INTERVIEW MIT WIRE DAISIES



Eine weitere Neuentdeckung von der britischen Insel, genauer gesagt aus Wales, stellt sich an, um den gesamten Koninent zu erobern - die Wire Daisies. Wir nahmen uns einen Auftritt der Band in der Schweiz zum Anlass, zwei Mitglieder der fünfköpfigen Band zu interviewen.

hitparade.ch: Zuerst mal zu eurem Namen: Wire Daisies - eine "klingende" Band-Bezeichnung. Aber was bedeutet der Name und wie seid ihr darauf gekommen?
Treana: Es war ziemlich schwierig, bei fünf Bandmitgliedern zu einem Konsens hinsichtlich des Namens zu gelangen. Wir mussten uns ziemlich schnell entscheiden, zumal sich zu den Anfängen unseres Bandlebens alles sehr schnell entwickelte und wir uns aber noch nicht auf einen Namen geeinigt hatten, obwohl wir ja schon die ganze Zeit zusammenarbeiteten und gemeinsam auf einer Farm in Cornwall lebten. Einmal schnitt Alden, unser Lead-Gitarrist, seine Gitarrensaiten ab und legte sie auf den Tisch - irgendwie sahen sie dort dann aus wie "Gänseblümchen aus Draht".
Später einmal gingen wir nach St. Ives Pizza essen und auf jedem Tisch befanden sich unechte Gänseblümchen, deshalb sahen wir das als Zeichen und benannten folglich unsere Band danach.

hitparade.ch: Bei uns seid ihr bisher eher nur Insidern ein Begriff. Was kann also ein Schweizer, der die Wire Daisies noch nicht kennt, von euch erwarten?
Oli: Hmm, ich denke, das Ganze ist ziemlich schwierig, denn viele Leute glauben, dass es sich bei uns um ein Cranberries-esque handelt, ich denke aber, dass wir bloß eine Gruppe von Menschen sind, die Songs schreibt, bei denen den Lyrics große Bedeutung zukommen und diese werden mit englischer Pop-Rock-Musik und Folk-Einflüssen untermalt.

hitparade.ch: Eure Startvoraussetzungen waren perfekt: entdeckt vom Queen-Gitarristen Roger Taylor, Ol's Vater Jim Beach, bekannt als Queen-Manager, übernimmt auch das Management eurer Band, außerdem überschüttet euch die britische Presse mit Lobeshymnen.
Wie schätzt ihr selbst eure Situation ein - was ist euer größter Vorteil gegenüber anderen Bands?
Oli: Wir haben unsere Karriere schrittweise geplant und uns nicht Hals über Kopf in das ganze Musikgeschehen gestürzt. Wir waren zu Beginn bei einem Independent-Label unter Vertrag, danach haben wir unser Material online veröffentlich, daher war es fast natürlich, dass Radio und Presse früher oder später auf uns aufmerksam wurden.
Das bedeute also, dass der gesamte Prozess relativ fließend verlaufen ist, ohne plötzliche, unvorhergesehen Veränderungen. Ich denke, das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Bands, die mit der ersten Single einen Riesenhit in Europa landen und über Nacht enorm populär geworden sind. Bei uns war und ist es eher eine entspannte Reise bis zur Gegenwart.
Treana: Auch wenn unser Manager Jim natürlich ein erfahrener Mann im Musikbusiness ist, konnte auch er keine Wunder für uns bewirken. Nachdem uns EMI nicht unter Vertrag genommen hatte, unterzeichneten wir, wie bereits erwähnt, bei einem Independent-Label. Dieses war sehr klein, allerdings für uns ein Anfang, denn in weiterer Folge erhielten wir von EMI schließlich doch noch eine positive Antwort. Da war es natürlich ein Vorteil, Unterstützung von einem "Kaliber" wie Jim zu bekommen, allerdings mussten uns auch wir, wie sämtliche andere Bands auch, alles zuerst erarbeiten und unser Können erst unter Beweis stellen.

hitparade.ch: Ihr werdet mit Musik-Acts wie Cranberries, Coldplay, Alanis Morisette oder Massive Attack verglichen - allesamt sehr erfolgreiche, anerkannte und etablierte Größen.
Seht ihr die genannten Künstler als eure Vorbilder an?
Treana: Ich mag einige Songs von Coldplay, Cranberries und Massive Attack sehr gerne, allerdings würde ich nicht sagen, dass diese Künstler einen großen Einfluss auf uns hatten. Es ist natürlich toll, mit ihnen verglichen zu werden und wenn wir auch einmal so viele Platten verkaufen können, sind wir natürlich überglücklich.

