INTERVIEW MIT THE BOSSHOSS





Gerade frisch von einer kleinen Tour durch die englischen Clubs zurückgekehrt, gaben die Jungs von The BossHoss ein Konzert in Wünsdorf bei Berlin. Wir trafen Alec und Sascha vor dem Konzert und durften ihnen ein paar Fragen stellen.

hitparade.ch: Wie ist der Name "The BossHoss" entstanden, wie ist überhaupt die Band entstanden, kanntet ihr euch vorher schon?
Boss Burns: Wir kannten uns eigentlich Alle vorher schon. Aber Hoss und ich haben uns auf der Arbeit kennengelernt. Wir haben vorher Graphik-Design in einer Werbe-Agentur gemacht. So haben wir uns kennengelernt und festgestellt, dass wir Beide Musik machen. Dann sind wir ein paar Bier trinken gegangen und Kumpels geworden. Irgendwann haben wir uns bei ihm, damals noch auf dem Dachboden, getroffen, einfach ganz gemütlich und wollten einen Song machen, irgendeinen. Nach ungefähr einem Jahr hatten wir dann die Idee, eine Country-Nummer zu machen, weil wir das irgendwie witzig fanden und das für uns auch etwas Neues war. Da wir es möglichst einfach halten wollten, haben wir uns zu einem Cover entschieden und das natürlich etwas umgeschrieben. Das Ganze haben wir dann auf privaten Feiern präsentiert.
Hoss Power: Nach ein paar Monaten haben wir festgestellt, dass wir das Ganze schon öfter machen und wollten dem Baby einfach einen Namen geben. The Sonics, eine Band aus den 60er Jahren aus Seattle, besingen in einem Song einen Ford Mustang. Und die haben dem Song den Namen "Boss Hoss" gegeben. Bei uns ist eben einer Hoss und einer Boss, das passt hier ganz gut. Später kamen dann die Anderen dazu. Wir wollten das Ganze auch einmal aus dem kleinen Studio heraus bringen und sind dann im kleinen Freundeskreis auf Partys aufgetreten. Ein Freundeskreis, der hauptsächlich nur aus Musikern besteht, weil wir eben schon lange Musik machen. Da haben wir dann ein paar Leute gefragt, ob sie nicht Lust hätten, mitzumachen, so kam dann die Band zustande und dann brauchten die natürlich auch die entsprechenden Namen.

hitparade.ch: Dieser Country, Rock, Rockabilly-Stil, ist der einfach so entstanden, weil ihr in dem Moment gerade Lust darauf hattet oder seid ihr mit dieser Musikrichtung schon vorbelastet?
Boss Burns: Eigentlich, weil wir darauf Bock hatten. Manche sind etwas mehr, manche etwas weniger damit vorbelastet.
Hoss Power: Dieses Sixties-Rockabilly, das hatte ich mit meiner vorherigen Band schon etwas, ich hatte dort schon etwas Wurzeln geschlagen.
Boss Burns: Also die Wurzeln sind schon irgendwie da, aber wir haben es eben so gemacht, dass "The BossHoss" nicht nur Country ist, sondern eben etwas straffer klingt.

hitparade.ch: Was hat euch dazu bewogen, die Musik um "The BossHoss" dann letztendlich professionell zu machen?
Boss Burns: Das hat sich irgendwie entwickelt. Wir haben die Auftritte zuerst im kleinen Rahmen gemacht, auf privaten Feiern und auch mal in einem kleinen Club. Eigentlich mehr aus Spaß oder für ein paar Bier. Das haben wir so alle zwei Monate mal gemacht, aber ohne jegliche Ambitionen, das wirklich professionell zu machen. Eine Bekannte von uns kannte unseren jetzigen Manager und hat ihm von uns erzählt. So kam es dann, dass er uns auch einmal gesehen hat und er fand es super und hat uns dann gefragt, ob wir das nicht professionell aufziehen wollen. Wir waren unter der Voraussetzung, dass wir noch unsere anderen Bands haben dürfen, einverstanden.
Hoss Power: Für uns war das damals mehr ein Joke. Er ist dann halt losgezogen und innerhalb von 6 Monaten war der Plattenvertrag unterschrieben. Im Dezember 2004 haben wir bei Universal unterschrieben, im Mai kam das Album, im April die erste Single "Hey Yah!", dann lief das im Radio und die ganze Sache wurde immer grösser. Am Anfang haben wir noch unsere Jobs gemacht, für die Auftritte dann jeweils Urlaub genommen. Aber es wurde einfach immer mehr, die Nachfrage immer grösser. Spätestens dann war eigentlich klar, dass wir uns entscheiden müssen: Mindestens für ein Jahr Vollgas geben und mal schauen wie es läuft, eben einfach alles auf eine Karte setzen oder es eben lassen. Wir haben uns für das Machen entschieden und sind jetzt im vierten Jahr und es läuft immer noch.

