INTERVIEW MIT THE NEWMEN









"The NewMen" sind Kerle, die Augenringe mit Stolz tragen und grosse Gefühle in schnelle Songs packen. The Clash haben sie nicht auf Wikipedia kennen gelernt und auf Johnny Cash standen sie schon, als dieser noch ein Pillen schluckender Hillbilly war. Lebenserfahrung halten sie nicht für den Namen eines Modelabels, und Rock’n Roll ist für sie weder Post-Techno-Hype noch Orientierungshilfe für Einzeller. Wenn sie rocken, schreien, tanzen, grätschen, heulen und schwitzen, hat dies mehr Sex-Appeal als Robbie Williams und die Chippendales zusammen, ist aber weniger keimfrei. Wir haben Sänger Rafaël Newman und Gitarrist Heinz Tobler zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Euer Sound hat die Mischung aus verschiedensten Einflüssen: Country, Rock, Punk… Wie beschreibt ihr das selber?
Heinz: Country-Punk-Rockabilly
Raf: Pure White Garage Trash, das trifft es umfassend.

hitparade.ch: Aus was für Leuten setzt sich die Band zusammen, woher kennt ihr euch?
Heinz: Wir sind eine fünfköpfige Band: 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang. Gemeinsam haben wir im Quartier ein Openair-Festival veranstaltet. Somit kannten wir uns nicht als Musiker sondern als Kollegen und Nachbarn. Ich habe dann jeweils immer mal was auf der Bühne gemacht bei diesem jährlichen Festival. Raf hatte mal als Gag Hank Williams gesungen. Weil es so lustig war, wollte ich mit diesem Typen unbedingt ein Projekt starten. So ging das dann weiter.
Raf: Heinz und ich trafen uns zuerst. Zuerst wollten wir abchecken, ob wir auch zusammen passen, und das war dann auch 100 % der Fall. Wir trafen uns dann an einem Ort, wo wir mit Akustik-Gitarren proben konnten. Dort haben wir Songs von Hank Williams, Ricky Nelson, George Jones und Elvis Presley gesungen. Mit einem anderen Kollegen, der Banjo und Kontrabass spielt und nicht bei uns in der Band ist, haben wir weitere Sachen ausprobiert, die Richtung Country gehen. Wir haben uns dann aber für eine andere Richtung entschieden und spielen seither Rock/Punk, der ein wenig countrymässig angehaucht ist. Mit 3 Typen, die wir schon gekannt haben, haben wir dann die Band gegründet.

hitparade.ch: Was für Musik hat denn euch beeinflusst?
Heinz: Ich bin einfach von guter Musik beeinflusst, und das ist ein riesiges Spektrum. Dadurch, dass ich sonst noch mit Film zu tun habe, hat Musik für mich auch viel mit Gefühlen zu tun. Wenn bei mir Gefühle ausgelöst werden, ist es gute Musik, und das kann in allen Bereichen sein. Wir selber geben einfach Gas, es ist auch ein Ventil für mich loszulegen und Druck abzulassen. Deshalb tönt unsere Musik so.
Raf: Gute Musik ist immer ein guter Einfluss. Ich höre verschiedene Arten von Musik, von Punk über Country über Opern zu Blues: Einfach alles was mich bewegt, mir Ideen gibt oder Gefühlszustände in mir weckt. Wir sind aber auch beide von der Literatur beeinflusst.

hitparade.ch: Die Szene, welche solche Sounds spielt und mischt, ist in letzter Zeit stark gewachsen, bekannteste Protagonisten sind "Slam & Howie" aus der Schweiz und "The Bosshoss", welche sich jedoch mehrheitlich darauf beschränken, Covers zu spielen. Was denkt, warum gerade diese Musik gerade solchen Aufwind hat?
Heinz: Ich denke, dass bei unserer Musik jeder Ton gespielt ist. Es fliesst auch viel Schweiss auf der Bühne, und es ist einfach authentisch. Die Leute sind von Anfang bis Ende an einem Konzert mit dabei, und begeben sich bei unserem Konzert auf eine Reise mit uns. Am Anfang haben wir noch als Prädikat geschrieben, dass bei uns keine Keyboards dabei sind. Das haben wir dann aber wieder rausgenommen, weil diverse Keyboarder über diese Aussage erzürnt waren. Aber wir wollten einfach damit sagen, dass wir keine Technik haben, wir haben Saiten und Röhrenamps. Ich glaube, dass viele Leute nach der ganzen Technoschlacht, Disco und den DJ's auf richtige Bands stehen, wo 5 oder 4 Leute Gas geben und die Luft vibrieren lassen.
Raf: Ich glaube, das erklärt auch den Erfolg der Rolling Stones - nicht dass ich uns jetzt mit Ihnen vergleichen möchte - aber sie sind immer noch sehr real, sie altern vor unseren Augen. Natürlich benutzen sie auch Technik und sind nicht abgeneigt, ab und zu den neusten Trend zu samplen. Auch spielen sie vielleicht nicht jede Note selbst. Aber sie sind reale Menschen, die auf der Bühne stehen. Das ist Ihr Image. Und so waren es auch The Clash für mich, respektive für uns gewesen. Leider waren sie viel kurzlebiger als die Stones, aber sie waren auch sehr authentisch und haben verschiedene Sachen ausprobiert, immer ausgehend vom Menschen, der die Musik hört.

hitparade.ch: Wie lange habt ihr an eurem Album gearbeitet, bis es nun in den Läden liegt?
Heniz: Wir haben es kürzlich ausgerechnet: Genau 6 Monate. Wir haben das jedoch nebenbei gemacht und proben einmal die Woche. Wir sind eine ambitionierte Amateurband. Im Mai gingen wir mit unseren Songs, die es schon gab, ins Studio und jetzt am 3. Oktober wurde es relased.

