INTERVIEW MIT MYA AUDREY



Die Zürcher Singer/Songwriterin Mya Audrey verbindet zeitloses Songwriting mit einer transparenten Produktion. Pop trifft mit einer selten gehörten Selbstverständlichkeit auf Jazz. Wir haben sie zu einem Interview getroffen.

hitparade.ch: Du hast vor 6 Jahren bereits einmal ein Album herausgebracht, damals als Mya N. Wieso wechselt man nach nur einer Platte und 6 Jahren den Namen für eine neue?
Mya: Wir hatten das Gefühl, dass sich die Musik in den laufenden Jahren weiterentwickelt hat, es ist poppiger geworden und seit gut einem Jahr arbeiten wir zusammen mit das Office. Daher dass der zweite Name Englisch ist, passt es einfach besser zu einem Songwriter.

hitparade.ch: Wie hat sich in den Jahren dein Stil verändert?
Mya: Ich habe mich weiterentwickelt und angefangen, Jazz und Pop zu trennen. Ich bin mehr in die Popmusik eingegangen, die aber trotzdem noch basierende Harmonien haben.

hitparade.ch: Deine Songs sind schwer vom Jazz geprägt, wie sind deine Wurzeln im Jazz, woher diese Einflüsse?
Mya: Ich habe als Kind schon viel Jazz gehört wie zum Beispiel Louis Armstrong und Earl Gardner, nicht zu vergessen Nat King Cole, der meine grosse Liebe der Musik war. Auch Pianisten wie Herbie Hancock haben mich inspiriert.

hitparade.ch: "Sudden Breeze" heisst dein Album genau wie auch der erste Song auf der Platte. Was gab den Ausschlag für diesen Albumtitel?
Mya: Den Ausschlag gegeben hat eigentlich der Song selber. Mit dem Song möchte ich sagen, dass man sich Momente im Alltag wieder bewusst machen soll, man soll nicht vom einem zum anderen Tag hetzen sondern sich einen Moment Ruhe gönnen und zu sich finden und das Kleine geniessen. Man soll diese kleinen Momente, die uns vielleicht gar nicht mehr so auffallen, realisieren und geniessen.

hitparade.ch: In deiner Bio steht, dass du lieber "helle" Songs magst, die nicht so schwermütig und melancholisch daherkommen, selber hast du aber auf dem Album relativ oft Songs, die selber etwas melancholisch daher kommen. Erkläre uns diesen Umstand.
Mya: Gemeint ist, dass ein Song nicht ins Düstere hineinfallen soll, es kann Trauer und Verarbeitung dabei sein, aber eine Verarbeitung die wieder ins Positive führt, " die positive Melancholie" *lacht*. Es muss immer wieder einen Weg ins Helle finden.

hitparade.ch: Es steht auch, dass du nicht viel von oberflächlichen Popsongs hältst, dass man die Tiefe in zeitgenössischen Pop-Songs nicht mehr findet. Denkst du denn, dass es zu viele solche oberflächlichen Geschichten gibt?
Mya: Es gibt sehr viele oberflächliche Popsongs, die viel an die Öffentlichkeit kommen und leider viel gute Popsongs, die unbekannt bleiben. Alles was wirklich in die Öffentlichkeit gepusht wird, ist schnell zugänglich und verständlich für alle, dadurch braucht es auch eine gewisse Oberflächlichkeit, ich möchte nicht sagen dass es unbedingt schlecht ist. Ich möchte mich aber da nicht platzieren, für mich ist es wichtig, eine gewisse Tiefe von Persönlichkeit und Natürlichkeit zu bewahren.

hitparade.ch: Du hast dein Album selber produziert. Was war der ausschlaggebende Punkt für diesen Weg?
Mya: Unabhängigkeit und eigene Visionen umzusetzen. Für mich selber zu lernen, was es braucht für dies und das, mich auch in diesem Punkt der eigenen Produktion weiter zu entwickeln, damit ich eingreifen kann. Ich möchte sagen können "So möchte ich den Song aufgenommen haben", " Dort möchte ich das Gitarren-Pad noch anders". Der Song soll wirklich genau dem entsprechen, wie ich ihn selber komponiere. Es ist mit sehr viel Arbeit, Aufwand und Investigationen verbunden, was oft ein schwieriger Weg ist. Man muss positiv bleiben und wissen wofür man es macht.

hitparade.ch: Wenn wir in deine Agenda schauen, spielst du hauptsächlich im Terrasse in Zürich und Des Arts in Basel, auch sonst eher in kleinen Locations. Wird sich dies noch ändern oder ist die kleine Bühne der Ort, wo du dich am wohlsten fühlst?
Mya: Ich glaube eine kleine Bühne ist sehr wichtig, um sich als Musikerin zu entwickeln und was aufzubauen. Es ist wichtig, Erfahrungen zu sammeln um später dem grösseren Publikum was zu präsentieren. Grosse Bühnen sind toll um an ein grosses Publikum ranzukommen, ist aber von heute auf morgen nicht möglich. Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich später auf eine grosse Bühne möchte, aber bei den kleinen Bühnen kannst du den Künstler persönlicher erleben, so wie er ist.

