INTERVIEW MIT ADRIAN WEYERMANN







Auf "Pool" folgt "Wood", auf laut leise, auf den Tag die Nacht: Elf Monate nach dem dritten Soloalbum reicht Adrian Weyermann schon sein viertes nach. Dabei haben die Stücke von "Pool" und "Wood" dieselben Wurzeln. Wir haben Adrian zum Interview eingeladen.

hitparade.ch: Vor nicht einmal einem Jahr haben wir uns getroffen und über deine letzte Platte geplaudert, nun steht bereits das vierte Album in den Startlöchern, wobei der Großteil der Songs im Rahmen der Aufnahmen für "Pool" entstand. Du scheinst außerordentlich kreativ zu sein, dass man aus der gleichen Studiosession gleich zwei Alben machen kann. Woher nimmst du die vielen Inputs für so viele Songs?
Adrian: Das war eigentlich von Anfang an so geplant. Die zweite Platte war eigentlich die Ursprungsidee für das ganze "Pool Wood"-Projekt. Bei einem Waldspaziergang ist mir die Idee gekommen, eine Platte zu machen die mich und Holz, also meine akustische Gitarre, vereint. Das war mir dann aber schnell zu wenig und somit habe ich mich entschlossen etwas ganz anderes zu machen. Und so ist dann der Plan entstanden zwei Platten zu machen. Die Songs sind sehr gezielt für die eine bzw. die andere Platte aufgenommen worden.

hitparade.ch: Und warum hast du zuerst "Pool" veröffentlicht?
Adrian: "Pool" habe ich einfach deshalb zuerst veröffentlicht, weil da vor allem lautere Songs drauf sind und die sich auf Festivals gut spielen lassen. Da hätte das leise Album einfach nicht so gut gepasst.

hitparade.ch: Und woher die Energie?
Adrian: Das weiß ich auch nicht so genau. Es gibt da so eine Theorie. Als meine Frau schwanger war, habe ich das Gefühl gehabt, dass ich auch noch mal was machen muss (lacht). Also dass ich möglichst viele Songs schreiben wollte, dass ich ein großes Projekt machen wollte. Und ich wollte eben auch etwas anderes machen, als immer nur die nächste und nächste Platte. Wenn man einfach mal die nächsten zwei macht, das fand ich schon eine gute Idee. Und jetzt hat sich ja auch bewahrheitet, dass ich eben weniger Zeit dafür habe.

hitparade.ch: Dein neues Album "Wood" bezeichnest du als "Meine Klassische Liederplatte" - erklär uns bitte mal diese Eigendefinition?
Adrian: Das ist einfach eine Platte, wo ein ganz klares Gerüst da ist. Akkordfolgen mit Melodien darüber, Strophe, Refrain. Wo ich selber immer wieder erlebe, dass die Melodie, die dann kommt, irgendwie als logisch empfunden wird. Und eben das ganze nur auf dem Gerüst lassen und nicht ausstaffieren bis man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

hitparade.ch: "Wood" - Holz oder Wald?
Adrian: Es ist beides gemeint. In Verbindung mit "Pool" würde ich es aber mit Wald übersetzen, weil es auch ein Ort ist. Aber Holz drückt eben auch das Simple aus, im Sinne von unplugged.

hitparade.ch: Welche Themen behandeln die Lyrics auf "Wood"?
Adrian: Es geht - wie auch auf dem anderen - um Freiheit und ums Weggehen. Bei "Leaving" geht's um Weggehen, da man alles gemacht hat, was man tun musste. In "Burning Cold" geht's um das Gefühl, was aufkommt, wenn sich viele Sachen auf einmal ändern und man das merkt, dass es einem fast den Boden unter den Füßen wegzieht. "Wood" beschreibt ja meine jetzige Situation mit der Familie und wie ich mich damit fühle, dass wieder alles einen Sinn hat. "Parker" ist eine erfundene Geschichte über die Schriftstellerin Dorothy Parker. "Don't look back" handelt vom Zurückblicken und dass man keine Angst haben sollte, weiterzugehen. "Wake her up" und "Lovelight" sind Liebeslieder. In "Million days" geht es darum, dass ich mich immer wieder frage, woher ich die Ruhe und das Vertrauen habe, dass der richtige Zeitpunkt immer kommt. "Rising" handelt davon, dass man sich, selbst wenn man schon fast aufgegeben hat, immer einen Ruck geben sollte.

hitparade.ch: Nicht jeder Song spiegelt im gleichen Maße die Persönlichkeit des Sängers wider - welchen der Tracks auf "Wood" würdest als deinen "persönlichsten Song" bezeichnen?
Adrian: "Leaving" oder "Wood". Das ist einfach das momentane Befinden.