hitparade.ch: Die in der vorherigen Frage genannten Vergleiche und Kritiken in Zeitungen wie beispielsweise im Guardian: "Es ist unbestritten, dass sie das Potential haben, eine der beliebtesten Bands des Landes zu werden" setzen die Messlatte sehr hoch an und bedeuten einen dementsprechenden Druck. Wie geht ihr damit um?
Treana: Ich denke nicht, dass wir momentan irgendeiner Art von Druck ausgesetzt sind. Die Aufnahmen zum Album verliefen in diesem Sinn, die Songs darauf sind ja bereits vor ein paar Jahren entstanden, also noch lange bevor wir in irgendeiner Weise öffentlich bekannt waren.
Wir sind ziemlich froh, wie sich alles für uns entwickelt hat. Unser Ziel ist es uns weiterzuentwickeln und dann zu sehen wir, wohin unser Weg in der Zukunft führen wird.
Oli: Ich stimme hier komplett zu. Das ist der Grund warum wir Musik machen, weil wir sie einfach lieben, es ist unser Job und quasi auch unser Leben, deshalb empfinden wir auch keinen Druck. Man kann es damit vergleichen, einem Kind beim Aufwachsen zuzusehen, nur, dass wir eben in diesem Kind drinstecken, was ja durchaus positiv ist.

hitparade.ch: Neben diverser Auftritte sowohl als Headliner als auch als Support-Act habt ihr auch schon bei etlichen Festivals, unter anderem auch beim Jazz-Festival in Montreux, performt.
Verbindet ihr mit Konzerten nur Spaß und Freude oder seht ihr sie auch ab und an als "lästige Pflicht" einer Band an?
Treana: Nein, ich denke nicht, dass sie eine "lästige Pflicht" sind. Vielmehr glaube ich, dass man alles genießen sollte was man tut. Wir sind nun bereits einige Wochen von zu Hause weg ohne dass es uns besonders stören würde. Und wenn du dich hinsetzt und an einem Song schreibst, ist das ein toller Prozess. Wenn du diesen Song aber live vor Publikum spielen darfst und ein positives Feedback von diesem bekommst, ist das ein wunderbares Gefühl - du kannst also die Früchte deiner Arbeit ernten. Man sieht also, wir genießen alles, was in unserm momentanen Leben vor sich geht. Das kann sich natürlich in ein paar Jahren alles ändern, allerdings bezweifle ich das.

hitparade.ch: Im Dezember seid ihr als Support-Act von Starsailor unterwegs, ebenfalls einer Band, die von Kritikern hoch gelobt wird. Was bedeutet es euch für eine Gruppe von diesem Format die Menge "anzuheizen"?
Oli: Starsailor sind eine wunderbare Gruppe. Sie sind total entspannt und nach wie vor auf dem Boden geblieben. Für uns ist es großartig, vor so einem großen Publikum, das von Starsailor "angelockt" wird, spielen zu dürfen. Es ist eine tolle Erfahrung für uns und wir führen uns privilegiert, ihre Konzerte eröffnen zu dürfen.
Treana: Außerdem mögen wir Ihre Musik sehr gerne, was natürlich ein großes Vorteil ist, zumal wir ja nun regelmäßig die Chance haben, sie live zu beobachten, das finden wir cool.
hitparade.ch: Habt ihr sie zuvor bereits gekannt?
Oli: Wir trafen sie auf dieser Tour, aber Starsailor sind eine Band deren Musik jeder in Großbritannien kennt. Persönlich kannten wir sie aber nicht. Sie sind live absolut spitze, haben eine enorme Bühnenpräsenz - sie sind wirklich eine tolle Band!

hitparade.ch: Bei einem Aufnahme-Session auf einem abgelegen Bauernhof entstanden Songs die drei Alben füllen würden. Wird das nicht auf dem Debut berücksichtigte Material noch veröffentlicht?
Oli: Wir nahmen ungefähr 30 Songs auf, die aber nicht alle wirklich gut waren. Aber es gefällt uns allen Songs zu schreiben und möchten natürlich auch in Zukunft ein weiteres Album aufnehmen. Wann das sein wird hängt von der Zeit, die uns zur Verfügung steht, ab und außerdem noch von unserer Kreativität, aber weiterhin Songs zu komponieren und diese in weiterer Folge aufzunehmen ist definitiv ein Traum von uns allen.

hitparade.ch: Warum habt ihr euer Erstlingswerk "Just Another Day" anfangs nur online veröffentlicht?
Treana: Eigentlich nur weil wir zu Beginn, und auch nach wie vor, bei einer Online-Plattenfirma unter Vertrag mit dem Namen "Transistor Project" unter Vertrag waren, wir sind also bei zwei Plattenfirmen gleichzeitig unter Vertrag. Transistor Project's Ziel war und ist es, über das Internet die Bekanntheit aufzubauen und auf diese Weise Fans zu gewinnen, wir waren die erste Band die bei ihnen unterzeichnete.

