Egal wie sehr man versucht sich ans Leben zu klammern, schlussendlich stirbt man so oder so irgendwann mal. Die Aussage ist ganz simpel.

hitparade.ch: Warum habt ihr euch dafür als Albumtitel entschieden?
Bard: Es war wie, wie jedes Mal, ein Hin und Her bei der Auswahl des Albumtitels. Zak schrieb diesen Text ganz zuletzt und fand dann, dass der Songtitel sich auch ganz gut als Albumtitel machen würde. Wir gehen bei so was nie nach einem Konzept vor. Meistens schreiben wir zuerst alle Songs fertig und schauen, was dabei rauskommt. Am Ende erkennt man den roten Faden der sich durch alle Songs zieht und entscheidet sich dann für einen passenden Titel zum Album.

hitparade.ch: „Clawfinger haben das beste Album seit USE YOUR BRAIN (1995) aufgenommen“ Mit solchen Lobeshymnen wird euer neustes Werk überschüttet. Seid ihr auch dieser Meinung?
Bard: So etwas hört man natürlich gerne. Ich finde es extrem schwer, unsere Arbeit zu bewerten. Alles was ich sagen kann ist, dass die Harmonie in der Band noch nie so gut war. Jeder hilft jedem. Wenn einer von uns eine Idee hat, sei sie auch noch so komisch, versuchen die anderen miteinzusteigen und was daraus zu machen. Wir haben ein ganz tolles Teamwork und diese Albumaufnahmen haben richtig Spaß gemacht. Wir versuchen uns gegenseitig zu unterstützen und nicht bloß unsere eigenen Ideen durchzuboxen. Das macht alles viel einfacher. Von dem her kann ich mir vorstellen, dass die neuen Songs angenehm zum Anhören sind, weil sie ohne Druck und Zwang entstanden sind.

hitparade.ch: Denkst du, dass das Genre Crossover ein neues Revival erleben könnte, oder war es deiner Meinung nach nie wirklich weg vom Fenster?
Bard: Das war doch schon immer das Selbe. So geht das mit jeder Sparte in der Rockmusik. Es ist immer ein Auf und Ab, ein Kommen und Gehen. Zudem hat Crossover seine Wurzeln im Metal/Hardrock bereich und Fans dieser Musik sind sehr loyal. Metalfans stehen zu ihrer Musik und hören sie nicht bloß eine Saison lang, oder weil sie gerade trendy ist. Das hilft uns natürlich auch. Ich mag diese Einstellung sehr, wenn man richtig mit Herz und Seele für seine Bands einsteht.

hitparade.ch: Viele eurer Songs bestechen durch ihre gesellschaftskritischen Texte. Aus der Vergangenheit z.B. der Song „Nigger“- beinhaltet das neue Album auch Songs dieser Art und welche Inhalte werden besonders aufgegriffen?
Bard: Ja, wir haben einen Songs namens „Little Baby“ bei dem es um Inzest geht. Zak hatte diesen Song schon seit Monaten oder gar Jahren im Kopf und schrieb ihn dann nieder. Wir haben uns dann entschieden, zu diesem brutalen und hartem Text, eine ganz sanfte Melodie zu spielen. Das macht den ganzen Song extrem effektiv und emotional. Als ich dann zum ersten Mal den Songs ganz hörte, war ich richtig angeekelt. Das ist natürlich ein gutes Zeichen. Ein Song soll einem ja nahe gehen und man sollte ihn nicht gleich wieder vergessen.

hitparade.ch: Ihr habt schon für bekannte Bands wie Rammstein oder In Extremo Remixes produziert. Stehen in nächster Zukunft ähnliche Projekte dieser Art an?
Bard: Sowas planen wir nie groß im Voraus. Dazumal haben wir einen Telefonanruf von den Jungs von Rammstein erhalten und wurden gefragt, ob wir Lust hätten so was zu machen. Wenn wir gerade Zeit haben und uns der Songs gefällt, machen wir das auch. Zurzeit ist aber nichts Neues in Planung. Wir haben ja ein eigenes Musikstudio und produzieren auch. Unser neues Album haben wir in unserem eigenen Studio aufgenommen. Das Produzieren ist etwas, dass wir gerne weiter ausbauen möchten. Wir haben schon einige Alben für Bands aufgenommen, unter anderem auch eine aus der Schweiz.

hitparade.ch: Was ist dein Ausgleich zur Musik, oder würdest du Musik als „dein Leben“ bezeichnen?
Bard: Für mich ist die Musik und meine Band eine Art Lifestyle. Ich denke dauernd über Musik, Texte, Gitarrenparts, Produktionen etc nach. In meiner Freizeit fahre ich ein bisschen Speedskates, laufe, fahre mit dem Fahrrad und verbringe Zeit mit meiner Frau. Das ist alles was nichts mit Musik zu tun hat.

hitparade.ch: Ich zeige dir nun die aktuelle Top 10 der Schweizer Single Charts. Könntest du diese für mich bitte kommentieren?

1. James Blunt – 1973
Bard: Der geht einem irgendwie langsam auf die Nerven.

2. Rihanna – Don’t Stop The Music
Bard: Ich mag ihren Song “Umbrella”! Eigentlich mag ich diese Art von Songs überhaupt nicht, aber es kommt ca. alle 10 Jahre mal vor, dass bei mir ein solcher Song hängen bleibt und so ist es bei „Umbrella“. Ich weiß es ist bescheuert und ich schäme mich auch dafür. *grinst verlegen*

3. Eros Ramazotti & Ricky Martin – Non siamo soli
Bard: Das ist nicht so mein Ding. Das geht bei mir in einem Ohr rein und im anderen wieder raus.

4. 50 Cent feat. Justin Timberlake – Ayo Technology
Bard: Ich kenne den Song nicht genau, aber ich finde, dass 50 Cent von Zeit zu Zeit ganz gut sein kann.

6. Timberland feat. Keri Hilson – The Way I Are
Bard: Timberland hat oft coole Beats. Ich kenne den Song nicht, weil ich nie auf dem Laufenden bin, was Hitparaden anbelangen.

7. Natasha Bedingfield – Soulmate
Bard: Vor ihr habe ich großen Respekt. Sie ist eine tolle Sängerin!

10. Britney Spears – Gimme More
Bard reißt mir den Zettel aus der Hand und schmeißt ihn in die Ecke. Kommentar überflüssig ;)


Linktipps:
Höre ins aktuelle Album "Life Will Kill You" rein
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