hitparade.ch: Welche Instrumente dominieren auf "Wood"?
Adrian: Gitarre, auch immer wieder die akustische Gitarre und das Klavier. Es gibt auch einige Songs mit Schlagzeug, aber Gitarre und Klavier dominieren. Und natürlich der Gesang!

hitparade.ch: In deiner Bio wirst du als "musikalischer Pinocchio" bezeichnet - klingt ja nicht unbedingt nach einem Kompliment, wie kann man diese Beschreibung also zu deinen Gunsten auslegen?
Adrian: Man kann es insofern zu meinen Gunsten auslegen, dass ich nicht lügen kann, weil mir sonst eine lange Nase wächst und das würde man ja sofort sehen. In meinem Fall würde es man sofort hören. Das heißt, ich muss immer das machen, was mich eigentlich ausmacht.

hitparade.ch: Auf der Startseite deiner Homepage sind einige (englische) Adjektive und Hauptwörter aufgelistet, jeweils nach vier von diesen steht der Satz "I really love to spend my days like this" - Was steckt dahinter bzw. wie sollen wir Wörter wie "pyromania", "bohemia" etc. in diesem Zusammenhang verstehen?
Adrian: Der Text ist ja ein Stück "Pool". Das ist eine komplette Reduktion auf einzelne Wörter. Es ist erstmal alles vom Reim ausgegangen und ich habe einfach versucht Wörter zu finden, die am besten beschreiben, wie es ist Musik zu machen, Musik zu vermitteln und die Begeisterung dabei. Einfach das zu vermitteln, wenn man weiß, dass die Musik für einen das Beste ist, womit man seinen Tag verbringen kann und wie großartig es ist, wenn man sogar davon leben kann.

hitparade.ch: "Stücke so zu schreiben und zu arrangieren, dass sich ihre Magie und ihr Geheimnis bewahren können" - diese Aussage ist wohl das Ziel eines fast jeden Musikers, aber wie denkst du ist es zu erreichen?
Adrian: Das kann man nur mit Erfahrung erreichen. Dass man immer wieder zum Ursprung zurückkehrt, das ist für mich der Großteil der Magie. Ein Song in der allerersten Version hat eine ganz große Magie. In dem Moment wo noch etwas hinzukommt bzw. das was dann danach noch dazukommt, verfälscht das Ganze meistens nur noch. Man muss zum Ursprung der Idee zurückkehren. Und das kann am Besten, wenn man der Art der Produktion möglichst wenig Beachtung schenkt und versucht, den Moment zu wiederholen.

hitparade.ch: In Zürich scheint es ja langsam das normalste der Welt zu sein, dass jedes live-Lokal seine Stammband oder eine Monatsband hat. Du warst ca. 60 Mal im "El Lokal" als "Adrian Weyermann" angekündigt im Rahmen des "Montagslokal", dazu noch diverse Gastauftritte. Was vielen langweilig und ermüdend vorkommen mag, immer am selben Ort zu spielen, macht dir offenbar sehr viel Spaß. Was ist der Kick dabei?
Adrian: Der Kick dabei ist eben, dass es nicht immer der gleiche Rhythmus ist und nicht immer dasselbe, es ist immer wieder neu. Und dem muss man sich stellen. Das man immer wieder etwas Neues machen muss und nicht immer mit dem gleichen Programm daher kommt. Also anstatt mit dem gleichen Programm durch 50 verschiedene Städte zu ziehen, zieht man mit 50 verschiedenen Programmen durch dieselbe Stadt. Das ist für mich als Performer eine große Herausforderung, dass keine Langeweile aufkommt. Das ist für mich die beste Schule.

hitparade.ch: Diese Stamm- oder Monatsband Sache wird jetzt an anderen Orten zwischen Bodensee und Genfer See kopiert. Ist das eine Idee, die möglichst viele Nachahmer finden soll und/oder darf?
Adrian: Das ist ja keine Idee von mir, sondern von John Brion, der schon seit langer Zeit in dem Club "Largo" in Los Angeles spielt. Das ist ein Musiker und Produzent, der jeden Freitag etwas macht und das ist einfach eine faszinierende Vorstellung, die auch andere Leute machen, die ich bewundere. Jeff Buckley hat sich auch geformt, in dem er lange Zeit immer wieder in ein und demselben Cafe gespielt hat. Der konnte eben beachtet aber auch unbeachtet seine Sachen entwickeln. Das ist hier in der Schweiz vielleicht ein Bedürfnis, weil man einfach auch nicht so viele Clubs hat, dass man monatelang rumtouren kann und immer woanders ist. Da fängst du nach zwei Monaten wieder von vorne an. In anderen Ländern ist es da schon anders. Jede x-beliebige Band in Amerika hat ca. 200 Auftritte im Jahr und die immer woanders, weil es eben auch viele verschiedene Bühnen gibt.