hitparade.ch: Ihr habt teilweise Covers, teilweise sind es eure eigenen Songs. Wie entstehen die Songs, wer hat die Ideen dazu?
Boss Burns: Er, komplett.
Hoss Power: Das hat so angefangen: Als wir Beide im Studio waren, habe ich von Anfang an den Reglern gesessen. Von den Instrumenten her war ich bis dahin auch erstmal derjenige, der nur etwas machen konnte. Alec hat in seiner anderen Band ausschliesslich gesungen.
Boss Burns: Mit dem ganzen Zeugs von wegen Aufnehmen und der ganze Studiokram, damit habe ich es bis heute nicht wirklich.
Hoss Power: Da wir schon so begonnen haben, ist es heute noch so, dass ich die Regler in den Händen habe.

hitparade.ch: Wie fallen euch die Texte ein? Woher nehmt ihr eure Ideen?
Hoss Power: Wir machen ja zum Glück eine Musik, bei der die Texte eher den Song bedienen und nicht umgekehrt. Wir müssen nicht politisch oder weltkritisch sein. Es ist Rock'n'roll und da geht es eben um Wein, Weib und Gesang.

hitparade.ch: Habt ihr mal darüber nachgedacht, deutsche Songs zu machen?
Hoss Power: Nein eigentlich nicht. Das steht auch überhaupt nicht zur Debatte. Wir wollten das Ganze originell und original aufziehen und dazu gehören Cowboyhüte, englisch singen und reden zwischen den Songs und ein bisschen tanzen. Wir mussten uns da auch nicht hundertprozentig verstellen. Wir haben zwar nicht den Cowboyhut zum Einkaufen getragen, aber die Show ist uns nicht wirklich schwer gefallen. Das hat sich dann eben alles so entwickelt. Viele Leute dachten am Anfang, wir kämen aus Amerika. Das Klischee, bzw. die Nische, die wir da entdeckt haben, wollen wir auch weiterhin nutzen und da gibt es eben keine deutschen Texte.
Boss Burns: Es würde auch nicht passen.
Hoss Power: Ausserdem kommt man dann ganz schnell wieder in die verstaubte Country-Schublade hinein, wie Truck Stop oder Gunter Gabriel. Und da gehören wir nun eigentlich gar nicht hin. Wir können uns schon irgendwie mit Country identifizieren, wir machen ja auch eine Art davon, aber es ist eher Rock'n'Roll mit Country-Einflüssen. Da wollen wir mit deutschen Texten gar nicht erst in die Verlegenheit kommen, verwechselt zu werden.

hitparade.ch: Die Interpreten, von denen ihr Songs gecovert habt, haben die eine Reaktion auf eure Versionen gezeigt?
Hoss Power: Nein. Die meisten kriegen das gar nicht mit, entweder sind sie wie Elvis und Jimy Hendrix schon tot oder die sind so gross, in den Staaten oder weltweit, dass sie die paar Peanuts, die aus Deutschland kommen, gar nicht mitkriegen. Eine Britney Spears schreibt ihre Songs ja auch nicht selber, da steckt auch ein Songwriting Team dahinter und da fragt man eben auch nicht Britney Spears direkt. Das läuft dann ganz bürokratisch per e-Mail ab. Dann kommt entweder eine Absage oder eine Zusage. Meistens aber gab es eine Freigabe. Bis auf zwei oder drei hatte nie jemand etwas dagegen, dass wir den Song covern möchten. Das Einzige, was man hier noch erwähnen kann ist, dass wir von Burt Bacharach den Song "Say A Little Prayer" covern wollten und da er selbst der Songwriter ist, haben wir direkt von ihm die Freigabe bekommen.
Boss Burns: Aber wenn man jetzt den Song von Plastic Bertrand "Ça plane pour moi" nimmt, den wir auf dem zweiten Album hatten: Er hat erst viel später mitgekriegt, dass wir seinen Song genommen haben. Er fand es so geil, dass wir noch einmal zusammen den Song aufgenommen haben und er war auch in Berlin bei der Show dabei. Aber das ist eher selten, dass man so einen direkten Kontakt zu den Künstlern hat.