hitparade.ch: Das Album hat nicht die herkömmliche Form einer CD, sie sieht aus wie eine Vinyl-Single. Seid ihr denn Single-Freaks?
Heinz: Wir sind schon Single-Freaks. Wir hatten auch das Gefühl Cover Artwork ist was tolles, und je grösser die Fläche ist desto tollere Sachen kann man damit machen. Letztendlich fällt es auch auf. Man kann es auch aufstellen. Es wurde wirklich zum Objekt und das finden wir im Nachhinein super. Es gab zwar Stimmen die meinten das kann man dann nicht ins Plattenregal stellen und es ist problematisch. Aber das war uns letztendlich egal. Mir machen unser Ding und machen das, was uns gefällt.

hitparade.ch: Die erste Auflage ist auf 1000 Exemplare limitiert. Habt ihr das Gefühl, ich verkauft nicht mehr, oder wollt ihr euer Album besonders rar machen?
Heinz: Ich persönlich habe noch nicht soweit gedacht. Wenn die 1000 verkauft sind, bin ich recht zufrieden. Nachpressen kann man ja immer, das ist nicht so das Problem. Momentan sind wir schon wieder an neuen Songs, und ich denke es wird ein nächstes geben, wahrscheinlich mit den gleichen Abmessungen.

hitparade.ch: Eure Live-History beschränkt sich bis auf eine Ausnahme auf Zürcher Konzerte, wird sich dies nun ändern?
Raf: Ich organisiere unsere Kanada-Tour, die ist zwar etwas weiter entfernt aber sie kommt noch. Zuerst haben wir aber den Drang nach Osten. Michael will unbedingt nach Schaffhausen und St. Gallen.
Heinz: Wir sind ja nicht die einzigen die Musik machen und sind uns am umschauen. In Basel haben wir etwas am Laufen. Der Grund warum wir in Zürich spielten war, weil wir hier einige Leute kannten und es auch einfach war, so schnell eine 'CD-Realase-Party' an der Langstrasse zu machen und dann am nächsten Tag wieder den Job erledigen, oder die Kinder in die Schule schicken.

hitparade.ch: Auf was muss man sich gefasst machen, wenn es von der Bühne tönt "Hi - We're the Newmen"?
Raf: Es ist laut, schnell gespielt und geht ab.
Heinz: Es ist Rock n Roll. Es ist Party, Es wird es auch leisere Töne geben. Wir haben auch einige Balladen dabei.
Raf: Aber wir sind real auf der Bühne und einige von uns werden auch richtig schwitzen. Nicht alle 5. (lacht)

hitparade.ch: Ich denke kaum, dass eure 14 neuen Songs alleine eine ganze Show bestreiten, was kann man sonst noch hören?
Heinz: Wir haben natürlich ein Repertoire, das wesentlich grösser ist. Wir können locker 2 1/2 Stunden live spielen, wenn die Leute Lust auf mehr haben. An der Release-Party haben wir logischerweise einfach unser Album gespielt und noch 3 neue Songs. Aber die Songs sind da, kein Problem.

hitparade.ch: Wie sind eure weiteren Pläne für die Zukunft, habt ihr da Ambitionen, das professionell zu machen?
Heinz: Auf eine Art machen wir es schon professionell, zumindest von der Einstellung her. Wir machen es mit einer gewissen Ernsthaftigkeit, was den Sound anbelangt, und wollen gut tönen, indem wir versuchen ein guter Live-Act zu sein. Aber aus Sicherheit haben wir unsere Jobs noch nicht gekündigt. Nur voll auf Musik zu setzen wäre mir wohl zu langweilig. Im Moment ist mein Engagement in der Band fast mehr als 30%-40% und das ist ganz gut so, aber nur noch Rock n Roll zu machen wäre mir dann zuviel, das käme mir dann wie auf einer Einbahnstrasse vor. Die meisten von uns sind ja auch anderweitig noch kreativ tätig und man sich sonst noch austoben.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Könnt ihr sie kommentieren?

9. Jack White & Alicia Keys - Another Way To Die
Raf: Jack White ist cool.
Heinz: Wenn das Jack White von den White Stripes ist, finde ich das toll. Alicia Keys ist aus dem Soul. Wir finden das gut.

8. Lady Gaga feat. Colby O'Donis - Just Dance
Heinz: Lady Gaga ist ein guter Name.

7. Kid Rock - All Summer Long
Heinz: Das habe ich schon gehört, da finde ich das Original besser.

6. Coldplay - Viva la vida
Heinz: Finde ich live sehr gut, aber den bei diesem Song schlafe ich ein. Ich habe mal gehört, dass der Sänger von Coldplay Schlafprobleme hat, vielleicht hat er dagegen den Song geschrieben, denn bei dem Song schläft man grad ein (lacht).

5. Amy Macdonald - This Is The Life
Heinz: Die ist so Folk, finde ich okay.

4. Rihanna - Disturbia
Heinz: Das ist Barbie - getönt. Da haben wir den Zugang nicht mehr.
Raf: Meine Tochter schwärmt für Rihanna.

2. Katy Perry - I Kissed A Girl
Heinz: Das muss Lesbo-mässig sein. t.A.T.u. war ja auch mal auf der Lesbo-Schiene.

1. P!nk - So What
Heinz: Finden wir gut. Man kann sagen, dass die ersten zwei Plätze voll in Lesbenhand ist, wobei Platz 2 ein Fake ist.


Linktipps:
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Zum Musikvideo "Fixed My Television"
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