INTERVIEW MIT MARIA MENA





Die norwegische Singer/Songwriterin Maria Mena veröffentlicht diese Woche bei uns ihr neues, ganz persönliches Album "Cause And Effect". Wir haben sie zum Interview getroffen

hitparade.ch: Du bist nach einer Figur aus West Side Story benannt - da hast du mit deinem Vornamen ja Glück gehabt, wenn man an Rosalia und Teresita denke... Wie siehst du das?
Maria: Ehrlich gesagt habe ich die "West Side Story" noch nie gesehen. Bis her bot sich mir nie die Gelegenheit es live zu erleben. Und den Film möchte ich nicht schauen, davon sollte man zuerst eine neue Version drehen. Der Anfang mit dieser schrecklichen Tanzszene in den 70er-Jahren reicht mir vollkommen, mehr brauche ich davon gar nicht..

hitparade.ch: Stammst du aus einer musikbegeisterten Familie?
Maria: Ja. Mein Vater war Profi Schlagzeuger und meine Mutter eine Literatur-Liebhaberin. Ich denke die Kombination dieser zwei Dinge waren für mich massgebend.

hitparade.ch: Deine Eltern ließen sich scheiden, als du gerade einmal neun Jahre alt warst. Inwiefern hat dich diese Tatsache im Hinblick auf deine Karriere beeinflusst?
Maria: Ich glaube nicht, dass sich das auf meine Musikkarriere ausgewirkt hat. Ich bin ein Vater-Töchterchen. Wenn ich mit 14 nicht mehr zur Schule hätte gehen wollen um Popstar zu werden, wäre mein Vater nicht einverstanden gewesen. Meine Mutter hingegen wohl schon.
Die Scheidung hat vielleicht mein Songwriting für dieses Album beeinflusst, jedoch nicht meine ganze musikalische Laufbahn.

hitparade.ch: Bereits mit 16 Jahren konntest du einen Hit in deinem Heimatland Norwegen landen. Wie bist du entdeckt worden?
Maria: Ich sang um mein Selbstvertrauen zu stärken. Mein Vatter hatte ein Freund mit einem Studio. Dieser mochte meine Stimme und so nahm ich bei ihm meine erste Single, die mein Vater stolz seinen Freunden präsentierte. So bekam bald auch die Musikindustrie Wind davon und ich unterschrieb innert zwei Monaten meinen ersten Plattenvertrag.
Gleichzeitig ging ich weiter zur Schule, was nicht immer einfach war. Alle meine Promofotos wurden beispielsweise auf dem Schulgelände aufgenommen!
Als ich dann noch für den Norwegischen Grammy nominiert wurde, wusste ich noch nicht einmal was das war...

hitparade.ch: Fühlst du dich im Nachhinein um einen Teil der unbeschwerten Jugend betrogen? Schließlich konntest du kaum noch das tun, was eben Gleichaltrige so gemacht haben.
Maria: Ich weiss nicht recht, was die alle gemacht haben zu dieser Zeit. Darum fühle ich mich auch nicht so, als hätte ich etwas verpasst! Ich denke, dass ich sogar mehr profitiert habe als andere. Klar ging ich schon früh, der Musik wegen, nicht mehr zur Schule. Trotzdem fand ich mein Leben immer toll! Schade führte ich damals nie Tagebuch, sonst könnte ich mich an alles erinnern. Jetzt schreibe ich meine Erlebnisse auf. Besser spät als nie!

hitparade.ch: Auf deinem Internet-Blog gewährst du deinen Fans Einblick in dein Leben - was ist deine Motivation hierfür?
Maria: Das passierte ganz zufällig. Wenn es um Internet und andere Technologien geht, bin ich eine totale Niete. Als mir jemand vom Bloggen erzählte und wie cool das alles ist, hatte ich noch nie davon gehört. Das Führen eines Blogs ist einfach, darum dachte ich, "Warum nicht?".
Zum damaligen Zeitpunkt veröffentlichte ich mein Album in diversen Ländern, jedoch nicht überall zur selben Zeit. So konnten meine Fans in Holland schauen was ich tat, während ich eigentlich in Deutschland war. Eine gute Möglichkeit für mich, mit ihnen zu kommunizieren.
Manche Leute sagen, ich sei zu ehrlich. Für mich ist das aber überhaupt kein Problem, ich kann meine Grenzen ja selbst setzen und sagen wie viel ich von mir preisgeben will.

