INTERVIEW MIT MISS PLATNUM



Miss Platnum - als 8jährige mit den Eltern von Rumänien nach Deutschland geflüchtet - feierte mit ihrem zweiten Album in Deutschland und Rumänien bereits grosse Erfolge. Als Support für die Fantastischen Vier war sie im Zürcher Hallenstadion. Wir haben sie kurz davor zu einem Interview getroffen.

hitparade.ch: Wie bist du zu deinem Künstlernamen gekommen und warum die Änderung von "Platnum" auf "Miss Platnum"?
Miss Platnum: Ich wollte einfach einen Unterschied zu dem alten Album machen, dass es sich etwas abhebt. Und es soll vielleicht auch etwas mehr Selbstständigkeit widerspiegeln. Auf "Platnum" bin ich gekommen, weil es einfach ein großer, schillernder, auch ein etwas divenhafter Name sein sollte. Da habe ich dann einfach an Edelmetalle gedacht und natürlich habe ich mich an diesen ganzen Hip Hop oder R'n'B Sachen orientiert. Und da ist dann fast schon jedes dritte Wort "my platnum" und irgendwie fand ich den Namen passend.

hitparade.ch: Von welchen Stilrichtungen und Interpreten ist deine Musik hauptsächlich beeinflusst?
Miss Platnum: Es wird Balkan-R'n'B genannt. Damit ist natürlich ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Musikstilen angesprochen. HipHop, R'n'B, Soul und folkloristische Einflüsse aus dem gesamten Balkanbereich, nicht speziell nur aus Rumänien. In meiner Gesangskarriere und stimmlichen Ausbildung haben mich Aretha Franklin und Chaka Khan immer begleitet. Die habe ich wirklich rauf und runter gehört, da kann ich alles auswendig. Aber auch Stevie Wonder und James Brown sind für mich Idole. Die Stars von früher hatten einfach mehr Ausstrahlung und Persönlichkeit. Heutzutage gibt es leider nur noch wenige, die das wirklich mitbringen. Es gibt zuviel von diesen Popsternchen, die man in einem Jahr sooft sieht und hört, dass man furchtbar genervt ist und dann sind sie plötzlich wieder weg. Diese Leute von früher hatten einfach Beständigkeit, sie machen es aus Liebe und aus künstlerischem Antrieb.

hitparade.ch: Bis zu deinem 8. Lebensjahr hast du in Rumänien gelebt - wie Heimat verbunden fühlst du dich?
Miss Platnum: Rumänien ist schon sehr präsent, ich bin jedes Jahr da. Meine Eltern haben dort auch ein Haus. Also entweder fahre ich da hin oder ich besuche Freunde, auch mal in Bukarest. Ich spreche bis heute auch noch mit meinen Eltern Rumänisch. Ich würde mich selbst als Halb-Rumänin und Halb-Deutsche bezeichnen, obwohl ich natürlich in Berlin lebe und mein Leben sich dort abspielt. Aber dennoch schlägt mein Herz auch immer noch für Rumänien.

hitparade.ch: Inwiefern bist du froh, nicht mehr dort zu leben, nachdem soziales und wirtschaftliches Niveau im Vergleich unter dem mitteleuropäischen liegen?
Miss Platnum: Es gibt leider viele Vorurteile gegenüber Rumänien. Da gibt es ja nur Verbrecher und Gangster. Solche Sachen denken eben sehr viele. Für das Album bin ich extra mit meinen Freunden und mit meinem Produktionsteam dahin gefahren. Mir war sehr wichtig, dass sie das Land so kennen lernen, wie ich es kennen gelernt habe. Es kann ein sehr schönes, sehr herzliches, sehr gastfreundschaftliches Land sein. Es hatte danach keiner mehr Angst, dorthin zu fahren, weil einem dort immer was geklaut wird oder ähnliches. Natürlich bin ich froh, dass ich da sein kann, wo ich jetzt bin. Ich weiß aber auch nicht, was ich machen würde, wenn ich noch in Rumänien wäre. Meine Eltern sind zu einer schwierigeren Zeit als jetzt aus Rumänien weggegangen. Somit wurden mir natürliche viele Möglichkeiten gegeben.