hitparade.ch: Wenn man sich die Lyrics euer Songs ansieht, fällt einem in etlichen Songs eine etwas melancholische Grundhaltung auf, die sich in dementsprechenden Zeilen wie "Someone took my dreams and made them dumb" oder "Just another day keeping me awake at night", "It's the truth that hurts" bestätigt.
Täuscht dieser Eindruck? Wo setzt ihr den inhaltlichen Schwerpunkt eurer Songs?
Treana: Man kann schon sagen, dass einige unserer Songs einen melancholischen Touch haben. "It's the truth that hurts" ist aber abgesehen von den Lyrics nicht wirklich traurig, denn es hat einen erfrischenden Up-Tempo-Beat.
Es ist allerdings leichter, einen traurigen Song zu schreiben, denn wenn du dich wirklich gut fühlst, möchtest du dich in keinem Fall hinsetzen und einen Song schreiben über alles was gerade gut läuft. Deshalb fallen auch viele unserer Lieder nachdenklicher aus, da wir einfach in nachdenklichen Situationen eher zu Gitarre und Bleistift greifen - trotzdem denke ich nicht, dass wir als Band in irgendeiner Form melancholisch sind.

hitparade.ch: Die Debut-Single "Everyman" hat sich zu einem großem Airplay-Hit entwickelt.
Treana: Na da siehst du's, das ist nicht traurig, das ist sogar toll!
Oli: Das ist sogar sensationell!
hitparade.ch: Wart ihr euch dem Potenzial des Songs bewusst oder kam der Erfolg überraschend?
Oli: Ich denke nicht, dass wir als Menschen Dinge dieser Art erwarten. Es ist eher ein Schock wenn jemand anruft und sagt: "Hey, es läuft wirklich gut!". Es ist zwar nach Plan verlaufen, wir nahmen den Song auf, veröffentlichten ihn und dann war es natürlich eine angenehme Überraschung, dass die Leute ihn gerne mochten. Aber trotzdem konnten wir das nicht erwarten!

hitparade.ch: Das Jahr 2005 neigt sich dem Ende zu - wie sieht eure Bilanz aus?
Treana: Enorm stressige Phasen wechselten sicht ständig mit ruhigeren Perioden ab, alles in allem war es ein ausgezeichnetes Jahr. Unsere Tour war eine große Erfahrung für uns alle, es war unsere erste Tour in einem Doppeldeckerbus durch Europa. Wir blicken also sehr positiv auf das Jahr 2005 zurück, hoffen aber natürlich gleichzeitig, dass 2006 noch besser verläuft. Wir haben aber definitiv Grund, uns auf das nächste Jahr freuen zu können!

hitparade.ch: Was sind eure Pläne für das kommende Jahr?
Treana: Es gibt schon einige Pläne, allerdings ändern sich diese fast jeden Tag, deshalb wollen wir noch vermeiden detailliert über die Zukunft zu sprechen. Aber egal wie sich das nächste Jahr entwickelt, es wird in jedem Fall aufregend!

hitparade.ch: Traditionell zum Schluss lege auch ich euch die aktuelle Top 10 der Schweizer Singles-Charts vor...

1. Madonna - Hung Up
Treana: Als ich den Track erstmals im Radio hörte, dachte ich: "Wow, das kann nur Madonna sein!" Sie hat einfach diesen ausgeprägten Sound, der sie von anderen unterscheidet, mit diesem tanzbaren Ohrwurm stellt sie das erneut unter Beweis.

2. Melanie C - First Day Of My Life
Treana: Wir kennen sie gut, da wir das Glück hatten sie einige Male zu treffen, außerdem waren wir ihr Support-Act in England. Alles Gute, Melanie! Beim "Energy Stars For Free"
am 22. Dezember treffen wir sie wieder.

3. Xavier Naidoo - Dieser Weg
Treana: Ich fürchte, das habe ich überhaupt noch nie gehört.

4. Pussycat Dolls feat. Busta Rhymes - Don't Cha
Treana: Guter Track!

5. Sugababes - Push The Button
Treana: Hatte einen enorm großen Erfolg in England.

6. Mattafix - Big City Life
Treana: Wirklich ein guter Song!

7. Crazy Frog - Popcorn
Treana: Kein Kommentar

8. Sarah Connor - Christmas In My Heart
Treana: Habe ich noch nie gehört, der Titel klingt aber nicht so schlecht.

9. Shakira - Don't Bother
Treana: Da kann ich nichts dazu sagen….
Oli: Das ist großartig, schau dir mal das Video an!

10. James Blunt - You're Beautiful
Treana: You're Beautiful ist sicherlich ein Riesen-Song! Wir sind letztes Jahr einmal mit James Blunt aufgetreten und wünschen ihm weiterhin viel Glück und Erfolg!


Linktipps:
Zum aktuellen Album "Just Another Day" mit Hörproben
Offizielle Website

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