INTERVIEW MIT ANNAKIN



Annakin alias Ann Kathrin Lüthi, die ehemalige Frontfrau der Schweizer Band Swandive, ist zurück mit ihrem zweiten Album "Torch Songs". Wir haben sie letzten Dezember zum Interview getroffen.

hitparade.ch: Du warst noch bis im Sommer am Konzerte geben und nun, etwas über ein Jahr nach dem Release deines Solo Debuts legst du bereits nach. Untypisch schnell, wie kam es dazu?
Annakin: Irgendwie hatte ich schon wieder so viele Ideen, schon seit einem Jahr war ich bereits am texten und komponieren. Eigentlich gibt es nichts Besseres, als wenn man direkt nach einer Tour wieder ins Studio kann. Die Stimme ist noch warm, man ist mit Leuten in Kontakt. Auch während den Konzerten kommt man auf neue Ideen, daher hat sich das jetzt so ergeben. Ausserdem ist es eine kleine Wiedergutmachung, da es beim letzten Mal fünf Jahre gedauert hat.

hitparade.ch: Wir haben das letzte Mal darüber gesprochen, dass Pool-Bekanntschaften nicht "für Grösseres" bestimmt seien und haben auf Jono Buchanan angesprochen, der damals dein Album produziert hat, so wie auch dieses Mal. Offenbar hat sich da ein gutes Team gefunden. War er schnell zu begeistern für ein neues Album mit Dir?
Annakin: Er hat sich gefreut. Es war nicht von Anfang an klar, dass er der Produzent sein wird, ich wollte mir das noch offen lassen. Aber irgendwann sagte ich mir, dass ich blöd wäre, es nicht mit ihm zu machen. Aufgrund der letzten Zusammenarbeit kennen wir einander so gut, dass man da auch darauf aufbauen kann. Es hat sich bewährt, vieles wurde einfacher. Wir haben von den selben Dingen gesprochen, einander aber auch noch mehr Freiraum gelassen. Ich habe viel mehr vorgegeben und auch mitgeredet als beim letzten Mal. Er hat sich viel eher getraut es mir zu sagen, wenn ich einmal total danebenlag. Es gab einige Songs, bei denen der Eine vom Anderen dachte "Jetzt spinnt sie" oder "jetzt versteht er aber überhaupt nicht was ich will", aber wir haben intensiv daran gearbeitet und beide haben viele Inputs gegeben, so dass es am Ende tolle Songs geworden sind. Daher bin ich sehr froh, habe ich mich wieder für ihn als Produzenten entschieden.

hitparade.ch: "Torch Songs" heisst dein neues Album. Was bedeutet dieser Titel?
Annakin: To torch for Someone heisst soviel wie: Jemandem nachschmachten, jemanden verehren. Daraus ist in den 50er und 60er Jahren eine ganze Bewegung entstanden, die sich von Marylin Monroe bis hin zu Eva Cassidy aufgetan hat. Es umschreibt die rebellischen Liebeslieder. Ich fand, dass dieser Begriff gut zu meinen Liedern passt und sie beschreibt. Ausserdem finde ich auch, dass es gut klingt. Ich stelle mir dabei immer vor, wie ich mit einer Fackel am Wegrand stehe und etwas vorbeizieht. Ich bin in einem Versteck und man kann mich nicht sehen, obwohl ich hell erleuchtet bin. Dies hat mich dazu bewogen, mein Album so zu taufen.

hitparade.ch: Zu hören ist einmal mehr sehr filigrane Musik mit einem starken Hang zum Triphop, diesmal erinnert es streckenweise auch an "Enya". Womit vergleichst du das Album, wenn du Jemandem erklären müsstest, wie deine Musik klingt?
Annakin: Hui, das ist eine gute Frage. Es ist auf jeden Fall meine Musik, ich kann irgendwie keine Schubladen finden. Elektronische Musik mit ganz viel organischen und urchigen Sounds, die auf der einen Seite Triphop-Elemente enthalten, auf der anderen Seite auch Rap- und Folkelemente und viel Gesang. Auch ist auf dieser CD viel mehr Düsterheit und Melancholie zu spüren als bei der ersten CD. Weiss nicht, ob das eine gute Beschreibung war. (lacht).

hitparade.ch: Musikalisch ist "Torch Songs" auch etwas breiter geworden, es hat nun auch zügigere Popsongs drauf, mancherorts elektrische Gitarren, ausserdem sind bei "Malfunction" Reggaeeinflüsse zu hören. Getraust du dich musikalisch etwas mehr als beim Debut?
Annakin: Ich denke ja. Wir hatten diesmal den Mut, Dinge auszuprobieren und auch Ideen, die ich sehr spannend fand, beispielsweise den Machring Drum bei gewissen Stücken, der sich durch den Song zieht, umzusetzen. Dies wollte ich mit elektronischen Sounds und meiner Stimme kombinieren und fand es dann sehr cool. Oder auch beispielsweise beim Drum-Bereich: Da wollte ich nicht, dass einfach einer kommt und Schlagzeug spielt, ich wollte gerne was Spezielles machen, mit Trommelwirbeln und solchen Sachen. Oder auch Adrian Weyermanns spezielle Gitarrensounds, die dem Ganzen so einen gewissen Bass-Boden verliehen haben und die Düsterheit noch mehr hervorbringt. Und auch die Bläser und Flügelhörner, Klarinetten und Flöten... man muss immer aufpassen, dass es nicht kitschig wird. Da haben wir wirklich versucht, eine Grenze aufzuheben.

