INTERVIEW MIT SLIPKNOT





Slipknot sind schon seit längerem nicht mehr die böse und brutale Insiderband wie damals. Vor allem durch ihre zahlreichen Auftritte an großen Festivals haben sie sich auch einen Namen beim kommerzielleren Publikum gemacht. Wir haben Perkussionist und Berufsclown Shawn Crahan zum Interview getroffen und mit ihm über Aggressionen, Oasis, Arschlöcher in Amerika und das Schweizer Sackmesser gesprochen.

hitparade.ch: Soviel wir wissen habt ihr eure neuen Masken alle selbst designed. Warum hast du dich gerade für diese Clownmaske entschieden?
Shawn: Ich bin mehr oder weniger als Clown geboren. Die Maske zeigt sehr gut meine teilweise unheimliche und doch ironisch witzige Sicht auf das Leben. Ich hatte immer eine Maske die ein fettes Grinsen zeigte. Es geht mir hauptsächlich ums Grinsen bei meiner Maske. Es ist ein eigenartiges Gefühl wenn jemand dauernd am Grinsen ist. Ich mag den Gedanken eines, wenn auch gestellten Gesichts, dass immer lächelt, auch wenn manchmal nicht alles so rosig ist. Viele Leute haben ja sogar Angst vor Clowns, weil sie immer so übertrieben fröhlich und bunt sind. Ich liebe das!

hitparade.ch: Ist es nicht manchmal nervend immer diese Maske zu tragen. Ich kann mir vorstellen, dass man darunter sehr ins Schwitzen kommt, was nicht gerade angenehm ist live auf der Bühne?
Shawn: Weißt du, wir haben uns von Anfang an überlegt, etwas Spezielles mit dieser Band zu machen. Wir wollten eine starke Show bieten mit vielen Leuten und viel Action auf der Bühne. Wir wussten, wenn wir die Sache durchziehen, werden wir früher oder später erfolgreich sein. Ich habe immer versucht nicht daran zu denken, wie unangenehm die Maske gerade ist. Wenn ich das jedes Mal tun würde, wäre ich schon längstens ausgerastet *lacht*

hitparade.ch: Sind eure Songtexte eigentlich rein fiktiv oder ist da ein gewisser persönlicher Bezug da?
Shawn: Ich kann nicht allzu sehr ins Detail gehen, da ich die Texte ja nicht schreibe, sondern Corey und er macht seinen Job toll. Ich stehe zu 100% hinter unseren Texten, da sie repräsentieren zu was wir stehen und woran wir glauben. Wir sind alle weder stark religiös oder politisch festgelegt, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass wir alle einen sehr gesunden Menschenverstand haben und das subtile in der menschlichen Psyche faszinierend finden.

hitparade.ch: In euren Texten steckt ungemein viel Wut und Aggression. Was denkst du denn persönlich über unsere Gesellschaft?
Shawn: Unsere Gesellschaft ist ziemlich scheisse. Das Leben kann die Hölle sein und verzeiht nichts. Alles und jeder scheint so auswechselbar zu sein. Ich habe meinen Freunden oft gesagt, dass es für mich soviel einfacher wäre, wäre ich nie geboren, damit ich das nicht ertragen muss. Das Leben ist hart für alle von uns. Seit ich in dieser Band bin, habe ich einen Weg gefunden meinen Zorn durch Kunst loszuwerden. Man kann Wut und Zorn falsch rauslassen, andere physisch verletzten, sich verletzen oder es in sich hineinfressen und depressiv werden. Die Arbeit bei Slipknot hat mir sehr geholfen meinen Schmerz loszuwerden und jetzt nach gut 10 Jahren fühle ich mich schon fast geheilt. Ich bin sogar ein richtig spiritueller Mensch geworden.

hitparade.ch: Inwiefern kümmert es dich, wie eure Fans die Songs und vor allem eure Texte interpretieren?
Shawn: Sie wären erstmal nicht unsere Fans, würden sie unsere Texte nicht mögen. Mit unseren Songs sprechen wir eine ganze Generation von jungen Leuten an, welche von der allgemeinen Gesellschaft nicht verstanden oder gar akzeptiert werden. Wir lieben unsere Fans, denn wir wissen genau was sie fühlen und wir würden ihnen nie den Rücken zu kehren. Wir hatten und haben alle auch dieses Gefühl ein Außenseiter zu sein. Wir versuchen nicht den Fans irgendetwas vor zu lügen. Uns geht es manchmal genauso beschissen und das zeigen wir auch als ungeschminkte Wahrheit. Die meisten unserer Fans verstehen, was wir in unseren Texten sagen wollen und die Leute die es nicht tun?.... Komm lass sie uns gleich da drüben verbrennen *grinst* Es ist doch so, man kann immer davon ausgehen das dich 50 Prozent der Leute mögen und 50 Prozent dich eben hassen.

hitparade.ch: Ihr seid neun Leute in der Band. Wie ist das wenn ihr an neuen Songs oder an einem Album arbeitet? Hat da jeder was zu sagen?
Shawn: Das läuft meistens in verschiedenen Etappen ab. Natürlich entstehen zuerst die grundsätzlichen Sachen wie Texte um welche sich eben Corey Taylor kümmert, aber es ist erst dann ein vollendeter Slipknot Song wenn jeder von uns einen Teil dazu beigetragen hat. Wir alle haben verschiedene Gedanken und Gefühle, welche wir in unsere Musik einbringen. Bei Slipknot herrscht keine Diktatur oder so, jeder von uns hat auch beim kleinsten Detail Mitspracherecht.

hitparade.ch: Inwiefern kümmert ihr euch um Chartplatzierungen oder Verkaufszahlen?
Shawn: Überhaupt gar nicht! Haben wir nie und werden wir auch nie tun!