hitparade.ch: Wenn man die Namen deiner Bandmitglieder anschaut, kann man ja fast etwas neidisch werden, da gibt es sehr interessante und bekannte Namen darunter. Wie kommt man an solche Leute? Sicher wohl nicht mit "komm wir trinken jetzt was zusammen" oder "wir machen jetzt eine Band, eine Platte und dann gehen wir auf Tour".
Adrian: Das ist sehr natürlich gewachsen. Das war nie zwanghaft, es hat sich immer irgendwie ergeben. Man hat dann einfach zusammen mal gespielt und es gab fast sowas wie Magie, es ist schon seltsam, wie gut das funktioniert und das versucht man sich dann zu erhalten. Martin Tillmann als Beispiel kenne ich nun auch schon sehr lang, der hat auch schon auf der letzten "Crank"-Platte Cello gespielt. Das ist eine Verbindung, die eben immer wieder klappt.

hitparade.ch: Die Truppe ist sehr erfahren, kann man deshalb "live" auch viel Spezielles erwarten?
Adrian: Ja, das ist schon unser Ziel, das man immer etwas Neues macht. Man spürt die Songs ja auch immer wieder neu und anders, dann könnte schon ganz lustig werden.

hitparade.ch: Wie wird der Mix sein "live" gerade zwischen "Pool" und "Wood"?
Adrian: Es wird schon sehr "Wood"-lastig sein. Ich mache ja jetzt auch solo schon das laute Programm, das geht also auch. Aber es wird schon ein Mix sein. Ich versuche auch, alte Sachen wieder auszugraben. Es ist manchmal schon seltsam, wie sich Songs verhalten, die man schon ein paar Jahre nicht mehr gespielt hat.

hitparade.ch: Nebst dem, dass du sehr produktiv und vor allem als Musiker aktiv bist, produzierst du manchmal noch andere Künstler wie Biggles. Macht das auch Spaß oder ist das eher ein Ausgleich vom ständig unterwegs sein?
Adrian: Das macht auch Spaß, es ist einfach eine ganz andere Sache. Weil ich ja meine Finger nicht direkt an der Musik habe, sondern eher als Zuhörer da bin. Ich versuche dann immer danach zu gehen, was ich als Zuhörer erwarten oder gerne haben würde. Mit Biggles ist es wohl für beide Seiten eine sehr lehrreiche Geschichte. Aber am liebsten mache ich schon meine eigene Musik.

hitparade.ch: Mal weg von der Musik: Nächstes Jahr steigt die Fußball EM in Österreich und der Schweiz - hast du Karten für eines der Spiele?
Adrian: Nein, ich hatte noch nie etwas für Fußball übrig. Wir müssen sogar dafür die dritte Probe und das vierte Konzert verschieben. Wenn es so sein sollte, dass ich bei einem Spiel dabei bin und ich irgendwelche Emotionen aufbauen könnte, dann wäre das schon echt viel. Ansonsten muss man sich eben drüber klar sein, dass Fußball viel wichtiger auf der Welt ist als Musik (lacht).

hitparade.ch: Wenn man nach deinem Geburtsdatum im Internet sucht, erhält man als Information bloß den Jahrgang 1974 - Zufall oder Absicht....
Adrian: Das ist Zufall. 16. Juni - Zwilling!

hitparade.ch: Stichwort Top 10. Könntest du diese für uns kommentieren?

10. Eros Ramazzotti & Ricky Martin - Non siamo soli
Adrian: Interessant. Kann ich mir zwar gerade nichts darunter vorstellen, aber ist sicher der große Partyfeger.

9. Fabienne Louves & Marc Sway - Hemmigslos liebe
Adrian: Sehr gut.

8. Stress - On n'a qu'une terre
Adrian: Ja, er setzt sich für die Umwelt ein.

7. Céline Dion - Taking Chances
Adrian: Die hat ja auch wieder ein Lied.

6. Züri West - Fische versänke
Adrian: Die neue Single habe ich auch noch nicht gehört.

5. Seal - Amazing
Adrian: Das Album ist für mich sehr enttäuschend.

4. DJ Ötzi & Nik P. - Ein Stern (... der deinen Namen trägt)
Adrian: Bin ich natürlich totaler Fan von …. (lacht)

1. Timbaland presents One Republic - Apologize
Adrian: Timbaland ist einfach ein guter Produzent, aber ich kann mit dem HipHop nichts anfangen.


Linktipps:
Höre ins aktuelle Album "Wood" rein - 5 signierte Alben zu gewinnen
Discographie von Adrian Weyermann
Discographie von Crank
Offizielle Seite

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