INTERVIEW MIT CHRISTINA STÜRMER



Im deutschsprachigen ist es mit einer Ausnahme noch niemandem, der in einer Casting-Show im Rampenlicht stand, gelungen, sich dieses musikalische Etikett abzustreifen. Diese eine Ausnahme haben wir wieder einmal zum Interview getroffen. Nach dem letztjährigen Akustik-Album steht Christina Stürmer in diesen Tagen in den Startlöchern für ihr neues Studioalbum "In dieser Stadt".

hitparade.ch: Seit sechs Jahren bist du nun als Solokünstlerin bereits aktiv. Inwiefern hat sich der Mensch Christina Stürmer in dieser Zeit am meisten verändert?
Christina Stürmer: In dieser Zeit bin ich auf alle Fälle selbstbewusster geworden. Ich habe gelernt, auch mal "nein" zu sagen. Heute nehme ich mir die Freiheit, mitreden zu können, was auf mein Album kommt.

hitparade.ch: Und in welchem Bereich hat sich die Musikerin Christina Stürmer verändert?
Christina Stürmer: Die hat sehr viel dazugelernt. Stimmlich hat sich sehr viel getan, das merkt man. Insbesondere durch die Live-Tour habe ich sehr viel dazugelernt.

hitparade.ch: Inwiefern bist du mit deinem Team nach mittlerweile drei Studioalben routinierter geworden?
Christina Stürmer: Es gab grosse Unterschiede beim neuen Album. Mittlerweile übten wir die Songs im Proberaum ein, bevor wir sie im Studio aufnahmen. Früher sagte einfach der Produzent, wie er es sich vorstellte und so haben wir's gemacht. Wir sind mittlerweile ein eingespieltes Team, auch wenn meinem Produzenten im Studio natürlich gewissermassen die Rolle des Bandleaders zufällt. Er ist auch derjenige, der mit seiner grossen Erfahrung den Überblick behält.

hitparade.ch: Laut eurer Homepage fanden die Aufnahmesessions für das neue Album in Hamburg statt. Warum fiel die Wahl auf diese Stadt?
Christina Stürmer: Hamburg haben wir gewählt, da unser besagter Produzent Thorsten Brötzmann dort in der Nähe wohnt. Es war uns wichtig, dass die Aufnahmen nicht in Österreich stattfanden. Wenn man in Österreich aufnehmen würde, wäre man im "Alltag" drin und müsste während der Aufnahmen noch verschiedene Haushaltsarbeiten erledigen. In Hamburg mussten wir uns um nichts kümmern, sondern konnten uns gezielt auf die Produktion des Albums konzentrieren.

hitparade.ch: "In dieser Stadt" lautet der Titel des neuen Albums. Da drängt sich natürlich die Frage auf: in welcher Stadt?
Christina Stürmer: Es ist eigentlich keine Stadt gemeint. Der Titel des Albums heisst nur so, weil ein Song auf dem Album ebenso heisst. Im Song geht's um Aussenseiter. Das kann ein Punk sein, ein Homosexueller oder ein Streber in der Schule. Einen Song in diese Richtung wollte ich schon immer machen. Ich habe es aber bisher nicht hinbekommen. Bei diesem Album habe ich es endlich geschafft.

hitparade.ch: Wie läuft das Prozedere ab, wenn ein Stürmer-Song entsteht. Wie verläuft der Weg vom ersten Wort oder vom ersten Ton bis zum fertigen Song?
Christina Stürmer: Die Songs haben wir in Hamburg geschrieben. Wir haben eine Songreadersession gemacht und Gruppen gebildet. Thorsten und ich fuhren von Gruppe zu Gruppe. Ich habe dann jeweils eine Geschichte erzählt, also einen Schwank aus meinem Leben oder allgemein Dinge, die mich in den letzten Jahren bewegt und beschäftigt haben. Die Jungs aus der Band haben mir dann beim Text geholfen. Es war eine sehr produktive Zeit. Wir waren sechs Tage im Studio und dabei sind circa 15 Songs entstanden. Mindestens die Hälfte davon hat's jetzt auch aufs neue Album geschafft. Wir werden wohl auch in Zukunft in dieser Form weiter arbeiten.

hitparade.ch: Gibt es Inhalte, die dir beim neuen Album besonders wichtig waren?
Christina Stürmer: Klar gibt es einige Songs, die mir persönlich besonders am Herzen liegen. Bei "Bleib hier" finde ich sehr interessant, wie verschieden man diese Ballade sehen kann. Einige meinen, es sei ein Beziehungslied. Eigentlich hat es aber mit Beziehungen nichts am Hut. Ich finde es aber okay und faszinierend, dass jeder Musik und Text komplett unterschiedlich interpretieren kann.