hitparade.ch: Auf welchen Bühnen möchtest du gerne bald mal stehen?
Mya: Ich wage mich nicht an solche Sachen zu denken, aber es wäre sicher cool mal im Volkshaus oder im Kaufleuten aufzutreten.

hitparade.ch: Wir haben gelesen, dass du bislang hauptsächlich Covers gesungen hast. Stellst du nun dein Repertoire um, dass deine Songs mehr im Mittelpunkt stehen?
Mya: Ich spiele oft in Bars, und man soll auch Songs spielen, die die Leute kennen, sie reagieren schneller. Kunst ist, dass du deine eigenen Werke einfliessen lässt, und es kommt öfters vor, dass die Leute dich dann auch darüber fragen. Auch in einem Cover Song kann man den Künstler schon erkennen, so wie man es auf die eigene Art macht.

hitparade.ch: Du bist in verschiedenen Formationen unterwegs, von solo bis zum Quartett. Hält es das Musik achen zusätzlich spannend, auf verschiedene Konstellationen zurückgreifen zu können?
Mya: Auf jeden Fall, es ist zwar mehr Arbeit, aber es ist toll wenn man sieht wie der Song funktioniert. Manchmal wirkt der Song anders wenn man es solo singt als im Quartett, da bekommt er eine ganz andere Farbe. Trotzdem ist es wichtig, dass das Songkonzept stimmt, auch wenn man alleine spielt.

hitparade.ch: Momentan haben Singer/Songwriterinnen Hochkonjunktur in der Schweiz, wie zum Beispiel Heidi Happy, Lea Lu, Lesley Meguid oder Sophie Hunger. Steht man sich da nicht gegenseitig auf die Füsse?
Mya: Ich sehe das nicht so. Ich mache schon ein Leben lang Musik. Ich möchte es nicht als Modeerscheinung spüren, ich schreibe Songs weil ich das möchte, das ist meine Art von Kommunikation als Künstlerin. Jeder hat seinen eigenen Stil, jeder kommt mit anderen Vorgeschichten, von daher denke ich nicht, dass man sich gegenseitig auf die Füsse steht.

hitparade.ch: Am 9. April erscheint deine neue CD, wie sieht die Zukunft aus? Wird es wieder 6 Jahre bis zur nächsten CD gehen?
Mya: *lacht* Nein das wird es garantiert nicht. Man muss sich Zeit nehmen, dass etwas entsteht und selber zu sich finden. Bei Mya N war ich noch nicht da, wo ich mich wirklich platzieren wollte. Das Album wurde im Gegensatz zu diesem nicht selber produziert und war schlussendlich nicht das, was ich wirklich wollte. Für den damaligen Zeitpunkt war es das, was ich erreichen konnte. Das nächste Album sollte in etwa 2-3 Jahren rauskommen.

hitparade.ch: Kommen wir zur Top 10 der Schweizer Album-Hitparade. Wozu kannst du was sagen?

10. The Black Eyes Peas - The E.N.D.
Mya: Sehr professionelle Band, super abgestimmt, sicher sehr den Nerv der Zeit getroffen mit den verschiedenen Charaktern der Band. Ich kenne das Album jedoch nicht. Professionell, aber nicht ganz meine Schiene.

9. Lunik - Small Lights In The Dark
Mya: Jael ist eine sehr sympathische Sängerin. Ich kenne eher die älteren Songs. Die Band gefällt mir gut, und wenn sie so weiter machen kommen sie noch grösser raus.

8. Sade - Soldier Of Love
Mya: Ein Name, der uns alle beeinflusst hat. Sehr coole Sängerin. Leider habe ich das Album nicht, würde ich aber kaufen.

7. Lady Gaga - The Fame
Mya: Auch wieder den Nerv der Zeit getroffen. Soviel ich weiss, hat sie schon als Songwriterin vorher gearbeitet. Sie ist aber der Beweis, dass man mit einem grossen Image sehr viel erreichen kann. Ein paar Songs gefallen mir und ein paar nicht. Ich denke sie hat sehr viele Sachen in ihren Texten versteckt.

6. Scorpions - Sting In The Tail
Mya: Kenne ich eher als Name aus meiner Teeniezeit. Nicht mehr unserer Zeit entsprechend, jedoch immer wieder cool zwischendrin.

5. Gorillaz - Plastic Beach
Mya: Kenne ich nur ein bisschen. Finde ich okay, würde ich aber nicht kaufen.

1. Amy Macdonald - A Curious Thing
Mya: Finde ich cool, bin natürlich auch ein Fan.


Linktipps:
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