hitparade.ch: Dem breiten Publikum bist du noch kein Begriff - ist es ein Ziel vor dir, ein kommerziell erfolgreicher Musiker zu werden oder bist du lieber einer treuen, kleinen Fangemeinde ein Begriff, fern ab vom Mainstream?
Miss Platnum: Ich glaube, es ist Ziel eines jeden Künstlers, so bekannt wie möglich zu werden. Ich arbeite ja auch sehr hart daran, momentan bin ich ja mit den Fantastischen 4 unterwegs. Aber das ist nicht mein Hauptziel. Mein Hauptziel ist einfach, meine Musik zu machen und mich selbst dabei auch zu verwirklichen. Ich möchte einfach mir selbst dabei treu bleiben. Wenn man das macht, dann kann man auch viele Leute erreichen. Ich würde mich nicht, nur weil es ein Plattenboss so möchte, an den Mainstream anpassen.

hitparade.ch: Erfolg hätte natürlich auch seinen Preis - würdest du es beispielsweise in Kauf nehmen, ein "BRAVO-Star" zu werden, der zwar enorm gefördert wird, dafür aber einiges aus seinem Privatleben preisgeben "muss"?
Miss Platnum: Nein!

hitparade.ch: Deine erste Single aus dem neuen Album "Give Me Food" konnte in die Charts in Rumänien und Deutschland einsteigen, wie auch die zweite Single. Warum denkst du, ist dir nun mit dem zweiten Album der Durchbruch gelungen?
Miss Platnum: Ich glaube, weil ich etwas Persönliches gemacht habe. Etwas, was mich viel mehr widerspiegelt als das erste Album. Beim ersten Album habe ich mich mehr an Sachen orientiert, die es schon gab und ich habe versucht, mir einen Musikstil zu meinem eigenen zu machen, den ich zwar liebe, aber es gibt einfach sehr viele Musiker, die das machen. Da gehöre ich vielleicht gar nicht hin. Und bei diesem Album bin ich einfach einen Schritt zu mir selbst zurückgegangen und habe auch eine musikalische Reise nach Rumänien gemacht. Und ich finde, da ist etwas viel Spezielleres raus gekommen. Wenn man guckt, woher man kommt und was man für Geschichten zu erzählen hat, wenn man weiß, wer man wirklich ist und wenn man weiß, wie andere Leute einen sehen, das bringt einen eher voran. Dadurch, dass ich mich mit dem auseinander gesetzt habe, bin ich als Künstlerin wirklich gewachsen und bin viel selbstbewusster geworden. Das strahlt man dann natürlich auch aus.

hitparade.ch: Du singst in Englisch mit einem Osteuropäischen Akzent und sprichst hier jetzt perfekt Deutsch. Fällt es dir schwer so zu singen?
Miss Platnum: Nein, gar nicht. Es ist ja nicht so, dass sich das jemand für mich ausgedacht hat, das habe ich selber gemacht. Ich habe mir etwas überlegt, was zu mir und zu dieser Kunstfigur "Miss Platnum", die ich ja auf der Bühne verkörpere, passt. Ich hatte früher einen Akzent, den ich mir abtrainiert habe. Jetzt habe ich ihn einfach wieder aufgegriffen um bestimmte Stories aus einem anderen Blickpunkt beschreiben zu können. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Leute anders hinhören, wenn ich mit Akzent singe.