hitparade.ch: Wenngleich es schwer ist, einen Hit vorherzusagen. Welcher Song hat eurer Meinung nach das grösste Hitpotenzial?
Christina Stürmer: Ich tu mich immer schwer damit. Was ist ein Hit und wer macht einen Hit? Hits werden letzten Endes von Radios gemacht. Ein Song wird erst dann ein Hit, wenn er von Radios gespielt wird. Für mich persönlich ist die Ballade "Bleib hier" am stärksten. Mit der ersten Single vom neuen Album bin ich auch sehr zufrieden. Man hätte so etwas von mir nicht erwartet und deshalb finde ich es spannend.

hitparade.ch: Du hast seit Deinem Erfolg bei Starmania Jahr für Jahr umfangreiche Produktionen veröffentlicht. Hat diese intensive Zeit des Produzierens bisher nie zu einem kreativen Overkill geführt? Oder anders gefragt: waren bei den vielen Produktionen manchmal auch Sachen dabei, die Du als "Auftragsarbeiten" bezeichnen würdest?
Christina Stürmer: Es war nie eine Auftragsarbeit dabei, im Gegenteil. Man kann auf Tour gehen und das macht fürchterlich viel Spass. Aber wenn du drei Jahre immer mit demselben Album unterwegs bist, wird das auch langweilig. Darum finde ich im Anschluss daran dann die Studioarbeit wieder sehr angenehm. Es ist ein äusserst kurzweiliges Wechselspiel.

hitparade.ch: Hast du nach der Unplugged-Geschichte letztes Jahr Lust auf weitere Experimente bekommen und Lust, bald etwas Besonderes auszuprobieren?
Christina Stürmer: Ich habe das Unplugged-Album gemacht, weil ich nicht wieder das selbe wie bei den letzten vier Alben machen wollte. Ein Unplugged-Album gehört irgendwie zu jedem Musiker dazu, finde ich. Es war sozusagen eine der Aufgaben, die ich bis zu meinem Tod erledigen musste. Es war mir wichtig, dass das Album anders klingt als das letzte. Die rockigen Songs sind viel gitarrenlastiger als beim letzten Album. In Österreich meinten ein paar, es sei ein bisschen zu hart, gerade auch die aktuelle Single. Ich finde aber, es ist zwar etwas anderes, aber es ist immer noch Christina Stürmer.
Zurück zur Frage: Mein Album ist noch nicht mal draussen und ich soll schon ans nächste denken? Jetzt kommt dann die Tour und ich hoffe, dass sich das Album gut verkauft, dass ich ein nächstes aufnehmen kann. Vielleicht mache ich mal ein österreichisches Duett. Meine Traumpartnerin dafür wäre Birgit Denk. Man kennt sie in der Schweiz und in Deutschland bisher kaum, was ich sehr schade finde, denn sie hat eine mörderische Stimme.

hitparade.ch: Wo siehst du dich in fünf Jahren?
Christina Stürmer: Ich plane immer in naher Zukunft. In fünf Jahren bin ich 31. Ich hoffe, dass ich dann noch immer Musik mache und nicht die Krise krieg, da ich dann über 30 bin.

hitparade.ch: Kommen wir zu dem Top 10 der Schweizer Hitparade. Kannst du diese kommentieren?

8. Katy Perry - Hot N Cold
Christina Stürmer: Ich habe mich am Anfang gefragt, ob Katy Perry überhaupt singen kann oder ob das einfach nur überproduziert ist. Ich habe sie aber dann bei der Echo-Verleihung in Deutschland gesehen und muss wirklich sagen: diese Dame kann singen.

6. Kelly Clarkson - My Life Would Suck Without You
Christina Stürmer: Sie ist eine der wenigen, die aus einer Castingshow kommt und es international richtig weit geschafft hat. Ihren Castingshow-Stempel hat sie auch bereits abgeschüttelt.

5. Mando Diao - Dance With Somebody
Christina Stürmer: Dieser Song zeigt mir, dass die Schweizer, die Deutschen und die Österreicher einen richtig guten Musikgeschmack haben. Mando Diao finde ich super genial.

2. Silbermond - Irgendwas bleibt
Christina Stürmer: Es wundert mir, dass sie nur auf Platz 2 sind. Silbermond ist für mich eine der besten deutschen Bands und aus den Charts nicht mehr wegzudenken. Sie haben zeitgleich wie ich gestartet. Es sind sozusagen Musikerkollegen. Und Songs auf deutsch, die so weit oben sind in den Charts, finde ich sowieso gut.


Linktipps:
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Discographie von Christina Stürmer
Offizielle Seite

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