hitparade.ch: Monsters heisst deine Single, auf dem Cover könnte man Dich als schwarzen Engel interpretieren. Ein gut gewähltes Sinnbild für diesen Song. Wieso hast du ausgerechnet den zur Single gemacht?
Annakin: Ich denke "Monster" ist eine typische Single. Der Song spiegelt mein Album sehr schön wider. Und wenn der Song im Refrain abgeht, dann knallt er. Ich finde ihn speziell, da diese Indianerchörli vorkommen in der Melodieführung, die immer wieder kehren. Für mich ist es bei einer Single wichtig, dass sie das Album gut widerspiegelt, andererseits aber trotzdem speziell bleibt. Ich bin nicht unbedingt eine Popsong-Schreiberin. Ich denke, ich kann Hits schreiben, aber eher mit Songs wie diesem. Und dies ist einfach ein guter Song.

hitparade.ch: Wovon handeln die Themen in deinen Songs, was hat dich beschäftigt, damit es zu diesen 12 Songs kam?
Annakin: Ich habe diese Songs Anfang Januar geschrieben und da gab es tatsächlich eine Geschichte, die mich sehr beschäftigt hat. Beim Song "Speed & Spine" geht es um einen Freund von mir, der in dieser Zeit fast bei einem Snowboardunfall ums Leben gekommen wäre. Dies konnte ich so auf jeden Fall verarbeiten. Es geht ihm wieder gut inzwischen und ich denke, dass ich diesen Song nicht hätte schreiben können, wäre er wirklich gestorben. Manchmal haben mich auch kleine zwischenmenschliche Dinge beschäftigt: Beispielsweise der Song "The Coast Is Clear" handelt davon, wenn man Jemandem etwas anvertraut, und das Gesagte kommt total falsch an. "The Coast Is Clear" heisst übersetzt "Die Luft ist rein" und ist eigentlich in diesem Zusammenhang eher ironisch gemeint. Und was noch? Der übliche Weltschmerz, den es haufenweise gibt. Ich schreibe keine politischen Songs. Massive Attack tun dies enorm gut, ich getraue mich da nicht so recht heran. Ich schreibe lieber Songs über meinen eigenen Mikrokosmos. Da kommen manchmal auch Wutelemente rein. Diese hört man vorallem beim Titelstück "Torch Song" sehr gut heraus. Dort merkt man so richtig, dass ich mit Etwas nicht zufrieden bin. Dies sind meine Themen: Sie drehen sich um Gefühle, Weltschmerz und Liebe, Melancholie...

hitparade.ch: In letzter Zeit taute die CH-Szene auf und es kam vermehrt zu Duetten und Featurings. Wen hättest Du gerne bei Dir mal mit auf der CD oder bei wem würdest du gerne mitsingen?
Annakin: Ich denke, ich habe es genau mit denjenigen, mit denen ich schon immer mal was machen wollte, auch gemacht: Matthias Kräutli und Adrian Weyermann. Auch mit Franz Treichler würde ich gerne mal was zusammen machen. Bei anderen Grössen wüsste ich jetzt nicht, wie realistisch die sind. Ideen hätte ich viele, beispielsweise würde mich eine Zusammenarbeit mit Damien Rice reizen. Der hat einfach eine unglaubliche Stimme. Ich mag auch den Sänger von Keane sehr. Auch Peter Heppner von Wolfsheim hat eine Stimme wie ein Gott. Man merkt also, ich tendiere eher zu Männerstimmen in Sachen Duett. Ein Frauenduett fände ich irgendwie unsexy.

hitparade.ch: Du bist kurz in die Charts eingestiegen mit dem letzten Album und konntest diverse Konzerte geben. Macht das irgendwie nervös, ensteht da ein gewisser Druck für das neue Album?
Annakin: Klar, ein gewisser Druck ist wirklich vorhanden. Aber ich finde, es ist das Allerwichtigste, dass ich mit meinem Produkt zufrieden bin. So kann mir auch nichts passieren. Aber ich möchte natürlich gerne einen Schritt weiter gehen, und bin vor dem Release natürlich sehr nervös. Man investiert viel Zeit, Geld und Herzblut. Ich glaube aber, es kommt gut. Ich habe so viele gute Leute um mich herum, es kann gar nicht schief laufen.

hitparade.ch: Du hast den Release auf Januar angesetzt. Habt ihr das strategisch und charttechnisch entschieden?
Annakin: Ich glaube wir waren einfach so im Zeitplan. Wir haben das bereits im Februar so besprochen und terminiert. Es hat einfach gut gepasst, und wenn in dieser Zeit gerade nicht so viel läuft, das die Aufmerksamkeit ablenkt, dann umso besser. Es ist einfach wichtig, dass man bereit ist, wenn die CD erscheint. Es wäre blöd gewesen, im Dezember noch was hinzustressen.