hitparade.ch: Support-Act von Seeed und Fanta 4 - wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?
Miss Platnum: Zu Seeed bin ich aufgrund des gleichen Managements gekommen und wir kennen uns auch alle sehr gut. Bei uns ist das eher ein freundschaftliches Geben und Nehmen. So ist dann auch die Vorgruppengeschichte mit Seeed passiert und es ist für uns alle eine ganz tolle Chance, in Deutschland vor so vielen Leuten zu spielen. Die Fantastischen 4 haben sich gewünscht, dass wir mitkommen. Sie haben uns gehört und gesehen, wir haben auch die gleiche Booking-Agentur und da haben sie uns einfach eingeladen.

hitparade.ch: Wie hat die Fangemeinde dieser Hip-Hop-Acts auf deine Musik reagiert?
Miss Platnum: Von den Fans der Fanta 4 kann ich noch nicht wirklich viel sagen, wir haben gestern erst ein Konzert zusammen gemacht. Da kann man schlecht was sagen, zumal wir ja einen Monat auf Tour sind, da kann ich nicht von gestern auf alle Konzerte schließen. Von Seeed kann ich sagen, dass alles wirklich sehr positiv war. Die Fans kannten wohl auch unsere Geschichte, also dass wir uns auch so kennen und zusammenarbeiten. Sie waren uns sehr positiv gestimmt und die Reaktionen waren wirklich super.

hitparade.ch: Insofern hat es dich nicht gestört, dass die Zuschauer nicht nur wegen dir gekommen sind?
Miss Platnum: Das stört mich sowieso nicht. Man weiß einfach als Vorgruppe, dass das so ist. Das darf man auch nicht vergessen, wenn es mal an einem Abend nicht so gut läuft. Man muss die Leute überzeugen und manchmal ist es wirklich ein harter Weg. Ich hatte bisher immer Glück. Es gibt ja auch Fälle, bei denen die Vorband ausgebuht wurde. Das ist mir noch nie passiert. Ich bin mir schon der Sache bewusst, dass es ein Privileg ist, gleich vor so vielen Leuten spielen zu dürfen, aber ich muss mir natürlich Mühe geben und mir das Publikum erspielen.

hitparade.ch: Wie sehen deine Pläne für das nächste Jahr aus?
Miss Platnum: Ich fange ja jetzt mit meinem neuen Album an. Ich hoffe, dass es im nächsten Sommer oder Herbst dann rauskommt.

hitparade.ch: Zum Schluss noch zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du sie kommentieren?

10. Peter Cincotti - Goodbye Philadelphia
Miss Platnum: Kenne ich nicht.

9. DJ Ötzi & Nik P. - Ein Stern (... der deinen Namen trägt)
Miss Platnum: Das ist gar nicht meine Musik. DJ Ötzi ist auch ein Phänomen, welches ich nicht wirklich verstehe.

8. Timbaland presents One Republic - Apologize
Miss Platnum: One Republik ist wohl eher so eine Rockband, die jetzt von Timbaland produziert werden und sie überlegen, ob er das ganze Album machen soll. Zu Timbaland kann ich nur sagen: Hut ab. Der hat es auf jeden Fall im Moment geschafft.

7. Seal - Amazing
Miss Platnum: Habe ich noch nicht gehört, aber Seal finde ich eigentlich als Sänger und Künstler cool.

6. Britney Spears - Gimme More
Miss Platnum: Eigentlich tut sie mir echt leid, ich finde, sie sollte eine sehr lange Auszeit nehmen.

5. Stress - On n'a qu'une terre
Miss Platnum: Kenne ich nicht.

4. James Blunt - 1973
Miss Platnum: Ist auch nicht so mein Ding.

3. Eros Ramazzotti & Ricky Martin - Non siamo soli
Miss Platnum: Sehr gute Kombination (lacht), ist aber auch überhaupt nicht meine Musik.

2. Alicia Keys - No One
Miss Platnum: Da habe ich mal kurz bei I-Tunes reingehört, aber es hat mich auch nicht wirklich überzeugt.

1. Rihanna - Don't Stop The Mmusic
Miss Platnum: Gute Popmusik.


Linktipps:
Höre ins aktuelle Album "Chefa" rein
MySpace von Miss Platnum

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