hitparade.ch: Mit "Just Hold Me" konntest du auch in Mitteleuropa den Durchbruch schaffen. War es ein längerfristiges Ziel, dies zu erreichen oder war es eher Zufall, dass gerade "Just Hold Me" international durchstartet?
Maria: Auch das passierte eher zufällig. Ich war immer sehr zufrieden in Norwegen. Jetzt bin ich hier und finde es natürlich auch cool, weil alles so gut läuft. Aber es zählte nicht zu meinen Zielen hier den Durchbruch zu schaffen. Ich setze meine Ziele nicht sehr hoch. Hauptsächlich will ich meine CDs in Norwegen veröffentlichen, alles andere sehe ich einfach als eine Art Bonus an. So macht es zusätzlich Spass!

hitparade.ch: Wenn Norwegen dein Hauptziel ist, warum singst du dann Englisch und nicht Norwegisch?
Maria: Weil Englisch meine Muttersprache ist und ich finde, dass es eine vielseitigere Sprache ist.

hitparade.ch: Aber würde es dich beispielsweise interessieren mit einem norwegischen Künstler ein Duett aufzunehmen?
Maria: Nur wenn ich die Melodie komponieren könnte und jemand anderes den Text übernehmen würde. Ein schlechter norwegischer Song ist etwa zehn Mal so schlimm wie ein mieser Song mit englischemText!

hitparade.ch: Ist es für die Leute nicht besser in Norwegisch, weil sie dann alles verstehen?
Maria: Nein. Norwegische Musik hat kein grosser Erfolg bei uns. Die Filme sind übrigens auch nicht synchronisiert. Englisch ist sehr beliebt bei uns!

hitparade.ch: Mit den Texten deines neuen Albums wolltest du deine Lebensgeschichte aufarbeiten. Es dir das Ergebnis so geworden wie du es dir vorgestellt hast?
Maria: Ja, ich bin sehr zufrieden.

hitparade.ch: Kann sich der Hörer auf irgendwelche Enthüllungen oder Geheimnisse gefasst machen?
Maria: Ja, kann er definitiv. Es ist das persönlichste Album, dass ihr je gehört habt! Darum möchte ich es auch nicht näher kommentieren. Die Kritiker wussten nicht recht, was damit anzufangen. Die Leute waren jedoch sehr neugierig und kaufen die CD.

hitparade.ch: Hat es auch in musikalischer Hinsicht Veränderungen zu den Vorgängeralben gegeben?
Maria: Ich denke, man sollte aufpassen, wenn man Veränderungen anspricht. Musiker, die das schon so lange machen, versuchen neue Dinge auf einigen Alben, dann machen sie wieder es so, wie man es von ihnen kennt. Es gibt einen Grund, warum ich das dieses Mal so geschrieben habe, aber es sagt nicht aus, wie das nächste Album rauskommt. Dieses Album ist vielleicht näher an meinem persönlichen Musikgeschmack. Ich bin eine Person, die die Texte in den Vordergrund stellt.
Gute Lyrics bedeuten mir viel, darum mag ich auch Interpreten wie Bob Dylan, Leonard Cohen oder Alanis Morrisette. Ich werde bestimmt noch viele weitere Songs schreiben, aber sie werden wahrscheinlich nicht mehr so traurig sein wie bei dieser CD. Ich musste dieses Mal einfach traurige Texte schreiben.

hitparade.ch: Aus wie vielen Liedern musstest du wählen für dieses Album?
Maria: Ich glaube es waren nur etwa drei Lieder mehr, als jetzt effektiv auf dem Album sind. Wenn ich schreibe, brauche ich Zeit für mich alleine. Und davon hatte ich nicht viel, weil ich in Deutschland noch am promoten war und gleich anschliessend wieder eine CD veröffentlichte.
Mein Management weiss jetzt, dass sie mir beim nächsten Mal mehr Zeit geben müssen. Ansonsten würde ich mich wohl umbringen, sagte ich ihnen. Vielleicht geben sie mir dann Zeit (lacht)!