hitparade.ch: Wo kann man Dich wieder live erleben?
Annakin: Einige Daten sind bereits bekannt, wir hoffen aber noch auf Basel, Luzern, Aarau und Westschweiz und würden uns auch freuen, an Open Airs spielen zu können. Und im Herbst kommt sicher wieder was.

hitparade.ch: Was kann man erwarten live? Was hast du für eine Band dabei?
Annakin: Ja, eine tolle Band. Thomas Winkler am Keyboard, er ist ein alter Punk von "Krank" mit grossem musikalischem Background. Dann Ambrosius Huber, ein Cellist, der auch bei Thierry Lang in der Band ist. Matthias Kräutli ist an den Drums, mit ihm habe ich vier Songs auf dem Album gemeinsam komponiert und "My Eden" im Duett gesungen, und natürlich noch Adrian Weyermann, den ich gewinnen konnte für die Gitarre. Wenn man mit Freunden zusammen auf die Bühne kann, ist es einfach super. Die Stimmung und Harmonie passt dann einfach. Ich werde bei den Konzerten auch Visuals haben, da freue ich mich sehr drauf. Ich habe beim letzten Album ohne Visuals gearbeitet, aber nun fand ich, da meine Songs sehr bildreich sind, wäre es cool, dies auch live umzusetzen, jedenfalls dort wo es möglich ist. Es wäre schön, wieder Bilder im Hintergrund zu haben.

hitparade.ch: Bei unserem letzten Interview hast du davon geträumt, einen Remix des Songs "Storm"in London veröffentlichen zu können. Ist da was draus geworden?
Annakin: Ja, das ist gelaufen. Wir haben einen Remix von "Storm" auf der alten Website, den man downloaden kann. Der war auf einer Compilation, die in vielen Clubs in England gespielt wurde. Dies hatte Auswirkung auf die Besucherzahlen meiner Website und auch auf die CD-Verkäufe. Diesen Wunsch konnten wir also erfolgreich umsetzen, ich hoffe, es werden noch mehr solche Sachen auf mich zukommen.

hitparade.ch: Und dann wieder durch die Clubs und spielen und zum Jahreswechsel 2009/2010 sitzen wir wiederzusammen und reden über dein drittes Album?
Annakin: Ich hoffe wir treffen uns vielleicht auch aus einem anderen Grund. Vielleicht mache ich dann ja Musik für einen Film oder Werbespot oder so. Vielleicht gibt es auch spannende Zusammenarbeiten mit Künstlern. Ich denke, wir können das mal terminieren, mal schauen, was dann ist.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du sie kommentieren für uns?

10. Gölä - I ha di gärn
Ich finde es cool, dass er zurück ist. Ich habe bereits bei einem anderen Interview erwähnt, dass sich meiner Meinung nach seine Stimme verändert hat, sie wurde noch kratziger.

9. Grégoire - Toi + Moi
Annakin: Kenne ich leider nicht

8. Bligg - Rosalie
Annakin: Ihn finde ich super. Ich würde gern mal was mit ihm machen. Ich finde sein Cover mit dem Muni echt mutig, ich hatte früher immer so Angst vor diesen Tieren.

7. Jack White & Alicia Keys - Another Way To Die
Annakin: Einer der besseren Bond-Songs. Ich bin ein totaler White Stripes Fan und finde diese Kombination mit Alicia Keys eigentlich total gewagt. Cooler Song.

5. Beyoncé - If I Were A Boy
Annakin: Ich finde, diese Frau sieht hammer aus und hat eine tolle Stimme, aber irgendwie kommt von ihr nicht viel Innovatives. Dies ist meine Meinung zu ihr. Sie ist eine gute Sängerin, ich würde einfach gern mal was anderes von ihr hören.

4. Katy Perry - Hot N Cold
3. P!nk - So What
Annakin: Finde ich cool, das ist auch eine Frau, die wie P!nk mit "So What" ein bisschen auf Mieder und Sex macht. Ich bin aber eher P!nk-Fan. P!nk ist cool, sie hat was Rebellisches, das mir gefällt.

2. Britney Spears - Womanizer
Annakin: Ich finde es extrem cool, dass sie wieder da ist und es ihr inzwischen wieder besser geht. Ich hoffe, sie ist nicht unter der "Knute" des Plattenlabels und den Bad Guys des Musikbusiness. Den Song Womanizer finde ich ganz ok, der wird in den Clubs bestimmt rauf und runter gespielt.

1. Jodlerclub Wiesenberg & Francine Jordi - Das Feyr vo dr Sehnsucht
Annakin: Da bin ich ein bisschen enttäuscht, dass es in der Schweiz ein solcher Song an die Spitze schafft. Das hat bestimmt auch mit den grössten Schweizer Hits zu tun. Es ist ein schöner Song, aber nicht innovativ... Mir hat es besser gepasst, als Sophie Hunger noch auf Platz 1 gewesen ist... :)


Linktipps:
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Discographie von Annakin
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