hitparade.ch: Wirklich nicht? Hattet ihr nie Druck von Seiten der Plattenfirma?
Shawn: Ach ich scheiss auf die! Ich mache Musik für unsere Fans. Solange die genauso Freude und Spaß an unseren Songs haben wie wir, bin ich glücklich. Mich kümmern die Charts nicht oder wie gut ein neues Video bei MTV ankommt. Wir lieben das was wir tun und geben immer unser Bestes.

hitparade.ch: Was ist der große Unterschied einer Slipknot Show hier in Europa und in den USA?
Shawn: Eigentlich ist es kein großer Unterschied. Meistens aber, können wir in Europa nicht unsere ganze Show zeigen weil das Equipment schlichtweg zu groß ist und es oft zu teuer ist um es jedes Mal einfliegend zu lassen.

hitparade.ch: Und wenn du das Publikum vergleichst?
Shawn: Das ist ganz klar überall unterschiedlich je nach kulturellem Hintergrund eben. Das schrägste für mich war es, als wir das erste Mal in Japan spielten. Die Japaner zeigten dir unglaublich viel Respekt. Immer nach dem Song schnellten sie auf, applaudierten und jubelten und sobald der nächste Song angespielt wurde waren sie wieder muxmäuschen still, damit wir uns konzentrieren konnten. Das war so ein komisches Gefühl. Das hat sich aber mittlerweile ein wenig geändert. Japan wird immer offener für westliche und lautere Musik. Europa mögen wir sehr! Europäer sind offen, haben oft Ahnung von Musik und setzen sich mit ihr auseinander um die Kunst dahinter zu verstehen. Die Amerikaner sind oft ziemlich verwöhnt und verdorben. Es gibt so viele eingebildete Arschlöcher in Amerika, die denken, nur weil sie amerikanischer Staatsbürger sind, sind sie etwas Besseres und haben es nicht nötig, ein bisschen mehr über sich und die Welt nachzudenken.

hitparade.ch: Viele Ausländer haben dieses Klischeedenken von der Schweiz. Du weißt schon; Berge, Kühe, Schokolade etc. Was hälst du denn von deinen Fans hier?
Shawn: *lacht* Ach ich halte generell nichts von Klischees. Wir haben schon viele Shows hier gespielt und es war immer richtig gut. Die Schweizer habe ich als sehr nettes und freundliches Volk kennen gelernt, zudem muss ich sagen, dass euer Land einfach wunderschön ist! Ich habe heute Morgen meine Frau angerufen und ihr vorgeschwärmt, wie wunderbar es hier ist und dass wir unbedingt mal in die Schweiz fahren sollten um Urlaub zu machen. Es ist so toll! Man hat schneebedeckte Berge einerseits, andererseits die schöne Natur im Flachland und die klaren Seen! Zudem finde ich das Schweizer Sackmesser genial, wenn wir bei Klischees bleiben wollen *grinst*. Corey, Chris und ich lassen uns jedes Mal tätowieren, wenn wir in einem neuen Land sind. Wir haben uns also alle schon eine kleine Schweizerflagge tätowieren lassen. Ich finde das cool, wenn ich daran denke, wenn ich mit 50 Jahren meine Tattoos ansehe und mir deutlich wird, wo ich schon überall war.

hitparade.ch: Wie verbringst du deine freie Zeit wenn du auf Tournee bist?
Shawn: Ich versuche immer so viel wie möglich vom Land zu sehen. Wir sind schon einen Tag früher in die Schweiz gereist. Gestern war ich spazieren und habe duzende Bilder gemacht. Ich liebe es auch verschiedene alte Kirchen zu besichtigen. Generell versuche ich in Europa so viele kulturelle Schätze wie möglich zu sehen. Ich habe einen Doktortitel in Musik, aber anstatt weiter zu studieren habe ich mich der Band gewidmet. Ich habe soviel gelernt dabei! Ich weiß Bescheid, wie man eine große Welttournee organisiert, weiß wie eine Bühne aufgebaut ist, weiß wie man den Sound für verschiedene Konzerte am besten abmischt, ich treffe verschiedenste nette Menschen aus der ganzen Welt, kann die wundervollsten Länder besuchen! Ich bin ein unglaublicher Glückspilz und schätze das alles sehr!

hitparade.ch: Sind Interviews für dich eine willkommene Abwechslung vom Tourstress oder nerven sie dich eher?
Shawn: Das kommt ganz darauf an. Ich mag es nicht, wenn ich kurz vor unserer Show noch Interviews geben muss. Eine Stunde vor dem Konzert bin ich eigentlich nicht sehr ansprechbar und versuche mich zu sammeln. Ich meine wir liefern eine Show, wir haben Masken und Outfits und versuchen das ganze gut rüber zu bringen. Es wäre wohl auch ganz anders, wenn ich so, wie ich jetzt bin, auf die Bühne ginge. Würden wir so langweiligen Mist wie Oasis machen, hätte ich wohl keine Probleme *grinst* Ich mag Interview eigentlich sehr. Manchmal ist es bloß mühsam, wenn ein Journalist sich nicht wirklich auskennt und diese Standartfragen stellt, die ich bestimmt schon zwei Millionen Mal gesagt habe. Aber selbst dann gebe ich Auskunft und versuche ihnen alles zu erklären. Euer Interview hat mir jedoch sehr viel Spaß gemacht! Danke hierfür!

hitparade.ch: Die Freude ist ganz unsererseits!


Linktipps:
Zum aktuellen Album "All Hope Is Gone"
Offizielle Seite

Australien Belgien Dänemark Deutschland Finnland Frankreich Italien Neuseeland Niederlande Norwegen Österreich Portugal Schweden Spanien Suisse Romande
deutsch
LOGIN
PASSWORT
Passwort vergessen?