hitparade.ch: Euer Bekanntheitsgrad wächst. Je mehr Leute euch sehen wollen, desto grösser werden logischerweise die Locations,in denen ihr auftretet. Ich nehme jetzt einmal das Beispiel Berlin, ich habe euch in der Columbia Halle gesehen, aber auch in der Arena in Treptow. Ich habe den Eindruck, dass es viel unpersönlicher wird und das ist natürlich schade.
Boss Burns: Das liegt ja in der Natur der Sache, wenn du als Zuschauer vor einer Riesen-Bühne stehst und die Band 50 m weg ist, ist es schon anders als wenn du direkt vor der kleinen Bühne stehst. Da kommt wesentlich weniger dabei rüber.

hitparade.ch: Wie ist der Vergleich für euch, was bevorzugt ihr, die grossen Bühnen oder eher die kleinen Clubs?
Boss Burns: Es ist schon unterschiedlich, für uns ist Beides geil. Wir spielen sowohl kleiner, also vor ca. 200 Leuten, gerne, was wirklich auch fett ist. Weil es viel intimer ist und super abgeht. Wenn du direkt in den Gesichtern sehen kannst, wie die Leute drauf sind und wie sie reagieren. Aber in einer grossen Halle, das flasht auch, wenn 5'000 Leute die Arme hochreissen und danach schreien. Für eine Band ist das natürlich super.
Hoss Power: Aber es stimmt schon. Wir sind natürlich sehr persönlich auf der Bühne und je mehr Leute da sind, desto unpersönlicher wird es. Weil man eben nicht mehr zu 200 Leuten redet, sondern eben, wie in der Arena, zu fast 8'000 Leuten. Das ist natürlich schwieriger. Wir mussten lernen, damit umzugehen, wir sind immer noch im Lernprozess und wachsen daran. Wir sind immer wieder neu mit den Situationen konfrontiert. Wir haben gemerkt, dass man auf kleinen Bühnen auch schon mal eine Unterhaltung auf der Bühne führen kann und die Leute in der ersten oder zweiten Reihe anquatschen. Bei einem Konzert mit 8'000 Leuten muss man die Gesten eben grosshalten und eben anstatt 2, 3 Leute dann 200, 300 Leute mit einem Mal ansprechen. Wie gesagt, wir mögen Beides und wollen es nicht missen, in kleinen Clubs aufzutreten.

hitparade.ch: Ihr seid wahnsinnig viel unterwegs, könnt ihr da überhaupt noch einen Ort "zu Hause" nennen?
Hoss Power: Stimmt schon, dass wir viel unterwegs sind, aber unser Zuhause ist natürlich noch Berlin. Wir sind die Hälfte des Jahres "on the road" und das ist noch längst nicht alles. Dazu kommen noch sehr viele Promo-Termine, die man eigentlich nicht mitkriegt, das steht auf keinem Tour-Plan. Oder wir sind mal auf Radio Promo Tour oder wir sind im Studio für das Album. Das ist schon ein Fulltime Job. Aber dadurch, dass wir uns schon solange kennen und schon lange befreundet sind, haben wir unsere Feuerprobe schon längst hinter uns gebracht. Wir haben unsere kleine Family immer dabei. Insofern ist es nicht ganz so schlimm. Man freut sich schon, wenn man nach Hause kommt. Aber es ist jetzt kein Job, in dem man ackern muss und ständig abkotzt, wenn man ständig weg ist. Das ist schon sehr geil. Spass ist der Hoss Motor, mit der Band und der Musik.
Boss Burns: Das merkt man ja auch auf der Bühne, ob jemand Spass hat, ohne wäre es auch langweilig.

hitparade.ch: Ist es bei der Fülle an Auftritten überhaupt noch etwas Besonderes, in Berlin - also in der Heimat - aufzutreten?
Boss Burns: Klar, auf alle Fälle. Hier hat ja alles angefangen. Hier kennen wir die meisten Leute und es kommen auch die meisten Leute. Hier ist man am schlimmsten aufgeregt.

hitparade.ch: Ihr seid immer noch aufgeregt?
Hoss Power: Ja, logo! Aufregung ist immer mit dabei. Ein bisschen Adrenalin muss schon sein. Aber in Berlin ist es am stärksten, hier ist man zu Hause, da will man besonders geil sein. Da ist es eben ein Heimspiel. Aufregung ist immer da, man ist ja immer in einer anderen Stadt. Es ist immer anders, anderer Club, andere Leute. Da ist man kurz vorher immer etwas nervös.