hitparade.ch: Mittlerweile hast du vier Alben veröffentlicht. Hat sich bereits eine gewisse Routine bezüglich Konzerten, Aufnahmen, PR-Terminen etc. eingeschlichen oder ist die anfängliche Euphorie erhalten geblieben?
Maria: Eigentlich sind es schon 6 Alben, es gibt noch je eine spezielle USA und China Version. Inzwischen ist der Kontakt zu den Medien viel grösser als in den Anfängen. Ich finde eine neue CD aber immer noch total cool und es macht mich stolz. Für alles was solchen Spass macht, lohnt sich die strenge Arbeit.

hitparade.ch: Auf welche Länder konzentrieren sich derzeit hauptsächlich deine PR-Aktivitäten?
Maria: Immer die gleichen. Holland, Schweiz, Österreich, Deutschland, Spanien und Griechenland. Wobei ich die letzten beiden lieber mag, weil es dort so schön warm ist.

hitparade.ch: In der Schweiz sind verschiedene norwegische Interpreten bekannt. Zum Beispiel Lene Marlin, a-ha und Kurt Nilsen. Welche schweizer Musiker kennst du?
Maria: Ich sah bisher nur schreckliche! Nein, Mia Aegerter war gut. und ich kenne das Lied "Avalon" von Lene Marlin mit den Lovebugs. Aber wie gesagt, es gibt auch schlechte, wobei ich hier jetzt sicher keine Namen nennen werde. Aber bitte Gott, hab Erbarmen! Hilf diesen Leuten. Hilf mir in dem du ihnen hilfst. Bitte!! (lacht)

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du sie kommentieren?

10. The Pusscat Dolls - When I Grow Up
Maria: Ich mag den Song, er ist gut produziert. Aber leider nicht so erfolgreich, wie er eigentlich sein könnte. Dafür ist er zu kompliziert für die Hörer.

9. Lady Gaga feat. Colby O'Donis - Just Dance
Maria: Noch nie gehört. Ist eine Coverversion.

8. Söhne Mannheims - Das hat die Welt noch nicht gesehen
Maria: Das sind die mit dem schwarzen Rapper, oder? Ich mag sie, habe sogar einige ihrer CDs.

7. Rihanna - Disturbia
Maria: Noch nie gehört, aber das Ende des Video-Clips sah ich kürzlich auf MTV.

6. Coldplay - Viva la vida
Maria: Ein guter Song, aber es ist schwer zu verstehen über was sie eigentlich singen. "Vögel ... Im Himmel... Glocken die läuten... Ich habe die Welt regiert..." - nein, hast du nicht! Ich mochte das erste Album lieber.

5. Madcon - Beggin
Maria: Die sind aus Norwegen, ich liebe sie!

4. Amy Macdonald - This Is The life
Maria: Diesen Song mag ich. Irische Musik gefällt mir gut.

3. Kid Rock - All Summer Long
Maria: Den hass ich total, der sollte nicht in den Charts sein! Der Text ist schrecklich. "We where smoking funny things, we were doing funny things". Benutze nicht zwei Mal das gleiche Wort! Ok, das ist nicht das schlimmste am ganzen Lied, es langweilt mich halt einfach!

2. Gabriella Cilmi - Sweet About Me
Maria: Ich verstehe warum es ein Hit ist. Aber ihre Stimme finde ich total nervig, wenn ich ehrlich bin.

1. Katy Perry - I Kissed A Girl
Maria: Mag ich sehr, toller Pop-Song. Höre ich besonders gerne wenn ich jogge!
Interviewed by: Jim Kaufmann, Steffen Hung


Linktipps:
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Maria Mena in der norwegischen Hitparade
Offizielle deutsche Seite von Maria Mena
Offizielle Seite

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