hitparade.ch: Das Studio-Album hat es im Gegensatz zum Live-Album nicht in die Schweizer Charts geschafft, registriert ihr solche Sachen, interessieren euch Charts-Platzierungen überhaupt?
Boss Burns: Klar! Das ist schon wichtig!
Hoss Power: Die Single-Charts interessieren eigentlich nicht. Aber bei den Alben schon. Man hat ja schon irgendwie damit einen Spiegel, wie man in der Bevölkerung ankommt. Es ist ja nicht die reine Chart-Platzierung, die da interessiert. Wenn man seine Platte an 100'000 Leute verkauft, da sieht man schon, wo man steht. Man sieht eben, ob die Musik ankommt, ob die Leute das unbedingt zu Hause im Schrank haben wollen. Das ist schon irgendwie wichtig.

hitparade.ch: Aktuelles Thema, EM, interessiert es euch?
Hoss Power: Fussball ist jetzt nicht unbedingt unser Ding. Wir waren bei der WM auch unterwegs und man schaut auch so ein, zwei Spiele, aber das reicht dann auch. Wie die Spieler heissen, wissen wir nicht.

hitparade.ch: Ihr präsentiert ja morgen euren neuen Song, im Zuge einer EM-Sendung im ZDF, wird man euch sonst noch bei EM-Auftritten sehen können?
Boss Burns: Also, bis jetzt steht nur das Eine fest, was noch so kommt, keine Ahnung. Mal sehen.

hitparade.ch: Ihr seid ja den ganzen Sommer unterwegs, was kann man danach von euch erwarten?
Hoss Power: Dann sind wir noch im Herbst unterwegs (lacht). Im Oktober ist wohl für einen Monat Pause. Oktober, November bis in den Dezember hinein kommt die Herbst-Tour. Und dann im Frühjahr machen wir ein neues Album und dann geht's wieder auf Tour.

hitparade.ch: Gibt es noch einen Song, den ihr unbedingt covern wollt?
Hoss Power: Nein, unser Schwerpunkt liegt jetzt auf der eigenen Musik. Das wird auch weiter so gemacht. Covern ist geil, wenn sich etwas ergibt, machen wir das, aber jetzt konzentrieren wir uns auf die eigene Musik.

hitparade.ch: Wie alle Interview-Partner dürft auch ihr einen kleinen Kommentar zu den Top Ten Single-Charts der Schweiz abgeben.

10. Enrique Iglesias feat. Nâdiya - Tired Of Being Sorry (Laisse le destin l'emporter)
Boss Burns: Enrique Iglesias ist schon mal Horror, der kann auch nicht singen und ist für mich total unverdient am Start, nur weil er der Sohn von Julio ist.

9. Rihanna - Take A Bow
Hoss Power: Das ist nichts so wirklich für unsere Ohren, aber sie hat auf alle Fälle einen guten Körper.

5. Amy Macdonald - This Is The Life
Boss Burns: Kenne ich nur dunkel, hab ich bestimmt schon wahrgenommen, ist glaub'ich ganz okay.

4. Duffy - Mercy
Boss Burns: Ist doch der Amy Winehouse Style.

2. Madonna & Justin - 4 Minutes
Hoss Power: Respekt, obwohl…..
Boss Burns: Ich habe immer Respekt vor der Live Performance, aber die Songs schreiben die ja eh nicht selber. Millionenschwere Produktionen, da sollte dann schon ein guter Song dabei herauskommen.

1. Thomas Godoj - Love Is You
Boss Burns: Das ist doch der Superstar Fritze.
Hoss Power: Der Typ kann singen, ist sicher auch ein netter Kerl. Aber diese Show ist für mich Verrat an der Musik. Er macht auch nichts mehr selber, er bekommt seine Songs und hochgradige Promotion. Dieses produzierte, zurechtgemachte System geht mir gegen den Strich.
Boss Burns: Der hat jetzt kurz seine Zeit, dann kommt die neue Show und dann ist er wieder weg. Wie alle Anderen vor ihm auch. Von denen hört man nichts mehr, ausser von Mark Medlock, aber das ist ja auch der Stiefsohn von Dieter Bohlen (lacht). Aber generell, diese Shows, da ist musikalisch nichts Reizvolles mehr dran. Das ist nur auf Kohle verdienen zugeschnitten.


Linktipps:
Höre ins aktuellen Album "Stallion Battalion Live" rein
Offizielle Seite

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